Test
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18.07.2019

Praxis

Für Midfield und Nearfield sehr gut geeignet

Von Haus aus bietet die IK Multimedia iLoud MTM grundsätzlich drei Varianten zur Aufstellung. Auf einer Unterlage wie Schreibtisch oder Meterbridge aufrecht mit Hilfe des verstellbaren Fußes, waagerecht auf dem dediziertem Gummipad oder auf ein Mikrofonstativ mit dem üblichen 3/8-Zoll-Gewinde montiert. Ich entscheide mich zunächst für die Aufstellung per Stativ neben der großen Abhöre im sogenannten Midfield, also in einem Abstand von ungefähr zwei Metern. 

Der beiliegende Quick-Start-Guide liefert eine Art Checkliste für Aufbau und Anschluss. So richtig interessant wird das Setup, wenn es darum geht, die Boxen einzumessen. Hierzu nehme ich ein weiteres Mikrofonstativ und positioniere es so, dass das ARC-Mikro genau an meinem Abhörplatz steht und auf die Phantommitte des Boxenpaars ausgerichtet ist. Das mitgelieferte XLR-Miniklinke-Kabel zum Anschluss des Messmikrofons ist mit seinen zwei Metern nicht gerade üppig lange, was bei meinem Aufbau gerade so eben ausreichend ist. Selbstverständlich kann man hier mit weiteren XLR-Kabeln den Abstand vergrößern.

Ich schließe das Messmikro nacheinander an beide Boxen an und führe für jede der Boxen den benötigten, eigenen Einmessvorgang durch. Nach einigen kurzen Sinus-Sweeps quittiert mir die Status-LED an der Vorderseite der iLoud MTM mit grünem Blinken, dass die Kalibrierung erfolgreich durchgeführt wurde. Die „Cal/Preset“-Funktion an der Rückseite der Box steht nun automatisch auf „Cal“ für „Calibrated“ und dem Hörtest steht nun nichts mehr im Wege. Der Einmessvorgang dauerte für eine Box übrigens nicht länger als zehn Sekunden, das Ganze ist also relativ unkompliziert und schnell anzuwenden.

Laut, präzise und magische Bässe

Nachdem ich es mir nun erwartungsvoll auf dem Abhör-Chefsessel bequem gemacht und eine Reihe persönlicher Lieblingssongs unter der Maus bereitgelegt habe, kann es losgehen. Im schnellen Wechsel springe ich von Track zu Track und staune nicht schlecht. Feine, präzise klingende Höhen in den Hi-Hats von Manu Katché, die betagte Tears-for-Fears-Kamelle „Advice for the Young at Heart“ klingt schon fast skalpellartig scharf in den Höhen, und Billie Eilishs „Bury a Friend“ mit dem verspielten Percussion-Groove kommt mir glasklar und ohne den geringsten Hauch von Weichheit oder Bedecktheit vor. Was mich aber am meisten staunen lässt, und was ich zunächst nicht glauben mag, sind die tiefen Bässe. Wie bekommt man aus solch kleinen Treibern nur auf Grund von Bassreflex und DSP-Power solch eine Basswiedergabe hin? Die untersten Frequenzen, da wo Bassdrums Spaß machen und in den Magen drücken, sind eindeutig zu hören und zu spüren. Es muss also irgendwie möglich sein, denn IK Multimedia beweisen es hier auf beeindruckende Weise. Klar führt die laute Basswiedergabe dazu, dass man die Box nicht brüllend laut machen kann. Aber die gebotene Gesamtlautstärke ist dafür, dass die Abhöre im Midfield steht, schon wirklich beachtlich. Fürs Nahfeld wird die hier noch zerrfreie Lautstärke in jedem Fall schon zu laut sein. Die iLoud MTM machen ihrem Namen alle Ehre.

Zum Vergleich schalte ich auf meine große Abhöre um. Sofort fallen mir der andere Frequenzgang und das viel größer wirkende Stereobild auf. Klar, meine eigene Abhöre ist nicht eingemessen, besitzt ein wesentlich größeres Volumen und besitzt auch nicht die D'Appolito-Bauweise der iLoud MTM und deren daraus resultierenden, sauberen Phasengang. Auf meinen eigenen Boxen nehme ich eine Mittenresonanz wahr und höre eine wesentlich größere Stereobreite, empfinde dabei aber zugegebenermaßen auch eine größere Freude am Stereoklang. Schalte ich zurück auf die iLoud MTM bekomme ich wieder diesen präziseren, lineareren, und auch ungeschönteren Klang zu hören. Fürs analytische Hören und präzise Arbeiten leisten die Boxen erstaunliches. Allerdings hat die Präzision auch einen Preis, denn ich werde das Gefühl nicht los, die Songs aus einer kleinen, punktförmigen Quelle zu hören. Schalte ich auf meine große Boxen um, empfinde ich das Stereobild als stimmiger, denn da passen Lautheit und Abstrahlfläche zueinander. Es kommt mir so vor, als würde ich mit einer Art akustischen Lupe hören, wenn ich auf die IKMs umschalte. Vielleicht müsste ich mich aber auch einfach nur über einen längeren Zeitraum daran gewöhnen.

Als nächstes schalte ich die iLoud MTM auf „Flat“ und umgehe damit die Einmessung des ARC-Systems. Die kleinen Italiener ähneln vom Frequenzgang nun meiner großen, eigenen Abhöre. Der Tiefbassbereich um die 50 Hertz ist ein wenig überbetont und die Ortbarkeit einzelner perkussiver Klänge meiner Lieblingssong lassen sich mit den iLoud MTM ein wenig schärfer orten als mit meiner Hauptabhöre. Die D'Appolito-Bauweise und die gekonnt abgestimmten DSP-Funktionen leisten ganz offensichtlich sehr gute Arbeit. IK Multimedia verspricht nicht nur höchste Präzision, sondern kann dies mit den iLoud MTM meiner Meinung nach auf beeindruckende Weise liefern. Chapeau.

Im Nahfeld unschlagbar

Bei Boxen solcher Größe bietet sich selbstverständlich die Aufstellung auf der Arbeitsfläche im Nahfeld an, denn dort kann man viel leiser abhören, ohne an gefühlter Lautheit im Vergleich zum größeren Abstand im Midfield zu verlieren. Dies führt netterweise (quasi als Kollateralvorteil) dazu, dass ein womöglich schlecht klingender Raum akustisch weniger negativen Einfluss auf das Hörerlebnis hat. Außerdem belastet man das Gehör weniger und kann dadurch auch länger vernünftig hören. Eine Win-Win-Win-Situation also, die allerdings nur dann wirklich Sinn ergibt, wenn die Boxen per se ausgewogen und gut klingen. Und genau hier können die IK Multimedia iLoud MTM voll auftrumpfen. Mit ihrer Ehrlichkeit und der eben nicht vorhandenen Schönfärberei, ermöglichen sie analytisches Hören und dies selbst bei sehr leisen Abhörlautstärken. Grundsätzlich klingen die Boxen meiner Meinung nach unglaublich linear und resonanzfrei, und mit den diversen DSP-Funktionen kann ich mir den Frequenzgang der Abhöre nach meinem Geschmack noch ein wenig nachjustieren.

Das bordeigene „Desktop“-Preset wirkt den typischen Oberflächenresonanzen rund um 160 Hertz deutlich entgegen und liefert für mein Empfinden eine gute Ausgangseinstellung für den Schreibtischbetrieb. Aus persönlichem Geschmack nutze ich zusätzlich noch den High-Shelf und senke die Höhen um zwei Dezibel ab. Wem dies zu ungenau ist, der kann auch für den Nahfeldbetrieb die bordeigene Einmessfunktion nutzen. Diese hat durch den geringen Hörabstand von üblicherweise mehr oder weniger einem halben Meter allerdings nicht allzu viel Auswirkung auf den Frequenzgang, da die Raumakustik bei solch kurzen Abständen und der geringeren Abhörlautstärke nur eine geringe Rolle spielt. Der mitgelieferte verstellbare Standfuß entkoppelt gut von der Standfläche und macht die benötigte Ausrichtung mit der zugehörigen Feststellschraube zu einem Kinderspiel. 

Pro & Contra

  • präziser, linearer, neutraler Klang
  • sehr viel Bassvolumen trotz kleiner Bauform
  • mitgeliefertes Einmesssystem
  • flexible Aufstellung horizontal, vertikal oder auf Stativ

  • keine Auto-Power-Funktion

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