Test
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16.04.2019

Praxis

Der erste haptische Eindruck ist richtig gut. Der Audio-Technica hat mit 10 kg ein solides Gesamtgewicht und die einzelnen Komponenten wirken hochwertig. Der Tonarmturm lässt sich geschmeidig in der Höhe verstellen und auch die Justierung von Tonarmgewicht und Antiskating geht schnell und präzise vonstatten.

Die Kunststoffoberfläche ist an den Seiten leicht abgerundet, was sich beim Mixen sehr angenehm anfühlt. Die Mittelspindel ist mit 1,8 cm deutlich höher als beim Technics SL-120 MK2 (1,4 cm) und läuft spitz zu. DJs, die beim Abbremsen der Platte gern Hand an die Spindel legen, wird das freuen.

Der Pitchfader

Der mittengerasterte Pitchfader fühlt sich geschmeidig an und lässt sich präzise führen. Die Nullposition rastet sanft ein und beleuchtet die blaue Nullpositions-LED. Noch wichtiger: Beim Pitchen um den Nullpunkt herum nervt die Mittenrasterung kaum.

Die Schalter für Geschwindigkeit und Pitchrange klicken zuverlässig. Werden jeweils beide Schalter gleichzeitig gedrückt, ist ein dritter Bereich anwählbar und das ist gut so: So bleibt das Design des Players klar und die häufig verwendeten Funktionen sind direkt und verwechslungsfrei anwählbar, denn 78 rpm bzw. 24 % Pitch benötigt DJ sicherlich nur in Ausnahmefällen.

Der Motor

Hier lässt sich Audio-Technica nicht besonders in die Karten schauen. Die offiziellen Daten geben ein Anlaufmoment von 2,2 kgf-cm und Gleichlaufschwankungen von unter 0,2 % WRMS bei 33 RPM an. Ich empfinde den Torque des AT-LP140XP als sehr angenehm und organisch. Start und Stopp geht etwas moderater vonstatten als bei einem Technics, aber gerade das etwas längere Stoppverhalten gefällt mir als Effekt ganz gut.

Wahrscheinlich haben wir es auch hier mit einem Hanpin Super OEM-Laufwerk zu tun und dadurch mit einer soliden 1200er Kopie, wie sie auch in vielen anderen Turntables namhafter Hersteller klaglos ihren Dienst tut. Die nachfolgenden Audiobeispiele zeigen, wie schnell der Audio-Technica im Vergleich zum Technics anläuft und abbremst.

(Audiobeispiele: Musik: Kay Barton – Oh God (Mijk van Dijk Remix) mit freundlicher Genehmigung von Kay Barton)

Der Plattenteller

Der Plattenteller aus Druckgussaluminium hat unterseitig eine dicke Gummibeschichtung, um Vibrationen und damit Feedback zu vermeiden und liegt „wie das Original“ leicht abgesenkt im Plattenspieler. Mit ca. 1250 g ist er nur geringfügig leichter als der meines 1210ers (ca. 1500 g) und der kräftige Motor hat mit dem Plattenteller leichtes Spiel. Die vier Stroboskop-Ringe zur Geschwindigkeitsbestimmung fühlen sich angenehm und eben an. Gut geeignet für DJs, die gerne am Plattentellerrand abbremsen.

Schönling

Überhaupt ist der AT-LP140XP ein wahrer Ästhet: Das silberfarbene Finish wirkt edel und unaufdringlich und passt gut zu den schwarzen Elementen des Plattenspielers, der kreisrunde Start/Stopp-Knopf korrespondiert angenehm mit der kreisrunden Puck-Ablage, beide sind mit einem schwarzen Ring eingefasst, das ganze Design ist stimmig und schön. Die schwarze Variante kommt mit schwarzem Chassis und schwarzen Buttons, was ebenfalls sehr cool aussieht.

Nur die blauen LEDs muss man mögen. Das Power-Licht im Stroboskop-Türmchen, die LEDs in den Schaltern, an der Nullposition des Pitchfaders und der Nadelbeleuchtung: Alles strahlt in coolem, kaltem Blau, ähnlich wie bei der Neuauflage Technics SL-1210GR. 

Was mir sehr gut gefällt ist der Lichteffekt, der sich auf der Nadel des mitgelieferten AT-XP3-Tonabnehmers abbildet. Dank der Formgebung der Cartridge wird das blaue Licht des Nadelbeleuchtung auf die Nadelspitze reflektiert, so dass diese fast wie eine zusätzliche LED wirkt und DJ wirklich exakt die Position der Nadel auf der Platte erkennen kann. Superpraktisch und auch im Heimbetrieb ein echter Hingucker.

Der Tonabnehmer

Der neue AT-XP3 Tonabnehmer klingt gut, liegt aber längst nicht so fett auf dem Vinyl wie meine Referenz-Pickups Ortofon Mk2 Club und Taruya 01-M, die auch bei agileren Scratches stoisch in der Rille kleben. Völlig okay für Mix-DJs, ungeeignet für Scratch-DJs.

Mit einem dedizierten Scratch-Pickup geht der LP140XP aber schon ganz anders ab. Andererseits bekommt DJ hier einen guten Hi-Fi-Tonabnehmer inklusive Headshell mitgeliefert. Daher mein Tipp: zum Musikhören den mitgelieferten XP3-Pickup nehmen, der dank seines konischen Schliffs schön ausgewogen klingt und die Schallplattenrillen weniger beansprucht. Für DJ-Mixes und harte Scratch-Routines dann einen richtigen Scratch-Pickup aufschrauben.

 

 

Klang

Dank des puristischen Designs, das ohne klangverändernde Phono-Vorstufe oder USB-Karte auskommt, fließt beim AT-LP140XP der Klang direkt von der Cartridge zu den Cinch-Ausgängen. Der ordentlich gedämpfte Plattenteller und hohe Gleichlauf des Turntables sind weitere gute Voraussetzungen für eine optimale Übertragung zwischen dem Tonabnehmer und dem Phono-Vorverstärker im Mixer oder der Endstufe.

Sparmaßnahmen

Das kleine U-Boot-Periskop zur Beleuchtung der Nadel lässt sich in das Plattenspielerchassis versenken und wie beim Technics-Klassiker per hydraulischem Knopfdruck wieder nach oben fahren. Das ist weniger geschmeidig als beim „Original“ und ging beim Testgerät nicht immer problemlos: Ich musste die Nadelbeleuchtung auch schon mal mit beiden Fingerspitzen herausziehen. Auch der Plattenarm wirkt im Gegensatz zu meinem altgedienten Technics SL-1210 Mk2 beim Auflegen leichter und dadurch weniger vibrationsarm. 

Schließlich noch ein kritisches Wort zum nicht-hydraulischen Plattenlift: Wird die Nadel per Lifthebel auf die Schallplatte gesenkt, ist Sorgfalt geboten, sonst knallt der Stylus ungebremst aufs Vinyl. Zu hoch möchte ich diese Kritikpunkte aber auch nicht hängen: Hier wurde von Audio-Technica an Stellen gespart, die die Performance des Turntables nicht wesentlich beeinträchtigen.

Die meisten DJs belassen die Nadelbeleuchtung in der einen oder anderen Position und tatsächlich habe ich in 27 Jahren Club-Tätigkeit nur einen einzigen DJ kennengelernt, der die Nadel sorgfältig per hydraulischem Hebel auf die Platte absenkt. Ich brauche das nicht.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • gute Verarbeitung
  • höhenverstellbarer Tonarm
  • höhenverstellbare Füße mit guter Abkopplung
  • drei Geschwindigkeiten und Pitch-Ranges
  • Pitch-Lock
  • Reverse-Modus
  • vergoldete Cinch-Buchsen
  • abnehmbare Kabel
  • Audio-Technica AT-XP3 Tonabnehmer und Headshell im Lieferumfang enthalten
  • blauer Lichteffekt auf der Nadel des AT-XP3 Tonabnehmers

  • Nadelleuchte und Füße nicht auf dem gleichen hohen Standard wie andere Komponenten

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