Test
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08.01.2019

Formula Sound PM-80R Test

Analoger Modularmixer

Retro-Disco-Mischpult

Mit dem PM-80R möchte die renommierte Audioschmiede Formula Sound einen Mixer wiederbeleben, der Anfang der Achtzigerjahre in den Diskotheken Geschichte geschrieben und die Mix-Möglichkeiten der DJs maßgeblich verändert hat. Das damals als PM-80 bezeichnete Achtkanalmischpult führte die Erfolgsgeschichte der Discomixer BOZAK CMA-10-2DK und CITRONIC SMP101 fort und verfügte über Drehregler-gesteuerte Dreiband-Equalizer für jeden Kanal und einen modularen Aufbau. Das Kuriose aus heutiger Sicht: Die Bass-Regler waren oben und die Höhen-Regler unten angeordnet.

Die Neuauflage PM-80R greift die meisten Features seines Vorfahren auf, bietet aber nicht näher spezifizierte technische Neuerungen, weshalb sich die alten Bauteile, falls noch vorhanden, nicht in das neue Gerät einbauen lassen. Der Mixer richtet sich Anwender, die auf ehrliche Analogtechnik inklusive eines unverfälschten Klangs stehen und bereit sind, auf moderne, digitale Funktionen zu verzichten.

Details

Der PM-80R wird als vier-, acht- oder gar zwölfkanaliger Rackmixer angeboten. Ich habe mir die achtkanalige Version für den Test zukommen lassen, da diese die gleiche Ausstattung hat wie das Original. Wie gesagt als 19-Zoll-Einbaumixer ausgeführt misst der Testkandidat 483 x 267 x 110 Millimeter. Das Gehäuse wirkt recht massiv, ist aus eloxiertem Aluminium gefertigt und wiegt 5,81 Kilogramm.

Der Mixer ist modular aufgebaut, d. h. für jeden der acht Kanäle gibt es ein eigenes Eingangsmodul, das separat in das Gehäuse geschraubt wurde und sich individuell konfigurieren lässt. Verschiedene Eingangsquellen wie Plattenspieler, Line-Pegel-Geräte mit symmetrischen und unsymmetrischen Signalen und Mikrofone können angeschlossen werden. Die Ausgangssignale lassen sich in Busse routen und werden im Master-Modul kontrolliert, das ebenfalls konfigurierbar und frei platzierbar ist. 

Eingangsmodule

Die acht Eingangsmodule des PM-80R verfügen über Dreiband-Equalizer, deren Anordnung der heute gängigen Bauweise entsprechen. Die Regler der Höhenbänder befinden sich oben, gefolgt von den Mittebändern und den Tiefenbändern ganz unten. Die Höhenbänder greifen bei 10 Kilohertz in das Audiomaterial ein, die Mittenbänder bei 1 Kilohertz und die Tiefenbänder bei 100 Hertz. Die Anhebung erfolgt mit bis zu 10 dB, genau wie die Absenkung. Auf Wunsch kann eine Fachwerkstatt diese Konfiguration modifizieren, sodass unterschiedlichen Werte für die Anhebung und Absenkung zur Verfügung stehen.

Gain-Regler erlauben die Anpassung des Pegelhubs, der zusätzlich auch auf der Rückseite justierbar ist. Mit einem Balance-Regler lassen sich Stereosignale im Stereobild ausrichten und Mikrofonsignale positionieren – eine Funktion, die man in der Regel heutzutage nicht bei einem klassischen DJ-Mixer, sondern eher bei einem Studiomischpult vorfindet. Da der Hersteller den PM-80R aber nicht nur im DJ-Betrieb sieht, ein nachvollziehbares Feature.

Zum Mixen der Signale gibt es leicht gleitende Fader mit einem Regelweg von 60 Millimetern. „Moderne“ Funktionen wie Anpassungsmöglichkeiten für die Fader-Kurvenverläufe oder gar einen Crossfader zum Überblenden sucht man vergeblich, hier hat der Hersteller das Retro-Konzept konsequent durchgezogen. Ein beleuchteter Monitor-Taster leitet das Kanalsignal in die Vorhörsektion des Mixers.

Zwischen den EQ-Drehreglern befindet sich ein winziger Aux-Send-Taster, der versenkt ist und nur mit einem kleinen Schraubendreher oder einem anderen spitzen Gegenstand betätigt werden kann. Wird diese Schaltung aktiviert, leuchtet der Taster zur optischen Kontrolle rot auf. Quellenwahlschalter hat der PM80R nicht, denn die Konfiguration der Eingangsmodule erfolgt durch das Setzen von Jumpern innerhalb des Gehäuses. Hierzu mehr im Praxisteil.

Master-Modul

Das Master-Modul beherbergt die Bedienelemente zur Kontrolle der Master-, Booth- und Zone-Ausgänge sowie der Aux-Signale und des Monitorwegs (Cue). Zudem gibt es eine zwölfstufige, zweireihige, ampelfarbene LED-Kette, mit der sich die Kanalsignale oder das Master-Signal optisch überwachen lassen. Eine Power-LED zeigt an, dass das Gerät mit Strom versorgt wird, einen Power-Schalter gibt es allerdings nicht. Darüber hinaus ist der PM-80R auch mit einer „Music Mute LED“ versehen, die mit einem speziellen Eingang auf der Rückseite gekoppelt ist. Dieser Eingang erlaubt den Anschluss einer Brandmeldeanlage, die die Musiksignale im Notfall stummschalten kann.

Anschlüsse

Die Anschlüsse des Formula Sound PM-80R befinden sich auf der Unterseite des Gehäuses, sodass sich der Mixer nicht auf einen Tisch aufstellen, sondern nur in ein Rack einbauen lässt. Die acht Eingangsmodule verfügen jeweils über drei verschiedene Arten von Buchsen, die mit unterschiedlichen Signalen kombinierbar sind. Zwei XLR-Females dienen zum Anschluss von symmetrischen Line-Pegel-Geräten (z. B. Synthesizern) und Mikrofonen. Zudem gibt es zwei Cinch-Buchsen, die mit Line- und Phono-Signalen kombinierbar sind sowie eine 1/4-Zoll-Insert-Buchse, die für Effekte aber auch Eingangssignale nutzbar ist.

Das Ausgangsmodul verfügt über XLR-Buchsen für den Master-Ausgang, Cinch-Buchsen für den Recording-Ausgang und Klinkenbuchsen für Zone-, Booth- und Aux-Signale sowie Subbass und Mic-Mix (Send/Return-Schleife). Eine weitere Buchse mit integrierter Sicherung dient zum Anschluss eines Netzkabels. Zur Erdung von Plattenspielern gibt es eine Rändelschraube und schließlich wäre da noch besagter „Music Mute“.

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Audiobeispiele

Pro & Contra

  • authentischer Retro-Mixer
  • viele Anschlussmöglichkeiten
  • flexibles Routing durch Busse und Insert-Wege
  • robustes Gehäuse
  • große Bedienelemente
  • druckvoller Analogsound
  • professionelle Ausgänge

  • spontaner Eingangsquellen-Wechsel nicht möglich
  • Aux-Weg-Schalter schwierig aktivierbar
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