Hersteller_Numark
Test
5
12.11.2010

Praxis

Einsatzgebiete
NDX-400 ist ein solides, leicht zu bedienendes Werkzeug mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten - besonders wenn das Budget knapper bemessen ist. Sei es im Studio, in der Pinte, auf Parties, zu Hause oder auf der Bühne. Dank seiner kompakten Maße ist er ebenfalls ein interessanter Weggefährte für mobile Diskotheken, die auf das klassische TMT-Setup zugunsten kleinerer Rackeinbau-Geräte nicht verzichten wollen. Ein Set bestehend aus zwei NDX-400 Einheiten und einem passenden Zweikanal-Mixer wie Numark X6 ist für aktuell etwa 750 Euro zu haben. Sicherlich eine überschaubare Investition -  auch für eine Bar, die vielleicht keinen großen Dancefloor hat, aber dennoch nicht auf DJs verzichten will. Ob dieser dann mit CDs im Gepäck anreist, sein Laptop über Timecode-Medien steuert oder einen Wechseldatenträger anschliesst, spielt kompatibilitätstechnisch keine Rolle. Ferner lässt sich ein Set Vierhunderter leicht in Lokalitäten installieren, die nur über begrenzte räumliche Kapazitäten verfügen. Zwei Einheiten samt superschmalen PMC-06-Battlemixer messen keine 60 Zentimeter. Auf diese Fläche passt sonst gerade mal ein Technics SL1210 MK2 Plattenspieler.

Tempobezogenes
Der Pitch bestimmt die Abspielgeschwindigkeit der Audiodatei. Numark verbaut einen extralangen und sehr akkuraten 100 mm langen Fader. Die Konstrukteure verzichteten auf eine 0-%-LED oder auf eine Einrastfunktion in der Mittenstellung. Trotzdem gibt es um den Nullpunkt und an den Enden marginale unsensible Bereiche, die in der Praxis jedoch eher zu vernachlässigen sind. Der Schieberegler arbeitet mit Pitch-Bereichen von 4, 8, 16 und 100 Prozent. In den kleineren beiden Auflösungsstufen legt er eine Präzision von 0,01 Prozent an den Tag. Selbst bei +/- 16 ist er noch mit 0,02 Prozent dabei. In der höchsten Stufe beträgt die Regelgenauigkeit 0,1 Prozent. Alle Achtung, Numark! Da ist es schon schade, dass der Beatcounter nur volle BPM anzeigt.

Um einen Song mit einem Zweiten beatsynchron zu überblenden, reicht es allerdings nicht, das Tempo abzustimmen. Vielmehr muss auch der Downbeat zeitgleich erfolgen. Um die Takte zweier Tracks aufeinander zu legen, kann der DJ die PITCHBEND-Funktion einsetzen. Sie ist unabhängig vom Intervall des Schiebereglers und arbeitet mit 4 Prozent in beide Richtungen, was eine praxistaugliche Handhabe erlaubt. Damit der Zuhörer von den Tonhöhenschwankungen während des Angleichverfahrens nichts mitbekommt, friert Master-Tempo die Tonart beim ursprünglichen Tempo (Pitch=0) ein.

Handling
Ist eine CD oder ein Wechseldatenträger angeschlossen, lassen sich diese via TRACK-Encoder zügig nach dem gewünschten Musikstück durchsuchen und der Spaß kann losgehen. Der Proband ist in der Lage, Ordnerhierarchien darzustellen oder alle Songs in einem Verzeichnis aufzulisten (FOLDER/ TRACK-Button). Ein Song wird abgespielt, sobald der DJ den Track-Encoder niederdrückt. TIME ändert die Laufzeitanzeige (Elapsed, Remain, CD-Total). SINGLE wechselt zwischen Einzelaufführung mit anschließender Pause oder kontinuierlicher Wiedergabe.

Wer vor seinem Einsatz eine Erkundungstour durch die Party-Lokalität anstrebt, weil vielleicht nach dem Aufbau, vor dem Einlass oder während einer Warm-up Phase noch ein wenig Zeit ist, der erstellt mit der eingebauten PROGAM-Funktion im Handumdrehen, oder besser gesagt Knopfumdrehen, eine Auto-Playlist. Wie das funktioniert? - Song wählen, PROG festhalten und dann REC betätigen, nächsten Song auswählen, PROG festhalten und wieder REC betätigen und erneut von vorn. Sind genügend Titel eingereiht, genügt ein Tastenhieb auf PLAY und der der Autopilot übernimmt bis auf Widerruf. Wer das erstellte Programm wieder löschen möchte, betätigt PROG/EJECT. Kinderleicht, oder?

Im Live-Mix: Mit dem präzisen Wheel macht das Arbeiten nicht nur aus beatmixender Sichtweise viel Spaß. Auch Scratcher können sich über die gelungene Übersetzung freuen und zudem vielleicht über den integrierten Auslöser auf der Telleroberfläche. So können sie die Scratchfunktion auch eingeschaltet lassen, während sie zwei Tracks per seitlichem „Nudgen“ in den Gleichtakt manövrieren. Aber Handschuh ausziehen, sonnst klappts nicht. Trainierte CD-Jockeys werden zwar die ein oder andere fortgeschrittene Technik einsetzen können, für Vinylisten ist der Teller jedoch zu klein geraten, um artistische Moves zu vollziehen. Sie sollten nur nicht unsachgemäß heftig aufdrücken, sonst schleift es ein wenig. Die Master-Tempo-Funktion bewältigt leider nur die üblichen 2-3 Prozent Tempoverlagerung artefaktfrei. Wer keine Ambitionen hat, die Geschwindigkeit eines Songs in irgendeiner Weise zu manipulieren, schaltet den Pitch einfach ab.

Zum Antischock-Puffer macht der Hersteller keine Angaben, also musste die Stoppuhr herhalten. Nach einer Minute schütteln sollte es dann gut sein - alles in Butter. Auch bei hochgefahrener Anlage mit zugeschalteten Subwoofern waren keine vibrationsbedingten Aussetzer zu vernehmen.
Sollte der Akteur für einen längeren Zeitraum keine Aktion unternehmen, verfällt der Player in den Tiefschlaf, oder besser gesagt in den Sleep-Modus. Fehlt eigentlich nur noch, dass die Beleuchtung kuschelig dimmt. Na dann halte du mal ein Nickerchen, derweil ich mir einen Kaffee besorge. Nach dem Heißgetränk und einer kurzen Berührung der Abspieltaste ist der Player im Sekundenbruchteil wieder zu neuen Schandtaten bereit. Und der Autor auch.

Loops und Effekte

Wie die meisten seiner Artgenossen in der preislichen Einsteigerliga besitzt auch unser Proband eine Loopsektion. Hat der DJ Start- und Endpunkt mit den Tasten IN und OUT manuell definiert, beginnt die Schleife unverzüglich und nahtlos abzuspielen. Ein zweiter Tastenhieb auf OUT beendet den Loop. RELOOP startet ihn erneut. Der Hersteller spendiert noch eine zweite Loop-Bank mit abweichender Kennzeichnung (1, 2, 3). In Kombination mit REC zeichnen sie alternativ bis zu drei Hotcues auf, die genau so leicht, wie sie erstellt werden auch überschrieben sind. Automatische taktbasierte Schleifen sind nicht implementiert und auch eine Option zum Verdoppeln oder Halbieren der Zyklen sucht man vergebens. Wer scharf drauf ist, kann sich das Spitzenmodell NDX-800 ansehen. Es kostet zwar 100 Euro mehr, hat aber zudem noch einige Effekte und die zuvor erwähnten Scratchmodi unter der Haube. Nur ist es natürlich nicht so kompakt.

Der Brake-Effekt simuliert das Anlauf- und Bremsverhalten eines Turntables. Start- und Stoppzeiten sind in einem Bereich von 0–6 Sekunden in Zehntel-Schritten regulierbar. Um einen neuen Wert einzustellen, wird einfach der Brake-Button festgehalten und dabei das Jogdial gedreht. Separate Drehregler wie am NDX-800, die START und STOP getrennt voneinander regeln, sind nicht verbaut. Das kann man vielleicht auch zu diesem Preis nicht unbedingt erwarten. Ferner reiht sich ein REVERSE-Effekt in die kleine Kreativ-Abteilung ein.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Kompakt und robust
  • Gute Klangeigenschaften
  • Einfache Bedienung
  • Sehr genauer 100-mm-Pitchfader
  • Präzises, sensitives Jogdial
  • Drei Hotcues, zwei Loop-Speicher
  • USB-Anschluss für Wechseldatenträger
  • Gutes Preis-/ Leistungsverhältnis

  • Manchmal wankelmütiger Beatcounter
  • Etwas kleines Jogwheel
  • Mangelnde Mac- und iPOD-Kompatibilität

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