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18.06.2020

Die besten Styles für Arranger-Keyboards

Perfekte Rhythmen für Party- und Tanzmusik in Deutschland

Styles-Empfehlungen für Keyboards von Korg, Yamaha und Ketron

Für ein Mittelklasse-Modell und erst recht für das Arranger-Keyboard der Topklasse bieten Korg, Yamaha, Ketron und Casio eine mehr als solide Basis-Ausstattung mit Sounds und Styles mit dem Schwerpunkt „Tanz- und Partymusik“. Manche Hersteller bieten sogar zusätzliche Software. Das ist auch gut so. Mit diesen Registrations und/oder Styles bist du nochmals näher am Puls der Zeit und triffst auch besser den Geschmacksnerv des hiesigen Publikums, als mit den Vorlagen, die ab Werk für den internationalen Einsatz weltweit mitgeliefert werden. Einige Styles sind titelbezogenen - du wirst den Song auch ohne Dokumentation schnell erkennen - programmiert worden, andere sind wiederum universeller in einer bestimmten Musikrichtung verwendbar. Gerade bei der klassischen Tanzmusik kommst du nicht um die Arbeit, oder das Vergnügen mit Styles und die Begleitautomatik des Instruments herum. Ein Playback als MP3 oder MIDI-File ist im Live-Geschehen kaum noch spontan veränderbar, du kannst jedenfalls nicht auf gewünschte Tempo-Änderungen eingehen und auch nicht so einfach eine gekürzte Version eines Songs darbieten.

In unserem Artikel zeigen wir euch, worauf es ankommt, wenn man als Musiker mit einem Arranger-Keyboard unterwegs ist, welche Styles man kennen sollte und geben Empfehlungen über Vorgehensweisen, um ein Engagement bravourös zu bestreiten.

Quick Facts: Style

Was versteht man unter einem „Style“?

Unter einem Style versteht man spezielle Muster, die für die Nutzung in einer Begleitautomatik programmiert wurden, um umfangreiche Arrangements nach dem Vorbild bestimmter Musikstile zu reproduzieren. Ein Style basiert in der Regel auf MIDI-Noten und funktioniert nach dem Prinzip der Echtzeit-Reharmonisierung: Auf der Tastatur angespielte Akkorde werden auf diese Weise direkt umgesetzt und steuern dabei Sektionen, wie Drums, Percussion, Bass sowie einige Akkordspuren an, um das musikalische Erlebnis der programmierten Stilistik hörbar zu machen. Innerhalb eines Styles befinden sich auch musikalische Gestaltungsmittel, wie Intro, der Rhythmus in verschiedenen Variationen, Breaks/Fills und Ending um einen Musiktitel vom Anfang bis zum Schluss zu gestalten. Styles finden hauptsächlich im Bereich der Livemusik von Entertainern und Alleinunterhaltern Verwendung, können aber beispielsweise auch zur schnellen Erstellung von Playbacks im Studio hilfreich sein. Styles sind eine Domäne der Hardware-Keyboards, die oft als „Arranger-Keyboards“ bezeichnet werden. Im Software-Bereich existieren nur wenige Produkte, die mit einem Arranger-Keyboard konkurrieren können: Z. B. der Klassiker "Band-In-A-Box“.

Was man über Standardtänze wissen sollte

In jüngster Zeit schafft die beliebte RTL-Serie „Let's Dance“ einen höheren Bekanntheits- und auch Beliebtheitsgrad klassischer Tänze. Im Bereich der Tanzmusik gibt es traditionell die Rubriken „Standard“ und „Latein“ mit jeweils fünf Tänzen. Bei deinem Arranger-Keyboard solltest du alle folgenden Tanzarten unter „Ballroom“ finden. Wir stellen diese Tänze der Reihe nach vor und beginnen mit den Standard-Tänzen. Es gibt sogar strikte Tempovorgaben, an denen sich die meisten erfahrenen Tänzer orientieren.

Ein Turnier in der Sparte „Standard“ beginnt mit dem Dreivierteltakt: Langsamer Walzer, oder auch als „Englischer Walzer“ bezeichnet, läuft im Tempo 90 bpm (bpm = beats per minute = Schläge pro Minute). Traditionelle Titel, die gut passen, sind etwa das von Elvis Presley bekannte „Are you lonesome tonight?“, die Filmmusik „Moon River“ oder „Mull of Kintyre“ von Paul McCartney. Als zweite Tanzart kommt der Tango (der argentinische Tango sollte eigentlich den lateinamerikanischen Tänzen zugerechnet werden) in einem flotten Tempo um 130 bpm. Soll es aktueller klingen, nimmst du natürlich keine Stücke der Hugo-Strasser-Generation, sondern „Dance with me“ oder „I'm Gonna Be (500 Miles)“ von The Proclaimers. Richtig authentisch wird es harmonisch gesehen, wenn das Ending des Styles auf einem Halbschluss endet, also beispielsweise in der Tonart C mit einem G-Dur-Akkord aufhört.

Der Wiener Walzer im Tempo um 180 bpm ist der dritte Tanz eines Standardturniers. Hier darf es gern ein Strauß-Walzer sein, etwa der „Kaiserwalzer“ oder „An der schönen blauen Donau“.

Tipp:  Nicht wenige Popballaden im 6/8-Takt lassen sich ebenfalls als „Wiener Walzer“ spielen. Es kann gut sein, dass der traditionelle schnelle Walzer bei den Styles unter „Ballroom“ sowie unter „World“ gelistet ist.

Es folgt der SlowFox im Tempo um 120 bpm oder langsamer. Im Grunde können langsamere Swingtitel verwendet werden, du könntest aber auch das von Frank Sinatra gesungene „Strangers In The Night“ oder auch Stevie Wonders „Isn't she lovely“ zum Besten geben. Mit dem Quickstep - der Name ist Programm - endet schon die Standard-Runde. „Mister Sandman“, oder „On The Street Where You Live“ aus dem Musical „My Fair Lady“ sind zwei passende Titelbeispiele.

So klingen die Standardtänze live gespielt mit Styles aus dem Arranger-Keyboard. Die Melodie ist jeweils angedeutet. Du hörst jeweils ein Intro, verschiedene Main-Grooves sowie ein Ending. Der Sound für die rechte Hand wechselt zusammen mit der Style Section.

Mit einer Samba beginnen die lateinamerikanischen Tänze. Es gibt viele unterschiedliche Arten der Samba. Als Tanzmusiker wählst du ein Tempo um 105 bpm und Evergreens wie „Brazil“ oder „Quando Quando“. Die zweite lateinamerikanische Tanzart ist die ChaCha mit einem Tempo bis maximal 130 bpm. Einige Pop-Jazztitel lassen sich als ChaCha interpretieren, amüsanterweise auch das Stück „Summer Samba“. Die Rhumba ist der nächste Tanz und gelingt klassisch mit „Blue Spanish Eyes“ in einem Sontempo von rund 108 bpm. Mit dem vorletzten Tanz wirst du dich eher selten beschäftigen. Es ist der PasoDoble im Tempo von etwa 120 bpm. Viele Tanzpaare haben ihre Figuren auf das Musterbeispiel „Spanish Gipsy Dance“ einstudiert, du könntest auch andere Titel nehmen. Selbst die 1980er Rockhymne „Final Countdown“ von Europe lässt sich als PasoDoble adaptieren. Mit dem Jive im Tempo von 176 bpm spielst du den letzten „lateinamerikanischen“ Tanz, obwohl er eigentlich zu den Standards zählen müsste und auch als RocknRoll bekannt ist.

Gehen wir die fünf Tanzarten nochmal am Arranger-Keyboard durch. Alle folgenden Styles sind der Sparte „Ballroom“ entnommen worden.

Soweit die Tänze in der Reihenfolge, wie sie bei Turnieren gespielt werden. Aber kaum ein Keyboarder spielt regelmäßig Tanzturniere oder für Tanzschulen. Daher kann die Style-Auswahl gern etwas offener und bunter sein. Auch das Tempo darf entschärft werden. Werden etwa der Wiener Walzer und Tango langsamer gespielt, können auch einmal durchtrainierte Tanzsportler durchschnaufen. Hinzu kommen Salsa, Blues oder DiscoFox. Wer es genau wissen möchte, welche Tanzarten es insgesamt offiziell gibt, schaut am besten auf der Seite des DTV (=Deutscher Tanzsport Verband) nach.

Tipps für Partymusik

Einfache Faustregel für die Livemusik auf einer Feier: Alles in Richtung „DiscoFox“ beziehungsweise ein tanzbarer 4/4-Takt in Tempi zwischen 120 und 130 bpm passt quasi immer. Bei der Fetenmusik sollte der angesagte Wiesenhit, eine Apres-Ski-Nummer und auch ein Gruß vom Ballermann nicht fehlen. Für Erfolgsgarantie sorgen auch der klassische Schlager aus den 1970er Jahren wie auch die aktuellen weiblichen Vertreter der Schlager-Fraktion. Einige Pop/Rock-Klassiker aus den Achtzigern, darunter auch NDW-Titel, solltest du auch in deinen Live-Sets zum Besten geben können. Schöne Oldies und sogar ein wenig EuroDance aus den 1990ern werden von Partygästen angenommen.

Hören wir jetzt ein paar Styles, die quasi als Varianten des „DiscoFox“ hierzulande praktisch immer zum Tanzen und Feiern animieren.

Für Geburtstage, Hochzeiten und erst recht für Karneval sind noch spezielle Einlagen vorzubereiten. Zur Eröffnung einer klassischen Tanzrunde sollte grundsätzlich der Wiener Walzer gewählt werden. So auch zum Beispiel bei einer Hochzeit. Wenn das Hochzeitspaar weniger talentiert ist, sollte man auf ein Stück ausweichen, der als „Langsamer Walzer“ spielbar ist. Auch auf eine Verabschiedungsrunde solltest du dich vorbereiten und als letztes Stück deines Gastspiels bestimmte Titel auswählen, es müssen nicht unbedingt die Klassiker „Auf Wiedersehen“ oder Bert Kaempferts „Dankeschön“ sein. Vielleicht präsentiert du zum Schluss einen außergewöhnlichen Style und findest originelle Worte für eine Abmoderation, die beim Publikum noch lange in Erinnerung bleibt.

Die Tipps der Spezialisten

Fragen wir doch einmal bei den Spezialisten nach, was sie für die hiesige Partymusik empfehlen. Dies sind allesamt Produktkenner und Livemusiker in Personalunion.

Produktmanager bei Korg & More: Dirk Lindemann nennt seine klaren Favoriten:

„­Wenn ich als Entertainer mit meinem Pa4X MUSIKANT unterwegs bin, benötige ich auf jeden Fall folgende fünf Styles, um eine gute Party zu garantieren:  Der Style „Movie Fox“ für den Titel Moviestar ist in meinen Augen ein Muss und unbedingt nötig, um die Tanzfläche erst einmal aufzuwärmen. Mit in die Aufwärmphase zählt ebenso der Song „Stumblin´ in“, der sich neben vielen anderen Songs perfekt mit dem Style „Discofox 5“ spielen lässt.

Um das Publikum dann langsam aus der Reserve zu locken, hilft mir der Style „Halu Palu“ in Verbindung mit den Songs „Hulapalu“ oder „A Mann für Amore“. Darauf folgt in meinem Programm der Partyschlager „Warum hast Du nicht nein gesagt“, für dessen Darbietung sich der Style „Discofox Duo“ ideal eignet. Dann sollte die Stimmung im Saal gut aufgewärmt sein. Mit dem Style „Weltmeister“ für den Song „Auf uns“ sowie „Rock on fire“ für den Song „Sex on fire“ lässt sich das Publikum auf jeden Fall in Rage versetzen.

Die Styles sind so universell, dass sie sich auch immer wieder für andere Songs einsetzen lassen. So ist.die Auswahl der möglichen Songs einfach riesengroß.“

 

 

Ketron Vorführer und Produktspezialist Bernie Liwowsky kommentiert:

„Man sollte als Entertainer ein breitgefächertes ‚Reservoir‘ an Styles zur Verfügung haben, angefangen von verschiedenen Discofox-Rhythmen über Latin-bis zu rockigen Begleitungen. Je flexibler ein Instrument ausgestattet ist, desto besser kann man die internen Styles auch so verändern, dass man als Musiker einen individuellen Touch in seine Performance bringt. Bei unseren Instrumenten kann mit Hilfe des "LIVE MODELING" jeder Style ohne Programmierarbeit verändert und als User-Style gespeichert werden. Dafür kommen vorgefertigte Begleitmuster aus allen Instrumentenbereichen zum Einsatz, mit denen, wie bei einem Baukasten, ein Style editiert werden kann.

Hier ein paar Beispiele für den Einsatz der Styles, etwa bei den Modellen der Topklasse Ketron SD9 / SD90 / SD60:

Style Bank DANCE:

Power House: Wolfgang Petry "Wahnsinn" / Axel Fischer "Amsterdam"

Ballerman: DJ-Ötzi "Ein Stern, der Deinen Namen trägt"

EDM2: DJ-Ötzi "Der hellste Stern"

Latin House: Gipsy Kings "Baila Baila", "Bamboleo"

House 1: Mallorca-Hits rauf und runter

Style Bank PARTY:

Gully Mix: Michael Wendler "Egal" / Ramon Roselly "Eine Nacht"

Style Bank ROCK:

Power Rock: Bryan Adams "Summer of 69" / AC-DC "Highway to Hell" ...

... und alles was rockt!“

Yamaha Produktmanager und Marketingspezialist Fabian Schmid spricht weitere Punkte an, die für den Erfolg als Live-Keyboarder entscheidend sind:

"Natürlich sollten Titel wie „Hulapalu“ oder „Atemlos“ nicht fehlen, doch in meinen Augen ist es nicht alleine die Songauswahl, die eine Veranstaltung erfolgreich macht. Einer der wichtigsten Punkte ist das Zusammenspiel von Musiker und dem Publikum. Wer auf sein Publikum eingeht, ist auf einem guten Weg. Die Interaktion und das Einbinden des Publikums in die Show ist der Grundstein dafür, dass der Abend für beide Seiten erfolgreich wird. Da bei vielen Veranstaltungen das Publikum sehr gemischt ist, ist auch ein breitgefächertes Repertoire sehr hilfreich. Ob Volksmusik zum Klatschen und Schunkeln, Schlager zum Tanzen oder 80er, 90er, Rock, Pop und aktuelle Charts zum Mitsingen und Spaß haben – dem Publikum sollte ein gewisses Maß an Abwechslung geboten werden.

Dabei kommt es nicht darauf an, die Titel wie im Original zu spielen, man sollte seinem eigenen Stil treu bleiben und versuchen persönliche Merkmale und Elemente mit einzubringen. Mit dem neuen kostenlosen GENOS v2 Superior Pack hat Yamaha neue Styles auf den Markt gebracht, die speziell die Tanz- und Partymusiker ansprechen. Mit dem Style „90sGermanPartyPop“ der auf dem „Pur-Hitmix“ basiert, den neuen Schlagerstyles passend zum SchlagerBoom, vielen neuen Oberkrainer-Styles, das Beste aus Pop- und Rock-Klassikern und aktuellen Charts wie dem „10sSpainPop“ basierend auf „Despasito“ oder Evergreens wie „Ti Amo“ mit dem „6-8ItalianAmo“ Style, ist Genos auf den deutschen Markt perfekt abgestimmt. Egal, ob man Genos als Alleinunterhalter mit Styles spielt oder im Duo, Trio oder einer größeren Partyband nur einzelne Spuren und Sounds nutzt.“

Wo gibt es neue Styles?

Wie eben erfahren, gute Keyboard-Styles können auf jeder Veranstaltung zwischen Passau und Flensburg funktionieren. Die Hersteller aus Japan lassen sich also gern beraten von Musikern und Style/Sound-Programmierern, die den deutschen Markt persönlich kennen und bei Software-Produkten mitgewirkt haben.

Yamaha Style & Sound Software

Bei Yamaha schaust du am besten auf der Seite YamahaMusicSoft nach. Dort finden sich weitere Styles und Expansion Packs.

Empfehlenswert für Party- und Tanzmusiker sind vor allem diese Software-Pakete:

Es darf aber auch gratis sein: Als Genos-Anwender solltest du das Superior Pack mit 50 Styles und 86 Voices herunterladen und installieren, das zusammen mit dem neuen Genos OS Version 2 präsentiert worden ist. Hier der Inhalt des Packs auf einen Blick.

Korg Style & Sound Software

Wer bei Korg sucht findet eine tolle Pauschal-Lösung, die sich treffend „Musikant“ nennt. Diese per SD-Dongle geschützte Software (Kaufpreis liegt bei etwa 150 Euro) ist bei mehreren Modellen lauffähig: Pa1000, Pa700. Du kannst sie online beim Händler bestellen. Korg bietet zudem mit dem Pa4X Musikant die Komplettlösung für den Entertainer aus dem deutschsprachigen Raum. Diese lokalisierte Version des ‚normalen‘ Pa4X International, bietet gleich von Hause aus eine komplette Anpassung an die Anforderungen des professionellen Entertainers. 

Musiker mit einem Faible für orientalische Musik finden bei Korg mit dem Pa4X Oriental und dem Pa700 Oriental gleich eine spezielle Ausführung für diesen Bereich.

Weitere Style- und Sound-Software findet man bei Korg auch auf diesen Seiten:

Das könnte dich auch interessieren:

Ketron Style & Sound Software

Bei Ketron gelangt man kostenfrei zu einer neuen Ausstattung: Mit 100 Entertainer Basics erhält man Registrations für vielgespielte Titel.

 

 

Auch lohnt es sich für Ketron-Software einmal bei diesen Seiten zu schauen:

Schlusswort

Engagiert sein und vor allem engagiert werden: Für Tanz- und Partymusik finden sich sehr gute Styles und Software-Erweiterungen, mit denen du noch mehr aus deinem Arranger-Keyboard herausholen kannst. Du kennst nun einige der wichtigsten Adressen. Baue dein Repertoire mit Styles aus, die deinen Einsatz auf der Bühne flexibel gestalten können. Denke auch daran, dass ein Style allein noch keine perfekte Performance macht. Wichtig sind auch gute Singstimmen, ein sicheres Timing-Gefühl und ein Gespür dafür, wie du mit deinem Publikum verbal und musikalisch am besten kommunizierst. Viel Spaß und Erfolg dabei!

Veröffentlicht am 18.06.2020

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