Gitarre
Test
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08.11.2018

Claas Guitars Moby Dick PL7 HDL ASH Test

7-Saiter Headless E-Gitarre

Kopflos rocken

Die Claas Guitars Moby Dick PL7 HDL ASH stammt aus der Werkstatt von Alexander Claas, der sich in den letzten Jahren mit hochwertigen Custom-Shop-Instrumenten einen sehr guten Ruf in der Szene erarbeitet hat. Für den Vertrieb der sogenannten Production-Line-Instrumente, zu der auch unsere Kandidatin gehört, verlässt er sich auf die Logistik und das Know-How des Musikaus Thomann.

Im Gegensatz zu den sonst direkt für den Endkunden gefertigten Gitarren handelt es sich bei der Moby Dick Production Line um preiswertere Serieninstrumente, die allerdings ebenfalls in Hannover in Handarbeit entstehen und laut Hersteller keinerlei Kompromisse in Qualität und Klang machen. Wie alle Instrumente von Alexander Claas fällt auch die Moby Dick PL7 HDL ASH allein schon durch ihr extravagantes Äußeres aus dem alltäglichen Rahmen und umso mehr stellt sich die Frage nach Soundqualität und Praxistauglichkeit.

Details

Schaut man sich die Instrumente junger Gitarrenmanufakturen an, fällt die relativ große Anzahl derer ohne Kopfplatte auf, zu denen auch unsere Testgitarre gehört. Mit ihrer Länge von lediglich 813 mm wird sie in einem robusten Gigbag geliefert, in dem sich neben einer kleinen Broschüre mit den weiteren Instrumenten des in Burgdorf bei Hannover ansässigen Gitarrenbauers und dem benötigten Werkzeug zum Einstellen auch zwei Dunlop Flush Mount Security Strap Locks befinden. Das ist auch gut so, denn ohne diese lässt sich kein Gurt am Instrument befestigen, da die Gegenstücke bauartbedingt versenkt im Korpus befestigt sind.

Korpus:

Der im Single-Cut-Design gestaltete Korpus besteht aus Esche und ist 40 mm dick. So weit ich erkennen kann, besteht der Body aus zwei Teilen. Claas Guitars bietet insgesamt drei unterschiedliche Hölzer an, neben Esche ist die Gitarre auch mit einem Mahagoni- oder einem Walnuss-Korpus zu haben, allesamt in einem Natur-Matt-Finish.

Neben dem Design ist ein weiteres auffälliges Merkmal die rückseitige Halsbefestigung mit sage und schreibe zehn Schrauben. Das sorgt natürlich für Stabilität. Unterhalb der Brücke besitzt der Body ebenfalls eine Fräsung, um den Zugang zu den Tunern der Brücke zu erleichtern, oder besser gesagt, erst zu ermöglichen. Die Brücke selbst besteht aus sieben schräg angebrachten Monorail-Einzelreitern mit verschiebbaren Böckchen. Die Ballends der Saiten werden dort eingelegt und mithilfe besagter Stimmer auf die richtige Tonhöhe gebracht.

Zur Anwahl der beiden Lace Alumitone Humbucker Deathbar & xBar steht lediglich ein Push/Pull-Poti bereit, das gleichzeitig auch als Volume-Regler fungiert. Einen Tone-Regler sucht man vergebens, beide Tonabnehmer lassen sich bei unserer Testgitarre nicht gemeinsam betreiben. Das Poti regelt dank des geriffelten Metallknopfs punktgenau und arbeitet über den gesamten Weg gleichmäßig.

Der Pickup-Hersteller geht bei den Alumitone-Tonabnehmern einen radikal eigenen Weg, und das beginnt mit dem Design. Aber auch, was die inneren Werte anbetrifft, hat sich Lace etwas einfallen lassen: Statt des üblicherweise verwendeten Kupferdrahts, mit dem die Spule um den Magneten gewickelt ist und der die Saitenschwingungen in Strom umwandelt, kommen hier Balkenmagneten zum Einsatz, die mit dem Aluminiumgehäuse des Tonabnehmers eine Einheit bilden und bei radikal verringertem Gewicht wie herkömmliche Pickups klingen sollen. Dabei generieren sie laut Hersteller im Vergleich mehr Output und einen offeneren Klang, der frei von Nebengeräuschen sein soll. Das klingt sehr interessant und ich bin gespannt, wie sich das in unserem Praxisteil im Klang widerspiegelt. Die Pickups sind, wie der Steg, ebenfalls versetzt und ohne Rähmchen direkt in den Korpus geschraubt.

Die Rückseite bietet lediglich eine Ausfräsung für das Elektronikfach, das mit einem versenkt angebrachten Deckel verschlossen ist. Der Korpus wurde zudem für ein besseres Handling sehr tief ausgeschnitten und ermöglicht einen komfortablen Übergang zum Hals. Eine weitere kleinere Fräsung an der Rückseite, auch Rippenspoiler genannt, dient einer besseren Ergonomie, da keine Kante in die Rippen drückt. Die Klinkenbuchse befindet sich in der hinteren, unteren Zarge, die beiden versenkt angebrachten Dunlop Flush Mount Security Straps an den für Gurtpins üblichen Positionen.

Hals

Der einteilige, geflammte Ahornhals ist mit einem Ebenholz-Griffbrett versehen, in das 24 perfekt abgerundete Edelstahl-Bünde vorbildlich eingelassen wurden. Die gefächerte Anordnung, auch "Fanned Frets" genannt, ermöglicht unterschiedliche Mensuren auf dem Instrument. Genauer gesagt besitzt die tiefste Saite eine Mensur von 686 mm, die höchste Saiten dafür eine kürzere von nur 636 mm. Die Moby Dick besitzt zudem einen Nullbund, da es keine Sattel gibt. Die Breite am Übergang beträgt 48,63 mm, bei sieben Saiten eine standesgemäße Distanz. Da es sich um eine Headless-Konstruktion handelt, entfallen die Mechaniken, stattdessen werden die Saiten kopfseitig mit Inbusschrauben befestigt und die überstehenden Enden können einfach abgekniffen werden. Auch der Zugang zum Halsspannstab befindet sich hier oben.

Claas Guitars bezeichnet das Halsprofil als compound 16"-20", somit flacht der Hals in den höheren Lagen ab und ermöglicht damit ein komfortableres Spielen. Das Griffbrett besitzt keinerlei Markierungen, dafür aber Luminlay Side Dots an der Griffbrettkante, die das Ablesen auch im Dunkeln ermöglichen, vorausgesetzt, sie wurden genügend mit Licht aufgeladen.

Das auf hohem Niveau in Deutschland gefertigte Instrument lässt keinerlei Anlass zur Kritik, hier wurde sauber und gewissenhaft gearbeitet.

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Audiobeispiele

Video

Pro & Contra

  • tadellose Verarbeitung
  • hervorragende Bespielbarkeit
  • moderne, transparente (Rock-) Sounds
  • nebengeräuscharm

  • konstruktionsbedingt schwierig abzustellen
  • Tuner schwergängig

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