Test
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19.06.2018

Praxis

Klein und elegant sitzt der E&S DJR400 zwischen meinen beiden klobigen Turntables und möchte endlich bespielt werden. Dann mal los. Was direkt auffällt: Die Regler des DJR400 sind sehr leichtgängig. Das Drehgefühl ist fast schon ein wenig unedel. Hat DJ den Rückschluss „leichtgängig = billig“ aber erst einmal aus dem Kopf verbannt, dann flutschen die Potis nur so zwischen den Fingerkuppen hin und her. Ebenfalls irritierte mich anfangs die Tatsache, dass weder Zweiband-EQs noch Isolator eine Mittenrasterung haben. Auch hier lohnt es sich, althergebrachte Reflexe über Bord zu werfen. Es ist egal, ob der EQ etwas rein- oder rausgedreht ist: Er klingt immer gut. Bei anderen Mixern bin ich es gewohnt, den EQ auf Mittelstellung einzurasten und lediglich für Effekte zu nutzen. Mit dem DJR400 justiert man schon bald feinfühlig den Klang und sucht den jeweiligen „sweet spot“ einer Platte, drückt ihr etwas mehr Bass unter den Arsch oder fügt einige silbrige Höhen hinzu. Ist der Zweiband-EQ erst mal nach Gusto eingestellt, geht der Spaß mit dem Isolator erst richtig los. Es macht sehr viel Spaß, an den drei großen Rädern zu drehen, auch wenn diese mir fast ein wenig zu leichtgängig sind. Der Isolator ist super abgestimmt und klingt einfach satt. Zum Ausgleichen von Raumakustikproblemen ist er zwar viel zu schade, aber auch das kriegt er gut hin.

Eine Besonderheit des DJR400 ist die mechanische Sperre der Isolator-Potis beim Boost. Nach links killen die drei großformatigen Regler bis zur 7-Uhr-Position, wo kein Signal mehr zu hören ist. Nach rechts drehen sie jedoch nur bis knapp über die 3-Uhr-Position.

Die Kopfhörerabhöroptionen sind nicht sehr umfangreich. Ist kein Cue-Button gedrückt, hört man die Summe vor dem Isolator über den Kopfhörerausgang. Bei gedrücktem Cue wird die Vorhörschiene aktiviert, mit weiteren Cues die jeweiligen Kanäle dazugeschaltet. Ein Cue-Mix-Regler kann aber wie bereits erwähnt optional gegen Aufpreis nachgerüstet werden.

Es fehlen also viele Features, die man von den üblichen Universalmixern kennt, die in den Clubs dieser Welt verbaut werden. Diese müssen aber auch unterschiedlichsten Ansprüchen genügen können und für jeden DJ umkonfigurierbar sein. Wer sich für den E&S DJR400 entscheidet, will kompakte Maße, große Rotary-Potis, kompromisslose Soundqualität – und mit niemandem teilen. Wer es noch etwas kleiner wünscht, greift zum zweikanaligen E&R DJS200. Hier sind viele Extras wie Cue-LEDs, Cue-Mix, Rec-Out, Holzseitenteile und individuelle Sends pro Kanal bereits inklusive und ist komplett für 1.440,- Euro zu haben.

Audiobeispiele

In den folgenden Audiobeispielen führe ich den Zweiband-EQ und den Dreiband-Isolator vor. Zuerst erfolgt der Cut ganz langsam bis zur maximal möglichen Absenkung, danach wird der EQ wieder in die Mittelstellung und langsam weiter bis zum maximalen Boost gedreht. Zuletzt wird der Regler wieder in Mittelstellung gebracht. Im sechsten Audiobeispiel werden dann alle drei Isolatorenbänder gemeinsam eingesetzt, die Nuancen im Zusammenspiel der drei Bänder getestet und der Sound zum Anfang und ganz zum Schluss auch jeweils komplett weggedreht, indem alle drei Pots auf Linksanschlag bewegt werden. Audiobeispiele mit der gleichen Musik und dem gleichen Testmuster findet ihr übrigens auch beim Test des Omnitronic TRM-402.

Video

In diesem Hands-On-Video demonstriere ich den Sound der EQs und des Isolator des E&S DJR400 Rotary Travel Mixers in the mix. Nicht von ungefähr spiele ich die gleichen Platten wie beim Omnitronic TRM-402-Hands-On-Video: Beide Mixer befanden sich bei mir gleichzeitig im Test und so gibt es für interessierte Bonedo Leser die Möglichkeit des Vergleichs. Vielen Dank an Oliver Marquardt aka DJ Jauche für die Nutzung seiner Musik. (Musik im Video 1. Machomovers – Shakin’ / 2. Robin Masters Orchestra – Illusion (Vincenzo Remix) / 3. Robin Masters Orchestra – Searching My Soul)

Pro & Contra

  • kompakter „Travel-Mixer“
  • edler Sound
  • sehr weiter Frequenzgang
  • vollanaloger Aufbau
  • feiner Dreiband-Isolator
  • sehr lauter Kopfhörerausgang
  • professionelle Anschlüsse
  • hochwertige Verarbeitung
  • seltenes Teil mit viel Prestige

  • Netzteil nicht universell weltweit einsetzbar
  • nur zwei Kanäle Phono/Line-umschaltbar

Gehört zu dieser Serie

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