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17.07.2020

Native Instruments Stradivari Violin Test

Kontakt-Library

Legende „in a Box“

Native Instruments veröffentlicht eine Library mit einer gesampleten Stradivari. Stradivari ist der vermutlich legendärste Geigenbauer in der Geschichte. Die Instrumente sind für ihren einzigartigen Klang berühmt und liegen preislich, sofern überhaupt mal eine angeboten wird, irgendwo zwischen Kleinwagen und Ferrari. Wir haben uns angesehen, was Native Instruments daraus gemacht hat, und stellen euch die Library in einem Kurztest vor.

Detail & Praxis

Download und Installation

Download und Installation erfolgen über Native Access. Die Library liegt bei 27 GB, der Download erfolgt, je nach Tagesform des Servers, entsprechend zügig.

Instrumente und GUI

Es gibt „Stradivari“ in zwei Varianten: als Multi Mic Instrument mit drei individuell regelbaren Mikro-Spots und in der Stereomix-Fassung. Davon abgesehen unterscheiden sich die beiden Instrumente nicht.

Das GUI ist denkbar einfach und benutzerfreundlich angelegt, mittig befinden sich acht Slots für Artikulationen, links davon Performance-Controller, rechts davon Positions-Controller. Das war’s. 

Artikulationen 

Artikulationstechnisch bietet die Library eine solide Auswahl. Alles, was man braucht, und auch ein paar Sachen, die man nicht so oft braucht, die aber hochwillkommen sind. Darunter befindet sich z. B. das Ricochet, bei dem der Bogen auf die Saite fallengelassen wird, wodurch ein rhythmischer Effekt erzeugt wird, der in etwa mit einem aufprallendem Ping-Pong-Ball zu vergleichen ist.  

Der eigentliche Clou sind allerdings die Eingriffsmöglichkeiten. Dass man einen Dämpfer per Knopfdruck aktivieren kann, ist nicht ganz neu, dass man allerdings den Bogenwechsel beeinflussen kann, ist kein Standard und macht das Ganze lebensnaher. 

Stichwort Lebensnähe: Grandioserweise kann man bei allen Artikulationen, für die Geschwindigkeit relevant ist, das Tempo per CC steuern – also bei Trillern, Tremolo, Crescendo, Decrescendo und Ricochet. Das ist ein hervorragendes Feature, das ich bei anderen Libraries oft vermisse.

Performance

In ähnlicher Weise funktional ist das Performance-Fenster. Dort gibt es einen Regler für Expression, denn alle langen Artikulationen funktionieren dynamisch über Fahrt und nicht über Velocity. Das ist erst einmal nichts Besonderes, denn bei vielen anderen Libraries verhält es sich genauso – ebenso wie die Tatsache, dass die kurzen Artikulationen hingegen sehr wohl über Velocity gesteuert werden. Dass das nerven kann, hat sich auch bis zu Native Instruments herumgesprochen und daher gibt es hier die Option, die Dynamik der kurzen Artikulationen ebenfalls per Regler zu steuern. Endlich – sehr schön! 

Es bleibt das Vibrato, für das man aus fünf Stilrichtungen auswählen kann und dessen Rate bzw. Intensität sich ebenfalls über einen Regler per CC fahren lässt.

Position

Darauf habe ich lange gewartet: auf die Option, auswählen zu können, welcher Ton auf welcher Saite gespielt wird. Denn auf einer Geige können manche Töne, ebenso wie z. B. auf der Gitarre, jeweils auf einer höheren oder auf einer tieferen Saite gespielt werden – und das macht klanglich natürlich einen Unterschied. Daher liest man in manchen Partituren auch Anweisungen wie „sul G“. Das bedeutet, dass die bezeichnete Passage auf der G-Saite gespielt werden soll, da sie ohne zusätzliche Anweisungen standardmäßig entweder auf der D-Saite oder im Wechsel von G- und D-Saite gespielt wird. 

In Stradivari lässt sich festlegen, ob der Saitenwechsel smart, also automatisch erfolgen soll, oder ob möglichst alles ausschließlich auf einer hohen oder tiefen Saite gespielt werden soll – herrlich. Denn wenig nervt mehr, als wenn man eine lyrische Linie in Arbeit hat, in die der Ton einer offenen Saite hineinsägt.

Und sollte man doch genau diesen offenen Sound haben wollen, gibt es in der Library auch einen Keyswitch, der die offene Saite erzwingt. Ich kann gar nicht sagen, wie wunderbar ich das finde. 

Sound

Klanglich ist diese Library grundsolide. Man könnte einwenden, dass sie recht schlank EQed geliefert wird. Aber das fällt definitiv in den Bereich Geschmack und nicht in den Bereich Kritik. Diesen Punkt außen vor gelassen klingt die Stradivari schlicht schön. Der Raum klingt edel, das leichte Kratzen des Bogens auf der Saite hat genau die richtige Intensität und die Performance aller Artikulationen ist einfach… schön.

Fazit

Native Instruments „Stradivari“ ist eine feine Soloviolinen-Library. Punkt. Natürlich wünscht man sich in Sachen Artikulation und klanglicher Tiefe immer noch ein bisschen mehr. Das ist aber bei allen Libraries so. Tatsache ist, dass diese Library ein fantastischer Allrounder ist: sehr funktional, ein gutes Angebot von Artikulationen und sehr gute Eingriffsmöglichkeiten, um realistische Ergebnisse zu erzielen. Dasselbe Spielchen sollte Native Instruments jetzt noch mit Viola, Cello und Bass durchziehen, dann hätte man ein hervorragendes Streichquintett (und ebenfalls -quartett). In Anbetracht all dessen, was einem hier geboten wird, ist die Library nicht nur günstig, sondern geradezu billig, folgerichtig also eine unbedingte Kaufempfehlung.

  • PRO
  • Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Einfache Handhabung
  • Sehr gute Steuerungsmöglichkeiten für realistische Ergebnisse
  • Umfangreiches, aber nicht erschlagendes Artikulationsangebot
  • CONTRA
  • kein Contra
  • FEATURES
  • 27 GB Content
  • 2 NKIs
  • 19 Artikulationen
  • Detaillierte Tempokontrolle
  • Kontrolle über Saitenansprache
  • Systemanforderungen: Kontakt 6.2.2 (Player) oder später, Mac: OS X 10.12, oder neuer, i5, 4 GB RAM; PC: Windows 7, Windows 8, oder Windows 10 (letzte Service Pack, nur 64-bit) Intel Core i5 oder gleichwertig, 2 GB RAM
  • Preis
  • pro Expansion: 145,24 € (Straßenpreis am 17.07.2020)
Veröffentlicht am 17.07.2020

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Einfache Handhabung
  • Sehr gute Steuerungsmöglichkeiten für realistische Ergebnisse
  • Umfangreiches, aber nicht erschlagendes Artikulationsangebot

  • kein Contra

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