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Test
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10.04.2019

Heavyocity Gravity Pack Scoring Bass Test

Kontakt Library

Bässe im Weltraum

Vor vier Jahren veröffentlichte Heavyocity „Gravity“, eine Hybrid-Scoring-Library mit extraterrestrialer Ausrichtung, die ästhetisch deutlich an die Soundwelten des gleichnamigen Films erinnert. Alles ziemlich düster, alles ziemlich dystopisch, alles ziemlich geil. 

Seitdem haut Heavyocity immer mal wieder klangliche Erweiterungen in Form von sogenannten Gravity Packs raus; eigenständige Libraries mit verschiedenen Schwerpunkten. Nach Scoring Guitars, Vocalise und Natural Forces kommt nun mit Scoring Bass der erste Bass dazu. Ob und was der Bass kann,  soll im Folgenden genauer untersucht werden.

Details

Download und Installation

Auch Heavyocity hat eine hauseigene App zum Download hauseigener Produkte. Da der Bass nur 3,9 GB wiegt, geht das ziemlich zügig. Danach die Library per Native Access aktivieren und schon kann’s losgehen.

Instrumente und GUI

Beim Öffnen des Kontakt erscheint der Scoring Bass als eigenständige Library. Seine Instrumente stellen also keine neue Kategorie innerhalb von Gravity dar. Die Library enthält das Instrument „Playable Bass“ plus drei Instrumenten-Ordner: Pads, Grooves, Pedals. 

Ich lade ein Instrument, da mich das GUI interessiert; ob es irgendwelche Unterschiede zum Mutterschiff aufweist? Nope, das GUI ist exakt das GUI von Gravity. Da der Bass vermutlich nur die interessiert, die mit Gravity bereits vertraut sind, setze ich das Wissen über die Funktionen des Interface voraus. Wer gerade zum ersten Mal darüber nachdenkt, sich Gravity und den Bass zu besorgen, dem sei dieser Gravity Test ans Herz gelegt, in dem alle Funktionen des Interface ausgiebig behandelt werden.

Drei Ordner, dreiundzwanzig Unterordner, über 100 Instrumente; die Pads

Die Ordner- und Instrumentenstruktur bleibt sich in allen drei Fällen ziemlich gleich. Ich dekliniere das einmal am Beispiel Pads durch: Ich öffne den Ordner Pads und lande bei vier Unterordnern; Complex, Element Menus, Elements Ambient, Elements Short. 

„Complex“ enthält verschiedene Pads. Diese bestehen aus drei Layern und haben sowohl Ambient- als auch Short-Presets im Angebot. Ein Instrument gibt es also in bis zu vier verschiedenen Fassungen. „Element Menus“ enthält die Instrumente Ambient Elements Menu und Short Elements Menu. In diesen Instrumenten sind sämtliche jeweiligen Elemente auf dem Keyboard nebeneinander angeordnet. Am unteren Ende der Klaviatur befinden sich tonale Keyswitches im Umfang einer Oktave, jedes Element lässt sich also auf jedem Ton abspielen. Allerdings nur einmal. Wenn man einen Sound gerne in E hätte, dann gibt es halt nur ein E. Das ist für Melodieverläufe, die über eine Oktave hinausgehen natürlich nicht zu gebrauchen. Deshalb gibt es noch die Ordner „Elements Ambient“ und „Elements Short“, in denen man auf die Einzelsounds als individuelle Instrumente, getrennt nach Kanälen und klanglich gestretcht auf bis zu vier Oktaven, zugreifen kann. Unterm Strich lässt sich also festhalten: Obwohl es auf den ersten Blick eine große Anzahl von Instrumenten gibt, so enthalten alle Element- und Elements-Ordner lediglich abgespeckte Sound-Versionen des Complex-Ordners. 

Puls Grooves und Rhythmic Pedals

Der Ordner Pulse Grooves ist sogar noch übersichtlicher; geboten werden Grooves in a-, d-, e- und g-Moll, einmal in Standard-, einmal in FX-Ausführung. Da alle Instrumente 24 Grooves bieten, kommt man so auf 96 Grooves und weil alle Instrumente ebenfalls mit tonalen Keyswitches im Umfang einer Oktave ausgestattet sind, lässt sich auch alles in allen tonalen Zusammenhängen nutzen. Das Schlusslicht bilden die Rhythmic Pedals. Sie unterscheiden sich von den Grooves insofern, als sie rhythmische Pedaltöne, also quasi Orgeltöne sind. Hier handelt es sich um einen einzigen Ton, der ein bestimmtes Rhythmuspattern spielt, im Gegensatz zu den Grooves, die eher kurze Licks sind, Mini-Baselines, also aus mehreren Tönen bestehen. Was die Ordnerstruktur betrifft, verhalten sich die Rhythmic Pedals ähnlich wie die Pads: Es gibt die „großen“ Instrumente mit begrenzten Transpositionsmöglichkeiten und dann deren Elemente nochmal als Einzelinstrument mit erweiterten Transpositionsmöglichkeiten. Noch eine abschließende Bemerkung zu den Pedals: Es gibt noch Pedal Blend Instrumente, Instrumente, bei denen die untere Hälfte der Klaviatur mit einem Bass, die obere Hälfte mit einem Pad belegt ist. „Blenden“ im Wortsinn tut sich da in meinen Ohren gar nichts, der Bass geht definitiv nicht graduell ins Pad über. Richtig schlau werde ich aus dem Konzept daher nicht, aber vielleicht macht es für den ein oder anderen Sinn.

 

 

Sound

Schuster, bleib bei deinem Raumschiff: Klanglich fügt sich der Bass nahtlos in die Gravity-Soundwelt ein. Alles andere würde allerdings auch keinen Sinn machen und wäre bei einer Champion-Company wie Heavyocity mehr als eigenartig. Der Bass klingt natürlich schwer synthetisch und zu Tode bearbeitet, aber wie gesagt: Er soll sich ja auch in den bestehenden Sound einfügen und der erinnert nicht gerade an Field-Recording. Die Pads finde ich größtenteils okay, partiell saugeil. Pads hat Gravity ja eh schon reichlich, so hat man jetzt noch ein paar mehr. Speziell bass-artiges haben die in meinen Ohren nicht an sich, von daher scheint mir das eher ein Add-On Service von Heavyocity zu sein. Die Pulse Grooves gefallen mir gut. Hier klingt der Bass tatsächlich noch am natürlichsten, so dass ich mir vorstellen kann, diese Instrumente auch in einem anderen als dem Gravity-Kontext zu nutzen.

Die Rhythmic Pedals finde ich am besten. Die Dinger haben Schub und sind sehr variantenreich. Wenn man im Umfang einer Oktave bleibt und unvermittelt zwischen verschiedenen Pedals hin- und herspringt – gerne auch auf ungerade Taktzeiten – ergeben sich Pattern, die höchstungewöhnliche Akzente setzen und schieben ohne Ende. Schub ist überhaupt das Stichwort Numero Uno, wenn es um die Pedals geht. Voll Kraft voraus!

Fazit

Heavyocitys Gravity Pack 06 Scoring Bass ist ein feines Paket, um die bestehenden Sounds aufzustocken. Insbesondere alles Rhythmische macht einen guten Job, Spaß, und knallt. Außerhalb von Gravity gibt es vermutlich eher wenige Anwendungsgebiete, aber deshalb heißt es ja auch Gravity Pack. Wer dem Mutterschiff also gerne noch ein bisschen mehr Wumms untenrum verleihen möchte, der ist mit dem Scoring Bass auf jeden Fall gut bedient. Und das zu einem wirklich fairen Preis. Kann man gut machen.

  • PRO
  • integriert sich klanglich super
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • rhythmisch sehr interessante Bass-Pattern
  • einfache Handhabung
  • sehr viele Bearbeitungsmöglichkeiten durch das Gravity Interface
  • übersichtliche Einzel-Library
  • CONTRA
  • Nichts
  • FEATURES
  • 5.7 GB Content
  • 300+ Motion Presets
  • Dreikanaliger „Playable Bass“, bestehend aus drei Multi-Sample Bässen
  • 8 Pulse Groove Menüs
  • 72 Pads
  • 152 Rhythmic Pedals
  • Systemanforderungen:
  • Kontakt 6 (Player) oder später
  • Mac: macOS 10.12, 10.13 oder 10.14 (letztes Update), i5
  • PC: Windows 7, 8, oder 10 (letztes Service Pack), Intel Core i5 oder gleichwertige CPU, 2 GB RAM
  • Preis: 79 USD (Straßenpreis 6.4.2019)
Veröffentlicht am 10.04.2019

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • integriert sich klanglich super
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • rhythmisch sehr interessante Bass-Pattern
  • einfache Handhabung
  • sehr viele Bearbeitungsmöglichkeiten durch das Gravity Interface
  • übersichtliche Einzel-Library

  • kein Contra

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