Test
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19.05.2020

Praxis

Bevor man die erste Vinyl mit dem AT-LP120XUSB-SV abspielen kann, muss der Zusammenbau und die Konfiguration des Geräts erfolgen. Beides ist nicht sonderlich schwer, da die gut verständliche Anleitung, die leider etwas versteckt auf der Hersteller-Website zu finden ist, alle Punkte ausführlich behandelt und die entsprechend zu wählenden Parameterangaben beinhaltet.

Im ersten Schritt wird der Aluminium-Plattenteller auf der Mittelachse platziert, das Ganze erfolgt, wie der gesamte restliche Vorgang, werkzeuglos. Auf dem Plattenteller wird die Filzmatte positioniert, leider wurde dem Player keine alternative Gummimatte spendiert, die gerade für Digitalisierungs-Jobs klanglich etwas besser gewesen wäre. Mit der Einstellung der höhenverstellbaren Füße und dem Verschrauben des fertig montierten Systems am Tonarm ist die Grundeinrichtung abgeschlossen.

Um den Tonarm auszubalancieren, wird an dessen Ende das Gegengewicht aufgeschraubt und so lange gedreht, bis der Tonarm in waagerechter Position verbleibt. Um diese Position zu markieren, dreht man am vorderen Teil des Gewichts einen schwarzen Ring, der eine Skala aufweist, bis diese „0“ anzeigt. Der Hersteller empfiehlt für den mitgelieferten Tonabnehmer eine Auflagekraft von 2 Gramm, was durch ein Drehen des Auflagegewichts gegen den Uhrzeigersinn auf den Skalenwert 2 erreicht wird.

Im letzten Schritt positioniert man noch den Antiskating-Drehregler auf den gleichen Wert wie das Auflagegewicht – fertig. Dass die Antiskating-Funktion kein Dummy ist, kann man testen, indem man das Auflagegewicht wieder zurück auf „0“ dreht und sich dann beobachten kann, dass der Tonarm mit größer werdendem Wert immer schneller und kräftiger nach außen wandert.

Eine Höhenverstellung für den Tonarm gibt es nicht, sodass sich die leicht nach vorne gekippte Position nur durch dickere Plattentellerauflagen verändern lässt und gegebenenfalls nötige Anpassungen für alternative Systeme ebenfalls nicht möglich sind.

Die Verarbeitung des Players ist ordentlich, die verbauten Materialien sind dagegen aber eher einfach gehalten. Das Kunststoffgehäuse poltert, wenn man draufklopft und leider ist die Staubschutzhaube auch etwas wenig Kratzer-resistent. Klar sollte man hier den recht moderaten Preis immer im Hinterkopf behalten und auch ein Auge auf die Performance und den Sound werfen, was ich nachfolgend tue.

Einsatz

Damit der AT-LP120XUSB-SV gerade steht, lassen sich die Füße des Geräts herausdrehen. Hierbei sollte man nicht zu zaghaft sein, denn im Auslieferungszustand sitzen diese recht fest. Gut gefallen hat mit hier, dass sich die gummierten Füße auf der Unterlage etwas „festsaugen“ und Vibrationen und moderate Erschütterungen souverän absorbierten.

Der Plattentellermotor hat eine Kraft von 1,0 kgf/cm, was im Einsteigerbereich sicherlich in Ordnung ist und benötigt etwas weniger als eine halbe Umdrehung, um seine Endgeschwindigkeit zu erreichen. Am Ende des Stoppvorgangs der Platte, der in etwa genauso lange dauert wie der Startvorgang, bleibt der Teller allerdings nicht stehen, sondern dreht leider etwas in die entgegengesetzte Richtung, hier sollte man gegebenenfalls den Fader am Mixer schnell genug schließen, damit dies beim Auflegen nicht zu hören ist.

Der klassische Plattenspieler-Spindown-Effekt, der durch den Power-off Drehregler aktiviert wird, funktioniert ausschließlich am Phono-Ausgang, da der interne Verstärker bei Line-Signalen direkt abschaltet. Richtig gut gefallen hat mir die niedrige Gleichlaufschwankung, die laut Herstellerangaben bei < 0,2 Prozent liegt, da man somit das Beatmatching souverän meistern kann. Manche günstigen Modelle versagen hier und bringen gerade Einsteiger durch ein unstetes Tempo zur Verzweiflung.

Die Tempokontrolle mit dem Pitchfader funktioniert ebenfalls recht gut, wobei ich kein Freund von einrastenden „Nullstellungen“ bin, da es hierdurch schwierig ist, Feinabstimmungen um diesen Bereich herum vorzunehmen. Der Tonarmlift sorgt für ein sanftes Absenken des Systems, auch dann, wenn der entsprechende Hebel sehr schnell nach unten bewegt wird.

Soundcheck

Für den Soundcheck habe ich die drei Audioschnittstellen des AT-LP120XUSB-SV getestet. Hierbei wurden die Phono- und Line-Signale zum Anfertigen der Audiobeispiele an einen Traktor Kontrol Z2 Mixer gesendet. Für die digitale Übertragung habe ich den Player per USB an einen Mac angeschlossen. Meiner Meinung nach klingen die beiden analogen Signale recht ähnlich, sodass ihr hier die Verkabelung frei wählen könnt, je nachdem wie euer Equipment konfiguriert ist (einzige Einschränkung: Spindown funktioniert nur am Phono-Ausgang).

Das Signal, das digital via USB ausgeben wird, hat etwas mehr „Dampf“ als die beiden anderen. Hauptverantwortlicher für den Sound sollte somit das verbaute Tonabnehmersystem AT-VM95E sein, das einen Frequenzgang von 20 bis 20000 Hz liefert und einen guten Job macht. Wer mit dem Klang nicht glücklich wird, kann  Verbesserungen durch den Erwerb eines hochwertigeren Tonabnehmersystem und einer Gummimatte erzielen.

Digitalisierung

Wer rare Vinyl-Schätze in seiner Sammlung hat oder einen Track zum digitalen Auflegen in seinen Computer übertragen möchte, kann die USB-Schnittstelle des AT-LP120XUSB-SV nutzen. Die Kontaktaufnahme mit einem Computer erfolgt durch ein alleiniges Anstecken des mitgelieferten Kabels und ohne nervige Treiberinstallation.

Hat man die Software Audacity heruntergeladen und installiert, so muss man lediglich im oberen Bereich des Programmfensters Core Audio, USB AUDIO CODEC und Stereo auswählen und kann direkt mit den ersten Aufnahmen beginnen. Die Signale werden wahlweise mit 44,1 oder 48 kHz und 16 Bit aufgezeichnet und lassen sich bequem auf der Festplatte des Rechners speichern. Ein zeitraubender Aussteuerungsvorgang zur Verhinderung von Übersteuerungen entfällt.

Timecode

Wer digital auflegt und eine Timecode-Steuerung bevorzugt, kann den AT-LP120XUSB-SV ebenfalls nutzen. Ich habe hierzu Traktor Pro 3 für einen Testlauf ausgewählt und die Timecode-Signale über den Traktor Z2 Mixer an die Software gesendet. Die Steuerung ließ sich mit wenigen Mausklicks aktivieren und das gelieferte Signal war sehr stabil. Das Beatmatching gelang per Timecode-Kontrolle genauso zuverlässig wie im analogen Vinyl-Mixbetrieb.

Pro & Contra

  • günstiger Preis
  • Line-Ausgang
  • USB-Ausgang
  • „Saugnapf“-Füße mit guter Vibrationsdämpfung
  • Tonabnehmersystem enthalten
  • geringe Gleichlaufschwankung

  • Tonarmhöhe fix
  • kratzerempfindliche Abdeckhaube

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