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Test
10
30.10.2019

Accusonus Rhythmiq Test

Beat-Variation-Plugin

Instrument-Plugin zum Variieren von Drumloops mittels künstlicher Intelligenz?

Nach den Restaurations-Plugins „ERA“ und dem Audio-Dekonstruktions-Tool „Regroover“ geht Hersteller Accusonus diesmal mit einem Instrument-Plugin an den Start, mit dem sich Audioloops kreativ umarrangieren lassen. Und zwar temposynchron zur DAW und mit einer künstlichen Intelligenz, die eure Loops unter der Haube erst zerhackt und dann variiert wieder zusammensetzt.

„Rhythmiq“ heißt das Tool der griechisch-amerikanischen Plugin-Schmiede, das es euch ermöglicht, eure Audioloops mit wenigen Handgriffen zu neuen Grooves, Fill-ins und Build-ups zu verändern. Das schreit nach einem Werkzeug für Beatproduzenten, Liveperformer und Remixer!

Details

Allgemeines

Das Plugin erfordert mindestens macOS 10.10 bzw. Windows 7 SP1 und unterstützt die Plugin-Formate VST2, VST3 und AU in 64 Bit. Rhythmiq ist laut Hersteller kompatibel zu Live 10, Logic Pro X 10.4, Studio One 3.0 und FL Studio 12. Alle weiteren DAWs werden bislang nicht offiziell unterstützt, können aber bei Bedarf auf eigene Faust getestet werden. Eine uneingeschränkt nutzbare 14-Tage-Demoversion sowie ein englisches Manual gibt es auf der Accusonus-Website.

Drei Loops pro Instanz zerhacken, umrangieren und mixen

In einer Plugin-Instanz können drei Stems, also Audioloops, gleichzeitig geladen werden. Beim Kauf von Rhythmiq erhaltet ihr über 50 Loops, weitere lassen sich als Expansion Packs hinzukaufen. Doch was noch viel wichtiger ist: Natürlich könnt ihr auch eigene Audiofiles in die drei Slots laden! Diese verfügen über die Parameter Arrange, Reverse und Silence, die genau das machen, was ihre Namen vermuten lassen.

Wie man es von Rex-Files kennt, werden die Loops anhand ihrer Transienten in einzelne Slices gestückelt, welche sich mit dem Arrange-Parameter umrangieren lassen. Rhythmiq ändert somit die Reihenfolge der Slices, wodurch ein neuer Rhythmus entsteht. Der Reverse-Regler lässt Teile der Loops rückwärts abspielen, während Silence stellenweise Stille hinzufügt. Je weiter man einen Parameter aufdreht, umso extremer werden die Settings bzw. umso mehr Slices werden bearbeitet. Mit dabei ist übrigens auch ein Beat-Repeat-Feature, das hier Freeze genannt wird. Mit diesem könnt ihr auf Knopfdruck das aktuelle Slice erneut zum eingestellten Raster abfeuern. All diese Parameter können die Stems wahlweise als 1/4-, 1/8- und 1/16-Rasterwert bearbeiten.

Dies sind die Hauptparameter der Stem-Slots, mit denen sich die Loops kreativ verändern lassen. Zu jedem Slot kommen noch Gain- und Panoramaregler hinzu, mit denen die drei Loops dann gemischt werden können. Damit könnt ihr in der Praxis mit nur wenigen Handgriffen Drum-Variationen erstellen, die ihr als Fill-ins verwenden könnt.

Editieren mit künstlicher Intelligenz

Direkt über den Stems befindet sich der sogenannte Beat Assistant, der euch mit einer künstlichen Intelligenz hilft, die Loops mit Variationen zu bearbeiten. Seine Bedienung funktioniert ganz einfach mit nur einem IQ-Arrange-Regler und zwei zusätzlichen IQ-Evolve- und IQ-Reverse-Buttons. Mit diesen kann der Beat Assistant kleine Variationen an den Loops vornehmen. So lässt sich entscheiden, ob die Slices nur umarrangiert werden, um Variationen zu erstellen, oder ob sie auch vereinzelt rückwärts abgespielt werden sollen. Mit IQ Evolve werden die Variationen bei jedem Durchlauf nochmals mit kleinen Zufallsabweichungen versehen. Die Loops werden auf diese Weise noch abwechslungsreicher.   

Die Ergebnisse, die man mit dem Assistant erzielt, sind subtiler und wirken musikalischer. Mit den Parametern der Stem-Slots sind die Variationen extremer und selbst bei minimalen Settings schon recht unnatürlich bzw. chaotisch. Je nach Ausgangsmaterial und Musikstil kann es aber auch nützlich sein, wenn man aus natürlich klingenden Loops eher zerhackte, kantigere Grooves schraubt – beispielsweise in Musikgenres wie Breakbeat, Dubstep oder Drum 'n' Bass.

Was mir nicht gefällt, ist, dass man die Slices nicht gezielt auswählen und bearbeiten kann. Daher ist das Editing mit dem gesamten Tool eher was für Producer, die gerne mit Random-Funktionen arbeiten oder sich durch automatisch generierte Variationen inspirieren lassen. Mir persönlich fehlt eine präzise Eingriffsmöglichkeit, aber das gehört nun mal nicht zum Konzept des Ganzen. Schön wäre eine Funktion gewesen, mit der einzelne Slices mit einem Lock-Feature verriegelt werden können, damit sie beim Verändern eines Parameters erhalten bleiben. Bei so einem Tool, das schon bei kleinen Parameteränderungen extreme Klang- bzw. Rhythmusveränderung ausspuckt, fehlt mir außerdem eine Undo-Funktion, mit der ungewollte Parameteränderungen wieder rückgängig gemacht werden können. Insgesamt macht das Editing bzw. Performen mit dem Tool aber echt Laune – besonders mit dem Beat Assistant kommen im Handumdrehen brauchbare Ergebnisse zustande. Im folgenden Video erhaltet ihr einen kleinen Überblick über die Bedienoberfläche und die mitgelieferten Loops.

Audioimport

Beim Audioimport unterstützt das Plugin die Formate WAV, AIF/AIFF, FLAC und MP3 in den Samplerates 44,1 kHz bis 96 kHz. Eigene Files können über eine Importfunktion oder praktischerweise über Drag-and-drop importiert werden. Dabei lässt sich entscheiden, ob der Loop in einen Stem geladen werden soll, beispielsweise, um die weiteren Slots mit anderen Loops zu füllen. 

Als zweite Möglichkeit kann Rhythmiq die Bestandteile eines Loops auf die drei Stem-Slots splitten. Sobald ein Loop aber mehr als drei Sounds beinhaltet, wird das automatische Aufsplitten etwas chaotisch. Offensichtlich teilt der Algorithmus den Loop auf drei Frequenzbänder auf. Bei einem Loop mit Kick, Snare und Hat funktioniert das noch recht gut, bei einem Loop bestehend aus mehreren Percussions hat Rhythmiq dann aber schon Probleme, das Material auf drei Slots aufzuteilen. Als dritte Option könnt ihr auch drei Files gleichzeitig per Drag-and-drop importieren und Rhythmiq verteilt sie von allein auf die drei Stem-Slots.

Sobald man eine Audiodatei über die Bedienoberfläche zieht, lässt sie sich in einem Stem-Slot ablegen, von wo aus die Datei analysiert wird. Je nach Länge der Datei kann das schon ein Weilchen dauern – ihr solltet die Performance also im Voraus organisieren. Zwar entstehen keine Aussetzer oder Knackser beim Laden von Loops, doch während der Analyse erhält man keinen Zugriff auf die Bedienoberfläche. Offiziell eignet sich das Tool, um Drumloops zu variieren. Das muss euch aber nicht davon abhalten, auch mal Melodien zu importieren, um einen Remix zu starten. Hierbei sind kleine Artefakte hörbar, aber dafür ist Rhythmiq ja auch nicht gedacht. In Anbetracht dessen hat das Tool selbst bei der Gitarre keine schlechte Arbeit geleistet. 

Nach dem Import erkennt Rhythmiq die Ausgangsgeschwindigkeit des Loops nicht immer korrekt, was sich aber im oberen Drittel des GUI durch eine manuelle Eingabe der BPM justieren lässt. In den folgenden Beispielen hört ihr Trap-Drums und ein Gitarrenriff. Bei beiden war es nötig das Tempo im Nachhinein anzugleichen.

Kreatives Arrangieren mit klanglichen Konsequenzen

Unter dem kreativen Aspekt betrachtet ist Rhythmiq durchaus zu gebrauchen, da es dazu in der Lage ist, selbst langweilige Standard-Grooves interessanter zu gestalten und durch Variationen abwechslungsreiche Drum-Arrangements zu bauen. Besonders für Producer, die häufig mit fertigen Loops oder Construction Kits arbeiten, kann das Tool eine große Hilfe sein, um die Beats abwechslungsreicher zu gestalten. Nichtsdestotrotz lassen die Ergebnisse qualitativ je nach Material ein wenig zu wünschen übrig. Je extremer die Variationen sind, desto mehr Artefakte bzw. Fades schleichen sich bei den Transienten mit ein. Dadurch verlieren die Loops an Punch und wirken weniger „knackig“. Leider gibt es keinen zusätzlichen Fade-Parameter oder ein Gate, mit dem man diese Eigenschaften selbst kontrollieren könnte.

Arrangieren und Performen mit Playlist, Variations und Fernsteuerung 

In einer Plugin-Instanz lassen sich acht Variationen anlegen, welche sich auf Knopfdruck im unteren Drittel des Interface abrufen lassen. Hat man sich mehrere Variationen angelegt, ist man in der Lage, ruckzuck aus einem gewöhnlichen Loop ein Drum-Arrangement zu bauen, indem man die Variationen abfeuert. Die Loops lassen sich übrigens quantisiert nach Bar oder Beats abfeuern – wie man es beispielsweise von Ableton Live Session View kennt. Alle Loops, Parameter-Settings und Variationen lassen sich gesammelt als Projekt abspeichern. Und mehrere Projekte wiederum können pro Plugin-Instanz in eine Playlist geladen werden, um etwa eine gesamte Live-Performance mehrerer Songs zu organisieren – praktisch!

Zu einem guten Performancewerkzeug gehört natürlich auch eine MIDI-Learn-Funktion, dank der ihr die Performance auch mit einem Controller fernsteuern könnt. Diese ist hier recht einfach gestrickt: Learn-Funktion aktivieren, Plugin-Parameter selektieren, gewünschtes Hardwarebedienelement bewegen – fertig. Die MIDI-Settings werden allerdings nicht in den Projekten des Plugins mitgespeichert, sondern beziehen sich immer auf die Plugin-Instanz.

Fazit

Rhythmiq ist eher ein inspirierender Zufallsgenerator für experimentierfreudige Performer als ein Präzisionswerkzeug. Das Plugin kommt mit vielen fertigen Grooves und erlaubt auch den Import eigener Audioloops vieler gängiger Formate. Ob man das Tool nun zur Produktion von Tracks im Studio, oder bei einer Live-Performance einsetzen möchte – Rhythmiq zaubert mit wenigen Handgriffen selbst aus dem langweiligsten 08/15-Loop viele Variationen. In einer Instanz lassen sich davon acht Stück anlegen, welche sich auf Knopfdruck abrufen lassen, um ein Drum-Arrangement aufzubauen bzw. Fill-ins zu generieren. Möchte man gleich ganze Drum-Live-Performances organisieren, ist auch das über eine interne Playlist möglich. Leider wird Rhythmiq offiziell bisher nur von Live, Logic, Studio One und FL Studio unterstützt. Mit einer vollfunktionsfähigen Testversion lässt sich das Tool aus dem Hause Accusonus aber 14 Tage lang testen.

  • Pro
  • kreatives Umarrangieren von Drumloops
  • inspirierende Variationen
  • übersichtliches, intuitives Bedienkonzept
  • Audioimport
  • Erstellen von Playlists
  • Contra
  • automatische Splittings ungenau
  • Artefakte und Knackser bei extremem Settings
  • kein Undo
  • Features
  • Beat-Variations-Plugin
  • kreatives Umarrangieren von Drumloops
  • Audioimport in den Formaten WAV, AIF/AIFF, FLAC und MP3 (44,1 kHz bis 96 kHz)
  • drei Stem-Slots mit Arrange, Reverse, Silence, Freeze, Solo, Pan und Gain
  • Stems in 1/4, 1/8 und 1/16 Rasterwert editierbar
  • Beat Assistant: erstellt automatische Variationen inklusive Reverse
  • temposynchron zum Host
  • Settings lassen sich in Projekten abspeichern
  • Projekte können in Playlists organisiert werden
  • unterstützt VST2, VST3 und AU in 64 Bit
  • über 50 mitgelieferte Loops, weitere erhältlich
  • Systemvoraussetzungen: mindestens macOS 10.10 oder Windows 7 SP1, VST2, VST3, oder AU-fähige DAW (64-Bit), 4 GB Arbeitsspeicher, 2 GB Speicherplatz, Monitorauflösung: 1.280 x 800, Internetverbindung
  • Preis
  • Regulärer Preis: 149,- US-Dollar (UVP am 05.11.2019)
Veröffentlicht am 30.10.2019

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • kreatives Umarrangieren von Drumloops
  • inspirierende Variationen
  • übersichtliches, intuitives Bedienkonzept
  • Audioimport
  • Erstellen von Playlists

  • automatische Splittings ungenau
  • Artefakte und Knackser bei extremem Settings
  • kein Undo

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