Gitarre Hersteller_Fender
Test
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30.05.2014

Praxis

Praxis und Sound

Die Gitarre lässt sich sehr gut bespielen, was letztlich auch dem angenehmen Halsprofil zu verdanken ist, ein C-Profil, das mir persönlich sehr entgegenkommt. Grundsätzlich sollte man bei neuen Gitarren die Intonation überprüfen und bei Bedarf justieren, und auch bei unserer Blacktop Telecaster war sie ab Werk ziemlich im Off, wodurch ein sauberes Akkordspiel innerhalb der ersten vier Bünde kaum möglich war. Wer nicht weiß, wie man eine Gitarre bundrein einstellt, sollte direkt beim Kauf nachfragen, ob der Service Techniker vielleicht noch einmal Hand anlegen könnte. Das Ganze dauert knapp zehn Minuten und sollte auf die jeweilig bevorzugte Saitenstärke abgestimmt werden.

Wegen der Humbuckerbestückung ist der Sound der Gitarre in einer Zwischenwelt von Les Paul und Telecaster angesiedelt, wobei die Telecasterelemente überwiegen. Der Ton hat den typischen Twäng, ist wegen der Tonabnehmerbestückung aber satt unterfüttert. Hier mulmt auch bei hohen Gaineinstellungen nichts, die Gitarre ist von Haus aus sehr spritzig mit ausgeprägten Höhenanteilen. Zwar könnte man durch einen Wechsel der Druckguss-Brücke gegen ein Modell aus Stahl mit Blechreitern den Ton der Gitarre noch verbessern, aber auch so kann sie speziell im High Gain Bereich überzeugen, obwohl mir persönlich die oberen Mitten eine Spur zu ausgeprägt sind.

Wir beginnen die klangliche Reise mit cleanen Sounds. Im ersten Soundbeispiel hört ihr den Stegtonabnehmer, der als Humbucker den typischen Telecaster-Ton nur ansatzweise generiert. Wegen seiner leichten Mittennase klingt er ähnlich flach, wie man es von vielen Rockgitarren mit fetten Humbuckern her kennt, wobei das im Grunde genommen nicht weiter schlimm ist. Schließlich möchte die Blacktop Telecaster genau das sein und nicht die mit allen Wassern gewaschene Eier legende Wollmilchsau.

Mit beiden Pickups kommt man dem Telecaster-Ideal zwar schon etwas näher, eine Tendenz zu Countrysounds liegt jedoch in weiter Ferne. Eher klingt es nach Fusion und Funk als nach Danny Gatton, wobei das genau die Stärke der Blacktop Telecaster ist.

In der cleanen Einstellung bietet der Halshumbucker einen runden und klaren, leicht jazzigen Ton. Im Gegensatz zu einem Singlecoil bietet die Halsposition weniger Stevie Ray Vaughan, dafür mehr saftigen Gary Moore. Im folgenden Beispiel hört ihr einige Akkorde mit dem Halspickup in der Amp-Einstellung der beiden vorherigen Audiobeispiele.

Zum Leben erwacht die Blacktop Telecaster erst dann, wenn sie über einen verzerrten Amp gespielt wird. Die leicht nasale Betonung der oberen Mitten verleiht der Gitarre zwar ein gutes Durchsetzungsvermögen und ist für meinen Geschmack gerade noch ok, allerdings klingt sie nicht so offen, wie ich es mir wünschen würde.

Beide Pickups gemeinsam bringen mit einer leichten Anzerrung in der Zwischenposition tatsächlich einen glockigen schmatzigen Keith Richards Sound, so lange man nicht zu viel verlangt. Der Ton ist sehr homogen und geht mit dem Halbgas-Verzerrungsgrad eine perfekte Symbiose ein.

Je mehr Verzerrung ins Spiel kommt, desto wohler scheint sich unsere Testgitarre zu fühlen. Mit etwas zusätzlichem Gain rotzt der Halspickup, dass es eine wahre Wonne ist. Im Folgenden habe ich das gleiche Tuning verwendet wie im vorherigen "Keith Richards"-Soundbeispiel. Der Ton ist niemals verwaschen, sondern bietet einen sehr kernigen, röhrigen Sound.

Zum Schluss noch ein Soundbeispiel mit dem Steg-Humbucker über den High Gain Kanal des Gitarrenamps. Die leichte Betonung der oberen Mitten, die mir bei den cleanen Sounds nicht so gut gefallen hat, bringt im Zusammenhang mit viel Verzerrung einen massiven und druckvollen Heavysound. Hut ab! Für die bösen Buben unter uns Gitarristen, die es gerne krachen lassen, also eine ganz klare Empfehlung.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Verarbeitung
  • verzerrte Sounds
  • Bespielbarkeit

  • Saitenniederhalter
  • cleane Sounds des Steg-Pickups
  • Qualität der Potis

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