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24.08.2017

Die 10 besten Software Synthesizer aller Zeiten

Von Emulationen bis Kuriositäten

Eine beliebig erweiterbare Liste

Software-Synthesizer gibt es inzwischen seit über 20 Jahren. Angefangen hat alles 1996 noch unter DOS! Seitdem die Firma Steinberg im Jahr 1999 ihre VST-Schnittstelle um MIDI-Empfang erweiterte, gab es für die Entwickler kein Halten mehr und immer mehr Software-Synthesizer entstanden. In diesem Bericht haben wird die 10 besten Soft-Synths für euch zusammengestellt. Der erste Software-Synthesizer überhaupt soll Audiosim gewesen sein, der für bestimmte Soundkarten programmiert wurde. Der Urvater aller Plug-in-Synthesizer kam allerdings aus dem Hause Steinberg und hörte auf den Namen Neon. Neon war das erste Plug-in, das in verschiedenen DAWs eingebunden werden konnte, sofern sie die VSTi-Schnittstelle unterstützen. Diese Liste der besten Software-Synthesizer ist auch nicht als Top-10 zu verstehen. Wie immer macht es der Mix, denn einen Synth für alles gibt es einfach nicht. Wenn du wenigstens ein paar Exemplare der hier erwähnten Synthies auf deinem Rechner hast, wirst du an Klangvielfalt nicht zu überbieten sein.

U-he Zebra 2

Für mich der bisher beste Software-Synthesizer überhaupt. Die Möglichkeiten zur Klanggestaltung scheinen einfach endlos zu sein. Allerdings muss man sich mit Zebra eine Weile beschäftigen. Sonst endet man wahrscheinlich bei den Presets, die aber wenigstens einen guten Eindruck verschaffen, was alles damit möglich ist. Die Bandbreite von Zebra ist enorm: Von "bleepigen" Synth-Sounds über abgefahrene Sequenzen bis hin zu Klängen für Filmmusik, ist alles drin. Apropos Filmmusik: Der grandiose Sounddesigner Howard Scarr, der auch viele Presets für alle U-he-Synths erstellt hat, hatte vor einigen Jahren auf der Musikmesse in Frankfurt ein Sound-Set dabei, das er exklusiv für Hans Zimmer und den Film „Batman – The Dark Knight“ programmiert hatte. Unfassbar, was alles in diesem Film nur mit Zebra gemacht wurde! Das Ganze gibt’s inzwischen auch in einer HZ-Version von Zebra mit allen Extrawünschen, die Hans Zimmer für diesen Software-Synth hatte. Mein Tipp daher für alle, die Zebra noch nicht kennen: „The Dark Knight“ ohne Bild und dafür mit Kopfhörer reinziehen. Selbst das Schlagen der Fledermausflügel stammt von Zebra! Ach ja, bevor jemand meckert: Ich habe selber andere Listen im Netz gesehen, die beinahe nur aus U-He-Synths bestehen. Und das ist auch gar nicht mal so falsch, denn die Qualität der Synthesizer von Urs Heckmann von Bazille über Diva bis zum Freeware-Synth Podolski ist für mich über jeden Zweifel erhaben. Aber irgendwie wäre das dann eine ziemlich einseitige Liste, und die würde auch nicht die Vielfalt widerspiegeln, die es im Markt gibt.

Native Instruments Komplete

Ja, ich habe das Komplete-Paket in die Liste der besten Synthesizer-Plug-ins aufgenommen. Darin gibt es zwar auch jede Menge Effekte und Klangerzeuger, die in dieser Liste nichts zu suchen haben, aber die Anzahl der außergewöhnlichen Synthesizer-Plug-ins ist hier extrem hoch. In Komplete enthalten sind die Sampler-Standards Kontakt und Battery (für Drums). Dazu kommt der hervorragende FM-Synth FM8, der eben viel mehr ist, als nur ein DX7 im Rechner und der deswegen hier zurecht steht. Oder wie wäre es mit Form, Flesh und dem semi-modularen Absynth? Aber als wäre das nicht schon genug, hier gibt’s auch noch Massive, ein Synthesizer-Plug-in, das gerne auch zusammen mit den EDM-Synths (s.u.) genannt wird, weil es dort dank seines druckvollen Sounds häufig zum Einsatz kommt. Und last but not least ist Reaktor im Komplete-Paket enthalten. Damit wiederum lassen sich weitere Synthesizer entwickeln. Native Instruments liefert u.a. mit Monark und Razor gleich zwei extrem gelungene Exemplare mit. Alle Features der Synthesizer im Komplete-Paket zu nennen, würde den Rahmen hier mehr als sprengen. Für mich ist das ein „Nahezu-rundum-Sorglos-Paket“ der Klangerzeugung, das nur noch hier und da mit ein paar Spezialisten angereichert werden darf.

LennarDigital Sylenth 1

Dieses Plug-in steht für eine neue Generation von Software-Synthesizern. Sie wurden und werden für DJ-Producer gemacht, die gerne schnell und in der Regel ohne großen Programmieraufwand zu „amtlichen“ Ergebnissen kommen wollen. Angefangen hat es wohl mit dem reFX Vanguard: Er war der erste „EDM-Synthesizer“, wie diese Synth-Generation meist abwertend genannt wird. Ihr Trick: Es gibt unzählige Erweiterungs- und Preset-Pakete zum Nachkaufen. Jetzt wundert sich wohl keiner mehr, warum viele Clubtracks so gleich klingen, oder? Dabei können diese Synths so einiges, wenn man selber Hand anlegt. Sie sind in der Regel mit mindestens drei Oszillatoren ausgestattet und verfügen alle über die Supersaw-Schwingungsform. So sind extrem breite und fette „Hands-up“-Sounds im Handumdrehen möglich. Außerdem haben sie alle einen Sequenzer und/oder Arpeggiator an Bord, mit dem die wichtigen repetitiven Elemente in Clubsongs zum Kinderspiel werden. Auch interne Effekte gehören zum Standard. Man bekommt hier in der Regel ein „All-in-one“-Paket zum Produzieren. LennarDigital Sylenth 1, dessen erste Preset-Bank inzwischen auf unzähligen Club-Hits zu hören ist, steht hier stellvertretend für weitere Plug-ins wie AIR Music Hybrid, Cakewalk Z3TA+2, KV331 Audio Synthmaster, ReFX Nexus 2, Reveal Sound Spire, U-he Hive oder Xfer Records Serum. Rob Papen und Tone2 haben ebenfalls gleich mehrere entsprechende Synths im Programm. Und mit Garantie habe ich noch diverse Synths vergessen. Wer diese Synthesizer-Plug-ins verachtet, übersieht dabei, dass sie einerseits sehr viel draufhaben und andererseits durch ihre Art eine ganz neue Klientel an Synthesizer heranführen. Und wer weiß, ob diese dann nicht schon bald an einem modularen Synth Kabel patcht.

Spectrasonics Omnisphere 2

Wer Omnisphere als reine Emulation anderer Synths sieht, unterschätzt ihn meiner Meinung nach maßlos! Mein Kollege Christian Radtke nannte Omnisphere 2 hier im Test auf bonedo.de den Über-Synth, und das sicher nicht nur wegen der „nur“ 12.000 Presets und der mitgelieferten Sample-Library von 64GB. Es handelt sich dabei nämlich nicht um eine einfache Emulation bekannter Hardware-Synths. Samples von diesen dienen oftmals nur als Ausgangsbasis für völlig neue Klänge. Dafür sorgen bei Omnisphere 2 u.a. 58 Effekte, ein sehr guter Arpegiator, und „The Orb“, das Circular Motion Interface, welches zufällig Parameter per Zufall moduliert. Eigene Audiofiles können ebenso importiert werden. Okay, bis hierhin habe ich eigentlich schon deutlich über 20 Software-Synthesizer aufgelistet, die alle irgendwie zu den besten zählen. Kommen wir mal zu ein paar Spezialisten.

Plogue Chipsounds

Auch Chipsounds emuliert etwas, nämlich die Klangerzeuger-Chips der 8-Bit-Computerära. Dazu gibt’s diverse Funktionen vom Filter bis zum Arpeggiator, die Chipsounds zu einem genialen Synthesizer-Plug-in machen. Vielleicht mag es daran liegen, dass ich selbst in den frühen 80ern auf meinem Commodore 64 gespielt und musiziert habe - na ja, mehr gespielt als musiziert – und mir der Sound dieser Zeit aus dem Fernsehlautsprecher entgegen schepperte. Für mich haben die Sounds, die aus den Chips von damals kommen, jedenfalls einen einzigartigen Charme. Und kein Synthesizer-Plug-in erzeugt diese Klänge so gut und vor allem so umfangreich wie Chipsounds von Ploque Art et Technologie Inc. Denn hier gibt’s nicht nur den legendären SID-Chip aus dem C64, und zwar in beiden Versionen (für die Nerds: 6581und 8580, beide im NTSC-Betrieb), sondern gleich 16 verschiedene Chips aus legendären Maschinen wie Commodore VC 20, Atari 2600, verschiedenen (Nintendo) Konsolen oder den Sample-Chip des Commodore Amiga, die auch noch alle in mehreren Varianten aufgerufen werden können. Aber das ist noch nicht alles! Acht Chips können in einem Mixer auch noch zusammengemischt werden. So entstehen völlig neue Klänge aus der guten alten 8-Bit-Zeit. Ja, das ist sehr speziell, aber eben auch einzigartig und somit verdient in dieser Liste der besten Software-Synthesizer.

Sugar Bytes Unique

Oh, dieses Format-Filter! Genau das sorgt dafür, dass ich Unique in diese Liste aufgenommen habe. Und es macht, dass der Software-Synthesizer anfängt zu singen! Diesen Effekt fand man in den letzten Jahren oft in Electro-House-Tracks, doch einer der ersten Synths, der das konnte, war Unique von der Berliner Softwareschmiede Sugar Bytes. Man muss den Vowel-Filter zwar nicht aktivieren, doch erst dann macht dieser Synth mit zwei Oszillatoren etwas ganz Spezielles: Er fährt durch zwei anwählbare Vokale (AEIOUÄÖÜ) und lässt den Sound somit irgendwie „menschlich“ klingen. Das klingt ein bisschen nach Talkbox oder Vocoder -jedenfalls ähnlich - ist es aber nicht. Auf ein klassisches Filter muss man dabei übrigens nicht verzichten, denn das gibt’s in der ersten der beiden Effektsektionen noch oben drauf. Ein Arpeggiator und ein Motion-Sequenzer tun ihr Übriges für einen sehr lebendigen Sound.

Arturia VCollection

Mit dieser riesigen Sammlung kommen Vintage-Fans auf ihre Kosten. Wer sich die teuren Originale nicht in sein Studio stellen will oder kann, bekommt hier einen sehr guten Ersatz, der auch noch „ein bisschen“ handlicher ist als die Monster von damals. Und es wird wirklich eine breite Palette geboten: ARP2600, Yamaha CS-80, Roland Jupiter-8, Oberheim Matrix-12 und SEM, Moog Minimoog und Modular, Sequential Circuits Prophet-5 und Synclavier. Dazu jede Menge Orgeln, E-Pianos und ein Solina String Ensemble. Klar, diese Emulationen klingen nicht hunderttausendprozentig wie die Originale. Aber dabei darf man nicht vergessen, dass schon zwei gleiche analoge Synthesizer nicht immer exakt gleich klingen. Für Computer-basierte Produktionen ist das jedenfalls eine riesige Sammlung mit einer Menge Authentizität. Einen Test zur Version 4 der VCollection findest du hier, aktuell ist inzwischen schon Version 5 am Start.

Korg Legacy Colletion

Und direkt weiter mit dem nächsten Bundle. Die Korg Legacy Collection ist inzwischen ein „Altertümchen“ und hat eine gewisse Wandlung hinter sich. Zunächst gab’s sie mit dem kultigen MS-20-Controller, der inzwischen für bis zu 400 Euro auf Ebay angeboten wird – für einen reinen USB-Controller ohne Klangerzeugung wohlgemerkt! Der Controller war schnell ausverkauft, dafür erhielt die Legacy-Collection später zu den schon vorhandenen Synths MS-20, Polysix, M1, Wavestation und Legacy Cell noch den Mono/Poly oben drauf. Außerdem gibt’s noch ein umfangreiches MDE-X-Effektgerät und den MS-20 als Effekt dazu. Die Legacy Cell, mit der man aus zwei Legacy-Synths und zwei Effektgeräten neue Layersounds machen kann, gibt’s im Gegensatz zu den anderen Synths übrigens nicht einzeln, sondern nur in diesem Paket. Durch die Kombinationsmöglichkeiten mit diesem Plug-in sind völlig neue Sounds möglich. Auch für diese Emulation gilt: 100% wie die Hardware ist sie nicht. Die M1 z.B. hat zwar auch die Sounds der nachfolgenden T-Serie mit dabei, aber die klingen wegen des kleineren M1-ROMs öfters mal eher nach M, nicht nach T. Die Wavestation ist sehr gelungen, doch beim Hörvergleich mit meiner Wavestation A/D gab’s hier und da auch ein paar Unterschiede.  Macht aber nix, denn dafür bekommt man recht günstig eine weitere Sammlung analoger und digitaler Klassiker mit tonnenweise legendären Sounds. Und im Mix fallen die Unterschiede am Ende auch nicht mehr auf.

Sonic Charge Synplant

So, genug Hardware-Emulationen. Jetzt mal zu etwas richtig Ausgefallenem! Der Software-Synthesizer Synplant von Sonic Charge hat einen völlig anderen Ansatz zur Klangerstellung, als du das von Schiebereglern und Knöpfchen gewohnt bist. Es gibt kein Filter, keine ADSR-Kurven und auch keine Oszillatoren – zumindest auf den ersten Blick. Stattdessen gärtnerst du dir deinen Klang! Du pflanzt einen Samen und ziehst ihn in verschiedene Richtungen groß, sodass verschiedene Klänge entstehen. Okay, drum herum gibt’s schon noch ein paar Schieberegler, aber das „Pflanzen des Sounds“ steht hier im Mittelpunkt. Was sich hier eventuell total wirr anhört, sorgt für abgefahrene Ergebnisse und trotzdem für jede Menge spielbare Sounds. Und keine Sorge: Zu Beginn lotst dich ein einfaches Tutorial durch den Plug-in-Synthesizer. Die klassischen Parameter gibt’s dann übrigens doch noch. Du kannst sie auf einer Seite eingeben, die alles als DNA-Strang visualisiert. Echt abgefahren und macht Spaß!

Warmplace.ru SunVox

Zum Schluss noch was für echte Freaks: SunVox des russischen Programmiers Alexander Zolotov ist mehr als einfach nur ein Synthesizer. Die App, die es für nahezu jede erdenkliche Plattform gibt – inklusive Linux, Windows CE und sogar PalmOS – beinhaltet u.a. einen virtuell-analogen Synth, einen FM-Synth, einen Sampler, einen Drum-Synth, einen FFT-basierten Synth, ein Modul zum Bauen eigener Synth-Kreationen, diverse Effekte und einen umfangreichen Sequenzer. Eigentlich möchte man meinen, mehr braucht’s gar nicht, denn das ist ja schon eine Synthi-DAW. Und tatsächlich zeigen die mitgelieferten Demo-Songs eine irre Bandbreite an Möglichkeiten. Dabei ist Herr Zolotov laut seiner Webseite erst bei 70% der angestrebten Entwicklung – und das mit Version 1.9.2. Die größte Stärke ist vielleicht auch die größte Schwäche von SunVox: Das Ding ist verdammt komplex! Mal eben loslegen? Ist nicht. Ja, das sind einzelne Module, die du im Screenshot siehst. Angst vor einem Sequenzer im Tracker-Look? Nicht ganz unbegründet, doch es gibt auch eine Timeline, in der die Patterns arrangiert werden.  Und es schadet auch überhaupt nichts, ein bisschen nerdig veranlagt zu sein, wenn man sich mit SunVox beschäftigen will. Es ist sehr viel "Klein"-"Klein" auf dem Screen zu sehen. Die Menüs sind über den ganzen Screen dieser Ein-Fenster-App verteilt, da muss man sich erst mal zurechtfinden. Doch für die Einarbeitungszeit wird man mit einem ungemein komplexen System mit irre vielen Möglichkeiten belohnt. Mein Tipp: Über das Hauptmenü links oben einfach einen Demo-Song einladen und hören und sehen, was passiert. Gestartet wird übrigens rechts in der Mitte! Für Rechner-Plattformen ist das Ganze auch noch kostenlos.

Fazit

Ich war schon nach der Hälfte des Artikels bei über 20 Software-Synthesizern. Nur 10? In Zeiten, in denen man sich dank riesiger Festplatten und schneller Prozessoren gar nicht mehr so beschränken muss? Keine Chance! Ich setze sie nie alle auf einmal ein, aber es ist doch fantastisch, eine so große Klangauswahl schnell zur Hand zu haben. Übrigens setze ich Software-Synths am liebsten zusammen mit Hardware ein, denn auch da gibt’s tolle Klassiker. Und dennoch habe ich bestimmt einige vergessen, auf die du nicht mehr verzichten kannst.

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