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20.01.2021

Keine Corona-Gefahr im Konzerthaus? Aerosol-Studien bringen Hoffnung

Studien in Dortmund und Barcelona geben grünes Licht

Die vergangenen Wochen des harten Lockdowns zur Bekämpfung der anhaltenden Corona-Pandemie waren sicherlich keine Leichten und vor allem geprägt von schlechten Nachrichten en masse. Nachdem die Kultureinrichtungen wie Konzerthäuser und Kinos im Sommer zumindest wieder unter geringer Auslastung des Zuschauerraums öffnen durften, bleiben die Vorhänge seit November wieder geschlossen. Ein Ende des Lockdowns, der gerade erst wieder verlängert wurde, ist nicht in Sicht. Dennoch trudelten in den vergangenen Tagen vermehrt positive wie überraschende Ergebnisse von verschiedenen Studien ein, die die Aerosolausbreitung bei Konzerten analysierten. 

Keine Superspreader-Events möglich 

Das Konzerthaus Dortmund gab eine ebensolche Studie über die Verbreitung im eigenen Haus in Auftrag. Das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut aus Berlin führte diese gemeinsam mit den Aerosol-Experten der Firma Parteq durch und veröffentlichte nun die Ergebnisse. Das Fazit lautet: Im Konzerthaus Dortmund sind mit einem entsprechenden Lüftungskonzept keine Superspreader-Events möglich!

Die vorhandene Raumlufttechnische Anlage des Hauses könne bei voller Laufleistung innerhalb von 20 Minuten die gesamte Luft im Saal austauschen. Für eine Übertragung ist eine direkte Wechselwirkung mit einer infizierten Person über einen Zeitraum von 12 bis 15 Minuten von nöten. Durch die Größe des Saals sowie die ständige Belüftung ist eine solche, direkte Wechselwirkung unmöglich. 

Masken sind nicht so essentiell, wie angenommen

Weiterhin betonen die Forscher, dass mit dem Tragen einer Alltagsmaske sogar eine Vollbesetzung des Konzerthauses ohne Infektionsrisiko möglich sei. Wenn die Maske während des Konzerts abgenommen werden soll, müsste lediglich der direkte Vorderplatz unbesetzt bleiben, um Neuinfektionen auszuschließen. Eine sogenannte Schachbrettbesetzung wäre also problemlos auch ohne Maske realisierbar. Sobald ein Gast seinen Platz verlässt, müsse die Maske allerdings zwingend getragen werden, da sich in Nebenräumen oder auf der Toilette die Belüftung nicht so wie im Saal steuern ließe. 

Da sich die Ergebnisse des Hauses aus Dortmund zudem problemlos auf ähnliche Säle in Kinos, Theatern oder vergleichbaren Kulturinstitutionen übertragen lasse, zeigte sich auch die Kulturministerin aus Nordrhein-Westfalen, Isabel Pfeiffer-Poensgen, von den Ergebnissen positiv überrascht. Die Studie aus Dortmund sei ein wertvoller Baustein für eine baldige Öffnung von Kultureinrichtungen und unterstreiche zudem das Verantwortungsbewusstsein der Branche, hieß es in einem Statement des Ministeriums. Eine Arbeitsgruppe der Landesregierung Nordrhein-Westfalens arbeite somit bereits an einer Öffnungsstrategie. 

In Barcelona wird mit 1.000 Freiwilligen getestet

Während die Forscher in Dortmund mit einem Testdummy arbeiteten, ließ das Primavera Festival in Barcelona eine Studie mit 1.000 echten Menschen durchführen. Die Hälfte der freiwilligen Testpersonen durfte während des Versuchs ein Konzert besuchen, während die andere Hälfte als Kontrollgruppe zuhause blieb. Die Ergebnisse der Studie, die das Primavera gemeinsam mit dem Germans Trias Hospital und der Fight AIDS and Infectious Diseases Foundation durchführte, zeigten kein gesteigertes Infektionsgeschehen innerhalb der Gruppe, die das Konzert besucht hatte. 

Ob diese Studien nun zu einem Umdenken der Regierung führt bleibt dennoch fraglich. Aktuell sind die Zahlen der Neuinfektionen, sowie die Lage auf den Intensivstationen einfach noch zu dramatisch. Auch versichern die Studien zwar ein infektionsfreies Konzert, über die Auswirkungen von An- und Abreise sowie ein generell gesteigertes Aufkommen im öffentlichen Nahverkehr durch geöffnete Kultureinrichtungen können sie keinen Aufschluss geben. Und genau hier dürfte der entscheidende Punkt liegen, weswegen die Kulturbranche wohl noch ein wenig ihre Füße stillhalten muss. Für den Fall eines erneuten Lockdown Lights, wie im vergangenen November, sollten diese Ergebnisse allerdings eine erneute Schließung von Konzerthäusern verhindern können. 

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