Hersteller_Presonus
Test
2
13.09.2013

Praxis

Wer regelmäßig auf bonedo liest, weiß, was jetzt kommt. Meine Stative! Auf diese stelle ich jetzt auch die Eris 8 und oben drauf kommt die Eris 5. Damit letztere nicht über mich hinweg strahlt, habe ich Schaumstoffkeile untergelegt, um sie leicht nach vorn zu neigen und auch alles schön im 1m Stereo-Dreieck aufgebaut. Zum Wechsel zwischen den Presonus-Speakern und meiner Hauptabhöre verwende ich den ziemlich neutralen Drawmer MC2.1. Als Wandler kommt nach wie vor mein RME UFX zum Einsatz.

Hierbei war ich zunächst einmal über den grundsätzlich gutmütigen, linearen Gesamtklang beider Modelle überrascht. Top! Keine allzu scharfe Höhen oder brutale Mitten, sodass man mit ihnen über einen längeren Zeitraum konzentriert arbeiten kann. Auch die Transientenabbildung war gut, vor allem in Anbetracht des Preises!

Dennoch überzeichnete -  bei kritischer Betrachtung - der Bass ein klein wenig bei beiden Modellen. Die E8 verschlang auch zusätzlich etwas Mitten, sodass das ich bei ihr nicht nur das Bassfilter ACOUSTIC SPACE auf -2dB gesetzt, sondern auch den Mittenregler ein klein wenig aufgedreht habe - die Höhen habe ich hingegen ein wenig zurückgedreht. Gut also, dass es diese umfangreichen Filter gibt! Jetzt kam der Bass schön knackig, und auch die Mitten waren nun deutlich detaillierter. Hierbei sollte man wirklich noch mal betonen, dass es in diesem Segment normalerweise nicht so viele Potis auf der Rückseite zu finden gibt und man entsprechend mit der Streuung des „Factory-Defaults“ bei anderen Lautsprechern leben muss.

Dann habe ich mir ein einfaches Messmikro geschnappt und mit der Fuzzmeasure-Software auch mal das Ganze gemessen, was ich dort höre. Und siehe da, das sieht richtig gut aus für diesen Preis! Der Verlauf ist also weitestgehend flach, nur den leichten Bassboost kurz vor dem Abfall, den bekommt man nicht ganz raus. Man beachte weiterhin, dass es sich um keine „echte“ Messung in einem schalltoten Raum handelt, sondern „nur“ um eine beispielhafte Messung in meinem Studio auf meinen Stativen, vor meinem Tisch! Das Ergebnis dafür ist sehr gut.

Bei der Eris 5 kann ich mir vorstellen, grundsätzlich auch mit dem leichten Bassboost zu arbeiten. Das -2dB/-4dB Bass-Filter zu aktivieren, ist hier also eher Geschmackssache. Das Mittenfilter kann man bei der kleinen Eris 5 auch auf „0 dB“ lassen bzw. sollte es nur minimal aufgedrehen, um die Linearität zu behalten. Die oberen Mitten empfand ich bei der kleinen Box sowieso sauberer aufgelöst als bei der großen E8, was sicherlich auch an dem kleineren, leichteren - und somit reaktionsschnelleren - Tieftontreiber und dem erst viel höher übernehmenden Hochtöner liegt. Ein Effekt den ich auch bei der Fostex PM 641 beobachten konnte. Bei Stimmen wirkten die Eris 8 im Bereich der unteren Höhen so im A/B-Vergleich mit der Eris 5 auch ganz leicht verwaschen, wenn man die Ohren spitzt. Bedenkt man, dass viele Bedroom-Studios eher kleinerer Natur sind oder das Stereodreieck am Arbeitsplatz unter 1m breit ist, ist man mit den kleineren Boxen durchaus besser bedient.

Was den kräftigen Bass betrifft, machen die großen Speaker natürlich mehr Spaß, keine Frage! Hier kann man in kleineren Studios bei der Eris 8 eventuell auch mit dem -4dB Bassfilter experimentieren, um „neutralere Ergebnisse“ zu erzielen. Das andere Bassfilter ist hingegen „nur“ ein Low-Cut und auch nur in Verbindung mit einem Subwoofer - der über kein eigenes Bass-Management verfügt –  sinnvoll. Im „normalen Stereo Betrieb“, also ohne Subwoofer, klaut dieses Filter zu viel Bass, um für Raumanpassungen sinnvoll genutzt werden zu können. Nichtsdestotrotz, schön das es da ist, falls man es mal braucht.

Beide Boxen erreichen eine beachtliche Lautstärke, allerdings fängt ab einem gewissen Punkt der Bassbereich an, zu pressen, was aber auch kein Lautsprecher in diesem Preismetier besser schafft. Die Gehäuseresonanzen in den unteren Lagen fallen bei der großen Boxen dabei logischerweise auch etwas stärker auf, da die kleinere Ausgabe entsprechend gar nicht erst so tief und laut geht. Bei normalen, „mittellauten“ Pegeln lassen sich auf beiden Systemen  Impulse aber immer noch gut beurteilen. Allzu tiefes Material wird allerdings durch das eingebaute „Sub-Sonic“-Filter eliminiert, hier sollte man sich für das finale Master durchaus noch die Hilfe von Analyzern einholen.

Die Stereoauflösung ist ebenfalls gut, sogar in die Tiefe kann man etwas hineinhören. Man sollte allerdings nicht verschweigen, dass man für ein wenig mehr Leistung deutlich mehr Geld ausgegeben muss. Weiterhin war ein leichtes Grundrauschen von den Boxen aus wahrnehmbar, was sich allerdings in Grenzen hielt, und mir auch nur auffiel, weil ich gleich vier Stück Eris dastehen und angeschaltet hatte.

Die Schutzschaltungen konnte ich übrigens nicht zum direkten Gegenregeln überreden, vorher föhnte mir im wahrsten Sinne des Wortes der Bassport Wind ins Gesicht. Die Einschaltverzögerung, die die Audioleitungen erst kurz nach dem Einschalten auf die Box wirken lassen, fand ich hingegen lässig und sollte alle Studiobetreiber freuen, die ihr Studio mit nur einen „Hauptschalter“ einschalten. So etwas sollte eigentlich in jeder Box verbaut sein! Das es allerdings kein Auto-Standby gibt, ist etwas schade, gerade in Zeiten hitziger Energiewende-Diskussionen. Im Leerlauf nehmen beide Paare immerhin 20/25 Watt Leistung zu sich, unter „abhörbarer“ Volllast sind es dann ungefähr 40/50Watt.

Pro & Contra

  • Transparenter, neutraler Klang
  • umfangreiche Ausstattung
  • Funktionales, schlichtes Design
  • Praxistaugliche Ortsanpassungs-Filter

  • kein Auto-Standby
  • Gehäuseresonanzen im oberen Leistungsbereich

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