Hersteller_Behringer
Test
2
26.07.2016

Behringer U-PHORIA UMC1820 Test

USB-Audio-Interface

18 Ein- und 20 Ausgänge für ein Taschengeld

Die Firma Behringer beschert der Audiowelt alle paar Jahre einen Knaller. Das U-Phoria UMC1820 dürfte sich auch wieder in die Heldengalerie vieler Schnäppchenjäger einreihen. Ob das Audio-Interface nur im Preis-Leistungs-Vergleich glänzt oder eine ernst zu nehmende Kampfansage an die doppelt bis dreifach so teure Konkurrenz ist? Mal sehen und mal hören…

Uli Behringer hat schon so manchem alteingesessenen Audio-Industrie-Hasen das Fürchten gelehrt. Indem er die letzten 20 Jahre mit seinen Geräten fast der einzige war, der sehr günstige Alternativen zu hochpreisigen Studiogeräten anbot, schaffte er den Einzug in manches Studio und auch in das ein oder andere Live-Rack. Behringer stand ganz früher für sehr preiswert und nicht ganz so hochwertig, was eine Zeit lang sogar dazu führt haben soll, dass der eine oder andere das Logo oder den Schriftzug der Behringer-Geräte im eigenen Fuhrpark mit Gaffa überklebte. Allerspätestens seit Erscheinen des X32-Digitalpultes (hier im Test) im Jahre 2011 sollte das aber Geschichte sein. Mit dem U-Phoria UMC1820 kommt nun ein 19-Zoll-USB-Audio-Interface auf den Markt, das eine mächtige Feature-Liste zum kleinen Preis bietet.

Details

Preamps von Midas entwickelt

Das UMC1820 ist ein USB-Interface mit 18 Ein- und 20 Ausgängen. Mit seiner ADAT-Schnittstelle und den S/PDIF-Anschlüssen bietet es genügend Optionen, um verschiedensten Aufnahme- oder Postpro-Situationen gerecht werden zu können. Die maximale Auflösung beträgt 24 Bit bei 96 Kilohertz Samplingrate und die acht vorhandenen Preamps der Analogeingänge (von MIDAS entwickelt) bieten an allen acht XLR-Buchsen +48 Volt Phantomspeisung, welche mit zwei Knöpfen an der Gerätefront für die Kanäle 1-4 und 5-8 jeweils gemeinsam aufgeschaltet werden kann. Schon beim Auspacken fällt auf, dass die Formulierung „Built like a tank“ nicht übertrieben ist. Das 19-Zoll-Gerät liegt gewichtig in der Hand. Da wackelt nichts. Alles scheint bombenfest verarbeitet zu sein. Die Drehregler und Knöpfe an der Front sind relativ schwergängig, was auf mich einen guten Eindruck macht. Die vielen gleich aussehenden Druckknöpfe hätte man an ihren Rändern vielleicht farblich unterteilen sollen, damit man besser sehen kann welche Knöpfe gedrückt sind, und welche nicht. Bei schwarz auf schwarz fällt das nicht direkt ins Auge.

Analoge Inputs

Die analogen Eingänge bestehen aus acht Klinke-XLR-Kombobuchsen, die analoge Mikrophon- oder Linelevel-Signale verarbeiten können. Die ersten beiden dieser acht Eingangskanäle befinden sich an der Front, sodass man eben mal schnell noch mit zwei Signalen draufgehen kann, ohne dass man sich hinten ins 19-Zoll-Rack begeben muss, sofern man das Audio-Interface in einem solchen eingebaut hat, versteht sich. Die restlichen sechs Eingangsbuchsen befinden sich auf der Rückseite. Für jeden der acht analogen Eingänge gibt es frontseitig einen Gainregler nebst Clipping- und Signal-LED, Pad-Schalter und Line-/Instrument-Switch. Schaltet man bei letzterem auf Instrument, so bekommt man an der entsprechenden Klinkenbuchse einen Hi-Z-Eingang zum direkten Anschluss von E-Gitarre und Bass.

Digitalanschlüsse

Die Digitalschnittstellen befinden sich ausschließlich an der Rückseite. Hier stehen ein koaxialer S/PDIF-Ein- und Ausgang sowie ein Toslink-Ein- und Ausgang zur Verfügung, der sogar entweder als ADAT oder als S/PDIF verwendet werden kann. Der entsprechende Schalter namens „OPT I/O“, mit dem man einen der beiden Modi wählt, befindet sich auf dem Frontpanel rechts und ist auffällig weiß eingerahmt. Per S/MUX lässt sich der ADAT-Anschluss auch mit 88,2 oder 96 Kilohertz betreiben. Natürlich fällt hierbei die Kanalzahl der ADAT-Schnittstelle auf die Hälfte, nämlich vier. Das bringt aber die S/MUX-Technik mit, da man hierbei die Samplingraten splittet und jeweils zwei Kanäle zur Übertragung eines Signals benötigt. 

Die Ausgänge

Zehn analoge Klinken-Ausgänge befinden sich an der Rückseite, darunter zwei Mainouts, die einen Lautstärkeregler, einen Mute- und einen Dim-Knopf an der Frontplatte spendiert bekommen haben. Die acht weiteren Ausgänge können in einer DAW beispielsweise bis hin zu einem 7.1-Format-Output genutzt werden. Dank der schlauen Idee, zwei analoge Ausgänge als Mainouts abzusondern, könnte man so zum Beispiel eine Stereo- und eine zusätzliche 7.1-Abhöre gleichzeitig beschicken. Wenn ich mir allerdings die Zahl und Art der Surround-Aufträge anschaue, bezweifle ich, dass ich jemals einen 7.1-Mix fahren werden muss. Naja, dann sind es halt eben einfach tolle zehn Analog-Ausgänge (für Hardware-Inserts und dergleichen), von denen sich zwei separat als Mainouts regeln lassen. Desweiteren wurden dem UMC1820 zwei Kopfhörerausgänge an der Frontseite spendiert, die entweder das Mainout-Signal führen (die Kanäle 1 und 2) oder per Knopfdruck jeweils die Ausgänge 3 und 4 wiedergeben können.

 

Gut: MIDI-Schnittstelle 

Klein und unaufgeregt befindet sich eine MIDI-Schnittstelle mit an Bord. Mit MIDI ist es so ähnlich wie mit dem Ton bei Film- und Fernsehproduktionen: Wirklich wichtig scheint sie nicht zu sein, aber wenn sie fehlt, ist das Geschrei groß, insofern ist es gut, dass daran gedacht wurde. Besonders lobenswert in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass MIDI-In und MIDI-Out-LEDs vorhanden sind, die einen etwaigen MIDI-Fluss optisch quittieren. Dieses kleine, aber feine Feature hätte mir schon so manche Fehlersuche bei verwandten, teureren Produkten erspart. Dass der Behringer U-Phoria UMC1820 einen Strom- und USB-Anschluss besitzt ,ist ja fast schon einen redundante Information. Aber wo ich schon beim Thema bin, stöpsle ich die beiden Anschlüsse einfach mal dort hin, wo sie hingehören.

 

Treiber am Windows-Rechner / Class-Compliant am Mac

Am Mac benötigt das Interface keinerlei Treiberinstallation und wird aufgrund seiner Class-Compliant-Fähigkeit sofort erkannt und ist einsatzbereit. Test bestanden. Für den Betrieb am PC braucht es einen Treiber. Dieser wird nicht mitgeliefert, sondern muss aus dem Web gezogen werden. Auf der Behringerseite der Music Group stehen dazu Treiber für Windows-Versionen XP, Vista, 7 und 10 zur Verfügung. Gesagt, getan, widme ich mich zunächst den Treiber-Settings. Spartanisch erscheint das Settingsfenster. Aber es erfüllt seinen Zweck. Das Interface ist schnell betriebsbereit und lässt sich durch einen kleinen Mixer auch ohne DAW im Betriebssystem verwenden. Die Buffergröße lässt sich von minimalen 64 bis auf große 8192 Samples einstellen. In der höchstmöglichen Samplingrate des UMC1820 kommt man also in zirka fünf Millisekunden rein und wieder raus. Nur mal so zur Verdeutlichung: Das entspricht ungefähr der Zeit, die ein Signal aus einem Lautsprecher braucht, um 1,7 Meter zurückzulegen. 

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • guter Klang/gute Preamps
  • viele Ein- und Ausgänge
  • hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis

  • Durckknopf-Positionen schwer erkennbar
  • Direct-Monitoring nur für die Analog-Eingänge und nicht separat pegelbar

Verwandte Artikel

User Kommentare

Zum Seitenanfang
ZUR STANDARD WEB-ANSICHT X