Hersteller_Moog
Test
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07.04.2015

Praxis

Der Werkstatt-01 wirkt von der Konstruktion und der Beschaffenheit seiner Einzelteile her solide. Die Potis sind zwar recht klein und auch wahrlich keine Handschmeichler, aber es lässt sich ganz gut mit ihnen arbeiten.

Sound

Der Klang des Werkstatt-01 ist typisch Moog: Bei offener Filtereinstellung rau und präsent, bei mittleren Cutoff-Werten warm und charaktervoll. Bei fast geschlossenem Filter wird viel Low-End produziert. Bei höheren Resonanzwerten beginnt das Filter zu pfeifen, so schön und gut dosierbar, wie es sich für einen echten Moog gehört. Leider muss man sich mit einem VCO begnügen, schwebende Klänge durch leichte Verstimmungen sind hier also nicht möglich.

Moog Werkstatt-01 in der Praxis nutzen

Ich möchte kein Geheimnis daraus machen: Ich bin weder Experte für modulare Schaltkreise noch Lötkolben-Virtuose, sondern ein … ja, stinknormaler Keyboarder, der es gewohnt ist, auf schwarzen und weißen Tasten zu spielen sowie Potis und Modwheels zu betätigen. Bei meinen Versuchen, mit dem Werkstatt-01 auf meine gewohnte Art und Weise Musik zu machen, stellte sich daher schnell Ernüchterung ein. Die Knopftastatur ist nicht wirklich dazu geeignet, komplexere Tonfolgen oder tighte Rhythmen zu spielen. Und ein MIDI-Keyboard kann man nicht anschließen. Es gibt nur relativ wenige unmittelbaren Soundgestaltungsmöglichkeiten und auch das Tuning des Werkstatt-01 ist kein Selbstgänger. Da der Regelbereich des Tune-Potis neun Oktaven umfasst, bewirken schon kleinste Berührungen oft mehr als einem lieb ist. Aber mit etwas Geduld klappt es.

Ich lande schnell beim Geräusche machen, das gelingt mir mit dem Werkstatt-01 am besten, obwohl kein Rauschgenerator mit an Bord ist. Der LFO kann auch im Hörbereich schwingen, sodass FM-Sounds und sogar eine Art Zweistimmigkeit möglich sind. 

Das Erkunden der Patchbay macht Spaß. Etwas Ahnung vom Aufbau analoger Synthesizer kann dabei sicherlich helfen, aber man kann sich auch einfach herantasten und ausprobieren – ganz im Sinne eines Experimentierkastens.

Auch als Filterbank lässt sich der Werkstatt-01 dank seines Eingangs „VCF IN“ in der Patchbay einsetzen. Auch dafür gilt aber: Kabel selbst basteln oder den optionalen CV/Gate Expander dazu kaufen, der den Eingang als Miniklinkenbuchse beinhaltet.

Halten wir also fest: Ein Synthesizer zum Anschließen und Losspielen ist der Moog Werkstatt-01 nicht. Zwar liefert er den einen oder anderen schönen Sound, aber alles in allem haben wir es doch eher mit einem Laborgerät zum Experimentieren und Erforschen eines Synthesizers zu tun. Das ist spannend und macht jede Menge Spaß, aber als intuitives Musikinstrument ist der kleine Moog nur bedingt zu gebrauchen.

Mit dem Moog Werkstatt-01 experimentieren

Hier könnte nun ein Abschnitt beginnen, der „Klanglabor“ heißt oder so etwas in diese Richtung. Ich könnte den Werkstatt-01 wieder aufschrauben und mich mit dem Signalfluss auf der Platine auseinandersetzen. Könnte ihn durch Versetzen der Jumper modifizieren, könnte Ströme messen und mich kreativ mit den Experimenter’s Pads auseinandersetzen, einem Steckfeld direkt auf der Platine, das von Moog ausdrücklich zum Experimentieren vorgesehen ist. Klänge erschaffen auf elektro-physikalischer Ebene. Das überlasse ich jedoch euch, denn das Erforschen und Entdecken dieser Möglichkeiten gehört ja erklärtermaßen zum Konzept des Werkstatt-01. Wer gern an Elektronik herumbastelt und Interesse an Synthesizern hat oder mit der Circuit-Bending-Szene sympathisiert, wird daher am Moog Werkstatt-01 viel Freude haben.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • viele Eingriffsmöglichkeiten in den Signalfluss auf elektronischer Ebene
  • CV-Patchbay
  • guter Grundklang
  • solide Bauweise

  • nur 1 VCO
  • kein Rauschgenerator
  • kein MIDI
  • keine wirklich spielbare Tastatur

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