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Test
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17.07.2013

Digital 1 Audio DJ DEX APP Test

Zwei-Deck DJ-Software für das iPad

Dex on the Wax?

Digital Audio 1 DJ Dex App im Bonedo-Test: Im Zuge der iPad-Manie springt auch Veteran PCDJ (jetzt Digital Audio 1) mit einer eigens entwickelten App auf das noch junge Pferd „iPad-Djing“ auf. Ohne großen Schnickschnack und verschachtelten Pages, einfach so zum Drauflosmixen. Und der Clou – es verspricht, den Gyrosensor des iPads zum Scratchen zu nutzen, wenn es auf dem Turntable liegt. Wie sich das wohl in der Praxis bewährt?

Wahrscheinlich dürften gerade die jüngeren Leser unter euch sich fragen, wer um alles in der Welt denn Digital Audio 1 (PCDJ.com) ist, füllen doch meist Traktor, Serato, Mixvibes oder Virtual DJ die Schlagzeilen der (Online-) Magazine. Die PCDJ-Truppe ist bereits seit 1998 aktiv und mit ihren Programmen aktuell im Karaoke/Videomix-Segment sehr umtriebig. Schon mal von Karaoki, Red-Mobile oder der „Karaoke Cloud Pro“ gehört? Nein. Ich habe es mir fast gedacht. Aber das ist Stoff für einen anderen Artikel. Wichtig in diesem Zusammenhang ist eher, dass bereits 1999 die erste Version von PCDJ in den Handel kam. Seit nunmehr gut sechs Jahren gehört die Marke PCDJ (vormals bei Visiosonic) zu Digital Audio 1. PCDJ-Dex 1 selbst erblickte 2007 die Häfen der Welt, genau wie RED Mobile. Manou hat sich für bonedo.de vor einiger Zeit etwas näher mit der Mac/PC-Software Dex 2 befasst. Ich knöpfe mir heute die mit 8,99 Euro bepreiste iPad-App vor und bin sehr gespannt, wie die Portierung auf Apples Tablet geglückt ist und was das Tool so zu bieten hat.

Details

Dass DJ Dex über den App-Store aufs Tablet kommt, sollte klar sein, also schenken wir uns das Thema „Installation“ und gehen gleich ins Eingemachte. Die Software verwandelt das iPad in einen Dual-Player mit interaktiven, scratchbaren Wellenformen samt Taktraster und automatischer BPM-Synchronisation. Dazu gesellen sich Hotcues, quantisierte Auto-Loops sowie drei Effekte. Natürlich dürfen auch Werkzeuge zum Beatmatchen in Form von Jogwheels und Pitchfadern nicht fehlen. Wie es sich gehört, gibt es einen Dreiband-EQ, virtuelle Channel- und Crossfader und eine Option zum Vorhören. Das alles spielt sich auf nur einer Page ab, lediglich der Browser, das Einstellungsmenü und die integrierte Anleitung rufen eine Unterseite auf.

Layout

Wie ihr auf dem oberen Screenshot sehen könnt, befinden sich alle Bedienfelder, die ihr im Laufe der DJ-Session benötigt, im Direktzugriff. Das ist grundsätzlich einmal sehr löblich. Auch muss ich gestehen, dass das reduzierte Layout, mal abgesehen von den etwas kleinen, viel zu nah aneinander arrangierten EQ- und Gain-Fadern, einen gewissen Charme versprüht und DEX auch oder gerade deshalb für Einsteiger auf Anhieb „durchsichtig“ erscheinen lässt. Im Umkehrschluss bedeutet dies jedoch, dass der Käufer auf viele Spezial- oder Sonderfunktionen, zum Beispiel im Bereich der Cuepoints, Loops und gerade auch der Effekte, verzichten muss. Am deutlichsten wird dies bei den Effekten Brake, Echo und Flanger, wo der Protagonist keinerlei Einfluss auf die Parameter hat. Normalerweise darf er hier Attribute wie Anlauf- und Bremszeit, Wiederholungen, Rate, Feedback, Timing und so weiter beeinflussen. Für Loops ebenfalls eine ungewöhnliche, aber durchaus interessante Variante: Nur eine Taste ermöglicht das beatgenaue Anlegen des Loop-Startpunktes (erster Tastendruck) und des am Grid einschnappenden Endpunktes – somit also der Gesamtlänge (zweiter Tastendruck). Letztlich dient diese gleichsam zum Granulieren, respektive Halbieren (weiteres Betätigen von „IN“). Eine Option zum Vergrößern und den klassischen „Reloop“ suche ich vergebens. „Exit“ verlässt die Wiederholschleife.

Die oben liegenden Auswurftasten öffnen die Media-Library, die einen direkten Zugriff auf die iPad-Musiksammlung und iTunes-Playlisten eröffnet, wo ich nach gängigen Kriterien auf Titelfahndung gehen kann. Was die Analyse der Dateien angeht, erfolgt diese beim ersten Laden eines Musikstückes in ein Deck und kann nicht im Vorfeld absolviert werden. Schade. Dex „beschränkt“ sich bei der Bekanntmachung seiner Auswertung auf Tag, Peak- und BPM-Daten und mappt das Beatgrid nach einem errechneten Tempo-Mittelwert auf die Länge der Wellenform. Eine Ermittlung der Tonart wie bei Traktor DJ erfolgt nicht. Ob eine vorausgehende Analyse unbedingt nötig ist oder nicht, hängt sicherlich auch von der verwendeten Hardware ab. Mein iPad 4 hatte keinerlei Probleme, einen Track innerhalb weniger Sekunden mit BPM und Grid fertig gerastert auf die Piste zu schicken, selbst wenn der andere Player spielt. Diese Eigenschaft würde ich dem iPad 1 adhoc nicht mehr zusprechen wollen.

Playlisten könnt ihr innerhalb von Dex nicht anlegen, auch nicht temporär. Stattdessen gilt es, sich aus dem iTunes-Fundus zu bedienen. Nützliche Tipps zum Playlisten Management gibt es hier. (Kickstart Digital-DJing #3 - Playlisten-Management).

Die Kopfzeile der App zeigt Track-Infos und Restlaufzeit an – die BPM thronen über der vertikalen Wellenformanzeige. Play, Cue und Sync sollten dem geneigten Leser geläufig sein, genau wie die drei Schaltflächen zum Anlegen von Hotcues, das Kopfhörersymbol zum Vorhören oder Pitch- und Lautstärkefader. Das Jogdial residiert im hohen Norden und der Fader-EQ im unteren Zentrum. Schauen wir uns an, wie sich das Angebot in der Praxis schlägt.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Übersichtliches Layout
  • Ansprechendes Design
  • Schnelle Dateianalyse
  • Kinderleichte Handhabe
  • Interaktive Wellenformen

  • Kein Multi-Audio-Modus für externe Soundkarten
  • Rudimentäre Loop- und Effektsektion
  • Unzureichende visuelle Status-Feedbacks (FX, Loops)
  • EQ-, Gain- und Search-Fader zu klein
  • Keine Recording-Funktion
  • Stürzt im externen Mixer-Modus und beim Wavebrowsing oft ab
  • Keine manuellen Beatgrids möglich
  • Keine Erstellung von Playlisten

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