Test
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23.10.2014

Nowsonic Roadtrip 508 Test

PA-Komplettsystem

Mobiler Beschallungskoffer mit Powermixer und Boxen

Nowsonic vertreibt professionelles Audioequipment, von Mikrofonen über Digitalendstufen und Kopfhörerverstärkern bis hin zu Kompakt-PAs. Im Zubehörsortiment der Firma findet man außerdem eine Reihe nützlicher Accessoires wie spezielle Halter für Mikrostative oder Mikrofon-Shields und andere interessante Gadgets.

Für unseren heutigen Test haben wir die tragbare Klein-PA Nowsonic Roadtrip 508 zur Verfügung gestellt bekommen, ein kompaktes System mit abnehmbaren Lautsprechern und einer Mixer-Einheit, in der auch die Endstufen, das Netzteil, eine Effektsektion und ein Bluetooth-Receiver enthalten sind. Was dieser Wunderkoffer für 712 Euro (UVP) in der Praxis drauf hat, erfahrt ihr auf den nächsten Seiten.

Details

Also spanne ich euch nicht lange auf die Folter und beginne gleich mal mit dem Auspacken, besser gesagt mit dem Öffnen der Verpackung und Herauswuchten des Gerätes unter Zuhilfenahme des Tragegriffs auf der Oberseite des Koffers. Praktisch. Das Ganze wiegt zwar nur 22,5 Kilo und misst 730 x 215 x 555 Millimeter, doch so ad hoc möchte ich damit ohne Rollen jetzt nicht unbedingt ein paar Kilometer spazieren gehen müssen. Da es sich hier allerdings um eine komplette PA handelt, wäre das auch wirklich ein wenig übertrieben. Die visuelle Erstinspektion zeigt mir, wie unglaublich trickreich diese Gerätschaft gebaut ist: Nach außen ist sie völlig glatt und mit jeder Menge Rundungen versehen. Kabel oder Stecker schauen nicht heraus, man bleibt auch nirgendwo hängen und es bricht oder reißt nichts ab. Das Gehäuse ist aus schwarzem Polypropylen gefertigt und macht auf mich einen stabilen Eindruck. Auch ungewollte Stöße sollten dem recht soliden Koffer meines Erachtens nach nichts anhaben können.

Auf der Oberseite befinden sich links und rechts zwei Verschlussmechanismen. Öffne ich diese, kippen beide Lautsprecher ein Stück weit nach außen, werden aber von einem Haken innerhalb des Verschlusses festgehalten. Ein kurzer Handgriff und beide Speaker sind frei und lassen sich daraufhin ganz einfach nach links und rechts abnehmen. Ich blicke nun auf insgesamt drei Einzelteile. Ein Lautsprecher misst 535 x 215 x 275 Millimeter und wiegt 8 kg. Das Mittelteil, das die ganze Technik beinhaltet, kommt auf Maße von 730 x 215 x 360 Millimeter und wiegt gerade mal 6,5 Kilo. An dieser Stelle fällt mir das Kinderspiel „Ich packe meinen Koffer“ ein. Mal sehen, was Nowsonic so alles in dem Transportbehältnis untergebracht hat...

Das führt mich zu der kompakten, aufrecht stehenden Mixereinheit, auf deren Vorderseite mir das Achtkanal-Mischpult, der Effektprozessor und die Mikrofon/Line-Inputs ins Auge springen. Hinten finde ich die Netzteil- und Verstärkersektion. Weil „Technik“ in der heutigen Zeit ja ziemlich klein geworden ist, gibt es sogar noch Platz für ein Staufach, das über eine verriegelbare „Türe“ zugänglich ist. Darin entdecke ich das Netzkabel, zwei Lautsprecherkabel, ein Mikrofonkabel und, man glaubt es kaum, ein Mikrofon im „SM 58 Style“ mit Ein-/Ausschalter. Irre, was da so alles reinpasst.

Lautsprecher

Laut Bedienungsanleitung sollen sich in diesen handlichen, schlanken Säulen fünf einzelne Treiber befinden: Im Dreiwege-Bassreflexgehäuse tummeln sich zwei 6,5 Zoll große Bass-Chassis mit 1,35-Zoll-Schwingspule, dazu zwei 3 Zoll große Mitteltöner mit 3/4-Zoll-Schwingspule und ein 1 Zoll großer Hochtontreiber mit 1-Zoll-Schwingspule. Sensationell, wie die Entwickler das alles untergebracht haben. Es scheint, als habe „Platzmanagement“ bei diesem System ganz oben auf der Prioritätenliste gestanden. Aber auch die Road-Tauglichkeit darf bei solch einem Konzept nicht zu kurz kommen, und so freut es mich zu berichten, dass die Treiber durch ein stabiles, schwarzes Metallgitter respektabel vor äußeren Schadeinflüssen abgeschirmt sind. Die Bassreflexöffnungen befinden sich in der vorderen Mitte des Gehäuses und fallen durch grobe, große Rippenöffnungen auf. Das unterstreicht den technischen Charakter des Lautsprechers. Die Rückseiten der Boxen wirken dagegen ziemlich unspektakulär, denn es gibt dort lediglich je einen 6,35-Millimeter-Klinkeneingang. An der Unterseite findet sich zudem noch ein robuster Ständerflansch ein.

Der Abstrahlwinkel der Lautsprecher beträgt 100 x 80 Grad und das ist in meinen Augen eine gute breite Fächerung, wie sie für ein solch kleines System wünschenswert ist. Die Lautsprecher haben eine Impedanz von 8 Ohm und machen auf dem Papier 90 dB Schalldruckpegel (1 m, 1 W). Für diese Größe ein beachtlicher Wert. Der Frequenzgang reicht laut Hersteller von 75 Hz bis 20 kHz bei -10 dB.

Mixer Nowsonic Roadtrip 508

Das System verfügt über vier Mic/Line- und drei Mic/Line/Instrument-Eingänge. Dazu kommt ein zwischen Miniklinke und Stereo-Cinch umschaltbarer Input. Der Mixer nimmt fast die gesamte Vorderseite in Beschlag. Praktisch finde ich, dass die Kombi-Buchsen (XLR/Klinke) auf der Unterseite der Frontplatte angebracht sind, denn so kommt man, selbst wenn sämtliche Kabel eingesteckt sind, gut an die Regler heran. Im oberen rechten Bereich stoße ich auf das Metering mit fünf grünen, drei gelben und einer roten LED pro Seite. Darüber entdecke ich eine BNC-Buchse für die optional erhältliche 12-Volt-Lampe. Ungefähr auf mittlerer Höhe gastiert die Effekteinheit, gefolgt von den Reglern für den Hauptausgang und dem Amp-Mode-Schalter. In der unteren rechten Ecke folgt Kanal 8 mit seinen umschaltbaren Stereo-Inputs. Phantomspeisung lässt sich übrigens nur für alle Inputs gemeinsam ein- und ausschalten, was der Funktionalität aber keinen Abbruch tut.

Kanalzüge

Jeder Kanalzug verfügt über einen eigenen Volume-Regler, eine Höhen- und Tiefen-Klangregelung, ein FX-Poti und einen Monitor-Regler. Das Volume-Poti justiert gewissermaßen den Gain eines jeden Inputs und auch den Signalanteil des Kanals an der Summe.

Der Zweibänder setzt für die Höhen bei 10 kHz und für den Bass bei 100 Hz an. Für den EQ ist ein Regelbereich von +/- 15 dB vorgesehen. Ein nützliches Feature ist der Knopf „FX Send“. Er schickt das betreffende Signal auf den Effektprozessor, der über 16 unterschiedliche Programme verfügt. Schließlich ist noch der Monitor-Regler zu erwähnen: Sollte die Anlage im Main/Monitor-Mode betrieben werden, besteht hier die Möglichkeit, das Signal für den Monitor ganz nach persönlichem Gusto einzustellen - dazu später mehr.

Kanal Nr.1 ist am aufwendigsten gestaltet, denn er verfügt im Gegensatz zu seinen Mitstreitern über einen Bluetooth-Receiver, um eine drahtlose Kommunikationsverbindung zu einem Mobiltelefon, einem Laptop oder einem PDA zu initiieren. Dafür muss lediglich die Start/Pause-Taste 10 Sekunden lang gedrückt werden. Gelingt es den Beteiligten, eine Verbindung aufzubauen, leuchtet die blaue Connected-LED am Roadtrip konstant auf. Ist kein Pairing möglich oder wurde eine Verbindung unterbrochen, leuchtet stattdessen die gelbe Lampe „Not Connected“. Ist alles glatt gelaufen, lässt sich die Lautstärke des Bluetooth-Gerätes mit den Tasten +/- verstärken und absenken und mit den Vor- und Zurück-Tasten darf zum nächsten Titel gesprungen oder (bei längerem Drücken) gespult werden. Möchte der Benutzer die Verbindung unterbrechen, um beispielsweise ein anderes Gerät anzusteuern, muss die Start/Pause-Taste mindestens 3 Sekunden gehalten werden. Wer keinen Wert auf den Blauzahn legt, möchte Kanal 1 vielleicht lieber als ganz normalen Mikrofon- oder Line-Kanal benutzen. Kein Problem, denn dafür gibt es ja den bereits erwähnten Umschalter, der es erlaubt, die Betriebsart zu wechseln.

Effektprozessor

Der Effektprozessor des Roadtrip 508 ist mit 16 Programmen ausgestattet. Diese umfassen mehrere Hall-, Plate-, Room- und Delay-Presets, dazu Flanger, Chorus, Rotary-Speaker und die Kombination aus Chorus und Room. Sie werden über einen Endlosdrehknopf angewählt, und das ganze Effekt-Processing lässt sich per Knopfdruck an- oder ausschalten. Darüber hinaus kann der Benutzer das FX-Return-Signal mit einem Poti dem Summensignal beimischen. Sehr praktisch, wenn man das gesamte Effektverhältnis in sich gleichzeitig anheben oder absenken möchte. Die Effektprogramme sind sogar minimal editierbar, denn es gibt ein Parameter-Poti, mit dem sich je ein (sinnvolles) Attribut verändern lässt (z.B. Reverb-Länge, Delay-Zeit oder Chorus-Tiefe). Meiner Meinung nach reicht dies auch vollkommen aus.

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Konfigurationsmöglichkeiten, um das Roadtrip-System zu verwenden, und zwar als normale Stereo-PA oder als Mono-PA mit einem extra Monitoring-Playout in mono. Die Umschaltung erfolgt über den Schiebeschalter „Amp-Mode“. In der oberen Stellung „Main/Main“ funktioniert das System als ganz normale Stereo-PA. Hier befeuern die beiden integrierten Endstufen jeweils einen Lautsprecher. Der Regler „Monitor Volume“ in jedem Kanal hat in diesem Szenario keine Funktion.

In der Stellung „Main/Mon“ ist eine Endstufe für die Mono-PA, an die zwei Lautsprecher angeschlossen werden können, zuständig. Die andere Endstufe betreibt den separaten Monitorweg. Auch hier besteht die Möglichkeit, zwei Lautsprecher mono anzuschließen. Monitor-Volume übernimmt nun in jedem Kanal die Speisung dieses separaten Signalpfads.

Der Hersteller erwähnt in seiner Bedienungsanleitung immer wieder, dass gerade in diesem Betriebsmodus eine Impedanz von vier Ohm nicht unterschritten werden sollte. Es ist also möglich, das Roadtrip 508 mit vier Lautsprechern zu betreiben. Für den Fall, dass das System überwiegend für Sprachdarbietungen eingesetzt wird, bei denen tieffrequente Signalanteile eher störend wirken, gibt es einen Low-Cut-Schalter, der die Summe im unteren Bereich ab 120 Hz beschneidet. Die Gesamtlautstärke lässt sich über zwei Potis festlegen und an der neunstufigen LED-Anzeige ablesen. Wenn das System im Main/Mon-Mode betrieben wird, ist der Regler Left/Main-Volume für die PA zuständig, und Right/Mon-Volume übernimmt den Monitor.

Nowsonic Roadtrip 508 Netzteil und Amp

Am Backpanel des Mixers sitzen die Ausgänge für die Amps. Ganz oben an der linken Seite des Gehäuses ist ein Lüfter angebracht, der für entsprechende Kühlung der Class-D-Verstärker sorgt, die 2 x 250 Watt an 4 Ohm liefern. Im mittleren Bereich, gleich neben dem Ein-/Ausschalter, sitzt ein weiteres Lüftungsgitter, durch das Frischluft angesaugt wird. Es folgen der Spannungsumschalter (120/230 Volt) und der Stecker für das Schuko-Kaltgerätkabel. Darüber logiert eine (einzige) Sicherung, die sich ganz leicht mit einem Schraubendreher öffnen und ersetzen lässt. Den Frequenzgang der Verstärkerstufe gibt Nowsonic mit 20 Hz bis 20 kHz an. Das Netzteil genehmigt sich 300 Watt in der Spitze.

Der rechte Bereich der Rückseite ist für die Ausgänge des Systems reserviert. An oberster Stelle finde ich zwei symmetrische Klinkenausgänge, die das Summensignal bereitstellen, bevor es in die Endstufe geht. Ein praktisches Feature, falls man auf externe Anlagen oder Amps zugreifen möchte. Direkt darunter liegt ein symmetrischer XLR-Ausgang, der für den Anschluss eines externen, Aktiv-Subwoofers gedacht ist. Nun folgen die vier Speaker-Outputs, ebenfalls als Klinkenbuchsen. Im Main/Main-Betrieb sind die unteren beiden Ports für die PA-Speaker relevant, während im Main/Mon-Betrieb die linken Klinkenbuchsen für die PA- und die rechten für die Monitor-Speaker zuständig sind. Alles in allem eine übersichtliche Sache. Wie bereits erwähnt ist die untere Hälfte der Gehäuserückseite über eine nach unten zu öffnende, verriegelbare Klappe als Ablagefach für Kabel und dergleichen gedacht.

Pro & Contra

  • 8 Eingangskanäle
  • Bluetooth-Receiver
  • Effektprozessor mit 16 Presets
  • Zweiband-EQ
  • Externer Monitorkanal

  • Keine Rollen für den „perfekten“ Transport

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