Hersteller_Behringer
Test
5
17.11.2011

PRAXIS

Die Phono-Preamps klingen klar in den Höhen und druckvoll in den Bässen. Die Vorverstärker sind gut aufeinander abgestimmt, sodass es keine pegeltechnischen oder klanglichen Einbrüche gibt, wenn der DJ sämtliche Register in Sachen Zuspieler (Phono/Line/USB) zieht. Das Mikrofonsignal klingt durchsichtig und rauscharm. Der British-EQ entspricht mit plusminus 12 dB gängigen Standards. Er setzt bei 50 Hz (Bass) und 12 kHz (Hi) an und greift grazil ins Klangbild ein, sodass sich mit ein wenig Feingefühl selbst aus dumpferen oder grelleren Signalen noch einiges herauskitzeln lässt. Für MCs und Moderatoren sehe ich hier keine Einschränkungen. Im Übrigen kann das Effektsignal auch auf den Mikrofonweg angewandt werden.

Aus den beiden Master-Ausgängen ertönt ein warmer Sound mit definierten Höhen und ausgewogenen Mitten. Der Kopfhörerausgang hat zu meiner Überraschung richtig Rumms im Bauch und braucht den direkten Vergleich mit meinem DJM-600 nicht zu scheuen. Nennenswertes Zerren konnte ich auch weit aufgerissen nicht feststellen, vorausgesetzt man übersteuert nicht.  

Workflow-Aspekte

Der Nox-202 ist übersichtlich aufgebaut und weitestgehend intuitiv zu bedienen. Nicht nur die Hauptzielgruppe - meiner Meinung nach Einsteiger und Anwender, die die ersten Klippen bereits gekonnt umschifft haben - wird dies zu schätzen wissen. Die Bedienelemente punkten mit guter Haptik, das Platzangebot geht in Ordnung, die Audioqualität weiß zu gefallen - kurz gesagt: Die Arbeit mit dem Nox macht Spaß. Was mich ein wenig irritiert, ist das Cue-Poti über (nicht unter) dem Cuefader, denn ich bleibe beim Cuemix manchmal mit den Zeigefinger dran hängen. Das stört nicht übermäßig den Ablauf und schon gar nicht die Betriebssicherheit, aber es ist nun mal einfach so. Ferner ist die Positionierung des Reglers für die Crossfader-Curve nicht mein Fall und ich hätte ihn gern noch ein wenig griffiger gesehen.  

Bei den Buttons ist der Druckpunkt nicht wirklich zu ertasten, der Status wird jedoch konsequent durch Beleuchtung angezeigt. Das erinnert mich irgendwie an Allen& Heath, wenngleich sie größere runde Knöpfe verwenden. Nichtsdestotrotz kann man mit den Kill-Buttons richtig Gas geben. Prima.

Szenenwechsel

Wer einen entsprechenden Multicore-Kabelsatz oder eine Breakout-Box besitzt, kann mit einem digitalen Vinyl-System und echten Schallplatten gemischt auflegen, ohne das Vinyl durch die Software zu peitschen. Praktisch, wenn der Nutzer seine X-Tausend Maxis oder LPs noch nicht digitalisiert hat. Das ist unter Umständen gar nicht so teuer, denn es gibt bereits kostenlose DVS-Software wie Mix, die viele Timecodes von Haus aus versteht. Zum Ausprobieren könnte ASIO4ALL in Kombination mit dem Nox und der Notebook-internen Audiolösung herhalten. Das Digitalisieren ließe sich sogar mit dem Behringer vollziehen, denn er kann das Master-Signal via USB an den Verstärker schicken. Mit einem kostenlosen Programm wie Audacity kann man die Quelle abgreifen und sich ergo ein zusätzliches Audiogerät zum Verewigen der analogen Schätzchen sparen. Wenngleich anzumerken gilt, dass das Interface auf dem Mac mit maximal 16 Bit und 48 kHz arbeitet und so nicht an die Klasse einer hochwertigen Recording-Lösung heranreicht. Es kommt halt auch ein wenig auf den Anspruch und natürlich die Investitionsfreude an. Aber für den privaten Rahmen reicht es allemal - der Aufzeichnung eigener Mixsessions steht jedenfalls nix im Wege.

Spezielle ASIO oder Core-Treiber hat der Nox nicht im Gepäck. Wer einfach ein paar Tracks vom Computer einspielen will, dem wird das wohl egal sein. Solange er nicht auf atemberaubende Latenzen angewiesen ist, da sich das Interface unter Traktor auf 40 Millisekunden einstellt. Der anschließende Mix mit USB-, Phono- und Line-Zuspieler verlief absolut störungsfrei. Potentiellen Noxxern, die nicht in eine Traktor-Lizenz investieren wollen (kostet immerhin fast so viel wie der 202-Mixer selbst) sei gesagt, dass man einen Tanzflur zum Beispiel auch mit einer kostenlosen DJ-Software wie dem bereits erwähnten Mixxx recht gut befeuern kann. Für Tante Herthas Fünfzigsten reicht sicherlich auch Winamp oder iTunes. Schade eigentlich, dass der Testkandidat kein Vierkanal-USB-Interface besitzt. Ich glaube, bei knapp 160 Euronen Straßenpreis hätte ich sonst an dieser Stelle wahrscheinlich Freudentränen in den Augen gehabt. Aber mal im Ernst. Hier bekommt man für seine Kohle schon einiges geboten. Daher gleich weiter im Text.  

Effekte

Die Effektabteilung präsentiert sich mit zwölf Klangverbiegern. Vom Band-Echo über Delay, Reverb, Flanger und Filter wird das Areal der Brot & Butter-Effekte serviert

Das Mischungsverhältnis wird per Fader, der Parameter per Drehregler gesteuert. Mittels Encoder wird das ausgewählte Effektprogramm dem Master, dem Mikrofonkanal oder einem der beiden Kanäle separat zugemischt. Interessanterweise lassen sich manche Effekte zum Beat synchronisieren. Was man daran erkennt, dass der Tempo Button nervös zu blinken beginnt, wenn sie ausgewählt sind. Nun kann der DJ durch manuelles Klopfen auf den Tap-Button die Synchronisationsgrundlage schaffen. Ab dem zweiten Tastenhieb wird ein Mittelwert der Eingaben berechnet. Das klappt soweit sehr gut. Die Auswahl einer Routine erfolgt via Push-Encoder, was eine rote Beleuchtung des aktuell ausgewählten Typs nach sich zieht. Letzter Bestandteil des Effektgeschwaders ist ein Button mit der Aufschrift FX-On. Ihr ahnt sicherlich, welche Funktion ihm zugedacht ist. Hinzufügen möchte ich noch, dass sich die Klangverbieger vorhören lassen. Find ich klasse! - Das gibt Sonderapplaus.  

Mit dem Parameterregler und dem Intensitätsfader geht die Steuerung sehr gut von der Hand. Multi-FX, Kettenschaltung oder Mehrfachzuweisungen sind nicht möglich, was ich in dieser Preisklasse auch nicht erwartet habe. Dry/ Wet-Fader sieht man in letzter Zeit eher selten bei DJ-Mixern. Schade, sie versprühen nämlich einen ganz speziellen Charme. Wer sich nun fragt, warum um alles in der Welt Behringer keinen Encoder fürs Effekt-Timing verbaut hat: Ich denke, das ist in Ordnung, so wie es ist. Denn wahrscheinlich hätte die andere Hälfte des DJ-Lagers aufgeschrien, wenn sie Maximalwert und Nullstellung eines Flangers, Reverbs oder Filters nicht ablesen könnten oder gerasterte Parameterfahrten absolvieren müssten. Apropos Filter: Beim High- oder Lowpass ist Vorsicht geboten, denn diese kommen entsprechend ihres Cutoffs nach kurzer Deadzone in vollem Umfang über den Dry/Wet-Fader. Krasser, als man es hinsichtlich der Skalierung erwartet hätte. Also Vorsicht!  

Generell kann die Effektsektion hinsichtlich des Sounds überzeugen, lediglich das Echo klingt in meinen Augen ein wenig wie durch die Röhre und ist beim Umschalten der Delay-Zeiten etwas dröge. Außerdem ist mir die Nachhallzeit des Reverbs auf den untersten Stufen nicht tight genug und das Reverse Reverb könnte eine geringere Latenz aufweisen. Ist aber sicherlich auch Geschmackssache. Unterm Strich lassen sich die Effekte gut bedienen und sind dancefloortauglich konzipiert. Unliebsame Extremsounds sind jedenfalls nicht zu erwarten.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Gute Haptik der Bedienelemente
  • Mechanisch einstellbarer Fader mit Curve-Control
  • Übersichtliches Layout
  • Integriertes USB-Audio-Interface
  • Synchronisierbare 24-Bit-Effektsektion
  • Effekte lassen sich vorhören
  • Saubere Verarbeitung
  • Kill-EQs und Buttons
  • Günstiger Preis

  • Fehlende Skalierungen an den Pegelmetern
  • Anzeige des Peak-Meters ist unabhängig vom Master-Poti
  • Position des Cuemix-Poti
  • Curve-Button könnte griffiger sein

Gehört zu dieser Serie

Verwandte Artikel

User Kommentare

Zum Seitenanfang
ZUR STANDARD WEB-ANSICHT X