Hersteller_Korg SP_1000bis2000
Test
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25.03.2020

Korg SV-2S Test

Stagepiano

Nachfolge mit Potenzial

In 2009 hat Korg mit dem SV-1 Stage Vintage Piano eines der erfolgreichsten Stagepianos seiner Zeit auf den Markt gebracht. Mit einem markanten Design im Retro-Look, zahlreichen Vintage-Sounds an Bord und einer stylisch inszenierten Röhre im Bedienfeld hat sich das SV-1 beständig über ein ganzes Jahrzehnt gehalten. Das Konzept: Eine reduzierte Auswahl wichtiger Vintage Keyboard-Sounds, eine intuitive Bedienung und ähnlich - wie beim Nord Electro - eine Effektsektion, die den Klang mit typischen Modulationseffekten anreichert. Jetzt legt Korg mit dem SV-2 nach, und damit nicht genug, denn gleichzeitig gibt es mit dem SV-2S nun auch eine Variante mit eingebauten Lautsprechern. Beiden Modellen wurde jetzt eine deutlich größere Klang-Library spendiert, und damit ist das neue Vintage Piano wesentlich vielseitiger als der Vorgänger. Sowohl das SV-2 als auch das SV-2S gibt es jeweils in Ausführungen mit 73 und 88-Tasten. Korg hat uns für unseren Test das SV-2S mit 73-Tasten zur Verfügung gestellt. Was sich neben dem Facelift noch alles getan hat, das wollen wir nun herausfinden.      

Details

Zwei Varianten des SV-2: Ohne und mit Lautsprechersystem

Wie das „S“ am Ende der Modellbezeichnung vermuten lässt, handelt es sich hier um die Ausführung des Stagepianos mit eingebauten Lautsprechern. Das lässt sich optisch sofort an den Öffnungen auf der Gehäuseoberseite erkennen, welche bei den Modellen des SV-2 fehlen. Im Gegensatz zum SV-2, welches in einem sehr schicken, schwarzen Gehäuse daherkommt, setzt das SV-2S auf ein gewagteres Äußeres: Das elfenbein-weiße Gehäuse, die runden Löcher für die Speaker sowie die schwarzen Seitenteile erinnern mich irgendwie an das Design eines frühen Porsche 911. Nicht nur das Farbschema, sondern auch das abgerundete Gehäuse leisten ihren Beitrag dazu. Vielleicht mag das SV-2S damit polarisieren, aber eines ist sicher: Das Stagepiano setzt starke Akzente! 

In der Form des Gehäuses ähneln SV-2S und SV-2 dem Vorgänger sehr stark, und ebenso verhält es sich auch mit dem Gewicht: Das SV-2 73 wiegt mit 17,2 kg fast genauso viel wie das SV-1 73, während das SV-2S 73 aufgrund der eingebauten Lautsprecher ein knappes Kilogramm mehr auf die Waage bringt. Weder die 73-Tasten-Version noch das 88-Tasten-Modell sind damit wahre Leichtgewichte - andererseits machen sich die robuste Verarbeitung und die gewichtete RH3-Tastatur eben bemerkbar. 

Die neuen Korg Stagepianos lassen jedenfalls keinen Grund zur Beanstandung: Die Verarbeitung ist tadellos, alles sitzt bombenfest. Im Lieferumfang des Stagepianos sind übrigens ein Netzkabel, ein Haltepedal, eine aufsteckbare Notenhalterung sowie ein Benutzerhandbuch mit Kurzanleitung zu finden. Für das Erstellen individueller Layer- und Splitsounds stellt Korg zusätzlich die kostenlose Software „SV2 Editor“ zum Download zur Verfügung. 

Aufbau im Detail

Nach dem Auspacken des Stagepianos möchte man gleich loslegen: Mit seiner angeschrägten Oberfläche, der schönen Vintage-Optik und der hochwertigen Tastatur lädt das SV-2S zum sofortigen Spielen und Bearbeiten der Soundparameter ein. Die vielen Potis, hinter denen sich - mit Ausnahme des Volume-Reglers - allesamt Dreh-Encoder verstecken, erinnern stark an jene Regler, die man beispielsweise auch bei Moog Synthesizern findet. Besonders eindrucksvoll hat Korg - wie schon beim Vorgänger - die Röhre auf der Oberfläche platziert, die passend zu allen LEDs in oranger Farbe beleuchtet wird und klanglich einen Beitrag zum Sound des Stagepianos leisten soll. Die verbaute Röhre ist übrigens eine echte 12AX7, also genau jener Röhrentyp, der auch in den meisten Gitarrenverstärkern eingesetzt wird.

Gehen wir einmal von links nach rechts die Bedienelemente durch nach schauen uns an, wie das SV2S aufgebaut ist. Direkt links neben der Röhre befindet sich der Volume-Regler und ein Dreiband-EQ, der sich über einen darunterliegenden Taster aktivieren lässt. Dank der LEDs an den Dreh-Encodern werden die Reglerpositionen sofort ersichtlich und Parameter-Sprünge konsequent vermieden. Betätigt man die Dreh-Encoder (alle Encoder haben eine Push-Funktion), dann wird der ursprüngliche Wert wieder aufgerufen. Weiter geht es mit dem „Pre FX“, in welchem u.a. klassische Effekte wie Tremolo, Vibrato sowie Auto- bzw. Pedal-Wah untergebracht sind. Für alle Effekte gibt es hier einen Speed- und Intensity-Regler. Das benachbarte Amplifier-Modul verfügt über sechs verschiedene Amp-Simulationen, die über den Drive-Regler das Signal ordentlich anzerren. Neben Twin und AC 30 befinden sich hier vier weitere Amps, die sich in ihrem Charakter und Verzerrungsgrad stark unterscheiden.

Schon vom Vorgänger SV-1 kennen wir die mittig platzierten Favorites-Taster, auf denen sich insgesamt 64 individuelle Lieblingsklänge abspeichern lassen. Für die Bühne ein hervorragendes Tool! Das wohl wichtigste Modul befindet sich dann rechts neben den Favorites-Tastern: Die Anwahl der insgesamt 72 Klänge des SV-2S werden hier über zwei Drehencoder aufgerufen. Sechs Kategorien stehen zur Auswahl und unterscheiden zwischen Piano 1, Piano 2, EP1, EP2 sowie Clavier und Other. Pro Kategorie stehen darin jeweils zwölf Variationen zur Verfügung, die über den zweiten Encoder angewählt werden. Letzterer bietet über die Push-Funktion die Möglichkeit, in zwei Ebenen jeweils sechs Klänge auszuwählen: Wahlweise leuchten die LEDs dann nicht mehr orange, sondern in grüner Farbe.

Im Gegensatz zum Vorgänger SV-1 bieten das SV-2S und SV-2 deutlich mehr Klänge, zu denen u. a. vier Flügelmodelle, zwei Upright Pianos sowie eine aufgestockte Auswahl verschiedener Rhodes, Wurlitzer, DX- und FM-Pianos gehören. Ebenfalls verstecken sich im SV-2 auch Orgel- und Synth-Sounds, was aus der Beschriftung nicht direkt hervorgeht, aber man spätestens beim „durchsteppen“ durch die Klänge der „Other“-Kategorie erfährt. Hier sind nochmal jede Menge Sounds zu finden, zu denen u. a. Orchester- und Synthesizer-Klänge gehören. Mithilfe des neuen und kostenlosen SV-2 Editors erweitert sich dann das Sound-Potenzial auf insgesamt über 400 Klänge, aber dazu später mehr.

Weiter geht’s mit dem Modulation-Modul, in welchem eine ganze Menge klassischer Modulationseffekte aufwarten. Neben zwei Chorus-Emulationen sind hier u. a. Phaser und Flanger-Effekte zu finden. Wie die Beschriftung verrät, handelt es sich dabei teilweise um Emulationen bekannter Effektpedale: Hinter dem Small Phaser etwa versteckt sich - man darf es vermuten - eine Nachbildung des bekannten Small Stone Phaser aus dem Hause Electro Harmonix. Auch hier dienen zwei Regler für die Effekt-Geschwindigkeit und -Intensität. Außerdem bietet das Modulation-Modul einen Rotary-Effekt, der über einen zusätzlichen Taster auf der Bedienoberfläche oder auch per Fußpedal in seiner Geschwindigkeit umgeschaltet werden kann. Auch hier verfügen alle Dreh-Encoder über die „Push“-Funktion, mit der man schnell zu dem ursprünglich gespeicherten Wert zurückspringt. Sehr Praktisch!

Zu allerletzt folgt das Ambient-Modul, in dem diverse Hall- und Delay-Effekte zu finden sind. Ganz im Zeichen echter Vintage-Liebhaber dürfen ein Federhall sowie ein Tape-Echo natürlich auch nicht fehlen! Hier sieht das Angebot jedenfalls deutlich üppiger aus als bei so manch anderen Stagepianos. Im Gegensatz zur Modulation-Abteilung verfügt die Ambient-Abteilung nur über einen Depth-Regler. Zumindest das Tappen des Stereo-Delays wird über einen zusätzlichen Taster ermöglicht.

Anschlüsse – die Verbindung zur Außenwelt

Mit Ausnahme der 6,3 mm-Kopfhörerbuchse, welche vorne links am Seitenteil untergebracht ist, befinden sich alle weiteren Anschlüsse des Korg SV-2S auf der Rückseite des Instruments. Hier ist das SV-2S weitestgehend identisch mit seinem Vorgänger: Beide Instrumente bieten sowohl Audioausgänge im Klinken-, als auch im XLR-Format. Daneben bietet das SV-2S auch zwei 6,3 mm-Audio-Eingänge, Anschlüsse für MIDI In/Out sowie drei Buchsen für Fußtaster, Schweller und weitere Pedale. Die linke Buchse wird für das mitgelieferte Haltepedal verwendet, das auch eine Halbdämpfer-Funktion übernimmt, wenn es nicht ganz durchgetreten wird. Auch der USB-Anschluss zum Verbinden des SV-2S mit einem Computer ist hier zu finden. Eine Neuerung beim SV-2S ist der Schalter zum An- bzw. Abschalten der integrierten Lautsprecher des Stagepianos.   

Gewichtete Hammermechanik-Tastatur

Die im SV-2S verbaute RH3-Tastatur wurde auch schon beim Vorgänger verbaut, und ist daneben auch in anderen erfolgreichen Keyboards aus dem Haus Korg zu finden: Sowohl das Korg Grandstage Stagepiano, als auch das Workstation-Flaggschiff Korg Kronos nutzen die RH3-Tastatur. Die skaliert gewichtete Hammermechanik gehört also keinesfalls zur Mittelklasse und ist sicherlich auch ein Grund, warum viele Pianisten bislang gerne auf dem SV-1 gespielt haben.

Sicherlich mag die Frage nach der richtigen Tastatur für ein Stagepiano reine Geschmackssache sein, aber ich bin mir sicher, dass Korg hier einen guten Kompromiss gefunden hat. Schließlich muss man mit einer Tastatur in einem Stagepiano viele verschiedene Klänge spielen können, und das Klavier ist eben nur einer davon. Ich persönlich mag es beispielsweise eher leichtgewichtet und bevorzuge Waterfall-Tastaturen, viele meiner Kollegen wiederum wünschen sich möglichst viel „Flügel“-Spielgefühl in einem Stagepiano.  Aus dieser Sicht hat Korg aus guten Grund an der RH3-Tastatur festgehalten: Sie ist für eine Hammermechanik noch angenehm leichtgängig und fühlt sich insgesamt sehr gut an. Mehr dazu im Praxisteil! 

Integrierte Lautsprecher

Eine Besonderheit des SV-2S sind die installierten Lautsprecher, die durch zwei Öffnungen des Gehäuses nach oben abstrahlen. In Zusammenarbeit mit dem italienischen Lautsprecher-Designer K-ARRAY wurde dieses System entwickelt und bietet eine Ausgangsleistung von 2 x 15 Watt. Die beiden verbauten Lautsprecher haben eine Größe von 2,5" und werden durch einen passiven 3" Radiator ergänzt. Wer sich an dieser Stelle übrigens fragt, was ein passiver Radiator ist: Hierbei handelt es sich um eine passive Membran, die dem System zusätzlichen Bass gibt. Diese Technik macht man sich heute u. a. in kleinen Bluetooth-Lautsprechern zunutze. Eine aufschlussreiche Erklärung dazu findet man u. a. in folgendem Video:

Kostenlose Editorsoftware

Mithilfe der kostenlosen Software „SV-2 Editor“ für Mac und PC lassen sich Layer- und Split-Sounds mit bis zu drei verschiedenen Timbres erzeugen. Schon beim Vorgänger bot Korg eine Software an, mit welcher man Klänge inkl. Layer- und Splits manuell erstellen konnte. Dank dem neuen SV-2 Editor ist dieses Feature auch beim Nachfolgemodell enthalten und ermöglicht nicht nur das Erstellen besagter Layer- und Splitsounds von bis zu drei Sound-Instanzen, sondern ermöglicht auch weitaus detailliertere Eingriffe in diverse Sound- und Effektparameter, die andernfalls nicht über die Benutzeroberfläche zugänglich sind. Auch bietet der SV-2 Editor Zugriff auf mehr als 400 Sounds, von denen auf der Bedienoberfläche max. 72 zugänglich sind, die dann zu individuellen Patches programmiert und als Favorite gespeichert werden können.

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Tolle Klänge mit reichhaltigem Angebot
  • Große Klang-Library mit über 10 GB Volumen
  • Sehr gute Effekte
  • Echte 12AX7 Röhre
  • SV-2 Editor mit weiteren Bearbeitungsmöglichkeiten und vielen zusätzlichen Sounds
  • Gelungenes Lautsprechersystem
  • Robuste Verarbeitung
  • Einfache Handhabung

  • Etwas höhere Dynamikabstufung im Diskant einiger E-Pianos gewünscht

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