Software
Test
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18.07.2019

Bitwig Studio 3 Test

DAW-Software

The Grid als neuer Modular-Baukasten

The Grid ist DAS neue Feature in Bitwig Studio 3. Bisher gab es solche Modulationsbaukästen vor allem in eher komplizierten Umgebungen wie Reaktor oder MaxDSP, doch nun traut sich das Wunderkind Bitwig als erste DAW an die Thematik heran. Poly Grid und FX Grid sind die zwei Plugins, mit denen sich eigene Instrumente und Effekte kreieren lassen. 

Anfang des Jahres gab es das große Aufhorchen, denn es hieß: „Bitwig Studio 3 kommt!“ Pünktlich zur NAMM hatten die Berliner die dritte Version ihrer Modular-DAW angekündigt. Anders als bei den kleineren Updates, die seit der zweiten Version erschienen sind und bereits einzelne Funktionen verbessert oder neue Instrumente mitgebracht haben, ist man bei diesem Upgrade noch eine Ebene tiefer gegangen, was die Modulationsmöglichkeiten betrifft. Was bei teurer Hardware in den 60ern begann, in den 90ern mit Reaktor weitergeführt, anschließend (mit wachsender Fangemeinde) von MaxDSP aufgegriffen wurde und inzwischen mit dem VCVRack-Baukasten und einer riesigen Community fast schon zu einem neuen Genre wurde, wird nun erstmals als DAW realisiert.

Details

2019 ist das Jahr der Modularsynthese. Was lange eher Expertencharakter hatte – vor allem aus Platz- und Geldgründen – ist es hardware- wie softwareseitig dieses Jahr regelrecht explodiert. Auf der einen Seite steht da die rasant gewachsene Eurorack-Szene und auf der anderen eine nerdige Tüftler-Community, die durch die User-Libraries von Reaktor und MaxDSP schon das ein oder andere Mal gezeigt hatte, wie kreativ sie sein konnte, der es aber bislang verwehrt blieb, die Tüftelei auch auf DAW-Ebene durchzuführen. Bitwig hat nun die Zeichen der Zeit erkannt. 

True Grid

The Grid (zu Deutsch: „das Raster“) ist nicht etwa ein neues Notensystem außerhalb von Sechzehnteln oder Triolen, sondern eine Umgebung, in der man mit wenigen Klicks eigene Instrumente und Audioeffekte aus über 150 Modulen bauen kann. Das Prinzip ist aus Reaktor und MaxDSP bereits hinlänglich bekannt: Meine Module machen meine Musik. Aus verschiedensten Arten von Klangerzeugern, Effekten, Dämpfern, Verstärkern und Summierern lassen sich die abgefahrensten Instrumente und Effekte bauen.

Wie funktioniert The Grid?

Die zwei neuen Module – Poly Grid und FX Grid – funktionieren auf der Oberfläche prinzipiell wie jedes andere VSTi- oder VST-Plugin. Mit einem großen Unterschied: Man kann genau unter eben diese Oberfläche schauen. Szenario 1: Lieblingssynth A ist etwas schwach auf der Brust, was das Filter betrifft oder hat keine FM-Funktion. Bisher hatte man in so einem Fall nur die Wahl, sich einen neuen Synth zu suchen oder mit zusätzlichen Plugins mühsam eine Lösung zu finden. Ist dieses Instrument nun aber mit The Grid erzeugt worden, sind es lediglich drei Klicks und das entsprechende Modul ist hinzugefügt oder ausgetauscht. Als würde man in der Klampfe des Vertrauens mal eben ohne Saitenwechsel die Tonabnehmer tauschen können.

Szenario 2: Ich mach mir meine Modulationswelt, wie sie mir gefällt. Je tiefer man die Welt von Synthesizern und Effekten einsteigt, desto mehr häufen sich die Momente, in denen man denkt: „Könnte nicht einfach Modul A mit einem ringmodulierten Oszillator moduliert werden und ein metallischeres Rauschen erzeugen?“ – oder so ähnlich. Vielleicht nicht ganz so kompliziert, bietet The Grid zu dieser und jeder anderen Spielerei einen sehr direkten Zugang. 

We dream of Wires – Verkabeln in The Grid 

Viele Einsteigende der modularen Synthesizerwelt sind von den oft schrankwandgroßen Kabelwäldern, die mehr nach Raumschiff Orion als nach Instrument aussehen, abgeschreckt. Die Modular-Synth-Freeware VCV Rack ist am Anfang wie Reaktor oder MaxDSP mit einer nicht unbeträchtlichen Lernkurve verbunden. The Grid will das an vielen Stellen vereinfachen. Das Bitwig-Team hat sich sehr genaue Gedanken gemacht, welche „Verkabelungen“ bereits ohne händisch eingerichtet werden zu müssen vorhanden sind, wie sich Module tauschen oder in den Signalfluss einsetzen lassen und wie sich The Grid in die Modularität von Bitwig Studio möglichst nahtlos einfügt.

Die DAW hat vor allem unter Sounddesignern, Tüftlern und Modularsyntheseanhängern eine wachsende Fangemeinde. Und die wird ihre Freude haben. Neben gängigen Oszillatoren als Audioquelle gibt es Bitwigs Sampler (mit gleichem Namen „Sampler“) und den Sodftsynth „Phase 1“. Ein Kammfilter, das sich hervorragend im Sounddesign verwenden lässt, ist genauso dabei, wie die Möglichkeit, CV-Signale auf Modulebene zu generieren oder zu empfangen (die entsprechende Hardware vorausgesetzt). Signale lassen sich über unzählige mathematische und logische Module auf die wildeste Art und Weise kombinieren, dividieren, voneinander ausschließen, zufällig triggern oder ringmodulieren. Jeder Sounddesignerin wird dabei das Herz aufgehen, jeder Modularsynthese-Fan wird feuchte Augen bekommen.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Sehr einsteigerfreundlich
  • Viele Modulationsmöglichkeiten
  • Komplexere Voreinstellungen (Pitch Tracking) werden automatisch durchgeführt
  • 152 Module bringen unbegrenzte Soundmöglichkeiten
  • Sehr detaillierte Hilfefunktion
  • Sehr aktive Community

  • Hohe CPU-Last bei vielen Spuren
  • Module lassen sich nicht gruppieren
  • Modulkombinationen lassen sich nicht abspeichern
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