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Test
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22.08.2011

PRAXIS

Die Kiste ist am Einsatzort sehr schnell aufgebaut, verlangt aber einigen Spielraum nach hinten, soll der Schlitten als Laptop-Stand genutzt werden. Im ausgefahrenen Zustand sind dies etwa 66 Zentimeter Gesamttiefe. Falls der DJ nicht von hinten an den Tisch kommt, um den Controller an die PA und Monitoranlage zu stöpseln, ist das kein Beinbruch. Deckel ab, Schlitten nach vorne ziehen und man kommt recht gut an die S4-Buchsen ran, um die nötigen Verkabelungshandgriffe durchzuführen. Dann einfach das Notebook aufsetzen und gegebenenfalls festkletten, die erforderlichen USB- und Stromkabel durch die Aussparung ziehen und die Strippen einstecken. Schon kann die Party beginnen.

Normale Bassvibrationen in der DJ-Booth machen weder dem S4 noch der Ablage was aus, zudem sorgen die dicken Schutzauflagen für eine zusätzliche Dämpfung. Trotz oder wegen dieser Polster hat man nicht das Gefühl, dass der Controller selbst bei intensivsten Scratch-Attacken und Button-Kloppereien unter den Händen nachgibt. Wer eine höhere Arbeitshorizontale benötigt, kann die Kontrolleinheit auch auf den Deckel stellen - was noch einmal gut 13 Zentimeter mehr Höhe bringt.

Alle Tasten und Regler am S4 sind gut zu erreichen, die leichte Neigung des Schlittens ist in meinen Augen eine gute Idee: Der Blickwinkel zum Monitor ist praxisgerecht. Vor allem, wenn man auch mal zur Tastatur greifen muss, ist die Lesbarkeit durch die leichte Schräglage besser. Vielleicht hätte man unter dem Schlitten noch ein kleines Aufbewahrungsfach platzieren können. Oder vielleicht dem Case etwas mehr Tiefe samt abnehmbarer Trennung zum Controller-Raum spendieren können - dann ließen sich Netzteile, Audiokabel und USB-Strippen gleich mit in den Koffer packen und angemessen transportieren - ohne möglicherweise an den S4-Buchsen zu schubbern. Und wie sieht’s mit dem Einpacken aus? Vielleicht möchte der eine oder andere ja sein Notebook beim Transport direkt in der Kiste lassen. Ob das machbar ist?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, habe ich erstmal eine Fahndung nach einem Zollstock eingeleitet. Ich wollte nämlich vor einem möglichen Fehlschlag sicherheitshalber herausfinden, wie viel Luft zwischen Laptop und Haube besteht. Die innere Deckeltiefe beträgt etwa 11 Zentimeter. Der hintere (höhere) Schlittenteil ragt in Transportposition knapp 80 Millimeter (vorne 60) in die Höhe. Ergo besteht ein maximaler Spielraum von knapp 30 Millimetern fürs Notebook bis zur Oberkante, was sich als ausreichend für mein 13-Zoll-MacBook herausstellte. Auch mit MacBook Pro Versionen (nur 25 Millimeter Bauhöhe) sollten daher keine Probleme auftauchen. Nachdem ich den 15-Zöller von Lenovo aufgebockt hatte, konnte ich den Deckel allerdings nicht mehr ohne kräftigen Druck schließen - was ich dem Display nicht zumuten wollte. An dieser Stelle wäre es schön gewesen, könnte man die abgewinkelte Hinterseite der Schlittenführung versenken, damit man nicht obendrein noch eine Laptoptasche packen und herumtragen muss. Obwohl Herumtragen in diesem Szenario auch irgendwie der falsche Begriff ist, denn das Berliner Transportgerät ist definitiv für den Kofferraum oder Van gemacht und nicht für nächtliche Marathons durch den Kiez. Dies relativiert meinen Kritikpunkt ein wenig.

Erfreulicherweise liegen einige zusätzliche haftende Polsterstreifen im Paket, mit denen es mir möglich war, auch den American Audio VMS 4 passend zu verstauen. Ich finde, das sollte man ruhig erwähnen und fotografisch festhalten.

Wer kann’s gebrauchen?

Wer diesen Sommer noch mit seinem S4 zum Elektrofestival in die Wüste, an den See, auf den Hangar oder aufs Ackerland will, dem sei gesagt: Das Flightcase ist keine schlechte Investition. Besonders auch mobilen Diskotheken, die in ihrem Transporter allerlei scharfkantiges Equipment, wie Endstufen, Boxen, Ständer und Licht zum Veranstaltungsort karren, sei es wärmstens ans Herz gelegt. Es ist robust genug konstruiert und sollte nicht nachgeben, selbst wenn der eine oder andere Kollege die Kiste unsanft auf die Ablage wirft. Wedding-DJs packen die Kiste in den Kofferraum und selbst im Partykeller schützt es vor erhöhtem Staubaufkommen. Wer jedoch mit dem S4 in die nächstgelegene Bar unterwegs ist oder ihn mit in den Kiez-Club schleppt, der ist vielleicht mit einem Trolley, wie dem Native Instruments Traktor Kontrol S4 Trolley besser beraten. Der bietet obendrein noch Platz für Laptop, Kopfhörer und Interface. Eine weitere Option wäre das Magma DIGI Control-Bag XL. Die sind für den Weg zum Airport oder den urbanen Wander-DJ einfach handlicher und leichter. Alle anderen sollten sich den Kandidaten einmal näher anschauen.

Pro & Contra

  • Robuste Konstruktion
  • Dicke Schaumstoffpolsterung
  • Integrierter Laptopständer mit Klettbändern
  • Verschiebbarer Schlitten
  • Ergonomische Arbeitsposition

  • Hohes Gewicht
  • Scharfkantige Ecken am Laptop-Schlitten und der Schlittenblende
  • Keine Feststellmöglichkeit für den Schlitten

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