Test
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07.11.2018

Pioneer DJ XDJ-RR Test

All-in-One DJ-System

Empfehlenswert für USB-DJs

All-in-One ist das Schlüsselwort des Pioneer DJ XDJ-RR. Player, Mixer und Effekte – alles ist hier unter einer Haube versammelt. Obendrein funktioniert das Ganze auch noch standalone. Digital mixen, ohne einen Laptop anschließen zu müssen, ist hier angesagt. Wer möchte, kann den XDJ-RR dennoch als Controller für DJ-Software verwenden – auch das geht. Wer den Markt regelmäßig checkt, weiß, dass dieses Gerät die kleine Variante des XDJ-RX2 ist, der prinzipiell das Gleiche macht, aber wesentlich umfangreicher bestückt und preislich auch noch mal eine andere Hausnummer ist. Die üppigere Ausstattung des größeren DJ-Controllers ist allerdings nicht für jeden wichtig, für viele DJs ist das hier getestete Modell bereits vollkommen ausreichend. Sehen wir uns den XDJ-RR also mal genauer an.

Details

Die farbig bedruckte Verpackung macht direkt Lust auf den Inhalt. Man sieht sofort, was drin steckt. Der XDJ-RR ist in Schutzfolie gewickelt und wird von Styropor in der Mitte des Kartons vor Erschütterungen gestützt. Beilagen sind das Netzteil, eine gedruckte mehrsprachige Kurzanleitung, ein USB-Kabel sowie eine Karte mit der Download-Anweisung und Seriennummer für die Software rekordbox dj. Eine weiterführende Anleitung gibt es als PDF auf der Website des Herstellers. Jetzt benötigt man eigentlich nur noch einen USB-Stick, eine Handvoll MP3s und dann kann es schon losgehen.

Das DJ-System besteht in erster Linie aus Kunststoff, die Verarbeitung macht einen soliden Eindruck. Kleine Gumminoppen dienen als Füße. Der XDJ-RR ist 62,5 cm breit, geht nicht ganz 7,5 cm in die Höhe und ist knapp 39 cm tief. 5,2 kg bringt das gute Stück auf die Waage. Zum Vergleich: Das Flaggschiff-Modell XDJ-RX2 ist 4 kg schwerer und ein paar Zentimeter größer in alle Richtungen dimensioniert.

Rückseite und Vorderseite

Ach, der ist ja ganz aufgeräumt auf der Rückseite. Zwei Stereo-Ausgänge sehe ich dort, einmal als XLR- und einmal als Cinch-Buchsenpaar. Ein USB-Anschluss dient der Verbindung zum Computer. Weiterhin entdecke ich einen Stereo-Line-Eingang, ebenfalls Cinch, sowie einen Mikrofoneingang, ausgeführt als XLR/Klinke-Kombibuchse.

Der AUX-Eingang mag nur Line-Signale. Für externe Sample-Player, Smartphones, CD-Spieler und ähnliches Gear ist das genau richtig, Plattenspieler müssen aber einen Phono-Vorverstärker dazwischen hängen haben oder in der Lage sein, ein Line-Signal auszugeben. Einige neuere Vertreter können das. Grundsätzlich hat Pioneer DJ bei diesem Anschluss aber nicht an Plattenspieler gedacht. Ich empfinde das bei diesem Gerät nicht als Nachteil. Erstens, weil per se nur ein AUX-In zur Verfügung steht. Zweitens, weil mit diesem Produkt nicht unbedingt Vinyl-DJs angesprochen werden. Wer Plattenspieler anschließen will, kann das gleich zweimal am teureren XDJ-RX2 machen.

Strom gibt’s über das beiliegende Netzteil und die dafür vorgesehene Buchse, der Power-Schalter ist hier ebenfalls untergebracht. Nette Zugaben sind der Kabelhaken für das Netzteil und die Kensington-Diebstahlsicherung. Vorne erwarten mich zwei Buchsen für Kopfhörer (6,5 und 3,5 mm). Ein dreistufiger Wahlschalter dient der Konfiguration der Crossfader-Kurve. Fehlt etwas? Ja! Warum ist hier denn hinten kein Ausgang für die Booth? Wenn man nur zu Hause oder auf kleinen Partys auflegt, ist das ja zu verschmerzen – in Umgebungen wie einem Club oder bei diversen Veranstaltungen macht sich das aber als Einschränkung bemerkbar. Schade.

Überblick der Bedienelemente

Auf den ersten Blick sieht man jede Menge Buttons, Drehregler, Schalter und Fader, zwei Jogwheels links und rechts sowie ein Display im oberen Teil. Wenn wir das grob aufteilen, besteht dieses DJ-System aus zwei Decks mit zugehörigen Steuerelementen, einer Mixer- und Effekteinheit in der Mitte und der Browser-Sektion mit 7-Zoll-Farbdisplay darüber. Immer wenn man heutzutage farbige Displays sieht, möchte man sofort mit den Fingern darauf tippen. Das bringt hier allerdings nichts, denn das gute Stück reagiert nicht auf Berührungen. Das ist eine der Sachen, an denen hier gespart wurde – wer einen Touchscreen möchte, muss sich den größeren und teureren XDJ-RX2 zulegen. Navigiert wird nur über Tasten und den Push-Encoder neben dem Display – man gewöhnt sich wirklich sehr schnell daran.

Über dem Screen finden wir Buttons für „Browse“, „Tag List“, „Info“ und „Menu“ beziehungsweise „Utility“. Auf der linken Seite wechselt man mit dem Rekordbox-Button zur zugehörigen Bibliothek auf einem eventuell verbundenen Computer, benutzt den XDJ-RR via „MIDI“-Taste als Controller für rekordbox dj oder andere DJ-Software (dann ohne Display-Unterstützung) und navigiert mit „USB1“ und „USB2“ zwischen den beiden Ports hin und her. Dort können Sticks oder Festplatten eingesteckt oder Smartphones mit laufender Rekordbox-App angeschlossen sein.

Für die Einstellung der Track-Spielzeiten benutzt man einen kleinen Knopf, der mit „Time Mode“ beschriftet ist. Längeres Drücken aktiviert oder deaktiviert Auto-Cueing. Darunter lässt sich die Quantisierung einschalten. Weil ein Touchscreen fehlt, ist der bereits erwähnte Push-Encoder auf der rechten Seite das wichtigste Helferlein für die Navigation und Auswahl der Titel. Unmittelbar darüber sind zwei Tasten auszumachen, die ebenfalls sehr wichtig für das Browsing sind – speziell der „Back“-Knopf. Zwei hintergrundbeleuchtete Buttons mit der Beschriftung „1“ und „2“ dienen dem Zuweisen von Musikstücken auf die beiden Decks.

Der Abschnitt für das Deck

Die beiden Decks sind identisch aufgebaut und mit allem ausgestattet, was ein digitaler DJ so braucht. Zunächst einmal die sehr „smoothen“ Jogwheels (12 cm Durchmesser , keine Beleuchtung), die man auf Knopfdruck in den Vinyl-Modus versetzt, dann zwei runde Tasten für Master, Sync oder Instant Doubles. Die Tempo-Range für den 60 mm langen Pitch-Regler stellt man in vier Stufen ein (+/-6, +/-10, +/-16, WIDE). Wer die Tonhöhe beibehalten möchte, erledigt das mit „Master Tempo“. Vor- und Zurückspulen innerhalb der Titel oder an den Anfang beziehungsweise das Ende sind Funktionen, die hier ebenfalls nicht fehlen. Loops sind natürlich auch anzutreffen und der XDJ-RR hat dafür gleich sechs runde Knöpfe unterschiedlicher Größe am oberen Teil der Decks spendiert bekommen. Start- und Endpunkt für den Loop, Verändern der Loop-Länge, schnelles Speichern und wieder Löschen von Loop-Punkten – alles kein Problem!

Jedes Deck hat zusätzlich eine Shift-Taste spendiert bekommen, um damit bestimmte Einstellungen individuell vorzunehmen oder zum Beispiel gesetzte Cue- und Loop-Punkte wieder zu entfernen. Obligatorisch sind die großen runden Taster für Cue und Play/Pause. Abgeschlossen werden die Decks mittels vier Performance-Pads, die sich ein bisschen besser anfühlen könnten, aber trotzdem ihre Arbeit gewissenhaft erledigen. Hot-Cue, Beat-Loop, Slip-Loop und Beat-Jump sind hier die Attraktionen.

Mixer und FX

Wer All-in-One sagt, muss natürlich auch Mixer sagen. Genau in der Mitte finden wir die beiden Kanäle und alles was so dazu gehört. Kanal-Fader mit 45 mm Länge, Drehknopf für Sound Color-FX, Dreiband-EQ, Trim-Regler für die Lautstärke und eine Meter-LED in der gewohnten Ampelfarbgebung. Genau darunter gibt’s den zugehörigen Crossfader, der die gleiche Länge wie die Channelfader hat. Die Haptik finde ich hier genau richtig. Der Crossfader ist leichtgängig, die restlichen Fader etwas fester und die Potis haben einen angenehmen Drehwiderstand. So stelle ich mir das vor. Links oben stellt der DJ mittels Schiebeschalter ein, was für ein Signal am externen Eingang anliegen soll. Ist der Eingang nicht auf „off“ gestellt, kann hier ein Line-Signal, zum Beispiel von einem mobilen Player beziehungsweise Smartphone zugemischt werden. Für den AUX-Eingang steht kein EQ zu Verfügung und man muss sich mit einem Gain-Regler zufrieden geben. Vier hintergrundbeleuchtete Gummitasten aktivieren einen von vier Sound-Color-Effekten. Filter, Noise, Pitch und Dub Echo stehen zur Auswahl. Im nachstehenden Video führe ich euch die Klangeigenschaften der Pioneer-FX vor. 

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„Standard“ ist beim XDJ-RR die Kontrolle über das Kopfhörersignal: Lautstärke, Mixanteil und welcher der beiden Kanäle vorgehört wird – all das lässt sich hier „regeln“ und zwar nicht zu knapp, denn die Lautstärke für Headphones kann von ganz leise bis ohrenbetäubend aufgedreht werden. Schließlich gibt es noch den Master-Bereich und der ist auch ganz spannend. Klar, noch mal ein Poti für den „Masterlevel“ und ein LED-Meter dazu.

Zusätzlich erwartet uns hier aber eine weitere Effektsektion, Beat-FX genannt. Das hat seinen Grund, denn diese Effekte synchronisiert man zum Tempo der laufenden Musik – entweder automatisch oder „eingetappt“. Zwischen den Effekten Echo, Reverb und Flanger wählen Nutzer mit einem dreistufigen Schiebeschalter, ein weiterer entscheidet, ob die Beat-FX auf Kanal 1, 2 oder dem Master liegen. Den Effektanteil reguliert ein dafür vorgesehener Drehknopf, ein blau leuchtender kreisrunder Button aktiviert die FX und knipst diese wieder aus.

Mikrofon-Check

Wer gerne mal die ein oder andere Anekdote loswerden will oder „Gute Laune“ vom Publikum einfordern möchte, ist bestimmt über den integrierten Mikrofonanschluss erfreut. Die Bedienung dafür findet über dem linken Deck statt. Mit einem Switch schaltet man Aus, An oder auf Talkover. Drei Drehregler sorgen für Gain und das Equalizing von Low- und Hi-Frequenzen.

USB-Bereich

Quasi genau auf der entgegengesetzten Seite, also oberhalb des zweiten Decks, wartet der USB-Bereich mit zwei Ports auf digitales Musikfutter. Das kann in Form von MP3, AAC, WAV oder AIFF angeliefert werden. WAV und AIFF sind in Auflösungen bis zu 48 kHz und 24 Bit möglich. Das Pioneer-System erkennt USB-Medien mit FAT, FAT32 und HFS+. Mit kleinen „Knöpfchen“ unterhalb der USB-Steckplätze wirft man angeschlossene Datenträger wieder aus. Zwei weitere Tasten dienen der Aufnahme. Ja richtig, man kann ein Set direkt auf einen Datenträger im zweiten USB-Slot aufnehmen und die Aufnahme sogar mit Markierungen versehen. Smartphones lassen sich ebenfalls mit einem passenden Kabel verbinden. Für den Zugriff auf die Musik muss darauf die Rekorbox-App installiert und gestartet sein, dann verbindet sich der XDJ-RR mit dem Mobilgerät und schon wird der Inhalt im Browser angezeigt.

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Audiobeispiele

Pro & Contra

  • All-in-One-DJ-System
  • zwei USB-Ports
  • spielt AAC, MP3, WAV und AIFF
  • Aufnahme auf USB
  • externer Audioeingang
  • solide Verarbeitung
  • guter Sound
  • gut klingende Effekte
  • inklusive rekordbox dj

  • kein separater Booth-Ausgang
  • kein EQ für AUX-Eingang

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