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01.02.2019

17 nützliche Tools für FOH-Techniker

Dinge, die im FOH-Koffer auf keinen Fall fehlen dürfen

Kleine Helfer & beliebte Werkzeuge für den Toningenieur

Nicht selten im Hintergrund agierend und doch entscheidend für den Erfolg eines Live-Konzertes: Das sind wir, die Front-of-House-Mischer. Oder kurz: die „FoHler“ (spricht sich „Ef Oh Ha ler“). Ob wir nun als Haustechniker im Club arbeiten oder mit einer Band auf Tour sind, in technischen Belangen sind wir der erste Ansprechpartner und müssen für jedes Problem eine schnelle Lösung präsentieren – oder das entsprechende Problem gar nicht erst entstehen lassen! Dazu sammeln sich im Laufe der Zeit ein paar Dinge im Koffer des FoHlers an, die schon mal eine Show retten können!

1. Taschenlampe

Von allen Tools aus dem Koffer brauche ich die Taschenlampe gefühlt am meisten. Clubs sind dunkel, Bühnen sind es auch und wenn Licht leuchtet, dann meist nur, um zu blenden. Die Taschenlampe ist unverzichtbar auf der Suche nach dem DI-Ausgang am Bass-Verstärker, nach dem Lautsprecher hinter der Frontbespannung oder der Kopfhörerbuchse am Mischpult. Ob ihr dazu eine Stirnlampe oder eine Handtaschenlampe benutzt (oder beides dabei habt), ist Geschmackssache. Hauptsache es macht hell. Eine zu helle und leistungsstarke Taschenlampe muss es dabei nicht sein, sonst brauchen unsere Augen zu lange, um sich wieder an das Schummerlicht zu gewöhnen. Selbstverständlich gehört zu jeder Taschenlampe ein Satz Ersatz-Akkus oder passende Batterien!  

2. Markierungsbänder, Zumbelband und Beschriftungsband

Markierungsband gibt es in vielen neobunten Farben und ihr braucht es zum Markieren von Standorten und Positionen auf dem Bühnenboden. Bevor die Supportband die Bühne entert, solltet ihr die Position von Monitoren, Pedal-Boards, Keyboardständer und andere wichtige Dinge markieren. Das erleichtert den Umbau auf die Hauptband später ungemein. Das professionelle Bühnen-Markierungsband hat gegenüber dem einfachen Isolierband den Vorteil, etwas stärker zu haften. Es hat einen leicht fluoreszierenden Effekt und lässt sich wieder rückstandslos abziehen.

Zumbelband ist farbiges Isolierband, das es im Vielfarben-Pack im Baumarkt gibt. Auch hier rate ich zum Original, dem namensgebenden Isolierband von Tesa. Neben seiner ursprünglichen Bestimmung (dem Isolieren von Leitungen), eignet sich das Zumbelband hervorragend zum Markieren eurer Habseligkeiten. Und ihr wollt den Club ja wieder mit allen siebzehn Sachen verlassen.

Ein weißes Beschriftungsband fürs Mischpult darf auch nicht fehlen! Selbst in Zeiten von Digitalpulten mit OLED-Anzeigen ist ein Pult auf die „analoge“ Art schneller beschriftet!

3. Gaffa-Band und WD40

Es gibt den schönen Spruch und Veranstaltungstechnikern: „Ist es fest und sollte lose sein: WD40. Ist es lose und sollte fest sein: Gaffa-Band.“ Beides muss also in den Koffer!   Vor allem Gaffa-Band ist unverzichtbar! Die Einsatzzwecke sind unendlich und ich verspreche euch, die Musiker, die ihr betreut, finden Einsatzzwecke, auf die ihr nie im Leben gekommen wärt.

Bei Gaffa-Band solltet ihr in jedem Fall in das teurere Markenband investieren, nur das kriegt ihr rückstandlos wieder ab! Ich hab schon erlebt, wie eine Video-Crew in sehr mühsamer Schweißarbeit das ölige Billig-Gaffa vom denkmalgeschützten Steinplattenboden aus dem 18. Jahrhundert gekratzt hat – mit einem wenig amüsiert dreinschauenden Museumswächter an ihrer Seite. Und weil das gute Gaffa-Band nicht billig ist, solltet ihr es nie aus den Augen lassen! Es ist auch erlaubt, dem Keyboarder deutlich klar zu machen, dass er gerade Gaffa im Wert von 4 Euro dazu benutzt hat, sein Sustain-Pedal für alle Ewigkeit zu fixieren.

Tatsächlich brauche ich WD40 seltener bis nie, aber eine kleine Dose ist dennoch dabei, man weiß ja nie, wann doch mal eine Schraube klemmt.

4. Kabeltester

Eine unschöne Situation: Die Aussteuerungsanzeige am Pult bleibt still, ihr kriegt kein Signal von der Bühne. Auch wenn es sehr viele mögliche Verursacher gibt: Am wahrscheinlichsten ist ein defektes Kabel (vorausgesetzt, ihr habt gewissenhaft gepatcht). Der Live-Betrieb, das ist Hardcore-Einsatz für Kabel und früher oder später streichen die Strippen die Fahne. Mit einem Kabeltester ist das defekte Kabel schnell identifiziert und das kaputte Kabel wird (zum Beispiel mit Zumbelband) markiert und zu Hause repariert.

5. Multitool

Einen Werkzeugkasten brauchen wir nicht, ein Multitool mit Zange, Messer, Schraubendreher und Innensechskant erlaubt uns, die meisten Reparaturen von losen Schrauben an Mikroständern oder Drumkits.

6. Kopfhörer mit Verlängerung

Ein geschlossener Kopfhörer gehört zur Grundausstattung des FoHlers. Dazu packe ich immer eine Kopfhörerverlängerung mit ein, nicht immer sind die Kopfhörerausgänge am Mischpult an einer praktikablen Stelle angebracht. Aus demselben Grund solltet ihr tunlichst auf gesteckte „Miniklinke auf große Klinke“ Adapter verzichten und die schraubbare Variante wählen. Wer einmal seinen Steck-Adapter aus der Buchse eines Soundcraft-Pultes herauspulen musste, weiß wovon ich rede.Ich hatte irgendwann die Faxen dicke und hab mir eine Kopfhörerverlängerung mit 6,3-Millimeter-Stereoklinke auf 3,5-Millimeter-Miniklinkenbuchse gelötet. Seitdem hat die Adapter-Problematik ein Ende.

7. Adapter-Set

Sogenannte Gender-Changer, also Adapter, mit denen sich das „Geschlecht“ eines XLR-Stecker umdrehen lässt, gehören in jeden FoH-Koffer. Mit ihnen kann man zum Beispiel einen Kanal eines analogen Multicores als Rückweg vom Pult auf die Bühne nutzen. Wichtig sind auch symmetrische XLR male und female auf Stereo-Klinkenkabel, falls zum Beispiel das Pult für die Monitorwege nur Stereo-Klinkenbuchsen besitzt. Ein paar kurze XLR-Patchkabel schaden nie und ein Stereo-Miniklinkenkabel auf zweimal Monoklinke braucht man immer zum Anschließen eines Smartphones oder Tablets.   Wer öfter DJs betreut, sollte zudem „Cinch auf XLR- oder Klinkenadapter dabei haben, diese aber als kurzes Kabel ausgeführt. Sind Consumer Cinch-Buchsen zu eng verbaut, passen die dicken Adapterstecker nicht.

8. Gehörschutz

Ganz, ganz wichtiges Ding für den Koffer und immer das Erste, was ich einpacke! Wer vorhat, den Job als FoHler länger auszuüben, der hat für die Zeiten vor und nach der Show einen Gehörschutz im Koffer. Im Idealfall die Profi-Version, also angepasst an den Gehörgang und mit austauschbaren Filtern. Von Elacin gibt es einen Filtereinsatz, der bei 9 dB Dämpfung fast linear arbeitet. Damit lässt sich zur Not mal eine Show mischen, wenn es unerträglich laut von der Bühne scheppert. Für richtig laute Konzerte oder wenn ich selbst auf der Bühne stehe, habe ich einen 15-dB-Filtereinsatz in der Tasche.

9.USB-Stick zum Session-Speichern

Die Chancen, dass ihr im Laufe eurer Laufbahn immer mal wieder auf die drei, vier gleichen Mischpultfabrikate trefft, ist groß. Wer dann für die Band eine passende Pult-Show auf dem USB-Stick hat, spart sich viel Zeit beim Einrichten der Kanäle. Da einige Pulte das Abspielen von MP3s über den USB-Anschluss erlauben, könnt ihr noch ein bisschen Einlassmusik mit auf den Stick packen. Und wenn ihr mit eurem eignen Pult unterwegs seid, schadet ein Backup der Pultsoftware sicherlich nicht.

10. Tablet mit Steuerungs-App und WLan-Router

Die Möglichkeit, ein Digitalpult über ein Drahtlosnetzwerk zu steuern, ist eine praktische Sache, da der FoH-Platz in den seltensten Fällen dort ist, wo ihr ihn euch gewünscht hättet. Mit dem Tablet kann man sich im Raum bewegen, Monitore auf der Bühne einpfeifen und während des Konzert auch mal einen kurzen Kontrollgang machen. Neben der Remote-Funktion nutze ich solche Apps gern als externe Meterbridge, da viele kleine Digitalpulte nur das angewählte Signal auf dem Meter anzeigen.

11. SPL-Meter, Audio-Analyzer

Leider habt ihr nicht immer freie Hand, was die Lautstärke einer Veranstaltung angeht. Öfter, als es uns lieb ist, müssen wir uns an eine Lautstärkenvorgabe halten. Ein SPL-Meter ist hierfür ein Muss. Inzwischen gibt es Apps für das Smartphone, die ausreichend genau funktionieren. Noch besser ist ein richtiger Audio-Analyzer, wie der „NTI AL1“. Der tut auch beim Einrichten der Anlage gute Dienste. Und die Premium-Lösung ist ein Mess-Software wie „Smaart“ plus Laptop und Audiointerface. Für eine einfache Lautstärkenkontrolle nutze ich die günstige und ausreichend genaue „Noise Immission Analyzer“ App von WaveScape Technologies.

12. Y-Split-Kabel für Lead-Vocals

Mit dem Y-Split-Kabel patchen wir uns einen sogenannten Vocal-Split: Das Signal des Vocal-Mikrofons wird so auf zwei Kanäle am Mischpult geschickt, einmal für die Front-Beschallung und einen zweiten Kanal für den Monitor des Sängers. So könnt ihr den Sound für die Saalbeschallung und den Monitor-Sound komplett getrennt bearbeiten. Man kann diesen Split auch intern im Digitalpult realisieren, aber nicht jedes Pult lässt dann eine getrennte Gain-Regelung der beiden Kanäle zu.

13. Desinfektionsmittel für Mikrofonkörbe

Wer länger auf Tour ist und generell vermeiden möchte, dass die Band kollektiv krank wird, sollte die Mikrokörbe jeden Abend mit einem Desinfektions-Spray oder Tüchern putzen. Das entfernt nebenbei noch andere unangenehme Rückstände und Gerüche. Mit Desinfektionstüchern könnt ihr nach dem Abbau zudem die Hände säubern und dann mit gutem Gefühl in die Backstage-Chips greifen.

14. Zwei 9V-Blöcke, Packung AA- und AAA-Batterien

Eigentlich sollte das in der Verantwortung des Musikers liegen, aber wenn ihr im richtigen Moment den verzweifelt gesuchten 9V-Block für das mega-wahnsinnig-wichtige Verzerrerpedal aus dem Koffer zieht, schafft ihr euch Freunde fürs Leben. Und damit wir auf der sicheren Seite sind, packen wir noch ein paar AA- und AAA-Batterien dazu, man weiß ja nie, auf welche Idee die Musiker kommen.

15. Satz Amp-Sicherungen

Ein Satz Sicherungen für die gängigen Amps gehört ebenfalls zu den Dingen, die man selten braucht, die aber eine komplette Veranstaltung retten können. Da sie klein und billig sind, schadet es nicht, ein paar im Koffer zu verstecken. Auch hier gilt: Im richtigen Moment aus dem Hut gezogen sind sie Legenden-bildend. Typische Sicherungen sind träge 250mA-, 1A- und 2A-Feinsicherungen

16. Band-Rider, Patch-Plan, Papier und Stift

„Wer seid ihr, was spielt ihr eigentlich?“ sind keine guten Eröffnungsfragen beim Empfang der Band. Besorgt euch rechtzeitig den Band-Rider und klärt wichtige Details im Vorfeld ab.   Man bekommt zwar immer den Rider vom letzten Jahr geschickt und etwa 50 Prozent der Spuren fallen sicher weg (dafür kommen jede Menge neue dazu), aber man kann sich zumindest einen Eindruck verschaffen, was auf einen zukommt. Da sich immer noch was ändert, verzichte ich darauf, vorab Patch- oder Belegungspläne zu schreiben, die werden vor Ort erstellt. Dazu habe ich ein paar Vordrucke, Papier und Stift im Koffer.  

17. Einfaches Lötwerkzeug

Für einfache Kabelreparaturen genügt uns einfachstes Lötequipment. Einen Handlötkolben, ein bisschen Elektronik-Lötzinn und einen kleinen Lötschwamm kriegt ihr sicherlich noch unter. Der Lötkolben gehört auch in die Kategorie: Braucht man nicht oft, aber wenn, dann könnt ihr zum Helden werden.

Veröffentlicht am 01.02.2019

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