Test
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08.09.2020

Austrian Audio Hi-X50 Test

Geschlossener On-Ear-Studiokopfhörer

Studio-Profi „Made in Austria“

Wie der Zufall manchmal so spielt: Als es an meiner Tür klingelte und mir der Kurier das Paket mit dem Austrian Audio Hi-X50 feierlich überreichte, nahm ich gerade Gesang mit einer österreichischen Künstlerin in meinem Studio auf. Somit war es naheliegend, den geschlossenen Studiokopfhörer umgehend auszupacken und zum spontanen ersten Praxis-Check gegen meinen langjährig bewährten ATH-M50 von Audio-Technica auszutauschen.

Schließlich wollte die Sängerin den Hi-X50 dann gar nicht wieder hergeben – es war eine Liebe auf den ersten Logic-Klick. Ob hierbei möglicherweise ein Hauch von Nationalstolz mit im Spiel ist oder ob es andere Gründe gibt, die für den Studiokopfhörer „Made in Austria“, sprechen, lest ihr dem folgenden Kurztest. Das ohrumschließende Pendant Austrian Audio Hi-X55 hatten wir bereits ausführlich gecheckt, den dazugehörigen Testbericht findet ihr hier.

Details & Praxis

Merkmale und Besonderheiten

Augenscheinlich unterscheidet sich der Austrian Audio Hi-X50 lediglich anhand der Ohrmuscheln vom Over-Ear-Modell des Herstellers. Bis auf das etwas geringere Gewicht stimmen ebenfalls die technischen Angaben, die am Ende des Testberichts aufgelistet sind, überein. Auffällig ist die geringe Impedanz von 25 Ohm, wodurch der Austrian Audio Kopfhörer eine souveräne Wiedergabe an mobilen Abspielgeräten zu gewährleisten verspricht. Die Verarbeitung sowie die optische Anmutung des ästhetisch designten Kopfhörers sind erstklassig, allerdings kann ich mich mit der verriegelbaren Steckverbindung des abnehmbaren Kopfhörerkabels immer noch nicht anfreunden. Der Riegelmechanismus (Kunststoff) lässt sich, wie auch beim Hi-X55, leicht überdrehen, was irgendwie nicht ins Gesamtbild des ansonsten stabilen Hi-X50 passt. Das Gehäuse geizt nicht mit äußerst robust wirkenden Metallbauteilen an wichtigen Stellen, wie beispielsweise dem Gelenkmechanismus und dem äußeren Kopfbügel.

Der Tragekomfort ist für einen ohrumschließenden Kopfhörer subjektiv überdurchschnittlich hoch. Nicht wenige Anwender bevorzugen ohrumschließende Modelle, weil sie den Anpressdruck ohraufliegender Ohrmuscheln als unkomfortabel empfinden. Allerdings verfügt der Hi-X50 über bemerkenswert weiche Ohrpolster und auch der Kopfbügel passt sich mit seiner effektiven Polsterung perfekt meiner Kopfform an, ohne einen nennenswerten Druck auf die Schädeldecke auszuüben. Somit ist lohnt sich ein Check auch für bisherige „On-Ear-Verweigerer“ durchaus.

Klang

Im Gegensatz zu vielen ohrumschließenden Kopfhören ist die korrekte Frequenzabbildung der meisten On-Ear-Modelle abhängig von der akkuraten Positionierung der (flexibel tragbaren) Ohrmuscheln, wodurch es beim Ab- und wieder Aufsetzen des Kopfhörers im ungünstigsten Fall zu Fehlbeurteilungen bei Mix- und Mastering-Tätigkeiten führen könnte. Dies trifft auch auf den Hi-X50 zu, obwohl er vom Hersteller (auch) hierfür beworben wird. Allerdings sehe ich den Austrian Audio Kopfhörer sowieso eher im klassischen Monitoring-Einsatz, wie beispielsweise dem Recording von Musikern, wo er alle Anforderungen überdurchschnittlich und profigerecht erfüllt. Die Wiedergabe ist detailreich, räumlich transparent und alle Frequenzbereiche werden (bei korrektem Sitz) in einer hierfür zweckdienlichen Ausgewogenheit wiedergegeben. Die Fähigkeit Klangentscheidungen zu treffen möchte ich dem Hi-X50 überhaupt nicht absprechen, allerdings gibt es hierfür geeignetere Modelle als den Austrian Audio Kopfhörer, dessen Talent nach meiner Einschätzung woanders liegt: Recording top - Mischen und Mastern eher als unterstützendes Tool. Aber wie klingt er den nun im Vergleich zur Konkurrenz? Im Direktvergleich mit meinen geschlossenen Studiokopfhörern von Adam Audio (Studio Pro SP-5) und Audio-Technica (ATH-M50) offenbart der Kopfhörer von Austria Audio eine durchaus vergleichbare Wiedergabe hoher Frequenzen, wobei er insgesamt etwas mittiger und kühler abgestimmt ist als meine beiden Vergleichskopfhörer. Der reduzierte Subbass gegenüber den beiden genannten Modellen fällt sogar recht deutlich aus, was aber nicht zwingend negativ sein muss. Meiner Sängerin kam die mittenbetonte Klangsignatur des Hi-X50 entgegen, da sie ihre Stimme während der Aufnahme sehr gut wahrnehmen konnte. Aufgrund seiner Maße und seines stylischen Erscheinungsbilds würde der Austrian Audio Hi-X50 eigentlich auch einen guten Mobilkopfhörer abgeben, da er definitiv hochwertiger als so einige mir bekannten Modelle dieser Produktkategorie klingt. Allerdings ist das 3 Meter lange Kabel hierfür etwas unpraktisch.

Fazit

Der ohraufliegende Studiokopfhörer Austrian Audio Hi-X50 ist ein stylisch gestaltetes Profiwerkzeug. Seinen primären Einsatzort sehe ich im Aufnahmeraum, wo sich seine transparenten und detailreichen (und trotzdem unaufdringlichen) Wiedergabeeigenschaften von manch einem etablierten Arbeitstier abheben. Für ein On-Ear-Modell ist der Hi-X50 übrigens überdurchschnittlich bequem.

  • Pro
  • transparente und dynamische Wiedergabe
  • professionelle Dämmeigenschaften
  • attraktive und robuste Konstruktion
  • hoher Tragekomfort für ein ohraufliegendes Modell
  • „Ein-Ohr-Trageweise“ möglich
  • faltbar
  • abnehmbares Kabel
  • Contra
  • reagiert konstruktionsbedingt klanglich sensibler auf Positionsänderungen der Ohrmuscheln als beim ohrumschließenden Modell
  • Steckverbindung (Kabel-Ohrmuschel) lässt sich überdrehen
  • Features & Spezifikationen
  • professioneller Studiokopfhörer
  • geschlossen
  • Klappmechanismus
  • 44mm Treiber
  • ohraufliegend
  • wechselbare Polster
  • Transportbeutel aus Stoff
  • abnehmbares Kabel (links geführt, 3m)
  • 3,5mm-Klinkenstecker und 6,35 mm Klinkenadapter (vergoldet)
  • Frequenzbereich 5 - 28.000Hz
  • Klirrfaktor < 0,1% bei 1kHz
  • Gewicht 285g (ohne Kabel)
  • Impedanz 25 Ohm
  • Empfindlichkeit 118dB SPL/V
  • Nennbelastbarkeit 150mW
  • Preis: € 239,– (Straßenpreis am 4.9.2020)
Veröffentlicht am 08.09.2020

Pro & Contra

  • transparente und dynamische Wiedergabe
  • professionelle Dämmeigenschaften
  • attraktive und robuste Konstruktion
  • hoher Tragekomfort für ein ohraufliegendes Modell
  • „Ein-Ohr-Trageweise“ möglich
  • faltbar
  • abnehmbares Kabel

  • reagiert konstruktionsbedingt klanglich sensibler auf Positionsänderungen der Ohrmuscheln als beim ohrumschließenden Modell
  • Steckverbindung (Kabel-Ohrmuschel) lässt sich überdrehen

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