Test
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16.05.2018

Earthworks KP1 KickPad Test

Mikrofon-Pad mit EQ für Bassdrum

Instant Bassdrumsound mit jedem Mikrofon

Snaredrums und Toms werden meistens mit Tauchspulenmikrofonen aufgenommen. Die funktionieren auch an der Gitarre, Banjo, Percussion und Gesang. Und an fast allen anderen Quellen, die irgendwie Geräusche von sich geben. Dasselbe gilt für Overhead-Kondensator-Mikrofone und die Raum-Mics. Nur ein Schallwandler am Drumset ist klanglich deutlich begrenzt: das Bassdrum-Mikro. Die für ihren neutralen, auf realistische Abbildung fokussierte Firma Earthworks Audio hat ein Gerät im Programm, welches so ein „One Trick Pony“ in der Mikrofonsammlung überflüssig machen soll. Das KP1 KickPad hat die für einen gleichzeitig fetten und Attack-betonten Sound nötigen Frequenzgangkorrekturen an Bord und lässt sich mit jedem beliebigen Mikrofon verwenden.

Nun sind Earthworks Audio nicht dafür bekannt, irgendetwas zu entwickeln, was nicht in höchstem Maße der Neutralität verpflichtet ist. Aber genau deswegen gibt es das KP1. Seine ursprüngliche Aufgabe war nämlich, den dreiteiligen Schlagzeug-Mikro-Koffer im Earthworks-Portfolio so zu „pimpen“, dass einer der identischen Kondensator-Schallwandler eben als Bassdrum-Mikrofon fungieren kann. Das klappte offenbar so gut, dass man das kleine Metallröhrchen auch Nicht-Earthworks-Usern zugänglich gemacht hat. Ob ein SM57 nun zum Subbass-Lieferanten wird, haben wir im Test gecheckt. 

Details und Praxis

Eine Metallröhre mit Bassdrumsound drin

Was sein Äußeres betrifft, gibt es nicht viel zu berichten über das KP1. Von der Bauart her, handelt es sich um eine gut elf Zentimeter lange Metallröhre, welche an den Enden jeweils eine weibliche und männliche XLR-Buchse beherbergt. Im Inneren arbeitet eine passive Equalizer-Elektronik, Phantomspeisung ist also nicht vonnöten. Für das KickPad, wohlgemerkt. Wird es zusammen mit einem Kondensator-Mikro betrieben, muss der 48V-Schalter am Preamp betätigt werden. Erwähnenswert ist allerdings, dass die Nutzung des KickPads den Output des Mikrofon um etwa drei dB reduziert. Dies ist nur logisch, denn aktiv boosten kann das Testobjekt nicht. Um trotzdem den gewünschten Frequenzgang mit ordentlich Bass sowie einer Anhebung im Bereich des Beater-Anschlags zu erhalten, werden die Mitten breitbandig abgesenkt. Die Bedienung ist denkbar einfach, wer das KickPad in Betrieb nehmen möchte, hat dazu drei Möglichkeiten. Entweder steckt man es direkt an den Eingang des Preamps oder Interfaces, oder direkt ans Mikrofon. Wer die Buchsen möglichst wenig belasten möchte, kann – als dritte Möglichkeit – jeweils ein kurzes XLR-Kabel dazwischen schalten. Insgesamt wirkt das KP1 sehr solide verarbeitet.  

Klanglich tut das Gerät genau, was es soll

Jetzt bin ich auf die Aufnahmen gespannt, schließlich verspricht das Konzept eine ganze Menge. Um es kurz zu machen: ich bin mehr als angetan. Für die Soundfiles habe ich drei Mikrofon-Typen verwendet. Mit wenigen Handgriffen und einem leichten Dreh am Gainregler des Preamps mutieren mein Shure SM57, ein Earthworks DM20 Kondensator-Mikrofon aus dem CMK4 CloseMic Kit sowie mein EV N/D 868 Bassdrum-Mikro zu echten Basswundern. 

Das Bassdrum-Mikrofon wird untenrum noch mächtiger

Beim 868 handelt es sich um ein eher moderat vorgeformtes Bassdrum-Mikro. Umso spannender ist es, heraus zu finden, ob das KickPad es zu einem Audix D6- (welches eine starke Subbass- und Kick-Betonung besitzt) Konkurrenten macht. Die Antwort lautet: Es geht zumindest in diese Richtung. Wobei auffällt, dass das Earthworks-Gerät eher den Bass andickt als die Höhen. Obwohl das KickPad kein Ersatz für eine weiteres Subbass-Mikrofon wie darstellt, liefert es trotzdem genau jenen Zusatzdruck untenrum, der in so vielen Situationen einfach passt. 

Mit dem SM57: Plus „Boom“, minus „Pöck“

Dass man ein SM57 als Bassdrum-Mikro verwenden kann, dürfte für einige Recording-Spezis kein Geheimnis sein. Warum auch nicht, mit einer Idee vom Endergebnis im Ohr und geschulten Fingern am EQ, ist mit dynamischen Allroundern auch ohne weitere Hilfsmittel so Einiges möglich. Das KickPad macht die Sache allerdings bereits bei der Aufnahme wesentlich einfacher. Im Vergleich mit dem 868 wird klar, dass das Testobjekt nur mit dem arbeiten kann, was bereits da ist und so fehlt dem „gepimpten“ 57er das subjektive Volumen untenrum. Trotzdem entsteht hier ein Ergebnis, was sich absolut nicht verstecken muss und auf vielfältige Weise weiter bearbeitet werden kann. 

Großartig klingt das Earthworks KP1 auch am Floortom

Ein oft auftretendes Problem vieler Allround-Mikrofone an großen Toms sind die subjektiv zu präsenten Mittenanteile. Und genau hier eröffnet sich für das KickPad KP1 ein sehr dankbares Betätigungsfeld. Da ich zur Testzeit auch den Earthworks CMK4 Close Mic Koffer im Studio hatte, bot es sich geradezu an, eines der Schwanenhals-Kondensator-Mikros mit dem hauseigenen KickPad zu verkoppeln. Das Ergebnis kann sich absolut hören lassen, denn die plastische, natürliche Wiedergabe des Mikrofons wird nun auch auf der Aufnahme um die bassige Wucht des 18er Yamaha Recording Custom Floortoms ergänzt. Zugegeben: die Gesamtlösung kostet über 500 Euro. Aber auch mit günstigen dynamischen Mikros lassen sich tolle Ergebnisse an Floortoms erzielen. Aus Platzgründen habe ich euch hier aber nur die Earthworks aufgenommen. 

Fazit

Das Earthworks KickPad KP1 macht Spaß. Es ist sehr gut verarbeitet, auf einfachste Weise zu bedienen und tut genau, was es tun soll. Im Test verhilft es allen drei verwendeten Mikrofontypen zu einem Frequenzgang, der an Bassinstrumenten die gewünschte Mittenreduktion liefert und damit den Tieftonanteilen zu mehr Präsenz verhilft. Sein Einsatzgebiet ist sehr breit und lädt damit natürlich zum Experimentieren ein. Der Preis ist angemessen und so verdient sich das kleine Röhrchen eine Fünfsterne-Bewertung. 

  • Pro
  • effektives Werkzeug zum „Anfetten“ vorhandener Mikrofone
  • einfache Bedienung
  • sehr gute Verarbeitung
  • gutes Preis-Leistungsverhältnis
  • Contra
  • keins
  • Features und Spezifikationen
  • Hersteller: Earthworks Audio
  • Bezeichnung: KP1 KickPad
  • Funktionsprinzip: passives Inline Pad mit EQ
  • Finish: Edelstahl, gebürstet
  • Eingang/Ausgang: XLR
  • Abmessungen: L: 11,0 x B: 2,2 Zentimeter
  • Zubehör: keins
  • Herkunftsland: USA
  • Preis: € 105,– (Straßenpreis am 15.05.2018)
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Audiobeispiele

Pro & Contra

  • effektives Werkzeug zum „Anfetten“ vorhandener Mikrofone
  • einfache Bedienung
  • sehr gute Verarbeitung
  • gutes Preis-Leistungsverhältnis

  • keins

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