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13.10.2020

Controller für Bitwig Studio 3

Die Modular-DAW mit MIDI-Keyboards und DAW-Controllern fernsteuern

Universelle MIDI-Keyboards, DAW-Controller und Speziallösungen für die Kreativ-DAW aus Berlin

Bitwig Studio 3 ist durch die Fülle an Features, sein motiviertes Entwicklerteam und die engagierte Community auf dem besten Weg, sich seinen Platz im dicht gedrängten DAW-Universum zu sichern. Zu einer erwachsenen DAW gehört auch, dass man sie in möglichst vielen Bereichen mit einem MIDI-Keyboard oder DAW-Controller fernsteuert. Wie gut man Bitwig mit welchem Controller bedienen kann, lest ihr in diesem Feature. 

Angefangen beim einfachen Starten und Stoppen der Wiedergabe, dem Aufnehmen von Noten oder dem Ändern von Lautstärken über das automatische Mappen von Plugin-Parametern und Automationen bis hin zur Produktion ganzer Tracks ohne Maus reicht das Spektrum der Möglichkeiten.

Andererseits sollte ein DAW-Controller oder ein MIDI-Keyboard möglichst problemlos eingebunden werden können und so ist es unumgänglich, auf die kostenlosen Skripte von Jürgen Moßgraber hinzuweisen, die für Bitwig-User ein echter Segen sind. Dazu hat er einen YouTube-Kanal , auf dem er die neuesten Controller und Features vorstellt, die von seinem Skript DrivenByMoss unterstützt werden.

Und Moßgraber scheint ähnlich motiviert zu sein wie die Macher von Bitwig: Alleine seit Ende Juni hat er schon sieben neue Versionen veröffentlicht. Mit diesem Skript ist es für alle, die Controller unter anderem von Novation, Native Instruments, Akai und Ableton besitzen, ein Leichtes, ihre Geräte in Bitwig einzubinden. Nicht nur Moßgraber, auch viele andere in der Community von Bitwig tragen im offiziellen Forum immer wieder neue Skripte für weitere Controller zusammen.

#1: Nektar Panorama T4 und T6

Es gibt kaum eine DAW, für die es nicht ein eigenes Skript für die Panorama-Keyboards gibt. Hersteller Nektar hat von Anfang an nicht nur auf ein durchdachtes Layout und gute Bedienbarkeit geachtet, sondern auch auf die möglichst frustfreie und schnelle Anbindung an die DAW.

Zusätzlich zum Skript, das man auf der Website von Nektar nach dem Anlegen eines Accounts und Registrieren des Controllers herunterladen kann, bekommt man im Download noch ein Firmware-Update für den Controller. Um den vollen Umfang aller Funktionen nutzen zu können, empfiehlt es sich, dieses vor der Nutzung in Bitwig auf den Controller aufzuspielen. Der Download enthält außerdem eine (englische) Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Installation der Firmware.

Einrichtung in Bitwig Studio 3

Nektar empfiehlt, das Skript für die Bedienung von Bitwig zu installieren, während die DAW noch nicht läuft und der Controller verbunden und eingeschaltet ist. Danach startet man Bitwig und bekommt prompt die Meldung, dass das Panorama erkannt wurde.

Für den Arbeitsalltag bietet Bitwig dazu eine Einstellung an, die ja nach Arbeitsweise große Auswirkungen haben kann: den Takeover Mode. Steuert man verschiedene Spuren nacheinander mit seinem Controller, passiert es sehr schnell, dass die Regler auf dem Controller nicht der Position des zu steuernden Reglers in Bitwig oder dem Instrument entsprechen.

Das führt im Immediate-Modus dazu, dass der Regler in der Software dahin springt, wo der Hardwareregler steht. Je nach Effekt kann das zu heftigen Pegelausschlägen führen. Bei „Catch“ wartet der Softwareregler quasi, bis der Hardwareregler beim Drehen vorbeikommt. Bei „Relative Scaling“ wird der Abstand zwischen Hardwarereglerposition und Softwarereglerposition mit einberechnet. Sehr praktisch.

DAW-Steuerung mit Nektar Panorama T4 und T6

Über die „Track -“ und „Track +“-Buttons lassen sich verschiedene Spuren anwählen, die Transporttasten spielen, stoppen und spulen vor oder zurück, wie sich das gehört. Dazu gibt es noch viele zusätzliche Tastenkombinationen, die alle im Handbuch beschrieben werden, mit denen sich verschiedene Bereiche und Funktionen der DAW auswählen lassen.

Die Lautstärken und das jeweilige Panning aller Kanäle lassen sich, sobald der T4/T6 im Mixermodus ist, genauso fernsteuern, wie die Pegel der Sends und die Mute- und Solobuttons. Genauso großen großen Spaß, macht die Drum Machine in Bitwig. Beim Laden werden deren Sounds automatisch auf die acht Pads gelegt. 

Einzig auf Details von Bitwigs Modularspielwiese The Grid kann man mit dem Controller nicht zugreifen. Der Baukasten ist schlicht zu mausbasiert, als dass sich hier die Module per Controller setzen und tauschen lassen könnten.

Plugin-Steuerung mit Nektar Panorama T4 und T6

Wer einen Panorama-Controller nutzt, der wird sich über den Plugin-Wrapper Nektarine von Nektar freuen. Das Plugin setzt sich quasi zwischen die DAW und das eigentliche Instrument. Nektarine installieren, einmal im Stand-alone-Modus starten, damit es alle installierten Instrumente und Effekte einscannen kann.

Dann in Bitwig eben nicht beispielsweise Diva oder Serum laden, sondern immer Nektarine und erst dort das gewünschte Instrument. Damit ist das Fernsteuern vieler Plugins, etwa Cutoff und Resonanz in Diva, ohne vorheriges Verknüpfen möglich.

Falls man auf Nektarine verzichten möchte, ist aber auch das direkte Verbinden von einem Controllerregler mit einem Plugin-Parameter ein Leichtes. Shift-Button am Panorama gedrückt halten, Parameter im Plugin kurz mit der Maus anklicken, dann gewünschten Regler auf dem Panorama bewegen, fertig.

#2: Novation 49 SL MkIII und 61 SL MkIII

Die große SL-Serie von Novation ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Schwergewicht. Unzählige Regler, Aftertouch, gewichtete Tastatur, MIDI-Ein- und Ausgang, das alles in einer Verarbeitung, die auch im rauen Studioalltag nicht in die Knie geht. Die schiere Menge an großen und kleinen Pads, Fadern und Funktionstasten ist wie gemacht für eine modulare DAW wie Bitwig. 

Einrichtung in Bitwig Studio 3

Im Vergleich zu AbletonCubase oder Logic ist Bitwig noch eine recht junge DAW mit wachsender Anhängerschaft. Daher haben viele Controller-Hersteller noch keine Skripte für all ihre Controller im Angebot. So auch bei der SL-Reihe von Novation. Wenn man die Controller einfach anschließt und Bitwig startet, wird man nicht viel mehr als MIDI-Noten einspielen oder die ein oder andere Automation aufnehmen können.

Unsere Empfehlungen

Will man mit dem Controller möglichst viel fernsteuern, kommt man um DrivenByMoss nicht herum. Das von Jürgen Moßgraber bereitgestellte Skript für Bitwig (für Reaper hat er auch eine Version bereitgestellt) macht die Einrichtung der Controller zum Kinderspiel. Nach dem Download ist im ZIP-File eine Datei namens „DrivenByMoss.bwextension“ und das englische Handbuch zu finden. Diese Datei muss in den „Extensions“-Ordner im Bitwig-Benutzerordner kopiert werden. Wird anschließend Bitwig mit eingeschaltetem Controller gestartet, wird dieser nicht nur erkannt, auch alle Verknüpfungen zur Fernsteuerung sind bereits gemacht. 

DAW-Steuerung mit Novation 49 SL MkIII und 61 SL MkIII

Abspielen, Aufnehmen, MIDI-Overdubben, Loopen – mit dem DrivenByMoss-Skript in Bitwig ein Kinderspiel. Die SL-Reihe verwandelt sich dadurch in einen mächtigen Controller, mit dem sich der Workflow mit dieser manchmal doch recht verschachtelten DAW beschleunigen lässt. Das Tempo lässt sich verändern, Metronom dazu schalten, Spuren muten oder solo schalten.

Selbst eine Undo-Funktion und MIDI-Quantisierung lassen sich nun mit dem SL machen. Und so ist die Navigation durch die DAW, von Spur zu Spur, von Instrument zu Instrument nach etwas Einarbeitungszeit eine echte Beschleunigung des Workflows. 

 

Plugin-Steuerung mit Novation 49 SL MkIII und 61 SL MkIII

Hier gibt es große Unterschiede zwischen den Bitwig-internen Instrumenten und Effekten und externen wie Omnisphere. Für jedes Device (Instrument oder Effekt) gibt es in Bitwig immer einen sogenannten „Remote Control“-Bereich.

Bei den hauseigenen Devices sind hier immer schon acht Funktionen fest mit den Reglern verknüpft. Damit kann das SL diese auch beim Anwählen der Spur durch die „Pfeil nach oben“-Taste neben dem Bildschirm automatisch steuern.

Bei externen Plugins müssen immer erst per Mausklick die gewünschten Regler auf die „Remote Control“-Felder gemappt werden, dann können auch diese mit dem Controller angesteuert werden. 

 

 

#3: NI Komplete Kontrol & Bitwig Studio 3

Die Schwergewichte der S-Serie der Komplete-Kontrol-Keyboards von Native Instruments gibt es mittlerweile in der zweiten Auflage, daher die Bezeichnung MK2. Dazu gibt es die abgespeckten A-serie, ohne große Screens, halbgewichteten Tasten und weniger Reglern.

Und mit dem M32 ist man noch einen Schritt kompakter geworden. Auf ähnlicher Grundfläche der A25 findet man hier nun 32 kleine Tasten und Regler – und passt auf Grund der deutlich flacheren Bauform noch besser in den Rucksack!

Einrichtung von Native Instruments Komplete Kontrol

Mit dem DrivenByMoss-Skript ist die Einrichtung ein Leichtes. Meistens erkennt die DAW die NI-Controller damit automatisch. Dazu kann man in den Einstellungen noch das Verhalten des Controllers genauer den eigenen Wünschen anpassen, was beispielsweise nach dem Drücken der Stopp-Taste passiert: zurückspringen, stehenbleiben oder Abspielcursor scrollen. Auch wie sich die Controller bei der Aufnahme im Clip Launcher verhalten, kann durch das Skript in den Einstellungen bestimmt werden.

DAW-Steuerung mit Native Instruments Komplete Kontrol

Mit dem bewährten DrivenByMoss-Skript lässt sich die DAW gut bedienen. Aufnehmen und abspielen, muten und solo stellen, Spur wechseln, Tempo bestimmen – all das ist möglich. In der Mixeransicht lassen sich Lautstärke und Panorama aller Spuren (auch Sends und Masterspur) mit den acht runden Potis auf dem Controller ansteuern. Über den „Clear“-Button wechselt man zwischen den Spuren- und Einzelansichten von Instrumenten hin und her.

Bei der kleinen M32-Ausführung hält man erst die „Shift“-Taste gedrückt und drückt dann „Stop/Clear“. Das winzige Display zeigt dann an, ob die acht Potis gerade auf Mixer oder Track fokussieren. Auch sehr nützlich: Das Rückgängigmachen per Undo-Taste ist möglich. Durch das Skript sind selbst die sonst so auf die NKS-Welt fokussierten NI-Controller sehr gut geeignet für das Fernsteuern von Bitwig. Vielleicht nicht so tiefgreifend wie beim Nektar Panorama, aber weit mehr, als es ohne DrivenByMoss möglich wäre.

 

 

Plugin-Steuerung mit Native Instruments Komplete Kontrol

Grundsätzlich müssen bei allen Instrumenten und Effekten, die nicht von Bitwig oder von Native Instruments kommen, die gewünschten Parameter erst im bereits erwähnten „Remote Control“-Bereich in Bitwig verbunden werden, damit sie vom Controller aus ferngesteuert werden können. Das ist dann aber alles, wenn man in diese Steuerebene mit dem Clear-Button wechselt. Steuert man Omnisphere oder Diva öfter fern, empfiehlt es sich, sogenannte „Device Pages“ (siehe Bild) anzulegen, sodass die Verknüpfung von Plugin-Parametern und Remote-Control-Regler immer schon vorhanden ist. Stichwort Verknüpfung: Sobald man eine Instanz der „Komplete Kontrol“-Software als Instrument geladen hat, stellen die NI-Controller auf die Art Fernsteuerung um, mit der das Spielen von Kontakt- oder Massive-X-Sounds und das Modifizieren von Reglern ein Kinderspiel wird. Wie so oft in der Welt von Native Instruments ist es so, dass die Controller mit etwas Vorarbeit zwar auch andere Plugins steuern können, automatisch aber nichts geht. 

#4: Novation Launchpad Mini, Launchkey Mini und Launchpad X

Viele steigen in die Welt der Controller nicht mit den Riesen wie den Komplete-Kontrol-Geräten oder der SL-Serie von Novation ein, sondern mit einer der vielen Mini-Ausführungen, die alle großen Controllerhersteller im Programm haben. Das Launchkey Mini bringt Pads, Potis und Tasten mit, hat also schon grundsätzlich einiges abgedeckt. Winzling Launchpad Mini und sein großer Bruder Launchpad X sind tendenziell eher auf Session-Workflows wie die von Ableton Live oder den Clip Launcher von Bitwig gemünzt.

Einrichtung von Novation Launchpad Mini, Launchkey Mini und Launchpad X

Anders als für Reason gibt es für Bitwig keine direkt von Novation bereitgestellten Skripte. Aber auch hier ist DrivenByMoss zur Stelle. Hat man das Skript wie im Intro beschrieben installiert, erkennt Bitwig die Controller automatisch. 

Für Windowssysteme gibt es zusätzlich einen hauseigenen USB-Treiber, dessen Installation am besten vor dem Einrichten in Bitwig erfolgt. Für die meisten Controller (Launchpad Mini in unserem Fall nicht) sei hier noch auf „Components“ hingewiesen. Eine Webseite von Novation, die automatisch den angeschlossenen Controller erkennt und mit der man eigene Layouts auf Novation-Controller aufspielen kann.

https://customer.novationmusic.com/en/support/downloads?brand=Novation&product_by_range=508&download_type=all 

https://customer.novationmusic.com/en/support/downloads?brand=Novation&product_by_range=1374&download_type=all 

https://components.novationmusic.com/ 

DAW-Steuerung mit Novation Launchpad Mini, Launchkey Mini und Launchpad X

Mit dem Launchkey Mini und dem Skript von Jürgen Moßgraber lässt sich Bitwig in vielen Bereichen ohne Maus bedienen. Die im Vergleich zum großen SL-Modell oder den Controllern von Nektar oder Native Instruments wenigen Regler und Pads des Mini trügen. Mit der Shift-Taste wechselt man zwischen verschiedenen Steuerungsebenen, von Lautstärken und Panorama mehrerer Spuren hin zu den individuellen Fernsteuerungen oder sogar einem speziellen Drummodus. Hier kann man die Drums nicht nur über die Pads spielen, sondern sogar auf die Rhythmen sequenzieren. In der der Launchpad-Reihe ist die DAW-Steuerung eingeschränkter möglich. Das DrivenByMoss-Skript erlaubt mit einiger Fingerakrobatik zumindest das Abspielen, Aufnehmen und Verändern der Lautstärke. Aber die Stärken der Pad-Controller liegen vor allem im Triggern von Clips im Clip Launcher sowie dem Einspielen von Drums und Percussion. 

Plug-in-Steuerung mit Novation Launchpad Mini, Launchkey Mini und Launchpad X

Auch hier gilt das Gleiche wie bei den anderen, bereits beschriebenen Controllern. Alles, was in Bitwig integriert ist, lässt sich nicht nur spielen, sondern über die acht Potis auch automatisch modulieren. Zum Wechseln in diese Parameterebene hält man Shift am Launchkey Mini gedrückt und tippt in der oberen Reihe der Pads den ersten an, der grün leuchtet. Einmal einen Poti etwas bewegen, schon lassen sich die Instrumente und Effekte in Bitwig fernsteuern. Bei externen Instrumenten muss wie so oft (siehe Plugin-Steuerung bei Native Instruments) etwas Vorarbeit geleistet werden indem man die gewünschten Regler wie den Cutoff- oder Dry-Wet-Regler des Plugins erst in der „Remote Control“-Ebene in Bitwig verknüpft. Bei den Launchpad-Controllern ist außer dem Einspielen von MIDI-Noten kaum weitere Fernsteuerung von Plugins möglich. Wer also Bitwig selten im Clip Launcher nutzt und vor allem eher filigrane Streichersätze einspielt, der wird es mit den Launchpad-Modellen schwer haben.

Veröffentlicht am 13.10.2020

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