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3
09.01.2018

Nord Stage 3 - Setup und Sound Workshop

Ready für die Bühne mit interessanten Sounds

Tipps und Tricks zum Nord Stage 3

Das Clavia „Nord Stage“ hat sich im Laufe weniger Jahre als eines der meistgenutzten Keyboards für verschiedenste Anwendungsbereiche des Live- und Studiobetriebes weltweit etabliert. Regelmäßig bekam das Stage Piano kleinere oder größere Face-Liftings, zuletzt wurde in diesem Jahr der Nord Stage 3 präsentiert. Das bewährte Prinzip der sehr intuitiven Bedienoberfläche ist in seinen Grundzügen bis heute erhalten geblieben. Mit jeder neuen Version wurde das Stagepiano jedoch um intelligente Features ergänzt und dadurch stets an die aktuellen Bedarfe und Entwicklungen in der Musikwelt angepasst. Zuletzt spendierte man dem „Nord Stage 3“ unter anderem neue Split-Möglichkeiten und die vollwertige Synthesizer-Engine des Nord Lead A1. In diesem Workshop möchte ich euch Wege und Beispiele zeigen, wie ihr mithilfe der neuen Features interessante Sounds kreieren und das Nord Stage 3 intuitiv auf der Bühne nutzen könnt.

Details

Übersicht und Inhalt

1. Split and Morph

Ich programmiere ein Patch, in dem alle vier Split-Zonen aktiv sind. Wir schauen genauer auf einzelne Aspekte des Sounddesigns und ich zeige euch Ansätze, mithilfe der erweiterten Morph- und Crossfade-Funktionen die intuitive Performance zu verbessern.

2. Live-Setup

Mit dem Song-Modus, dem optionalen „Program Change“-Pedal und dem vergrößerten OLED-Display macht das Nord Stage 3 im Vergleich zu seinen Vorgängern einen großen Schritt in Sachen praktischer, intuitiver Live-Kompatibilität. Ich zeige euch, wie man sich mit diesen neuen Errungenschaften den Workflow am Nord Stage 3 auf der Bühne erleichtern kann.

3. Synth-Sounds

Die beliebte Klangerzeugung und Struktur des Nord Synth-Klassikers „Lead A1“ hat in Clavia's aktuellem Nord Stage 3 einen Ehren-Platz erhalten. Grund genug, einen Teil der Bandbreite des Nord Lead zu erforschen und damit vielseitige Synth-Sounds zu kreieren.

Hinweis

Damit ihr euch während des Workshops nicht ständig von der Nord-Bedienungsanleitung ablenken lassen müsst, werden einige grundlegende Bedienungsabläufe in diesem Bericht detaillierter erklärt. Für eine bessere Übersicht: Wörter, die FETT und GROSS geschrieben sind, beziehen sich auf die Bedienpanels und Potis des Nord Stage 3, kursiv meint die verschiedenen Namen und Anzeigen im Display des Nord Stage 3. Fett und nicht groß geschriebene Wörter beziehen sich auf Einstellungen im Nord Sound Manager.

Das ist ein hilfreiches Programm zur übersichtlichen Verwaltung der Nord-Sounds. Viele interessante Schwerpunkte, Erläuterungen und gute Tipps & Tricks bietet bereits der Workshop „Sound-Programmierung am Nord Stage 2“ von Christopher Noodt. Bei diesem Nord Stage 3 Workshop wird ein besonderes Augenmerk auf die neuen Funktionen der dritten Generation des Gerätes gerichtet. Ist man nach diesem Bericht immer noch wissensdurstig, so bietet Christopher Noodts Workshop sicherlich noch zusätzliche Inspirationen und Anreize, die sich größtenteils auch auf das aktuelle Nord Stage 3 anwenden lassen.

Anwendung

Zunächst brauche ich für meine Split-Programme leere Speicherplätze. Die 400 Speicherplätze sind beim Nord Stage 3 im Vergleich zum Nord Stage 2 in acht Bänke á 50 Slots statt in vier Bänke organisiert. Die Bänke G-H sind vom Werk für unbeschriebene Empty Programs vorgesehen. Dies ist ein guter Speicherbereich für neue Sounds, wenn man die Werk-Presets aus Bank A-F nicht überschreiben möchte. Ich halte SHIFT gedrückt und kann den Button wieder loslassen, sobald ich am PROGRAM-Poti gedreht habe und mich dadurch im Listen-Modus befinde. Nun kann ich via Poti schnell durch die Bänke scrollen, bis ich in BANK G angekommen bin. Das ist der Bereich, in dem alle Programme dieses Workshops gespeichert werden sollen. Für das Split-Patch bleibe ich bei G:01 stehen und drücke erneut SHIFT, um zurück zur globalen Program-Anzeige zu gelangen.

 

Split and Morph

In verschiedensten Musikrichtungen benötigt man als Keyboarder auf der Bühne häufig einen flexiblen, gleichzeitigen Zugriff auf eine ganze Reihe unterschiedlicher Sounds. Bei festen Songstrukturen und Arrangements wird aber meist nur eine ganz bestimmte, kleine Range eines Instruments benötigt; beispielsweise für eine Synth-Hookline, die immer in der gleichen Lage gespielt wird. Möchte man diese Melodie dann mit einer simplen Piano-Begleitung unterlegen, kommt das Splitting ins Spiel. Clavia hat dem Nord Stage 3 eine zusätzliche Split-Zone spendiert, so dass insgesamt 4 verschiedene Sounds simultan und voneinander isoliert auf einer einzelnen Tastatur spielbar sind. In meinem Patch soll dieses Update einmal voll ausgenutzt werden. Klanglich entscheide ich mich für eine Hammond-Orgel, ein Piano, ein String-Pad und einen Lead-Synth, Sounds also, die vor allem im Pop-Bereich sehr gängig und gefragt sind.

 

1. Basis-Programmierung

Bevor es mit der Sound-Bastelei losgehen kann, macht es zur Übersicht Sinn, das leere Programm zunächst zu beschreiben und zu benennen. Zwei Klicks auf den STORE-Button speichern das Empty Program als Unnamed ab. Die genaue Benennung lässt sich nun über Umwege im Nord Stage 3 selber lösen: Drücke SHIFT und STORE, halte SYSTEM gedrückt und wähle die entsprechenden Buchstaben aus dem erscheinenden Alphabet via PROGRAM-Poti aus. Wesentlich schneller geht dieser Prozess jedoch von der Hand, wenn ein Laptop mit dem erwähnten Nord Sound Manager Verwendung findet: Ist das Nord Stage 3 via USB angeschlossen, sucht man sich in der Organize-Sektion das entsprechende Programm und wählt via Rechtsklick Rename aus. Im Handumdrehen ist der gewünschte Name für das neue Programm eingetippt. Ich entscheide mich in diesem Fall für „Multi Split“. Nun kann es endlich losgehen.

 Zu Beginn teile ich die Tastatur in vier Bereiche auf, indem ich SHIFT gedrückt halte und vier Mal auf SPLIT SELECT drücke, bis über diesem Button alle drei LED's (L, M und H) leuchten. Die nun erhellten Punkte über der Tastatur zeigen die drei Split-Stellen an. Ich spendiere dem Piano den unteren Tastatur-Bereich von fast zwei Oktaven, indem ich ON/SET gedrückt halte und den untersten Split-Punkt (Split Pos Low) via PROGRAM-Poti auf C3 festlege.

Alle Split-Punkte können nach diesem Prinzip gemäß individueller Vorlieben verschoben und angepasst werden. Nun aktivere ich den Piano-Sound, indem ich in der PIANO-Sektion auf ON/OFF klicke und mich unter PIANO SELECT in den GRAND-Bereich bewege, wo ich mithilfe des Drehpotis meinen Favoriten auswähle (Italian Grand Lrg). Die vier leuchtenden LED's unter KB ZONE zeigen mir, dass mein Piano gerade auf die gesamte Tastatur verteilt ist.

Mit SHIFT + ZONE SELECT kann ich auswählen, dass nur der unterste der vier Split-Bereiche mit dem Klavier belegt ist. Neben dem Grand Piano möchte ich nun eine Hammond-Orgel positionieren. Ich aktiviere die ORGAN-Sektion und belege damit die KB ZONE 2. Weiter geht’s mit einem String-Sound für den dritten Split-Bereich. Die doppelte Panel-Struktur (PANEL A/PANEL B) ermöglicht nicht nur Layer-Sounds, sondern auch einen separaten Reverb pro Panel. Da ich meinen Strings später gern einen separaten, großen Hall spendieren will, addiere ich das PANEL B zu meinem Patch, indem ich gleichzeitig auf PANEL A und PANEL B drücke.

Nun kann ich in der Bearbeitung bequem switchen: Das Panel, dessen LED nun blinkt, ist gerade in der Oberfläche aktiv. Für meinen String-Sound wird der SYNTH-Bereich benötigt und zunächst auf KB ZONE 3 festgelegt. Schließlich wechsle ich für den Lead-Synth wieder zu PANEL A und weise dem dortigen Synth-Bereich die KB ZONE 4 zu. Jetzt sind alle Sound-Erzeugungen ihren jeweiligen Bereichen auf der Tastatur zugewiesen, klingen aber teilweise noch wie Kraut und Rüben. Ein kleiner Quick-Save (STORE doppelt drücken) kann an dieser Stelle nicht schaden.

2. Sounddesign

Bei einem stark ausgebauten, eng angelegten Split-Programm sollte man sich vor allem über die Tonlagen im Klaren sein, in denen die einzelnen Instrumente erklingen sollen. Diese Lage kann pro Sektion entspannt an den OCTAVE-SHIFT Buttons nach eigenem Belieben eingestellt werden.

Beispielsweise befindet sich eine begleitende Hammond-Orgel eher im mittigen Bereich, während der Lead-Synth schon höher angesiedelt werden sollte. Ich shifte das Piano um eine Oktave aufwärts und stelle fest, dass mir der Sound (Italian Grand Lrg) schon sehr gut gefällt. Bei der Orgel gehe ich ebenfalls +1 Oktave und aktiviere den ROTARY SPEAKER. Ich stelle DRIVE auf 3 ein und ziehe die Zugriegel auf 888000223 (von links nach rechts) heraus. Nun geht es ab in die Synth-Sektion von PANEL B, wo ich zunächst am Wahl-Button unter dem Display SAMPLE auswähle.

Das Sample 1:01 OrchStringsLegato sagt mir bereits sehr zu. Bei der AMP ENV geht der RELEASE auf 450 ms, um die Streicher etwas weicher ausklingen zu lassen. Außerdem füge ich ein wenig Dynamik hinzu, indem ich in der MODULATION-Sektion des FILTER-Bereiches den Velocity Amt auf 10 stelle. Nun hängt die Brillanz und Lautstärke der Strings von der Anschlagstärke ab. Ohne Hall klingt das Ganze immer noch ein wenig plastisch, da kommt mir der erwähnte separate Reverb gerade recht.

Ich entscheide mich für HALL 1 und einen Reverb Amt von 7. Beim nach unten oktavierten Lead-Synth kommt eine Saw-Wellenform zum Einsatz, die ich am Waveform-Wahlbutton unter CLASSIC auswähle. Wie es sich für einen Lead-Synth gehört, wird er auf MONO(phon) eingestellt. Für ein wenig Bewegung kommt die MODULATION im OSZILLATORS-Bereich auf LFO Amt 3, der LFO läuft mit einer RATE von 3,5 khZ als Triangel-Wave. Ein kleines Delay, welches sich via SHIFT + SOURCE separat auf den Synth legen lässt, verleiht ihm eine angenehme Tiefe (DRY/WET 2; TEMPO 250 ms ; FEEDBACK 2). Schließlich sollte man noch einmal die LEVELS der jeweiligen Sounds gegenchecken und anpassen.

In einem abschließenden Hörbeispiel spiele ich ein kurzes Keyboard-Arrangement über einen einfachen Pop-Backingtrack, ohne auch nur einmal mein Programm zu wechseln (externe Sounds: Drums, Bass, Akustik-Gitarre).

3. Optimierung

Ist die Basis-Programmierung geschafft und sind alle Sounds wohlklingend am richtigen Fleck, bietet das Nord Stage 3 noch einige Funktionen, welche die Performance und Integrität eines Split-Programmes ausbauen können. Es kann beispielsweise passieren, dass man einen Split-Punkt übersieht und mitten im Solo plötzlich komplett in einem anderen Sound steckt. Mithilfe der neuen Crossfade-Funktion kann man solche Momente charmant verschleiern oder auch in einem Arrangement fließend von einem in den nächsten Sound übergehen. Die Breite der Crossfades lässt sich im SPLIT-Bereich einstellen (ON/SET PAGE 2). Im folgenden Hörbeispiel demonstriere ich den langsamen Übergang einer Orgel in ein String-Pad.  

Außerdem bietet die Morph-Struktur des Nord Stage 3 eine Reihe hilfreicher Performance-Upgrades. Hält man beispielsweise im MORPH ASSIGN-Bereich AFTERTOUCH gedrückt und dreht dann bei einem Synth-Sound die Filter-FREQ voll auf, merkt sich die Morph-Struktur den Wert, wodurch sich via Aftertouch das Filter öffnen lässt. Derartige Morph-Funktionen lassen sich unkompliziert in allen Sektionen kombinieren und anwenden, der Kreativität sind hier kaum Grenzen gesetzt. Bei einem Synth-Solo ist außerdem der punktuelle Vibrato-Effekt ein häufig genutztes Mittel. Im Handumdrehen ist im VIBRATO-Bereich des Synths die Funktion WHEEL ausgewählt, wodurch ein am Mod Wheel kontrollierbares Vibrato hinzugefügt wird.

Live-Setup

Bei der Ansammlung vieler Sounds in einem Song kann die Split-Lösung auch suboptimal sein -  zum Beispiel, wenn für einzelne Sounds die Bandbreite der ganzen Tastatur benötigt wird oder die teilweise globalen Effekte (z. B. Reverb) nur auf einzelne Sounds angewendet werden sollen. Erfahrungsgemäß ist es außerdem bei einer Tätigkeit in vielen verschiedenen musikalischen Projekten so, dass die eigenen Lieblings-Sounds nach kurzer Zeit quer über die Speicher-Bänke des Stage verteilt sind. Live kommt man dann oft durcheinander, wenn es um den schnellen Wechsel des Programms innerhalb eines Songs geht. Die Funktion „Song-Modus“, die bereits in den jüngeren Modellen der Nord Electro-Reihe (als „Setlist“-Modus) in ähnlicher Form enthalten ist, soll bei diesem Problem Abhilfe schaffen.

Mit einem Klick auf SONG MODE wird eben dieser aktiviert. Wie bei den Einzel-Programmen gibt es 8 Bänke mit jeweils 50 Speicherplätzen für Songs. Am PROGRAM-Poti scrolle ich mich zu SONG 2:02 vor, wo ich einen „Empty Song“ vorfinde. Den Speicherplatz überschreibe ich zunächst via SHIFT+STORE AS mit dem Namen Song 1.

Unter dem Reiter PROGRAM/SONG PARTS kann ich nun 5 verschiedene Sounds auf die nummerierten Buttons routen, die ich jeweils via SHIFT + SONG EDIT+1/2/3/4/5 aus meiner gesamten Sound-Sammlung auswählen kann, indem ich mir den PROGRAM-Poti zur Hilfe nehme. Ich wähle für jeden Slot ein unterschiedliches Sound-Preset und habe nun während eines Songs direkten Zugriff auf meine benötigten Programme, die ich ansonsten wohl nur durch ewiges Scrollen in meinen Programm-Bänken gefunden hätte.

Der schnelle, unbemerkte Übergang zwischen zwei Sounds wird häufig zur Timing-Frage, weil ein Klick auf den nächsten SONG PART-Button einen sofortigen Abbruch des vorherigen Sounds bedeutet. Aber auch hier hat Clavia nachgedacht: Nachdem ich durch SHIFT+SYSTEM in das System-Menü gelangt bin, komme ich mit den PAGE-Buttons zum Menüpunkt Seamless Program Change, den ich via PROGRAM auf On stelle. Jetzt kann ich während eines Songs bereits einen neuen Sound auswählen, der aber erst aktiv wird, wenn ich eine neue Taste anschlage.

Wenn man ein kurzes Konzert spielt und nur einen (Split)-Sound pro Song benötigt, lässt sich der Song-Modus auch entspannt als Setlist-Modus nutzen. Der Workflow bleibt der Gleiche. Optional kann man mit einem externen Fußschalter, der auf der Rückseite des Nord Stage 3 in PROG UP/DN PEDAL eingesteckt wird, zwischen den einzelnen Parts hin und her wechseln, ohne die Hände dafür von der Tastatur nehmen zu müssen.

Synth-Sounds

Einen klassischen Lead-Sound habe ich bereits im Kapitel „Split and Morph“ gebastelt. Die Nord Lead A1-Engine ist beim Nord Stage 3 eine der größten Errungenschaften gegenüber seinem Vorgänger. Die Basis ist eine üppige Auswahl an Wellenformen und Samples, deren Details in einem separaten Display ausführlich dargestellt werden. Die Synth-Sektion hat eine separate Speicher-Einheit mit 8 Bänken. Via SHIFT + STORE SYNTH + STORE/STORE AS lässt sich ein Synth-Favourit abspeichern und benennen, ohne dass man dafür einen der globalen Programm-Speicherplätze aufgeben muss. Anhand ausgewählter Synth-Programmierungen möchte ich dem Workflow und einigen Sounddesign-Möglichkeiten auf den Grund gehen.

1. Retro-Synth-Pad

Ich versuche mich an einem leicht verstimmten Pad-Sound im Stile der 1970er / 1980er-Jahre, wie er sich auch noch in modernen Produktionen stets großer Beliebtheit erfreut. Ausgangspunkt ist die Wellenform „Pulse 33“, die ich via OSC 1 WAVEFORM-Poti finde, nachdem ich die Waveform-Subkategorie CLASSIC ausgewählt habe.

Einen unaufdringlichen Grundcharakter erhalte ich, indem ich das Filter zähme (FREQ 4, RES 0) und das Verhalten der AMP ENV besänftige (ATTACK 4, DECAY 10, RELEASE 3). Noch wirkt der Sound sehr statisch und mittig im Panorama. Ich wünsche mir etwas mehr Breite/Lebendigkeit und aktiviere den UNISON-Mode 3, wodurch leicht verstimmte Oszillatoren, die sich nicht einzeln editieren lassen, zum Grundsound addiert werden.

Der Klang gelangt dadurch in eine Stereo-Ebene und erhält einen angenehm lebhaften Chorus-Effekt. Ich füge einen REVERB hinzu (STAGE2, DRY/WET 6) und bin im Pad-Himmel in der Tradition alter, charmant verstimmter Analog-Synthesizer. 

Neben dem Unison-Mode gibt es mit dem Vibrato-Effekt noch ein weiteres Effekt-Tool für den Synth. Ich bleibe in meinem Retro Synth-Patch, aktiviere den LEGATO-Modus im VOICE-Bereich und addiere den VIBRATO-Effekt (DLY1). Das Ergebnis ist ein schauriger, geisterhafter Lead-Sound, dem ich via GLIDE (5) noch ein i-Tüpfelchen aufsetze. 

Diese „Preset-Effekte“ sind allerdings nicht die einzigen Modulations-Möglichkeiten, schließlich ist da ja noch der LFO. Den kann man entweder für den bekannten „Waber“-Effekt auf den Filter routen (FILTER; LFO AMT) oder aber den Oszillator selbst damit ansteuern. Ich begebe mich zurück zu meinem Retro-Synth-Patch und wähle via SHIFT+CONFIG den Pitch-Modus aus. Am MODULATION-Poti wird der LFO AMT auf ca. 4,7 gesetzt, der LFO läuft mit einer RATE von 4. Nun wird die Oszillator-Frequenz moduliert, was deutlich hörbare Tuning-Schwankungen bedeutet. Ich spiele ein wenig mit dem Filter herum und gelange in dissonante Klanggebilde.

Nach einem Wechsel in mein Ghost Lead-Patch wähle ich mit SHIFT + CONFIG Mix Square aus und addiere so einen zweiten Oszillator mit Square-Wellenform. Nachdem ich SHIFT losgelassen habe, drehe ich am OSC2 PITCH-Regler auf sub und erhalte somit einen Sub-Oszillator. Das Mischverhältnis aus Oszillator 1 und Oszillator 2 wird nun am OSC CTRL-Poti reguliert. Ich entscheide mich für ca. 3 als OSC Ctrl-Wert.

Je nach Konfiguration für den zweiten Oszillator übernimmt OSC CTRL unterschiedliche Controller-Funktionen. Das Dual-Oszillator-Setup birgt diverse Optionen, von denen ich zwei vorstellen möchte.

2. Dual Combo

Beim zweiten Oszillator scrolle ich nun via SHIFT+OSC PITCH zum Modus Dual FM und wähle am OSC 2 PITCH-Rad 3 semi aus. Mit dem OSC CTRL auf 7 höre ich ein leicht verstörendes, tonal diffuses Klangbild. Dieses entsteht durch die sogenannte Frequenz-Modulation (kurz: FM), in welcher - grob gesagt - ein oder mehrere Oszillatoren das Signal des klangerzeugenden Oszillators modulieren.

Ich setze den RELEASE der AMP ENV und die Filter-FREQ jeweils auf 6 und erhalte so verstörend glockenartige, aggressiv-sphärische Sounds. Schließlich spendiere ich dem Patch noch den UNISON 1-Modus, um das Signal in eine Stereo-Breite zu ziehen. In der BANK G speichere ich diesen Sound dann unter FM 1 ab.

Sogar ein Noise-Generator ist beim Nord Stage 3-Synth mit an Bord. Er versteckt sich in den Dual-Setup-Modi unter Mix Noise. Drehe ich den OSC CTRL-Regler jetzt voll auf, habe ich das reine Noise-Signal zur Verfügung. Für meinen nächsten Sound möchte ich allerdings eine Saw-Wellenform mit dem Noise mischen, also landet der OSC CTRL auf ca. 3,5; die Filter-FREQ liegt bei etwa 6.

Die bereits vorhandene Aggressivität dieses Sounds kann nun noch erweitert werden, indem man sich die DRIVE-Sektion des Synths zur Hilfe nimmt. Es gibt 3 Zerr-Stufen, ich wähle DRIVE 2 und kratze das Signal somit leicht an. Schließlich hole ich noch den Arpeggiator ins Boot, der ebenfalls an Bord des Flaggschiffes ist. Ich entscheide mich am Button im ARPEGGIATOR-Bereich für OCT 2 und den UP-Modus.

Mit ARP RUN aktiviere ich den Arpeggiator, mit KB HOLD kommt er in den Hold-Modus, so dass ich meine Finger von der Tastatur nehmen und ein wenig an den Effekten schrauben kann. So spendiere ich dem Arpeggio beispielsweise ein leichtes Auto-Panning (A-Pan; 0,2).

Fazit

Mit der Synth-Sektion, die mit ihren vielen Wellenformen und Modulations-Möglichkeiten quasi grenzenlose Klangwelten eröffnet, schließe ich diesen Nord Stage 3 Crossover-Workshop ab. Wie ihr sicherlich bemerkt habt, bietet das Gerät eine in seiner Gesamtheit schwer einfangbare, riesige Bandbreite an Performance- und Sound-Angeboten. Mit jeder neu entdeckten Funktion tun sich viele Türen auf, so dass einem mit diesem roten Wunderkasten nie langweilig werden sollte.

Zum Abschluss habe ich alle programmierten Sounds zusammengefasst, welche ihr mithilfe des Nord Sound Managers auf euren eigenen Nord Stage 3 übertragen könnt.

Viel Spaß beim Zusammenstellen eures eigenen Setups!

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