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04.12.2017

Abletons versteckte Features: Effekte erweitern

Workshop Ableton Live

In diesem Ableton Workshop möchte ich mich mit dem Schwerpunkt „Effekte“ beschäftigen. Ihr erfahrt, wie ihr das Standard-Delay von Ableton zu einem Tape-Delay umbaut oder aus euren Effekten mittels Oversampling eine höhere Klangqualität herausholt. Wo ihr diese Funktionen genau findet, welche weiteren Klangmöglichkeiten sich dadurch auftun und wie diese klingen, verrate ich in den nächsten Zeilen. Ich möchte zuvor noch darauf hinweisen, dass ihr bei nahezu allen hier vorgestellten Features beachten solltet, dass durch die Aktivierung der unterschiedlichen Optionen eure CPU ggf. etwas stärker in Anspruch genommen werden könnte.

EQ Eight & Glue Compressor

Wenn ihr das Dropdown-Menu auf der Titelzeile des „EQ Eights" öffnet, steht euch die Funktion „Oversampling“ zur Verfügung. Sie bietet die Möglichkeit, mit einer doppelten Samplingrate innerhalb des Plug-ins zu arbeiten, wodurch die Filterkurven bei Signalen mit hohen Frequenzanteilen symmetrischer verlaufen. Genauso verhält es sich auch bei Abletons „Glue Kompressor“. Das Aktivieren im Kontextmenü bringt mit sich, dass die Bearbeitung intern mit einer doppelten Samplingrate erfolgt, euch also eine bessere Soundqualität bereitsteht. Die Funktion reduziert Artefakte und ist besonders für hohe Frequenzen geeignet. So werden harsch klingende Transienten minimiert und Alias-Effekte ausgebügelt. Der Hersteller weist aber auch darauf hin, dass zu beachten ist, „dass bei eingeschaltetem Oversampling vereinzelt sehr laute Pegelspitzen über 0 dB auftreten können, selbst wenn Soft Clip aktiviert ist“. (Quelle: Ableton Live 9 - User Manual German)

High Quality Modi für Flanger, Chorus, Dynamic Tube und Saturator

Sämtliche Effekte in Ableton sind mit dem „High Quality Schalter“ bzw. der „Crisp Funktion“ im Kontextmenü des jeweiligen Plug-ins ausgestattet. Eine Aktivierung ist gegebenenfalls erst einmal überflüssig, da ihr vielleicht selbst schon festgestellt habt, dass diese Funktion in den meisten Anwendungen bereits standardmäßig eingeschaltet ist. Die Aktivierung verbessert den Klang, insbesondere von höheren Frequenzen, beansprucht aber Rechner-Performance. Wenn ihr eine Vintage- oder Lo-Fi-Ästhetik bevorzugt, kann es aber möglicherweise interessant sein, dieses Feature zu deaktivieren. Meine Empfehlung wäre es, je nach Ausgangsmaterial, klanglicher Vorstellungen und Instrumenten-Kontext, insbesondere während des Mixing-Prozesses, zu prüfen, welche der unterschiedlichen Modi besser für das Gesamtergebnis geeignet sind.

Repitch, Fade und Jump in Abletons Delays

In Abletons Simple Delay, Ping Pong Delay und im Filter Delay könnt ihr durch verschiedene verstecke Modi auch sogenannte „Tape-Delay-Effekte“ erzeugen. Was viele nicht wissen: In den Kontextmenüs der jeweiligen Delay-Plug-ins lassen sich verschiedene „Delay Transition Modi“ wählen. Auf diese Weise beeinflusst ihr beim verzögerten Signal die Klangeigenschaften. Sobald ihr die Delay-Zeit ändert, während das Plug-in noch Signale verarbeitet, entstehen je nach Modus unterschiedliche Ereignisse: Wenn ihr die Delay-Zeit im Modus „Reptich“ verändert, nimmt das Übergangsverhalten Einfluss auf die Tonhöhe, ähnlich wie bei einem alten Tape-Delay. Bei „Jump“ wird abrupt zur neuen Delay-Zeit gewechselt und beim standardmäßig eingestellten Fade-Modus wird mittels Crossfader zwischen den unterschiedlichen Delay-Zeiten geblendet. Dadurch könnt ihr auch Time-Stretching-Effekte erzeugen. 

Klangbeispiele

Die Effekte auf den Klangbeispielen sind bewusst etwas überdosiert, damit ihr die Klangeigenschaften besser raushört. Dennoch sind die unterschiedlichen Nuancen auf Einzelspuren nicht gut wahrzunehmen, aus diesem Grunde habe ich mich dazu entschlossen, die Effekte auf der Summe anzuwenden. Der Unterschied bleibt sehr subtil, in der Summe geht es darum, die letzten 3 bis 5 Prozent aus eurem Material rauszuholen. Klangbeispiele für Oversampling in EQ Eight und Glue Kompressor sowie der Hi-Quality Modus in Saturator:

 

Fazit: Das Signal klingt komprimierter und kompakter. Der Verzerrungseffekt des Sättigungs-Plug-ins kommt mehr heraus. Außerdem klingt der Loop im Hi-Quality-Modus insgesamt homogener. Klangbeispiele für die beiden Modulationseffekte „Chorus & Flanger“ im Hi-Quality-Modus:

 

Fazit: Wenn „Crisp“ aktiviert ist, erhaltet ihr mehr Präsenz in den Höhen, ohne klingt es demzufolge etwas matter. Hinzu kommt das ihr mit dem „Crisp Faktor“ auch ein ein wenig breiteres Stereo-Image erzeugen könnt. Die Höhen sind mehr „in your face“, außerdem klingt es im Hi-Quality-Modus insgesamt ein weniger transparenter. Soundbeispiele für die Delay Modi „Repitch, Fade und Jump“:

 

Fazit: Alle drei Modi klingen anders und bieten daher spannende Facetten für Effektierungen. Besonders die Eigenschaften des Repitch-Modus erinnert an Tape-Delay-Effekte.

„Show Device Slots“ Feature

Kommen wir zu einem der absoluten Top-Features. Nahezu in allen digitalen Audio Workstations habt ihr die Möglichkeit, euch im Mixerbereich die jeweiligen integrierten Instrumenten- und Effekt-Devices auf den Einzelspuren, Gruppen und Return-Kanälen anzeigen zu lassen. Nur: In Ableton gibt es die praktische Visualisierung auf den ersten Blick nicht. Mit einem kleinen „Workaround“ könnt ihr die fehlende Darstellung jedoch in Ableton Live 9 integrieren.

Und so wird’s gemacht: Öffnet unter Mac OS „TextEdit“ bzw. das „Notepad“ unter Windows und schreibt dort „ShowDeviceSlots“ hinein. Im nächsten Schritt müsst ihr diesen Text in „reinen Text umwandeln“ und als „Options.txt“ abspeichern. Dann müsst ihr die gerade erstellte Textdatei noch in Abletons Library-Ordner verschieben. Hier findet ihr abhängig vom Betriebssystem den spezifischen Library-Ordner:

Mac: Macintosh HD:/Users/[username]/Library/Preferences/Ableton/Live x.x/

Windows: C:\Users\[username]\AppData\Roaming\Ableton\Live x.x\Preferences\

Nachdem ihr die Textdatei in den jeweiligen Library-Ordner abgelegt habt, müsst ihr nur noch mal Ableton neu starten – et voilà. Wenn ihr jetzt in die Clip-Ansicht am rechten Bildrand schaut, findet sich dort ein neues „steckdosenartiges“ Symbol. Nun erscheint im Mixerbereich eine Anzeige der bereits ausgewählten Effekte und Instrumente auf den jeweiligen Spuren. Ein praktisches Tool beim Mixen. Leider hat diese Funktion einen kleinen Bug, sobald ihr eine neue Spur anlegt und ihr Effekte oder Instrumente integriert, wird die jeweilige Beschriftung der Devices nicht mehr angezeigt. Sobald ihr jedoch den neu angelegten Kanal am rechten Rand verkleinert oder vergrößert, wird das Darstellungsproblem behoben. Es wäre doch sehr wünschenswert, wenn Ableton dieses Feature zukünftig vollwertig und als Standard einbinden würde.

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