Hersteller_ESP Bass
Test
7
16.03.2017

Praxis

Der Hals liegt mit seinem überraschend dünnen U-Profil sehr gut in der Hand und wurde für meinen Geschmack genau richtig gestaltet: nicht zu dick, aber auch nicht zu dünn. Ungetrübter Spielspaß ist auch in den hohen Registern garantiert, denn der 24. Bund lässt sich mühelos erreichen - vorausgesetzt, der Bass hängt nicht gerade auf Schienenbeinhöhe.

Zuerst spiele ich einen rockigen Achtelgroove und höre mir den Sound in allen drei Tonabnehmerstellungen an: erst beide Pickups, dann der vordere alleine und schließlich der hintere im Solobetrieb. Die Tonblende ist dabei immer voll aufgedreht.

Wie ihr merkt, klingt der Bass wirklich aus dem Stand so gut, mit einer leicht natürlichen Kompression, dass ich tatsächlich gar keine weitere Klangregelung am Instrument vermisse! Für einen runden Fingersound gefällt mir dabei die Auswahl beider Tonabnehmer am besten, gefolgt vom Hals-PU alleine, der echt klasse rockt.

Der Bridge-PU ist mir alleine gespielt etwas zu quäckig und dünn. Dieser sitzt aber sehr weit hinten an der Brücke, so dass man leider auch nicht mehr Tiefenschub erwarten kann. Immerhin: schönen "Knurr" bringt er dennoch mit sich! Aber hört selbst:

Bei einem Viersaiter mit einer extra langen 35"-Mensur bietet es sich durchaus an, auch mit tiefergelegten Stimmungen zu arbeiten. Also gleich mal die E-Saite auf D herunterstimmen - und da lacht das Ohr! Straff und glasklar wird das tiefe D produziert. Gleichzeitig zeige ich in den folgenden Hörbeispielen auch, wie der Bass mit Pick gespielt klingt und wie die Tonblende reagiert.

Bei voll geöffneter Tonblende knallen die Höhen, aber sie kommen nicht zu hart, sondern mit einem schönen Schmatzen daher, das nicht weh tut. Dabei spielt sicher auch der durchgehende Hals eine Rolle, der das grundsätzliche Schwingverhalten eher auf "gutmütig" auslegt.

Lange Töne kann der LTD sehr gut, bei schnellem 16tel-Geballer würde ich mir persönlich aber dann doch eher einen Schraubhals wünschen, dessen Attack bekanntermaßen noch etwas zackiger ist. Die vergleichsweise hohe Saitenspannung des LTD-Basses lässt einen dazu ordentlich arbeiten; die weiten Wege wollen "gegangen werden".

Drehe ich die Tonblende komplett zurück, wird der Sound smoother, aber nicht zu weich oder gar vintage-mäßig. Es drückt jetzt etwas mehr in den tiefen Mitten, was in einer Metalband für die Durchsetzungskraft im Bandkontext durchaus von Vorteil sein kann.

Im nächsten Tonbeispiel möchte ich euch beweisen, dass diese Metalaxt aber nicht nur Metal kann! Dazu spiele ich den Halstonabnehmer im Solobetrieb und drehe die Tonblende etwa zur Hälfte zurück. Hier bringt der LTD einen warmen, aber immer noch sehr lebendigen Sound. Eine schöne Motown-angehauchte Bluesline lässt sich auf diese Weise wunderbar umsetzen. Ok, allein die Optik irritiert dabei freilich ein wenig!

Im letzten Hörbeispiel gehe ich nun mal an die Grenzen, bitte lyncht mich nicht dafür! Jetzt stimme ich die E-Saite bis runter auf das tiefe C und bin begeistert, wie klar der Ton immer noch wiedergegeben wird. Zu allem Übel packe ich nun auch noch den Daumen aus und slappe ein wenig!

Am besten gefällt mir dafür eine Tonabnehmereinstellung mit etwas lauterem Halspickup. Der Saitenzug der langen Mensur macht mir dabei etwas zu schaffen, aber der eigenständige Sound des Instruments bleibt auch hierbei voll erhalten. Tja, dieser harte Kerl kann tatsächlich mehr!

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • eigenständiger, kerniger Sound
  • sehr schwingfreudig
  • einfach zu handhabende Klangregelung
  • hochwertige Verarbeitung und Materialien
  • ausgefallenes Design

  • eingeschränktes Einsatzgebiet aufgrund des Designs
  • etwas gutmütiges Attack
  • kein Passivbetrieb möglich

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