Test
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10.09.2020

Ortofon 2M Blue Test

MM Tonabnehmer System

Einstieg in die audiophile Welt

Der dänische Hersteller Ortofon bietet mit der 2M-Serie Tonabnehmersysteme für Vinylfans, die sich unkompliziert und ohne großes Tamm-Tamm ein klangliches Upgrade verschaffen wollen. Der skandinavische Marktriese hat für jedwedes Budget hierfür einen passenden MM-Tonabnehmer im Angebot. Ein cooles Add-On: Manche Nadeleinschübe passen auch zu dem jeweils höheren Modell, so dass sich ein 2M Red mit einem Blue Nadeleinschub und ein 2M Bronze mit einem 2M Black Nadeltausch effektiv klanglich aufwerten lässt. Das Design der 2M-Cartridges wirkt geradlinig und futuristisch, aber auch ebenso bodenständig wie minimalistisch und findet eben auch deswegen bei vielen Vinylanhängern großen Anklang. Das Auge isst schließlich auch mit.

Heute im Bonedo-Test: Ortofons 2M Blue, ein System für alle Freunde audiophiler Klangräume, die für einen guten Sound kein Vermögen ausgeben möchten. Nötiges Budget? Knapp unter 200 Euro…

Details & Praxis

Besonderheiten & Tech Specs

Ortofons 2M Blue kommt in einer schlichten mattweißen Kartonage, die dann doch einen Kunststoff-Blister beherbergt. Auf den Tisch kommen das 2M Blue sowie ein Tütchen mit einer Nadelbürste, einem Minischlitzschraubendreher und zwei M2,5 Montageschrauben mit 5 mm und zwei M2,5er mit 7 mm Länge.

Der 2M Blue Tonabnehmer beherbergt in seinem relativ groß dimensionierten Chassis einen leicht austauschbaren Nadeleinschub. Als Nadelträger kommt ein Aluminiumröhrchen zum Einsatz in den ein nackter Diamant eingefasst ist, was dem Abtaster eine längere Lebensdauer verschafft. Die Diamantenspitze ist mit einem elliptischem Nadelschliff versehen. Das 2M Blue kommt mit diesem Abtaster laut Hersteller bei einer empfohlenen Auflagekraft von 18 mN auf eine Abtastfähigkeit bei 315Hz von 80 µm (!). Der zulässige Auflagekraft-Bereich liegt zwischen 1,6 g und 2,0 g, was ein wenig mehr Flexibilität ermöglicht als bei audiophilen Tonabnehmern üblich. Die maximale Ausgangsspannung bei 1 kHz gibt der dänische Hersteller mit 5,5 mV an und die maximale Kanalabweichung (L/R) soll über den gesamten Übertragungsbereich niemals mehr als 1,5 dB betragen. Hinsichtlich der Ausgangsspannung haben wir also durchaus ein Pfund zu erwarten und die Kanalgleichheit klingt überzeugend. Der Übertragungsbereich wird seitens Ortofon mit 20 Hz bis 20 kHz bei maximalen Abweichungen von + 2 dB oder – 1 dB beziffert. Wenn man den Angaben glauben darf, handelt es sich hier um einen durchweg neutralen Tonabnehmer, dessen Übertragungsbereich laut Papier gehobenem Studioniveau entspricht. Ja dann, ab dafür!

Montage & Justage

Allen 2M-Tonabnehmern gemein ist die Montageplatte aus Metall auf der Oberseite und die beiden 2,5 mm Gewindelöcher im ½-Zoll-Abstand für die Standardmontage unter ein Headshell. Die in der Montageplatte versenkten Innengewinde ermöglichen eine einfache Fixierung am Headshell ohne fummelige Muttern, mit Schrauben von oben durch die Langlöcher des Systemträgers. Die Justage gelingt ebenfalls relativ einfach, weil das Chassis genügend gerade Kanten bietet, um effektiv den Spurfehlwinkel zu minimieren, sowohl in der vertikalen als auch in der horizontalen Ausrichtung.

Das Chassis ist relativ groß und deswegen auch ziemlich griffig – bei einem Standard SME-Headshell passt das gut zusammen. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass manche kleine „hauseigene“ Systemträgerlösung in diesem Zusammenhang eine Menge Fingerspitzengefühl einfordern wird. Mit 7,2 Gramm Einwaage bewegt sich der 2M Blue im oberen Mittelfeld der Moving Magnets und eignet sich zudem für mittelschwere Tonarme. 

Handling & Klang

Hinsichtlich des Handlings gibt es keine negativen Auffälligkeiten zu vermelden. Ortofons 2M Blue Tonabnehmer ist unempfindlich gegen kleine Staubpartikel auf dem Vinyl und auch sonst zeigt er keine Schwächen hinsichtlich des Trackings ohne Überschreiten der empfohlenen 1,8 g Auflagekraft.

Hinsichtlich des Klangs kann das 2M Blue alle Versprechen, die Ortofons technische Angaben innewohnen, vollends einlösen. Am meisten beeindruckt die Neutralität, die das 2M Blue unter anderem seinem linearen Übertragungsbereich zu verdanken hat, sowie seine Genre-Unabhängigkeit. Das authentische Musikerlebnis mit dem Ortofonschen Tonabnehmer funktioniert in nahezu allen Musikrichtungen. Die ordentliche Hochtonauflösung und die gute Kanaltrennung führen zu einer breiten Bühne und einer sehr lebendigen Musikwiedergabe.

Das 2M Blue klingt am oberen Ende sehr transparent, was unter anderem zu einer guten räumlichen Darstellung führt. Die Mitten sind ultrapräzise und messerscharf. Bei manchen Scheiben kommt mir persönlich aber die Schärfe zu sehr ins Spiel. Die Schallereignisse im Mittelhochton drängen sich förmlich auf an Stellen, die aber im Grunde ein wenig mehr Zurückhaltung einfordern. Hierzu zählen auch manche S-Laute sowie frische E-Gitarrensaiten zu laut gemischter E-Gitarren. In den Bässen empfinde ich das 2M Blue eher unauffällig, manchmal knackig und meistens einigermaßen straff.

Zu seiner klanglichen Blüte gelangt das 2M Blue nach etwa 50-60 Betriebsstunden. Es klingt dann ein wenig runder, homogener und weniger vordergründig. Ein wenig Härte bleibt dennoch, dafür klingt es eben auch sehr konturiert. Wie sauber das 2M Blue die Schallereignisse differenziert, geben folgende Soundbeispiele anschaulich wieder. Als Referenz dient ein frisches DJ200i von Grado, als Phono Preamp habe ich den TPR-3 von Dynavox für alle Aufnahmen verwendet.

Fazit

Mit dem 2M Blue bietet Ortofon einen audiophilen MM-Tonabnehmer mit einem ordentlichen Preis-Leistungs-Verhältnis an. Das stylische System erlaubt dem geneigten Vinylfreund durch eine Montageplatte aus Metall und versenkten Gewindelöchern eine relativ einfache Montage unter den Systemträger und eine gut zu realisierende Justage. Der verwendete Diamant verspricht eine lange Lebensdauer und ermöglicht mit einer guten Hochtonauflösung und einer beachtlichen Transparenz authentische Musikerlebnisse im heimischen Wohnzimmer. Der sehr lebendige Klang und die präzise räumliche Abbildung lassen sich in allen Musikrichtungen wiederfinden. Somit erweist sich der 2M Blue als ein Genre-unabhängiger Tonabnehmer, der für alle Vinylliebhaber interessant ist, die mit einem unkomplizierten Upgrade liebäugeln und endlich in die audiophile Welt eintauchen wollen.

  • Pro
  • erleichterte Montage durch M2,5 Gewindelöcher
  • stabile Metallmontageplatte
  • einfacher Austausch des Nadeleinschubs
  • ordentliche Hochtonauflösung
  • gute Kanaltrennung
  • große Transparenz
  • lebendiger und räumlicher Klang
  • Contra
  • klingt etwas hart im Mittelhochton
  • Nadelschutz etwas fummelig
  • Features & Spezifikationen
  • elliptischer Nadelschliff
  • Ausgangsspannung bei 1 kHz: 5,5 mV
  • Kanalgleichheit bei 1 kHz: 1,5 dB
  • Kanaltrennung bei 1 kHz: 25 dB
  • Kanaltrennung bei 15 kHz: 15 dB
  • Übertragungsbereich bei max. Abweichung von +/-3 dB: 20-25.000 Hz
  • Übertragungsbereich bei max. Abweichung von + 2 dB /- 1 dB: 20-20.000 Hz
  • Maße der Diamantenspitze: r/R 8/18 µm
  • Abtastfähigkeit bei 315 Hz: 80 µm
  • Auflagekraftbereich: 1.6-2.0 g (16-20 mN)
  • Empfohlene Auflagekraft: 1,8 g (18 mN)
  • Empfohlener Abschlusswiderstand: 47 kOhm
  • Empfohlene Abschlusskapazität: 150 - 300 pF
  • Gewicht: 7,2 g
  • Farbe: blau
  • Preis: 194 Euro
Veröffentlicht am 10.09.2020

Pro & Contra

  • erleichterte Montage durch M2,5 Gewindelöcher
  • stabile Metallmontageplatte
  • einfacher Austausch des Nadeleinschubs
  • ordentliche Hochtonauflösung
  • gute Kanaltrennung
  • große Transparenz
  • lebendiger und räumlicher Klang

  • klingt etwas hart im Mittelhochton
  • Nadelschutz etwas fummelig

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