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Test
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08.02.2013

Miditech Midistart music 25 Bundle Test

USB/MIDI-Masterkeyboard

Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann?

„MIDI was my first love“, könnte der Slogan des Kölner MIDI-Keyboard-Herstellers Miditech lauten, der sich überwiegend auf MIDI-Geräte wie Masterkeyboards spezialisiert hat und diese dann auch unter anderem „Midicontrol“ und „Midistart“ benennt. Da die Liste der Nebenbuhler im Marktsegment der kompakten Keyboards doch recht lang ist, zieht das puristische Modell Midistart 25 den aufmerksamen Blick tendenziell über den Preis auf sich. 

Wenn man das im Preis enthaltene „Miditech free Software Bundle“ hinzurechnet, erscheint einem der Kauf eines Midistart 25 „fast wie geschenkt“. Auf der anderen Seite bin ich in der Vergangenheit mehrfach auf preisgünstige Masterkeyboards hereingefallen, da sie sich im Nachhinein als Niete entpuppt haben. Kann das Miditech Midistart music 25 mein Trauma lindern?

Details

Bedienelemente

Das Midistart 25 ist ein USB/MIDI-Keyboard mit 25 anschlagsdynamischen Fullsize-Tasten ohne Aftertouch. Als Kontroll- und Bedienelemente finden wir einen Joystick, einen frei zuweisbaren Slider und drei, bei Betätigung blau leuchtende Taster, als da wären, der Shift-Taster und die beiden sogenannten Data-Taster +/- . 

Der Joystick arbeitet quasi nach alter Korg-Manier, d.h. Bewegungen nach links/rechts senden Pitchbend-Befehle und eine Bewegung nach oben den Controller-Value CC01, sprich das Modulation-Wheel findet sich hier. Der MIDI-Controller für die Joystick-Auslenkung nach unten ist frei zuweisbar und auf Aftertouch voreingestellt! Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden, dennoch ist das in meinen Augen eine sehr gute Idee und Anlass, nach Jahren/Jahrzehnten den Aftertouch/Channel Pressure-Input-Filter meiner Hostprogramme wieder zu deaktivieren und beim „Preset-Hopping“ ggf. gezielt festzustellen, welch tolle Klangveränderungen hochbezahlte Soundprogrammierer diesem MIDI-Befehl zugedacht haben. 

Der Shift-Taster korrespondiert mit den Funktionen/Befehlen, die oberhalb der Keyboardtasten auf dem Gehäuse aufgedruckt sind. Der Größe entsprechend sind sie gut lesbar. Des Weiteren ermöglicht der Shift-Taster bei gleichzeitigem Drücken der Data-Tasten +/- eine Transponierung in Halbtonschritten. Drückt man diese alleine, erfolgt die übliche Oktav-Verschiebung über bis zu drei  Oktaven nach oben bzw. unten. Der zuweisbare Slider sendet standardmäßig den Volume-Controller CC07. Die rot leuchtende Power-LED signalisiert, dass das Keyboard eingeschaltet und betriebsbereit ist.

Anschlüsse

Auf der Geräterückseite finden wir zunächst den Power ON/OFF-Schalter, mit dem das Midistart music 25 - unabhängig davon, ob die Stromversorgung über USB oder Netzteil erfolgt – ein- und ausgeschaltet wird. Die DC-In Netzbuchse ermöglicht den Standalone-Betrieb über ein optionales Netzteil (9V DC/500 mA). Die Möglichkeit des Netzbetriebes und das

Vorhandensein einer MIDI-Out Buchse erlauben so z.B. auch das direkte Ansteuern von MIDI-Hardware - eine Fähigkeit, die wirklich nicht jedes kompakte Masterkeyboard bietet.

Zu guter Letzt findet sich genau ein Pedal-Anschluss auf der Geräterückseite. Die Klinkenbuchse ist ausschließlich für den Anschluss eines Sustain-Pedals vorgesehen und sendet dementsprechend voreingestellt den Controller CC64. Die Zuweisung anderer Controller sowie die herstellerbedingte Polarität des Sustain-Pedals lassen sich über die Doppelfunktion der Keyboardtasten (mit gedrücktem Shift-Taster) anpassen. Die Anschlussmöglichkeit für ein Expression-Pedal sucht man vergeblich - da ich nie eines besessen hatte, ist dieser Umstand in meinen Augen äußerst verzeihlich.

Gehäuse

Beim Auspacken des kompakten Masterkeyboards überrascht zunächst das unerwartet hohe Gewicht (2,3 kg), dann aber die insgesamt hochwertige Anmutung, die ich von einem Gerät in dieser Preiskategorie nicht erwartet habe. Das Gehäuse besteht zu großen Teilen aus Aluminium, die abgerundeten Seitenteile aus schwarzem Kunststoff, welcher entfernt an Klavierlack erinnert. Hätte man für „midistart music 25“ einen Schriftsatz gewählt, der etwas weniger an Alleinunterhalter-Keyboards von 1987 erinnert, könnte man fast meinen, einen zeitlosen Design-Klassiker vor sich zu haben. Man könnte ggf. noch bei der Gestaltung der Taster ... - aber lassen wir das. Vor mir liegt ein Masterkeyboard, das wertiger erscheint als manch ein teureres Konkurrenzprodukt, das trotz seiner geringen Maße von 380 x 80 x 240 mm satt neben meinem MacBook auf dem Tisch liegt, ohne sich beim ersten Staccato-Riff Richtung Audiointerface davonzustehlen. Nicht falsch verstehen, perfekt ist die Verarbeitung nicht. Bei genauerem, pingeligem Hinsehen bemerkt man schon z.T. geringfügige Materialfehler und Kleberückstände (ich dachte zuerst, es wäre ein Haar oder schlimmeres ...). Insgesamt betrachtet bekommt man aber ein überraschend schickes und robustes Gerät zu einem überschaubaren Preis.

Tastatur

Die Bespielbarkeit der 25 Tasten bietet überhaupt keinen Anlass zu Kritik. Aber welchen Anlass zur Kritik können Tastaturen denn überhaupt bieten? Dazu zitiere ich meinen bonedo-Kollegen Tobias Philippen: „Bei meinem Test kam es vor, dass einige Tasten trotz ähnlicher Anschlagshärte deutlich höhere Velocity-Werte sendeten als andere. Ich gebe das einfach mal zu Protokoll...“

Und ich habe doch tatsächlich geglaubt, mein Behringer UMX 610 wäre ein „Montagsgerät“. Es gibt also Tastaturen, die vollkommen inakzeptable, inhomogene Velocity-Werte „ausspucken“. Dies ist hier definitiv NICHT der Fall. Die Tastatur des Midistart music 25 bietet gutes Spielgefühl und eine Kontrolle, die auch gefühlvolles Spielen ermöglicht. Bei Bedarf stehen je nach Geschmack und Fingerbizeps drei weitere, also insgesamt vier Velocity-Kurven zur Auswahl.

Weitere klassische und nicht nur Low-Budget-Tastatur-Problematiken, die ich hier NICHT feststellen konnte:

  • eine oder mehrere Tasten funktionieren nicht
  • „Phantom-Noten“ durch Nachfedern der Tastatur
  • wackelige Tasten

Einzig das recht laute „Klacken“ beim Rückfedern der Tasten ist zu bemängeln. Wer das Midistart music 25 ausschließlich im Studio benutzen möchte, dem wird das wahrscheinlich relativ egal sein. Wer in stiller Nacht zu Hause mit Kopfhörer etwas einspielen möchte, der könnte ggf. den Unmut seiner Familie, Mitbewohner, Nachbarn (je nach Bauweise) und Haustiere auf sich ziehen.

Das Rückfedergeräusch des Miditech-Keyboards ist im direkten Hörvergleich deutlich lauter als das meines Korg Micro Key, Behringer UMX 610, Virus TI Polar, Jammin Pro PK25.

Vielleicht könnte eine bessere Abdämpfung der Tasten hier Abhilfe schaffen.

Free Miditech Software-Bundle

Zum Gesamtpaket gehören folgende Programme, die nach jeweiliger Registrierung per Download zur Verfügung stehen:

  • Magix Samplitude Silver: Upgradefähige Light-Version der bekannten DAW-Software
  • Toontrack EZ Drummer Lite: Abgespeckte, ebenfalls upgradefähige Drumset-Emulation
  • IK Multimedia Amplitube CS Free: Gut klingende Amp-Simulationen, seit der ersten Stunde als VST-Plug In oder Standalone
  • Imageline Poizone: Vollversion des subtraktives Synthesizer Plug-Ins
  •  Makemusic Finale Notepad: Upgradefähige Notationssoftware

Für jemanden, der softwaremäßig noch nicht rundum versorgt ist, stellt das Bundle ein durchaus brauchbares Paket und einen Mehrwert dar, der die Attraktivität des Komplettangebotes erhöht.

Positiv zu erwähnen ist die in englischer und deutscher Sprache übersichtlich gestaltete und verständlich geschriebene Bedienungsanleitung in DIN A4. Super, das geht nämlich leider auch anders. Ich habe mich fast schon an die 1000-fach gefalteten Beipackzettel gewöhnt, die in allen Sprachen dieser Welt die wichtigsten Funktionen erklären und man nach gefühlten 10 Minuten und lautem Geraschel eine Sprache gefunden hat, der man Herr ist. Und ja, im Falle des Midistart music 25 ist eine Bedienungsanleitung zwar nicht lebensnotwendig, aber bedingt durch die Doppelfunktion der Keyboardtasten durchaus sehr hilfreich. Top!

Pro & Contra

  • Bespielbarkeit der Tastatur
  • läuft ohne Treiber
  • gute Verarbeitung
  • MIDI-Ausgang
  • gute Softwareausstattung
  • ansprechendes, zeitloses Design
  • stabiler Stand beim Spielen

  • relativ laute Tastaturgeräusche
  • Joystick gewöhnungsbedürftig
  • für die Größe relativ schwer

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