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Test
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10.06.2015

Behringer X Air X18 Test

Digital iPad/Tablet-Mixer

Mischpult 2.0

Das Behringer X18 aus der X Air Serie ist ein universelles, preislich attraktives Kompaktmischpult und fühlt sich von Recording bis Live-Einsatz in vielen Disziplinen zu Hause. Wie nicht anders zu erwarten, besitzt es viele Gene seines großen Bruder X32. Mit dem hatte die Firma Behringer bereits eindrucksvoll gezeigt, wie gelungene, interdisziplinäre Mischer aussehen können. Bleibt zu klären, ob der Proband die Herzen der Bandmitglieder im Sturm erobert oder doch eher als laues Lüftchen in Erinnerung bleibt.

Details

Bereits auf den ersten Blick fällt auf, dass es Behringer mit dem X18 gelungen ist, bekannte Problemfelder von Kleinmixern gekonnt zu umschiffen. Das Netzteil und sogar ein WLAN-Access-Point sind fest im Gerät integriert und minimieren so den üblichen Kabelwust aus Steckernetzteilen und Netzwerkkabeln. Die sechzehn Eingänge im Combo-Buchsenformat akzeptieren Mikrofon- und Line-Signale; zwei sind sogar als Hi-Z ausgelegt. Hier lassen sich Gitarren und Bässe ohne den Umweg einer DI-Box andocken.

Ein-und Ausgänge

Für den Anschluss einer Stereoquelle (MP3/CD-Player etc.) steht ein Cinch-Buchsenpaar bereit. Ein zweites Pärchen gibt wahlweise den Summenmix oder den Control-Ausgang wieder. Zum Ansteuern von Monitoren oder In-Ear-Systemen sind sechs symmetrische Klinkenbuchsen vorhanden. Die meisten Endstufen und Aktivmonitore besitzen allerdings XLR-Eingangsbuchsen, weshalb man beim Kauf eines X18 einen Schwung Klinken-XLR-Adapter zusätzlich in den Warenkorb legen sollte. Und zwar vorzugsweise Exemplare, die zwischen Klinken- und XLR-Stecker ein kurzes Stück Kabel besitzen. Modelle mit einem Vollgehäuse sind sich nämlich aufgrund der recht beengten Platzverhältnisse mitunter selbst im Weg. Zwei XLR-Ausgänge auf der Oberseite geben die Mischpultsumme aus.

Wir stellen fest: Das Behringer X Air X18 stellt genügend Ein-und Ausgänge für den klassischen Club-Gig bereit. Für den Monitormix bietet das X18 sogar die Option, P-16 Personal Monitormixer via Ultranet-LAN anzudocken. Musiker, die gerne ihren Monitormix unter eigener Kontrolle haben, dürfen somit ihren Kontrollzwang frei ausleben.

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht offensichtlich ist: Das Pult verfügt über erstaunliche Fähigkeiten als Recording-Lösung: Abgesehen vom latenzfreien Monitoring durch die Ultranet-Anbindung dürften zudem die verbaute MIDI-Schnittstelle und die integrierte USB-Soundkarte mit 18 Ein- und Ausgängen im Duplex-Betrieb nicht selbstverständlich in dieser Preisklasse sein.  

Die USB-Audiolösung gibt sich im Test sehr performant. An einem i5 Laptop mit Windows 7 und 4 GB RAM lässt sich die Buffersize auf 128 Samples herunterschrauben. Mit einem MacBook Pro (2011, i7 und 8 GB RAM) ist sogar ein stabiler Betrieb bei 64 Samples möglich. Das X18 arbeitet zudem class compliant und benötigt am Mac daher keinen dezidierten Audiotreiber. Selbst ein Test mit Waves Multirack Native und der VST-Host-Software LiveProfessor verlief erfolgreich, sodass der Einbindung externer Plug-ins nichts im Wege steht.

Software

Dank der Software des X18 wird die Verwaltung der Soundkartensignale zum Kinderspiel. Wobei es „die X18 Software“ im Grunde nicht gibt. Je nachdem, mit welchem Device man auf das Gerät zugreift, hat man es mit einer anderen Variante zu tun. Wird ein „herkömmlicher‟ Computer genutzt (Windows, Mac oder Linux), stellt Behringer dem User eine Software namens X Air Edit zur Seite.

X Air Edit ist die umfassendste Möglichkeit, um das Gerät zu bedienen. Neben den reinen Mischfunktionen gestattet sie auch die Verwaltung von Presets und Mix-Szenen im Gerät und auf dem Laptop. Auch Firmware-Updates finden so ihren Weg in das X18. Steuert man den Kandidaten mit einem Android-Tablet oder iPad, benötigt man die kostenlose X Air App aus den jeweiligen Online-Stores. Die Bedienung der drei Remote-Optionen unterscheidet sich allerdings in manchen Punkten, sodass man mit etwas Einarbeitungszeit rechnen muss.

Tipp: Auf YouTube gibt es viele Tutorials für den richtigen Umgang mit der Software.

WLAN

Der eingebaute Access-Point macht die drahtlose Fernsteuerung des Mixers denkbar einfach. Kein umständliches Andocken eines externes Routers, kein Kabelsalat durch zusätzliche Netzwerkkabel, kein weiteres Steckernetzteil. Aus Erfahrung möchte der Autor allerdings darauf hinweisen, dass man sich bei größeren Konzerten nicht ausschließlich auf das WLAN verlassen sollte. Selbst wenn der drahtlose Zugriff auf den Mixer beim Soundcheck noch anstandslos funktioniert, kann sich das mit dem Eintreffen des Publikums ändern. Unterbindet menschliches Dämmfleisch eine direkte Sichtverbindung zum Gerät, verschlechtert sich mitunter die Verbindungsqualität. Der Smartphone-Schwarm im Publikum erzeugt zudem erhöhten Traffic im ISM-Band. Abgesetzte Antennen und der Wechsel in den (noch) wenig frequentierten 5-GHz-Bereich wären eine Alternative, die der im X18 verbaute Access-Point allerdings nicht bietet. Die Antenne ist im Gerät integriert und der Kandidat funkt ausschließlich im 2,4-GHz-Band. Zudem bietet das Gerät nur WEP-Verschlüsselung, was nicht dem Stand der Technik entspricht.

Wird das Behringer X Air X18 nicht zu Recording-Zwecken, im Proberaum oder bei kleineren Gigs verwendet, sollte man spätestens nach dem Soundcheck einen externen 5-GHz-Router andocken. Das bietet zwei Vorteile: Zum einen kann ein Laptop per X Air Edit simultan zum drahtlosen Tablet verwendet werden und das Senden der Steuersignale findet im weniger störanfälligen 5-GHz-Bereich statt. Sollte das Schicksal knallhart zuschlagen und es auch dort zu Störungen kommen, besteht immer noch direkter Zugriff auf das Gerät durch das Notebook. Der Router ist ein überschaubares Investment im Gegenwert von zwei Kästen Premium Pilsener deutscher Brauart und somit sein Geld absolut wert.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Großzügige Ausstattung
  • Umfangreiche Mix-Features
  • Große Effektauswahl
  • Eingebauter Wireless-Access-Point
  • Integriertes 18-Kanal Recording-Interface
  • P-16 Ultranet-Monitoring
  • Remote-Software für PC, Mac und Linux
  • Remote-Apps für iOS- und Android-Geräte
  • Integriertes Netzteil
  • MIDI-Schnittstelle

  • Integrierter Access-Point nur mit 2,4 GHz und WEP-Verschlüsselung
  • Klinkenbuchsen der Aux-Sends eng platziert

Gehört zu dieser Serie

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