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Test
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24.03.2020

Modal Electronics Argon8 Test

Digitaler Synthesizer mit Wavetable-Synthese

Markanter Sound kombiniert mit simplen Handling

Ein Comeback digitaler Synthesizer scheint inzwischen fast sicher zu sein. Vor allem die Wavetable-Synthese, überwiegend bekannt von ehemaligen PPG- und Waldorf-Produkten, steht wieder höher im Kurs. Eigentlich plausibel, denn diese Syntheseform besticht durch eine hohe Soundflexibilität und macht Spaß bei der Programmierung eigener digitaler Klänge. Mit dem Argon8 von Modal Electronics betritt ein durchaus erschwinglicher Hardware-Synthesizer zur rechten Zeit den Markt. Ein Paukenschlag, dieser achtstimmige Wavetable-Synthesizer kommt sogar als Familien-Trio: Der große Bruder heißt Argon8X und verfügt über eine Fünf-Oktaven-Tastatur (Fatar TP9). Ohne Tasten, aber rack-kompatibel mit drei Höheneinheiten inklusive 19“-Rackwinkel ist die Desktop-Version Argon8M. Die Preise liegen zwischen knapp unter 600 € und etwas über 700 €.

In diesem Test beziehen wir uns auf den Argon8 mit einem 37-Tasten-Keyboard. Alle drei Synthesizer bieten jedoch das gleiche technische Innenleben und sind Klangdaten-kompatibel. Klang ist übrigens ein wichtiges Stichwort, denn über 30 Soundbeispiele demonstrieren die akustischen Eigenheiten der britischen Wavetable-Synthesizer, die teilweise in die Fußstapfen des 2015 erschienenen Prestige-Instruments Modal 002 treten. Modal Electronics schickt neben den Miniatur-Synthesizern CRAFTsynth v2.0 und Skulpt jedenfalls ein kostengünstiges Performance-Instrument ins Rennen, das in die Hände versierter Keyboarder passt. Wir schauen uns den Argon8 einmal näher an.

Details

Wertige Hardware

Kompakte Synthesizer sind meistens leicht, der Argon8 fällt zunächst mit seinem relativ hohen Gewicht auf. Der Grund hierfür ist simpel: Sein dunkles edles Gehäuse besteht großenteils aus Stahl und Aluminium. Einmal aufgestellt steht er rutschfest. Verarbeitet wurden hochwertige Komponenten. Die zahlreichen Drehregler bieten aber für mein Gefühl etwas zu wenig Widerstand, vor allem der große Volume-Regler. Nicht groß, aber scharf präsentiert sich das OLED-Display. Wie wir noch sehen werden, ist man beim Soundprogrammieren nicht besonders auf diesem kleinen Bildschirm angewiesen.

Das verbaute Keyboard (Fatar TP9) mit 37 Tasten in normaler Größe spielt sich sehr angenehm und reagiert auf Druckdynamik – ein Feature, das man in der Budget-Klasse leider viel zu selten bekommt. Als Spielhilfe ist auf der linken Seite ein vierachsiger Joystick aus Metall positioniert, der sich gut anfühlt und für die spontane Klanggestaltung während des Live-Spiels eine wichtige Rolle spielt. Mir persönlich gefallen zwei klassische Handräder eigentlich besser. Beim Vier-Achsen-Stick des Argon8 muss man aufpassen, dass im Eifer des Modulierens nicht durch Links-Rechts-Bewegungen ein unerwünschtes Pitchbending ausgelöst wird.

Anschlüsse

Rückseitig zeigt sich der Argon8 souverän: Es findet sich ein Stereo-Ausgang (TRS-Klinkenbuchsen), Kopfhörer-Anschluss (Stereoklinkenbuchse), Clock Sync (In/Out) und sogar einen Stereo-Eingang im Miniklinken-Format. Weiterhin gibt es ein 5-Pol DIN MIDI-Duo (In/Out) und einen USB-MIDI-Port sowie die Anschlussbuchse für das externe 9-Volt-Netzteil. Halte- und Expression-Pedale lassen sich anschließen. Fertig, das ist ein guter Standard.

Kostenlose MODALApp

Mindestens so gut wie die Hardware ist die MODALapp, die kostenfrei heruntergeladen und erfreulicherweise auf allen gängigen Betriebssystemen (macOS, Windows, iOS und Android) genutzt werden kann. Sie lässt sich auch innerhalb einer DAW als VST3 oder AU Plug-in einbinden. Diese enorm praktische Software bringt alle Parameter und Funktionen auf den Bildschirm. Zudem dient sie zur Verwaltung der Patches, Sequenzen oder Effekte sowie für Updates der Firmware.

Wavetable-Synthese

Der Argon8 bietet zwei Wavetable-Oszillatoren (total 32 Oszillatoren, vier pro Stimme). Als Klangfundus dienen 120 einzelne Wellensätze, die in bis zu 28 Bänken organisiert sind. Der zweite Oszillator bietet vier zusätzliche Wavetables. Virtuell-analoge und auch typisch digitale Wellenformen sind im Angebot. Über den Audio-Eingang lassen sich zudem externe Signale einspeisen, aber diese nur mit der Effektsektion des Synthesizers bearbeiten. Die Offerte an Wavetables ist zwar groß, bei 120 Wellensätzen vermutet man aber noch etwas mehr Abwechslung. Vielleicht kommen bei einem nächsten System Update weitere Wavetables hinzu – so etwa beim Novation Peak geschehen. Wie auch immer, mit diesen Oszillatoren lässt sich gut starten. Wie einige der Wavetables des Argon8 klingen, verdeutlicht ein Soundbeispiel. Die Position innerhalb des Wavetables wird manuell verändert, wir „durchfahren“ jeden einzelnen Wellensatz:

Die einzelnen Wellensätze lassen sich jeweils bei beiden Oszillatoren mit den „Wavetable Modifiers“ auf 32 Arten verformen. Zu diesen Modifikationen zählen beispielsweise auch das bekanntere WaveShaping oder Resampling. Klanglich noch drastischer und vor allem dynamischer wird es, sobald sich die beiden Wavetable-Oszillatoren gegenseitig beeinflussen. Acht Modulationstypen sind hierfür vorgesehen: Phase Mod (FM), Ring Mod, Amp Mod, Hard Sync und Windowed Sync. Damit entstehen sehr einfach disharmonische Klangfarben. Wie die drei Modelle „Phase Mode“, „Hard Sync“ und „Inverter“ den Basisklang verformen, ist im nächsten Audio-Demo zu erfahren:

Drei klassische ADSR-Hüllkurven – jeweils für Lautstärke, Filter und Modulation – sowie zwei tempo-synchronisierbare LFOs (ein globaler und ein polyfoner LFO) mit zahlreichen Kurvenformen runden die Synthese-Abteilung ab. Gut sind die verschiedenen Keyboard Modes (Mono, Poly, Unisono, Stack) und eine dosierbare Stereobreite (Width), auch eine „Chord Memory“-Funktion steht beim Argon8 zur Auswahl.

Filter, Effekte, Modulation

Die Filtersektion umfasst vier Typen mit 12 dB Flankensteilheit. Während der „Standard“-Typ auf dem Resonanzfilter anderer Modal-Synthesizer (Skulpt, Craft 2.0) basiert, schreitet der Typ „Classic“ etwas softer und runder bei der Filterung ein. Mit dem entsprechenden Regler lässt es sich recht einfach vom Tiefpassfilter zur Bandsperre morphen. Eine ganz spezielle „Geschmacksnote“ ist aber nicht zu erkennen. Vielmehr gibt es praktische Filtermodelle, die solide und allgemein sinnvoll zupacken. Was diese bedeutet, hören wir anhand eines Arpeggiator-Sounds, der im Verlauf mit den drei Filter-Reglern „Cutoff“, „Reso“ und „Morph“ verändert wird:

Bis zu drei Stereo-Effekte gleichzeitig und in beliebiger Anordnung sind beim Argon8 verwendbar. 12 Typen lassen sich jeweils anwählen: Modulation (Chorus, Phaser, Flanger, Tremolo, Rotary) sowie Delay (Stereo, Ping-Pong, X-Over) und ein Reverb, der durchweg eher passabel klingt. Hervorheben möchte ich zwei Effekte, die den Gesamtklang rabiater beeinflussen können und den spezifischen Argon8-Sound mitprägen: LoFi und Distortion.

Arpeggiator und Sequenzer

Ein programmierbarer Arpeggiator mit 32 Schritten und den üblichen Spielmustern sowie vor allem ein raffinierter Echtzeit-Sequenzer mit bis zu acht Takten machen den Wavetable-Synthesizer zur musikalischen Trickkiste. Letzterer nimmt 512 Noten auf und verfügt über vier Spuren für Filter, Oszillator und weitere Parameter-Animationen, die sich aufnehmen und – anders als die aufgezeichneten Noten - nachträglich bearbeiten lassen. Diese „Klangsequenzen“ sind der eigentliche Clou. Ähnliches ist vom Korg Minilogue XD bekannt. Hören wir einen Arpeggiator-Sound sowie zwei Patches, die den internen Sequenzer des Argon8 in Szene setzen:

Beim zweiten Beispiel „Fingers Bass“ schauen wir nochmal genauer hin. Hier sind insgesamt vier Spuren aktiv, die den Klang animieren. Im Einzelnen sind es die Parameter Filter Cutoff, FX Level, Resonanz und FEF Decay, die während der Wiedergabe der Sequenzer-Noten moduliert werden. Im Editor wird dies gut veranschaulicht:

Freilich ist auch der Argon8 mit einer Modulationsmatrix gesegnet. Es sind genau acht Slots neben vier zusätzlichen festen Verbindungen – realistisch gewählt. Elf Modulationsquellen stehen 52 Zielen gegenüber. Die Matrix findet sich zentral auf dem GUI der MODALapp. Vor allem dem Joystick wird man Klang- und Effektparameter zuweisen und damit dynamisch je nach musikalischer Intention steuern können.

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Überzeugender Basisklang
  • Hochwertige Hardware
  • Intuitive Bedienung
  • Guter Sequencer
  • Günstiger Preis
  • Kostenloser Editor

  • Effekte (Reverb-Qualität, kein EQ/Comp)

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