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Test
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10.05.2013

Ibanez SR1206VNF Test

E-Bass

Familienzuwachs

Der Ibanez SR1206VNF im bonedo-Test - Unter dem Kürzel SR ist die Ibanez Soundgear Serie nun schon seit über 25 Jahren im Programm des japanischen Musikinstrumenten-Riesen. Dass mit dem Verkaufsstart der ersten Modelle 1987 ein Dauerbrenner den Markt bereichern sollte, war nicht unbedingt vorhersehbar, aber die Instrumente erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit bei Bassisten rund um den Globus. Der Fokus lag von Anfang an auf einer komfortablen Handhabung, die Ibanez mit sehr flachen Hälsen, relativ engen Saitenabständen und einem kompakten und weich geformten Korpus in die Realität umsetzte. Auch den verschiedenen Bedürfnissen und finanziellen Möglichkeiten von Bassisten wird mit unterschiedlichen Ausführungen Rechnung getragen, angefangen bei den Budgetvarianten GSR über die Standard SR-Modelle bis hin zur deutlich kostspieligeren Prestige-Serie, die auf Boutique-Niveau im japanischen Werk gefertigt wird.

2012 ergänzte Ibanez das SR-Lineup mit der Premium-Serie, die preismäßig deutlich unter den Prestige-Bässen rangiert und mit einer aufwendigen Holzkomposition und hochwertigen Hardwarekomponenten Boutique-Bassfreunde mit etwas schmalerem Budget ansprechen soll. Für diesen bonedo-Test steht mir das sechssaitige Modell SR1206VNF zur Verfügung, die Premium SRs sind aber selbstverständlich auch als Fünf- und Viersaiter erhältlich.

Details

Konstruktion

Ibanez hat über die Jahre an der Korpusform der SR-Linie im Wesentlichen nichts verändert und auch der jüngste Zugang kommt mit dem typischen flachen, fast flunderartigen Korpus mit vielen Shapings und weichen Linien. Die Holzauswahl beim 1206 fiel auf Mahagoni, ein runder und warmer Klang mit universellen Klangeigenschaften sollte also die Zielrichtung sein.

Mahagoni ist allerdings kein besonders dekoratives Holz, weshalb man dem Korpus ein schön gemasertes Top aus Ovangkol aufgesetzt hat, das mit drei kontrastreichen Zwischenfurnieren verziert ist.

Der Hals

Auch der aufgeschraubte Hals ist in Boutique-Manier sehr aufwendig konstruiert und setzt sich aus drei breiten Streifen Wenge und zwei schmaleren Bubingastreifen zusammen, zusätzlich wird er sogar noch mit Titaniumstäben verstärkt. Die Halskonstruktion sollte also trotz des flachen Profils über eine enorme Stabilität verfügen und damit auch gegen Klimaschwankungen relativ immun sein. Ein Griffbrett aus dem klassischen Tonholz Palisander macht den Hals komplett, darin sitzen 24 Bünde im Medium-Format, die an den Ecken sehr schön abgerundet sind und für ein geschmeidiges Spielgefühl sorgen. Zur Lagenorientierung gibt es die SR-typischen, ovalen Abalone-Inlays.

Der ganze Bass wird von einem matten Finish überzogen, das sich sehr angenehm anfühlt und tadellos verarbeitet ist. Erstklassige Verarbeitung kann ich auch sämtlichen Holzarbeiten am Premium Ibanez attestieren, Fehler oder Nachlässigkeiten sind nirgends zu entdecken.

Hardware Ausstattung

In Sachen Hardware bedient sich Ibanez bei renommierten Ausstattern, greift aber auch auf eigene Entwicklungen zurück. Die Mono-Rail Brücke beispielsweise stammt aus eigenem Haus und wird auch bei zahlreichen anderen Ibanez-Bässen montiert. Die sechs Saiten werden durch die separierten Saitenreiter komplett entkoppelt und können dadurch ihre Schwingung effektiver in das Holz übertragen, was in der Regel dem Sustainverhalten und einer schnellen Ansprache zugutekommt. Natürlich verfügen diese über die relevanten Einstellmöglichkeiten wie Saitenhöhe und Intonation, nach erfolgter Justierung können die beweglichen Teile mit Klemmschrauben arretiert werden, um Schnarr- und Klappergeräusche möglichst zu eliminieren.

Am anderen Ende laufen die Saiten über einen selbstschmierenden Sattel von Graph-Tech zu den Stimmmechaniken aus dem Hause Gotoh. Die geschlossenen Tuner haben sich längst bei unzähligen Instrumenten bewährt und arbeiten präzise und leichtgängig.

Die Elektronik

Durchaus überraschend ist die Wahl der Tonabnehmer für die Premiumbässe. Ibanez greift nämlich nicht auf Modelle des Hausausstatters Bartolini oder Entwicklungen aus der eigenen Entwicklungsabteilung zurück, sondern setzt die "Big Singles" von Carey Nordstrand ein. Carey Nordstrand ist ein Instrumentenbauer aus den USA, der anfangs für seine Custom-Bässe eigene, sehr hochwertige Tonabnehmer entwickelte. Die Qualität der Nordstrand-PUs sprach sich in der Szene schnell herum und Nordstrandpickups wuchs zu einem kleinen Unternehmen mit einem inzwischen umfangreichen Sortiment. Bei den Big Singles handelt es sich einfach gesagt um muskulöse Singlecoils im Soapbarformat mit zwei dicken und schräg angeordneten Alnico Magneten pro Saite. Die dicken Spulen produzieren einen fetten, lauten und aggressiven Singlecoil-Sound, Jazzbass-on-Steroids ist also bei der Ibanez Premiumserie angesagt.

In Sachen Preamp bedient sich Ibanez wieder im eigenen Sortiment, die Dreiband-Elektronik "EQB-IIISC" wurde eigens für die Premiumbässe an die Nordstrand-Tonabnehmer angepasst. Das Cockpit umfasst neben dem Lautstärke- und dem Panoramaregler drei etwas kleinere Potis für Bässe, Mitten und Höhen, mit einem kleinen Schalter kann zudem die Centerfrequenz (250Hz oder 600Hz) des Mittenreglers bestimmt werden. Ein weiterer schaltet den Bass am EQ vorbei auf Passivbetrieb um. Insgesamt ist die Hardwareausstattung für einen Serienbass in dieser Preisklasse wirklich beachtlich und der SR1206 muss sich in dieser Disziplin keinesfalls hinter Edelbässen mit deutlich unangenehmerem Preisschild verstecken.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • tolle Verarbeitung
  • Sound / Soundvielfalt
  • Hardwareausstattung
  • Preis/Leistung

  • kopflastig
  • Testbass war schlecht eingestellt. Saitenlage sehr hoch, Sattel nicht optimal gefeilt.

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