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10.09.2019

Akkorde spielen auf dem E-Bass (Teil 2: Vierklänge)

Vierklänge auf dem E-Bass spielen

So spielst du auf dem Bass mehr als nur die Grundtöne

Nachdem wir im ersten Teil dieser Workshopreihe ausführlich Dreiklänge behandelt haben, legen wir heute noch einen Ton oben drauf ‑ man gönnt sich ja sonst nichts! Da sich viele Prinzipien, die wir beim letzten Mal besprochen haben, in analoger Weise auf Vierklänge übertragen lassen, gibt es heute auch weniger Theorie.

Warum ist ein gewisses Maß an Grundwissen über Akkorde sinnvoll? Nahezu alle Basslinien in jedweder Stilistik beinhalten Akkordtöne. Wir spielen sie also ständig - allerdings ohne uns groß Gedanken darüber zu machen. Solide Kenntnisse zu Akkorden können daher absolut hilfreich beim Entwickeln eigener Basslines sein, erweitern sie doch das melodische und harmonische Verständnis - außerdem lernt man darüber hinaus sein Griffbrett besser kennen. Und auch in Sachen Spieltechnik ist das Greifen von Akkorden nicht selten eine echte Herausforderung. Es steckt also jede Menge Lernstoff in diesem Thema!

Was ist ein Vierklang?

Wie wir bereits wissen, werden Akkorde durch das Übereinanderschichten von Terzen gebildet. Genau so haben wir in der ersten Folge dieses Workshops Dreiklänge aufgebaut. Nun kommt lediglich noch eine weitere Terz (und somit ein weiterer Ton!) hinzu: die sogenannte Septime. Wendet man dieses Prinzip auf unsere "üblichen Verdächtigen" Dur-, Moll- und Verminderte Dreiklänge (Stufendreiklänge der Dur- oder Moll-Tonleiter, siehe Teil 1) an, so kommen dabei folgende Möglichkeiten heraus:

Major7-Akkorde: Dur-Dreiklang plus große Terz, wird "Grundton plus maj7" geschrieben, also z.B. "Fmaj7".

Dominantseptakkorde: Dur-Dreiklang plus kleine Terz, wird "Grundton plus 7" geschrieben, also z.B. "F7.

Moll7-Akkorde: Moll-Dreiklang plus kleine Terz, wird "Grundton plus m7" geschrieben, also z.B. "Fm7".

Moll7b5-Akkorde: Verminderter Dreiklang plus große Terz, wird "Grundton plus m7b5" geschrieben, also z.B. "Fm7b5.

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Diese Akkorde nennt man allgemein "Septakkorde" - ganz einfach, weil sie neben dem Dreiklang auch zusätzlich noch eine Septime beinhalten. Die in der Grafik aufgeführten sind die häufigsten Vertreter ihrer Art, natürlich existieren noch ein paar andere Exoten. Einen davon möchte ich kurz ansprechen: den Sus-Akkord. Dieser ist nämlich etwas Besonderes, da er kein Tongeschlecht besitzt, also weder Dur noch Moll ist. Die dafür notwendige Terz wird durch einen Ton vorgehalten (engl. suspended). Vom Grundton zum nächsten Ton ist hier nicht der Abstand einer Terz, sondern entweder einer Quarte (sus4) oder einer Sekunde (sus2). Den Sus-Akkord gibt es sowohl als Dreiklang, als auch als Vierklang:

In früheren Zeiten musste sich der Sus-Akkord auflösen - das heißt, der Ton, welcher die Terz vorhält, muss in die Terz übergehen. Diesen Klang kennt ihr sicher noch gut aus der Kirche:

Heutzutage hat sich der Sus-Akkord als eigener Sound emanzipiert und muss nicht mehr zwangsläufig eine Auflösung erfolgen.

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Umkehrungen

Ebenfalls gültig für Septakkorde ist das Prinzip der Umkehrungen. Auch hier wird jeweils der tiefste Ton eine Oktave nach oben gesetzt. Ein Ton mehr bedeutet natürlich auch eine Umkehrung mehr. So sieht dies am Beispiel eines Fmaj7-Akkords aus:

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Stufenvierklänge

Im ersten Teil machten wir uns ja bereits mit Stufendreiklängen vertraut. Dieses Prinzip lässt sich auch auf Vierklänge erweitern. Kurze Rekapitulation: Jeden Ton einer Tonleiter kann ich harmonisch auch als Stufe betrachten. Das erleichtert die Verallgemeinerung und Übertragung auf andere Tonarten. Auf jeder dieser Stufen kann ich nun Dreiklänge - bzw. in unserem Fall - Vierklänge mit den leitereigenen Tönen bilden. Ich nutze also ausschließlich die Töne, welche mir die Tonleiter bietet. Hier ist eine Grafik mit den Stufenvierklängen von F-Dur und der allgemeinen Formel, welche für alle Dur-Tonarten gültig ist:

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Parallele Moll-Tonart

Um den ersten Teil dieser Reihe nicht zu vollzupacken, habe ich die sogenannte "Parallele Moll-Tonleiter" weggelassen. Das möchte ich jetzt mit einem "Crashkurs" nachholen. Jede Dur-Tonleiter besitzt eine Parallele Moll-Tonleiter. Diese enthält die exakt gleichen Töne, Stufendreiklänge und Stufenvierklänge wie die Dur-Tonleiter. Ihr Grundton und somit tonales Zentrum ist aber die Sechste Stufe der Dur-Tonleiter. In unserem Beispiel F-Dur wäre die Sechste Stufe ein D. Die Parallele Moll-Tonart zu F-Dur ist also D-Moll. Hier seht ihr das Ganze in einer Grafik:

Das Tolle: Wenn man sich ganz gut mit der Dur-Tonleiter und ihren Stufenakkorden auskennt, hat man Moll eigentlich "automatisch" auch drauf. Man muss lediglich die Sechste Stufe als Grundton bzw. als Erste Stufe der Moll-Tonleiter sehen. Am Bass findest du den Grundton der Parallelen Moll-Tonart am schnellsten drei Halbtöne (entspricht einer kleinen Terz) tiefer.

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Voicings und Griffbilder für E-Bass

Nach all dem theoretischen Fakten ist nun die Frage: Wie spiele ich Septakkorde am Bass? Die einfache Antwort: "Gar nicht!" Zumindest nicht, ohne sich mehrere Fingergelenke auszukugeln. Was wir brauchen, ist ein sogenanntes Voicing. Dieser Begriff meint die Interpretation eines Akkordes oder die Anpassung an die jeweilige Situation (wie z.B. die baulichen Begebenheiten eines Instruments). Dabei picke ich mir die Töne heraus, welche verantwortlich für den Charakter des Akkords sind. Dies ist bei Septakkorden natürlich zunächst der Grundton - er benennt schließlich den Akkord und ist unser harmonischer Bezugspunkt.

Darauf folgt die Terz; sie bestimmt das Tongeschlecht (Dur oder Moll). Fehlt noch die Septime, sie kann auch groß oder klein sein und trägt viel zum charakteristischen Sound bei - schließlich heißt es ja auch "Septakkord". Der Verlierer in dieser Runde ist die Quinte, da sie eher als Füllton fungiert.

Die drei Töne unseres Voicings (Grundton, Terz, Septime) sind nun deutlich einfacher auf dem Bass umzusetzen als der komplette Akkord. Für jeden Septakkord gibt es jeweils ein Griffbild in der Engen Lage und eines in der Weiten Lage (Was Enge und Weite Lage bedeutet, kannst du ausführlich im ersten Teil lesen):

Natürlich lassen sich Septakkorde auch anders voicen - ich muss nicht zwangsläufig die Quinte opfern. Die angesprochenen Voicings inkl. Griffbilder sind aber sehr sinnvoll und auch die üblichsten!

Beispiele mit Septakkorden

Um die Griffbilder zu üben, gibt es zwei Akkordfolen, in denen sich Enge und Weite Lage abwechseln. Den Anfang macht ein Blues mit einer erweiterten Akkordfolge.

Hier findet ihr eine Kadenz aus der zweiten, fünften, ersten und sechsten Stufe (sehr verbreitet im Jazz!):

Ausblick: Komplexe Akkorde mit mehr als vier Tönen

Natürlich kann man das Spiel mit dem Schichten von Terzen auch noch weiter treiben und muss nicht bei den Vierklängen aufhören. Eine weitere Terz bringt die 9 ins Spiel, darauf folgt die 11, dann die 13, usw. Mehr als sieben Stimmen geht theoretisch nicht, da eine Tonleiter ja nur sieben verschiedene Töne beinhaltet.

Alles, was über einen Dreiklang hinaus geht - einfach gesagt: die Ziffern 7, 9, 11, 13 - nennt man "Optionen". Wird nur eine höhere Option notiert, wie z.B. Dm11, so bedeutet dies, dass alle niedrigeren (also 7 und 9) inkludiert sind. Möchte man dies nicht, so muss man es explizit vermerken! Dies geschieht mithilfe des Kürzels "add" (von engl. add = hinzufügen). Ein Dmadd11 meint also einen D-Moll-Dreiklang mit zusätzlicher 11.

Zugegeben: Gebilde mit vielen Optionen können ganz schön verwirrend sein! Aber da sie alle aus Schichten vorn Terzen bestehen, kann ich sie in kleine bekannte Bausteine zerlegen. Diese Bausteine sind die Dreiklänge. Nehmen wir als Beispiel unseren Dm11-Akkord. Er beinhaltet die Töne D (Grundton), F (Terz), A (Quinte), C (7), E (9), und G (11). Auf den zweiten Blick erkennt man, dass es sich einfach um einen D-Moll-Dreiklang (D, F, A) und einen C-Dur-Dreiklang (C, E, G) handelt, welche übereinander geschichtet werden. Dies sind wiederum zwei ganz einfache Gebilde, die wir bereits aus dem ersten Teil bestens kennen. Hier sind ein paar komplexe Akkorde mit vielen Optionen, und wie sie sich in Dreiklänge zerlegen lassen:

Diese Tatsache kann sehr hilfreich beim Entwickeln von Basslines über solche Akkorde sein - oder bei der Improvisation über diese. Im kommenden dritten Teil dieses Workshops reduzieren wir uns etwas und schauen eher darauf, wie wir Akkorde bzw. Teile davon in unsere Basslines integrieren können.

Bis zum nächsten Mal, euer Thomas Meinlschmidt

Veröffentlicht am 10.09.2019
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