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Feature
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22.07.2016

Honne Gear-Chat: Elektro-Soul mit Synth und Drum Machine

Interview zu Equipment und Lieblings-Synthesizer Prophet 08

Mit „Someone that Loves You“ (featuring Izzi Bizu) als Single bringen Honne ihr Debütalbum „Warm on a Cold Night“ auf den Markt. Seit zwei Jahren schraubt das Elektronic-Soul Duo aus Großbritannien an der Karriere. Mit über 1 Million Plays auf Soundcloud nur für ihre EP „Coastal Love“ kann man gespannt sein, was ihr über Warner vermarkteter Major-Release bringen wird. Auf Spotify können sie bereits auf 20 Millionen Streams zurück blicken. Auch mehrere ausverkaufte Touren haben sie schon im Sack. Stilistisch bringen sie eine Musik zurück, die man so schon lange nicht mehr gehört hat: Irgendwie ein upgedateter Sound aus den frühen 80ern. Mit programmierten, groovigen 808-artigen Beats, entspanntem Mid-Tempo und dazu klassische, warme Synthsounds mit souligem Gesang. Man spürt förmlich, wie sich ein Cocktail in der Hand materialisiert. Ein Kollege nannte die Songs gleich spontan „Klarmach-Mucke“, der Sound scheint auch besonders das weibliche Geschlecht anzusprechen.

Multi-Instrumentalist James Hatcher und Sänger Andy Clutterbuck fungieren beide als Producer und Songwriter. Im kleinsten Setup spielt James dabei Stage-Piano und Synthesizer, während Andy singt und die Drum Machine bedient. Inzwischen touren sie aber meistens in kompletter Bandbesetzung mit Drummer, Bassist und Background-Sängerin. Da sie unverkennbar echte Gear-Nerds sind (Blick auf ihr Instagram langt), haben wir sie im Rahmen ihrer Promotour zum Gear-Chat gebeten.

Ihr habt einen ziemlich ungewöhnlichen Mix aus Synths und diesen Old-School Beats. Wie seid ihr zu diesem Sound gekommen?

Andy: James und ich kennen uns schon eine ganze Weile, seit 6 oder 7 Jahren. Vor ein paar Jahren haben wir uns dann aber entschieden, es mit der Musik ernsthaft zu versuchen, da das immer unser Traum war. Wir haben einen Haufen Songs geschrieben und mit Sounds experimentiert, mit Klangpaletten die was eigenes haben und nicht in eine Schublade passen.
James:
Wo wir dann gelandet sind, war ein Dave Smith Prophet 08 – unserer Hauptquelle für Sounds und 808 Drum Machine Samples, da wir leider keine echte besitzen. Ich träum ja immer noch davon, mal eine auf dem Gebrauchtmarkt günstig ergattern zu können. Und Samples einer Simmons Snare gemischt mit den 808 Beats. Andy hat noch einen Mopho, wir beide haben NORD Stage Pianos – und ich einen alten Moog Prodigy. Dann haben wir eine DSI Tempest Drum Machine und noch eine alte Roland TR-77, die ich von meinem Großonkel geerbt habe.

Habt ihr die TR-77 auch auf dem Album eingesetzt?

James: Mehr beim Song-Writing, da sie schon sehr „crusty-sounding“ ist. (Gelächter)

Andy: Unser Recording-Setup ist eigentlich ziemlich bescheiden, funktioniert aber gut für unsere Anforderungen. Wir haben 500er Serie Lunchboxes mit ein paar netten Modulen – Preamps, EQs und Kompressoren.

Ihr habt also beide diese Home-Recording-Setups mit denen ihr die Songs entwickelt?

Beide: Genau.

Ich habe gelesen, dass James die Playbacks und Beats strickt und Andy dann die Top-Lines kreiert?

James: Ja – so war es am Anfang. Aber inzwischen machen wir es beide. Wer auch immer mit der Musik anfängt schickt es rum, Andy macht dann die Texte, und dann treffen wir uns und produzieren es aus.

... und ihr beide spielt dann die Funky 80s Gitarren drauf?

(Gelächter)
James:
Das bin wahrscheinlich ich, ich bin ein großer Michael Jackson Fan. Das ist wohl in meine Musik reingesickert.

In einem anderen Interview sagtet ihr, ihr hättet es auf die harte Weise lernen müssen, es live einfach zu halten. Was ist passiert? Habt ihr da ein paar Weisheiten für uns?

Andy: Live haben wir eine Band dabei. Eigentlich sind Honne zwar nur James und ich, Live haben wir aber einen fantastischen Drummer, Bassisten und eine Background-Sängerin. Wir wollten es live anders als auf dem Album haben, dem Publikum live ein anderes Erlebnis bieten. Außerdem wollten wir dem ganzen ein „Human Element“ geben. Als wir anfingen, war unser Ziel nie zwei Jungs mit ihren Laptops. Auch wenn es natürlich tolle Acts gibt, die das so machen. Aber wir wollten mehr Show bieten. Wir haben natürlich Elektronik auf der Bühne, aber die richtigen Musiker helfen dabei, der Musik etwas mehr von dem „Soul-Element“ zu verleihen.
James:
Ich glaube, wir erkannten, dass es so sein musste, weil wir bei unserem ersten Gig in einem Cafe in East London – wo wir vorher außer ein paar Freunden niemand von erzählten –noch alles selbst spielten... und es war wie StarTrek irgendwie, mit all diesen Gizmos um uns rum. Irrwitzig... Andy und ich sangen Teile der Songs während wir... (macht vor, wie er auf Geräten rumtippt)....

... funktioniert für Disclosure!

(Allgemeine Heiterkeit)

James: Yeah!
Andy: ... und Jack Garrett macht es auch super.
James: Wir wollten all die netten Instrumente und Elemente, aber dass Andy noch die Möglichkeit hat als Sänger zu performen - und durch das Triggern von Samples und so weiter nicht zu eingeschränkt wird.

Wenn ihr zu zweit spielt, ich habe da ein Video auf Youtube von SXSW gesehen, dann bedient Andy die Drum Machine und James den Rest? So habt ihr also angefangen?

Andy: ...genau. Und der erste Gig war sogar mit noch mehr...
James:
...Andy hat auch noch Bass gespielt...
Andy:
...und ein Keyboard... (Lachen) ...war schon auch gut. Ich hätte auch nichts gegen ein paar mehr Gigs in der Art, weil es auch mal interessant ist. Aber mit der Live-Band genießen wir das einfach. Es ist dann auch nie dasselbe. Von Gig zu Gig ist es dann immer etwas anders. Das hält es für uns lebendig – was für unser Seelenheil wichtig ist.
(Lachen)

Spielt ihr zum Click-Track, oder spielt der Drummer über die Drumtracks?

Andy: Wir spielen zum Click-Track. Wir nutzen Ableton zum Triggern von Samples und ein paar Sachen, die Live einfach unmöglich wären. Ableton ist so ein mächtiges Werkzeug, super was man damit alles machen kann. So zuverlässig auch. Für uns ein Himmelsgeschenk.
James: Der Drummer hat ein echtes Kit, aber triggert die 808 und Simmons Sounds dann dazu.

Honne beim SXSW: Zwei Männer und ihre Maschinen

 

 

Schreibt ihr die Songs auch in Ableton Live?

Andy: Nein.
James:
...wir fangen gerade damit an, aber nutzen normalerweise Logic dafür.
Andy:
Ja, es ist unser Hauptwerkzeug, aber aus Erfahrung aus der Vergangenheit fanden wir es für Live einfach nicht zuverlässig genug.

Habt ihr auf dem Album die Dave Smith Tempest für alle Beats benutzt?

James: Wir haben sie darauf einprogrammiert, aber manchmal sind es auch 808 Samples. Ich habe sie seit ungefähr eineinhalb Jahren.

Kennt ihr die Roland TR-8 eigentlich? Habt ihr mit der mal rumgespielt?

Andy: Yes! Und ich find sie super.
James: .
..und wir bekommen welche! Wir haben eine Session für Roland gemacht, und sie schicken uns Drum Machines.
Andy:
Ich finde es klasse, wie leicht sie ist.

...und sie hat alle klassischen Sounds von 808, 909 und 707 – und seit einigen Wochen auch 606.

James: Ach, kann man die rein laden? 

Ja, aber nur die vier Roland Maschinen.

Andy: ...und sie hat dieses coole Side-Chain Feature für externes Audio.

Ihr habt das euer Album also hauptsächlich mit Nord Stage, Prophet 08 und Tempest produziert?

Andy: Genau. Und wenn es dann im Rechner ist, ersetzen und ergänzen wir einige Sounds mit Samples und so weiter.

Gesang nehmt ihr zuhause auf?

Andy: Ja. Ich nehm dafür ein Shure SM7.
James: ...ist einfach klasse.
Andy: Ist wahrscheinlich komplett „unprofessionell“, aber ich sitze einfach auf einem Stuhle, halte es in der Hand, singe rein – in einen netten Preamp. Das wars. Funktioniert.
James: Ich glaube, wenn du sorgfältig recherchierst, WAS du brauchst... Leute machen sich wahrscheinlich viel zu viel Gedanken, dass sie unbedingt ein teures Studio mit all diesem Equipment benötigen - wenn du eigentlich nur einen ordentlichen Channel-Strip brauchst, um Gesang aufzunehmen.

...und eine Person, die singen kann.

(Gelächter)
James: Ja, das ist ein guter Anfang! Ich glaube, wir haben ein wirklich ein bescheidenes Setup, haben aber alles sorgfältig ausgewählt. Und es funktioniert.

Wenn ihr also alles zusammen habt, geht ihr zum Mischen in ein Studio? Macht ihr das selbst, oder habt ihr einen Mixing Engineer?

Andy: Ja, genau. Einige Leute waren beim Mischen involviert. Den größten Teil hat ein Wez Clarke gemischt, der ein Studio in London hat.

Andy: Vor ein paar Jahren habe ich zu James gesagt: Ich weiß, was wir machen müssen. Wir produzieren einfach unser Album selbst und lassen es dann von jemandem mischen, der weiß, was er tut. Und das haben wir gemacht. Das Lustige ist, weil wir einfach so interessiert an Gear sind, haben wir die Leute immer gefragt: Oh wow, wie hast du das gemacht? Wie hast du das so laut bekommen? Und im Laufe der Zeit waren wir dann über die letzten zwei Jahre in der Lage, selbst so zu mischen, dass es schon klingt.
James: Ja, beim nächsten Album werden wir es wahrscheinlich auf einen so hohen Standard bekommen können, dass wir es nicht mischen lassen müssen. Aber wir werden es wahrscheinlich trotzdem tun, weil es einfach gut ist, ein paar externe Ohren drüber hören zu lassen, bevor es raus geht. Wenn wir uns jetzt unsere ersten Demos anhören, ist das immer so: Oh mein Gott, das ist so shit! (Lachen) Aber jetzt klingen Mixe, die wir zurück bekommen, nicht mehr sooo drastisch viel besser. Immer noch ein bisschen, aber nicht zu weit entfernt.

Wie arrangiert ihr den Sound eurer Songs, wie wählt ihr die richtigen aus? Mir fiel auf, dass ihr eine Art „Standardkonfiguration“ habt: Immer tiefer Bass, 808-artige Beats, darüber Pads und orgel- oder pianoartige Sounds. War das eine bewusste Entscheidung um der Stimme Raum zu geben, oder kam es einfach so?

Andy: Ja, war es. Ich glaube, wir wollten dass die Stimme sich durchsetzt. Ist natürlich nur meine Meinung, aber besonders bei Musik, die sich im Popumfeld bewegt, muss die Stimme präsent sein. Weißt du, das wo sich Leute hauptsächlich drauf einklinken, sind die Texte und sie singen die Melodie mit. Wir wollten also sicher stellen, dass das Element immer da ist. Aber wir sind auch Musiker und Geeks, die Wert auf kleine Feinheiten legen, wie ein bestimmtes Riff. Aber die sollen in der Regel die Lücken zwischen den Vocals füllen.
James: Wir haben eine lange Zeit damit zu gebracht, ein optimales „Bett“ für die Vocals zu finden, und dafür einen interessanten und neuen Sound zu schmieden. Es gibt meiner Meinung nach im Moment nicht viel Popmusik, die einen Prophet Synthesizer als Basis für ihren Sound einsetzt. James Blake vielleicht noch, der macht viel in der Richtung – und ist für uns auch ein großer Einfluss. Aber wir wollten... es ist irgendwie wie James Blake mit ... Songs ... (allgemeines Lachen) ...  eh – jetzt nicht in einer schlechten Art gemeint. Er ist eher Electronic-Experimental für mich, da würde ich ihn einordnen. Da ist er unglaublich – aber wir wollten mehr traditionelle Songs mit solchen Sounds verbinden.

Da uns die Zeit weg läuft, würde ich gern noch ein wenig über GEAR sprechen. Ist dieses Jahr irgendwas rausgekommen, das ihr gern hättet – Synthesizer oder anderes Equipment?

(Lachen)
Andy: Ich glaube den gibt es schon ‘ne Weile: Aber den Teenage Engineering OP-1!
James: ...oh mein Gott – ja. Den will ich unbedingt haben. Fällt mir gerade wieder ein – bestell ich wahrscheinlich gleich auf dem Weg zum Flughafen online.
Andy: Ich habe mir gerade einen Korg Minilogue gekauft. Der ist ‚wicked’!
James: Ja, der ist super – jedes einzelne Patch ist klasse. Wir machen ja auch Remixes. Da ist jeder Sound eigentlich sofort einsetzbar.

Ihr nutzt dann die Presets als Ausgangspunkt und schraubt dran rum?

James: Genau. Andy ist so ein richtiger Schrauber, er sitzt dann da für eine Stunde und macht so... (macht vor wie jemand halb-autistisch an den Knöpfen eines Synths rumschraubt).

Der Minilogue ist also euer New-Kid-On-The-Block. Kein Prophet 6 für euch?

James: Nee, ich brauche 8 Stimmen. Ich benutz so viele Stimmen, ich glaub, dass würd’ mich stören, wenn bei Einsatz des Sustainpedals Stimmen „geklaut“ würden.

Was macht ihr mit dem Prophet 12 Modul, das ihr auch habt?

James: Ja, ja, ja – du weißt ja alles über uns. Wir wussten das nicht mal... (beide lachen).
Andy: Das klingt jetzt vielleicht ein wenig extravagant, aber das ist eigentlich nur als Backup für die Tour...

...das klingt extravagant.

(Lachen)
James: Na ja, wir wollten nicht noch einen Prophet 8 mit rumschleppen. Wenn wir also irgendwo hin fliegen, mieten wir einfach ein Keyboard dazu. Und wir haben ihn ab und zu im Studio benutzt.

Zum Abschluss eine Gretchenfrage– was würdet ihr Musikern, die am Anfang stehen empfehlen, um so weit wie ihr zu kommen?

James: Ich würde sagen: Besorgt euch Equipment, dass noch niemand benutzt hat, oder setzt Gear in einer neuen Art und Weise ein. Versucht euch etwas einfallen zu lassen, das anders klingt. Weil der einzige Weg um durchzubrechen, ist es anders zu sein – es gibt wahrscheinlich Millionen von Bands in der Welt. Und der einfachste Weg Gehör zu bekommen, ist anders zu klingen als was die anderen machen.
Andy: ...und dabei nie vergessen, Dinge nicht zu verkomplizieren.
James: Genau – finde deinen Sound und behalte ihn! Schreib nicht einen Song und sage: Super! Der nächste muss jetzt nach einer ganz anderen Band klingen.
Andy: Genau – Konsistenz!

Danach kam dann der Spaß für die Jungs: Sie verlängerten um 5 Minuten, damit sie an den alten analogen BOSS DR-55, DR-110 und KORG KPR-77 Drum Machines noch ein wenig schrauben konnten, die ich als Aufhänger für unser Gespräch dabei hatte. Und dann ging es auch schon mit Hochgeschwindigkeit zum Flughafen...

Das Album "Warm on a Cold Night" ist am 22.07. bei Warner erschienen. Im Folgenden der Amazon Link:

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