Bass Hersteller_Ibanez
Test
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14.01.2016

Ibanez TMB100 Talman Test

Viersaitiger E-Bass

Moderne Nostalgie zum Discountpreis

Anfang der 90er-Jahre kreierten die Designer der japanischen Firma Ibanez eine neue Gitarre, die auf den Namen Talman hörte. Inspiriert war sie einerseits vom Sound der frühen amerikanischen Danelectro-Gitarren, deren Korpusmaterial aus einem gepressten Verbundwerkstoff bestand. Das Material der frühen Talman-Gitarren nannte sich seinerzeit "Resoncast", wurde jedoch bei späteren Modellen wieder durch traditionelle Hölzer ersetzt. Die Bodyform war angelehnt an die Umrisse der Fender Jazzmaster. Als Resultat entstand ein eigenständiges und beliebtes Instrument, das sich bis heute in den Ibanez-Katalogen behauptet.

Nun hat man bei Ibanez das Talman-Konzept erstmals auch auf den Bass übertragen. Hinsichtlich seiner Ästhetik wird dieses Modell vor allem Vintage-Fans ansprechen, klanglich geht das Instrument jedoch bei Bedarf durchaus auch in eine modernere Richtung. Besonders erwähnenswert ist einmal mehr der Preis, denn der Talman Bass wird im Durchschnitt für deutlich weniger als 300,- Euro gehandelt (!). Dafür bekommt man einen Mahagoni-Korpus, P/J-Tonabnehmer-Kombination, eine aktive Zweiband-Elektronik, ein Palisandergriffbrett - und natürlich die gewohnt hochwertige Ibanez-Verarbeitung.

Ich hatte vor vielen Jahren anlässlich eines Bass-Tests im günstigen Preisbereich (stellvertretend für alle Instrumente im Niedrigpreis-Segment) einige nachdenkliche Worte niedergeschrieben. Ich zitiere mich einmal selbst leicht aktualisiert an dieser Stelle:

"Man bedenke, dass ich ca. 1977 für einen gebrauchten Ibanez-Bass 650,- DM bezahlt habe. Neu kostete er damals 900,- DM. Ich frage mich stets, wie die Preise fast 40 Jahre später überhaupt noch funktionieren, wenn ich mir Folgendes vor Augen führe: Irgendwo auf der Welt wird ein Baum gefällt, er wird dann abtransportiert mit Seilwinden und LKW, zu einem Hafen gebracht, dort verladen, dann weiter an den Zielort verschifft, entladen und zur Weiterverarbeitung gebracht. Das Holz wird getrocknet - früher auf natürliche Weise über mehrere Jahre, heute nahezu ausschließlich in computergesteuerten Trockenkammern. Dann wird das Holz vorgeschnitten, sortiert, zwischengelagert und schließlich bearbeitet, also ausgeschnitten, gefräst, gebohrt, geschliffen, lackiert und poliert. Weiterhin werden Hälse, Griffbretter, Hardware und Elektronik hergestellt, montiert und geprüft. Das neue Instrument wird mit frischen Saiten bestückt, manchmal zusätzlich in einen Koffer oder ein Gigbag gepackt, kartoniert, zum Hafen gebracht und an den neuen Bestimmungsort verschifft, wo es verzollt und eingeführt wird und zum Vertrieb gelangt, der es auf Bestellung an einen Händler weitersendet. An jeder Station steht ein Mensch, der Geld für seine Arbeit bekommt. Darüber hinaus hält jede Firma, jede Institution und jeder Staat die Hand auf, und am Ende der ganzen Verlaufskette hält der glückliche Musiker einen nagelneuen Bass für unter 300,- Euro ("inklusive" 19% Mehrwertsteuer!) in den Händen. Jeder kann sich selbst ausrechnen, wie viel an einem solchen Instrument tatsächlich noch verdient wird!"

Den Konsumenten darf es natürlich freuen, so lange das Spiel eben global noch möglich ist. Weiterhin muss ich erwähnen, dass entgegen der günstigen Preise die Qualität solcher Instrumente im Laufe der letzten Jahrzehnte ständig besser geworden ist und ich generell aus dem Staunen nicht mehr herauskomme, welch hoher Standard mittlerweile für wenig Geld geboten wird. Ob der Ibanez TMB100 Talman Bass ebenfalls in diese Überraschungskategorie gehört, wollen wir in diesem Test ergründen!

Details

Der hier getestete Ibanez TMB100 Talman Bass erstrahlt in der Farbe "Ivory" - also "Elfenbein". Derzeit existieren vier weitere Farboptionen im Katalog: Black, Tri Fade Burst, Mint Green und Transparent Red. Ein Koffer oder eine Tasche sind zwar nicht im Lieferumfang enthalten, was man angesichts des Preises wohl auch nicht unbedingt erwarten würde.

Der Korpus wirkt weder zierlich, noch klobig. Da als Korpusholz Mahagoni verwendet wurde, verwundert es nicht, dass der Talman gute 4,5 kg wiegt. Durch das Fehlen von Cutaway-Hörnern wirkt der Korpus etwas gestaucht, aber in einer sehr ästhetisch anmutenden Weise. In Verbindung mit dem Tortoise-Schlagbrett, das sich an der unteren Hälfte der Verlaufslinie der Korpusschwingung anpasst und in der oberen Hälfte am Rand ein gegenläufiges Oval zeichnet, wirkt der Bass sehr gelungen. Eine Besonderheit des Talman-Designs ist die Anordnung und Aufteilung der Regler und Klinkenbuchse. Als zweiteiliger Stackpoti ausgeführt, befindet sich der Lautstärke/Tonabnehmer-Balanceregler mit verchromten Messing-Knopf und -Ring auf dem Schlagbrett. Das ebenfalls zweiteilige Stackpoti für die aktive Klangregelung mit Höhen- und Bassregler wurde hingegen auf einer schmalen Chromplatte montiert, die zu ca. einem Viertel in das Schlagbrett hineinreicht, dann aber nach hinten hin weiterführt und dort die schräg versenkte Klinkenbuchse beherbergt. Sie kann einen geraden Klinkenstecker im flachen Winkel aufnehmen. Für mich ist das vom ästhetischen und auch praktischen Hintergrund aus gesehen ein so einfaches und doch einzigartiges und gelungenes Detail, dass man sich die Frage stellen mag, warum gerade diese Konstruktion bislang nicht größere Verbreitung gefunden hat!

Die Brücke ist die einfachste Chromwinkelausführung, die es gibt. Die zylinderförmigen Reiterchen mit mittlerer Saitenführungskerbe liegen ohne zusätzliche Führungsschienen jeweils mittels zweier Madenschrauben zur Saitenhöhenjustierung auf der Bridge-Messingplatte auf.

Als Tonabnehmer wurden zwei passive Ibanez Dynamix-Tonabnehmer installiert. In der Halsposition befindet sich ein Split-Coil, in der Stegposition ein Singlecoil Jazz-Style. Wir haben es also mit der sehr beliebten P/J-Kombination zu tun; der Verbindung von Precision- und Jazz Bass-Tonabnehmer, die klanglich "das Beste aus beiden Welten" verbinden soll. Um die Soundmöglichkeiten zu erweitern, befindet sich obendrein noch eine aktive Zweiband-Elektronik an Bord, deren Stromversorgung via 9V-Batterie erfolgt. Sie wurde auf der Rückseite des Bodies in einem kleinen Fach untergebracht. Leider ist dieses Fach mittels zweier Schrauben arretiert, was einen schnellen Wechsel (etwa zwischen zwei Songs) unmöglich macht. Allerdings wurde der Deckel vorbildlich versenkt und die Befestigungsschrauben sitzen in eingelassenen Messinggewinden.

Die Batterie selbst wurde mittels verklebtem Moosgummi passgenau in das Fach eingesetzt. Dadurch kann sie nicht wackeln und sitzt sogar so fest im Fach, dass es fast ein wenig Mühe kostet, sie herauszuziehen. Darüber hinaus ist das verklebte Moosgummi natürlich nur eine Lösung für die derzeit im Bass befindliche Batterie. Da Moosgummi und Batterie fest verklebt sind, wird man bei Austauschbatterien neue Klemmmaterialien auskundschaften müssen. Wie so häufig bei 9V-Batterien mit normaler Batterieklemme ist das Kabel zwischen Klemme und der im Bass sitzenden Elektronik etwas kurz gehalten, so dass man beim Austausch der Batterie etwas vorsichtig agieren sollte. Die mittlerweile ebenfalls weit verbreiteten handelsüblichen Klappfächer sind hier ohne Frage vorteilhafter - weil servicefreundlicher!

Die Regelbereiche des Zweiband-EQs liegen bei einem Kuhschwanzfilter im Bassbereich, der ab ca. 900 Hz abwärts greift und nach unten ab ca. 300 Hz beginnt, sich breit zu öffnen. Die Höhen greifen ab 300Hz aufwärts und besitzen einen breitbandigen Wirkungsbereich in Form eines Glockenfilters mit der Kernfrequenz bei ca. 8 kHz. Bei der Überschneidung beider Filterkurven durch gleichzeitiges Anheben oder Absenken der Regler ergibt sich im Grenzbereich eine Mittenabsenkung (bei Boost) oder -Anhebung bei ca. 800 Hz (bei Cut). Das heißt, wenn man Höhen und Bässe des aktiven EQs anhebt, ergibt sich durch die Addition der beiden Filterkurven eine Mittenabsenkung bei 800 Hz, was einer typischen EQ-Einstellung für einen Slapsound entspricht. Mehr hierzu im Praxistest.

Der naturmatt belassene einteilige Ahornhals wurde mit dem Korpus vierfach verschraubt. Anstelle einer Hals-Schraubplatte wurden die vier Schrauben einzeln auf Unterlegscheiben leicht im Korpus versenkt. Auf dem Palisandergriffbrett sitzen 20 gut abgerichtete Medium-Bünde und Perlmutt-Punktinlays. Das Material des weißen Sattels wird zwar nirgendwo spezifiziert, es scheint jedoch Kunststoff zu sein.

Direkt oberhalb des Sattels liegt der offene Zugang zur Halsstellschraube am Fuß der relativ breiten und asymmetrisch geformten Kopfplatte. Die offenen Chrom-Mechaniken mit mittelgroßen Achsen wurden im Verhältnis 2:2 verteilt, jedoch befinden sie sich asymmetrisch auf dem Headstock verteilt. Dennoch ergibt sich ein gerader Saitenverlauf zwischen Sattelkerben und Mechanikachsen. Da die Kopfplatte nicht angewinkelt verläuft, sorgt ein mittig sitzender zusätzlicher Saitenniederhalter für einen höheren Sattelauflagedruck der innen liegenden A- und D-Saite.

Die Vorderseite der Kopfplatte hat man im Stil einer schwarzen Overlay-Platte gestaltet. Selbst im schräg verlaufenden Übergangsbereich zwischen Kopfplatte und Griffbrett/Sattel erblickt man keine Unebenheiten oder Ansätze - sehr schön! Mittig auf der Kopfplatte prangt unübersehbar der satingoldene Ibanez-Schriftzug.

Kurzum: Wie man es von Ibanez gewohnt ist, wirkt auch dieser in Indonesien gefertigte Ibanez TMB100 Talman handwerklich absolut einwandfrei!

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • tolles Preis-/Leistungsverhältnis
  • gute Verarbeitung
  • aktiver Zweiband-EQ
  • zwei Tonabnehmer (P/J-Kombination)
  • schickes Retro-Design

  • Bundreinheit ab Werk noch nicht perfekt eingestellt
  • kein Passivbetrieb möglich
  • Batteriefach verschraubt, kein Schnellwechsel möglich

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