Hersteller_Allen&Heath
Test
5
18.05.2012

PRAXIS

Ein beliebter und bewährter Ausgangspunkt beim Testen ist ja, sich den Prüfling vorzunehmen, ohne auch nur einen Blick ins Handbuch geworfen zu haben - und dann zu schauen, wie weit man kommt. Analog entspricht das dem Szenario, als DJ in irgendeinem Club dieser Welt unvorbereitet auf einen Xone:DB2 zu treffen. Das Ergebnis: Grundsätzlich lässt sich der DB2 aus dem Stand bedienen. Die Eingangsmatrix, Kanalzüge und Monitoring-Sektion sind soweit selbsterklärend, dass jeder sofort damit zurechtkommen sollte. Fallstricke lauern aber bei den Funktionen, die über das Menü zugänglich sind. Hierzu zählt insbesondere, dass sich die Crossfader-Kurve softwareseitig zwar praktischerweise in drei Stufen zwischen harter und weicher Charakteristik regeln lässt, allerdings auch komplett deaktiviert werden kann. Ich sehe schon bildlich gehässige DJs vor mir, die ihrem Nachfolger schadenfreudig beim letzten Track ihres Sets den Crossfader deaktivieren. Kennt dieser den Mischer nicht, sind Schweißperlen auf der Stirn vorprogrammiert. Selbiges gilt auch für den trimodalen EQ, dessen Modus sich nur über den Weg ins Menü ändern lässt. Wurde er vom vorherigen DJ in den Filtermodus versetzt und übernimmt man die Kontrolle, ohne jemals einen Mischer aus der Xone DB-Serie vor sich gehabt zu haben, kann das durchaus für Hektik in der DJ-Booth sorgen. Allen & Heath haben jedoch offenbar vorausschauend genau daran gedacht und diese beiden Einstellebenen in der obersten Menüebene geparkt, sodass sie sich auch in höchster Not und mit ein bisschen Technikaffinität intuitiv erreichen lassen.

Ein bisschen Einarbeitung ist zu empfehlen, will man das volle Potenzial des Mixers ausschöpfen. Eine überaus mächtige Waffe ist beispielsweise schon die Eingangsmatrix – speziell die Möglichkeit Kanäle einfach „duplizieren“ zu können, indem man zwei Kanälen dieselbe Quelle zuweist. Besonders gut gefallen hat mir das in zwei Szenarien. Zum einen, um einen Track über den Crossfader zwei verschiedenen Effekt-Behandlungen zu unterziehen. Zum anderen, um Klangverbieger vorzuhören. Denn das fehlende Cueing in der Effekt-Sektion lässt sich elegant dadurch umgehen, dass man einen Effekt im Vorfeld seines Einsatzes auf einen freien Kanal legt und dort den Cue-Taster betätigt.

Überhaupt gibt es eine ganze Reihe von Kniffen und Tricks in Bezug auf das Routing und den Workflow, die man erst nach und nach entdeckt und dann nicht mehr missen will. So bewirkt beispielsweise das kurzzeitige Drücken des Rotary-Encoders ein temporäres Abfeuern des jeweiligen Effektes, was insbesondere in Verbindung mit dem Roller-FX weitaus sinnvoller ist, als statisches Schalten über den On/Off-Taster. Zudem bietet die Dualität der beiden Effekteinheiten in Verbindung mit der Zuweisung auf den Crossfader eine weitläufige Spielwiese für frickelfreudige Musikdienstleister.

Gänzlich ohne Einarbeitung überzeugt vom Start weg die Audioqualität des Gesamtsystems. Mit einem gigantischen Headroom von 26dB pro Kanal ist es nahezu unmöglich, den DB2 pegeltechnisch zu überfordern. Die Klangregelung packt in allen drei Modi (EQ, Filter, Isolator) bestimmt, aber niemals harsch oder schrill zu. Auch die Dual-Filter-Sektion wird ihren legendären analogen Vorbildern aus eigenem Haus absolut gerecht. Betreibt man den DB2 als Soundkarte, beeindrucken die ausgereiften Audiotreiber. Ich konnte den Mixer im Test, bei laufender Audiowiedergabe durch Traktor, aus- und wieder anschalten. Nach wenigen Sekunden setzte die Berliner Software die Wiedergabe ohne Murren an der Stelle fort, wo sie zuvor so unsanft unterbrochen wurde. Sogar durch einen Factory-Reset im laufenden Betrieb ließ sich kein Absturz provozieren. 

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Qualität der Effektprogramme
  • Verarbeitung
  • Flexibilität des Routings
  • Beleuchtung der Bedienelemente
  • Übersichtliches Layout
  • Klang
  • Pegelfestigkeit
  • Reserven des Kopfhörer-Verstärkers
  • Vollwertige MIDI-Funktionalität und Mapping-Dokumentation
  • Bauform der neuen Taster (im Vergleich zur bisherigen Xone-Serie)

  • Crossfader-Kurve und EQ-Modus nur über das Menü zugänglich
  • Etwas teuer

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