Test
8
13.02.2020

Praxis

Der SW8-USB kommt, wie bei Radial Engineering Equipment üblich, in einer Tight-Fit-Verpackung stoßsicher verpackt und keinen Millimeter Karton verschwendend. Dafür, dass ich hier einen Switch mit nur acht Ausgängen in den Händen halte, ist dieser enorm gewichtig. Das liegt an dem mehr als nur solidem Gehäuse und den acht Eclipse-ET-DB2-Ringkernen, die für die Trafosymmetrie in dem Gerät zuständig sind.

Die Verarbeitung ist auf Chefliga-Niveau und lässt kaum einen Wunsch offen. Die beiden Netzteile mit den massiven, knickgeschützten Zuleitungen und ihren Vierpol-XLR-Steckern rasten satt in das Gerät ein. Ein Novum gegenüber dem SW-8, der nur ein Netzteil mit der üblichen Steckverbindung aufwies. Stolpert hier ein Stagehand über das Kabel, riskiert dieser eher einen Arbeitsunfall, die Leitung aber bleibt sicher. Sinnvoll ist es, nach Möglichkeiten die Netzteile an zwei unabhängige Stromkreise anzuschließen. Die zwei Betriebs-LEDs geben Auskunft über die Aktivität beider Netzteile.

Einen Betriebsschalter suchen wir vergeblich. Da professionelles Equipment dieser Liga meist an externen Strommanagementsystemen hängen, erübrigt sich eine solche Schalter ohnehin.

Radial Engineering geht davon aus, dass die künftigen Nutzer ausschließlich mit Apple-Mac-Rechnern arbeiten. Das System ist exklusiv auf Apple ausgelegt. Auch in Sachen DAW steigt der Hersteller gleich in die Champions League ein und präsentiert in der Bedienungsanleitung, die es leider nur auf Englisch gibt, Bildschirmfotos an einem Pro-Tools-System.

Sound

Zunächst teste ich das Gerät im Sound und mit nur einem Computer über die USB-Buchse. Mein Rechner zeigt dank Class-Compliant-Modus sofort den SW8-USB in der Audioliste an. Zur Verfügung gestellt werden die acht Einzelausgänge und die zwei S/PDIF-Kanäle, zu denen ich später noch komme. Die Auflösung des Audiomaterials ist bis zu 24 Bit und 192 kHz einstellbar.

An dem Gerät kann ich die Ausgangsempfindlichkeit zwischen Mikrofon- und Line-Level schalten. Die acht Kanäle summiere ich mit einem neuen Mackie-ProFX16v3-Mischpult, das über die bewährten Onyx-Mikrofonvorstufen verfügt und auch Line-Signale sauberst verarbeitet.

Das folgende Playback speise ich also zuerst in die Mikrofoneingänge, dann in die Line-Eingänge und auch das Monitorsignal, welches auf der Rückseite des Gerätes abzugreifen ist, nehme ich per Line-In auf. Ich höre keinerlei Verlust, ihr?

Bis hierhin habe ich es mit einem sehr gut klingenden Interface zu tun, das allerdings nur Playbacks spielt. Jetzt geht es ans Eingemachte: die automatische Umschaltung.

Mein Studio verfügt neben dem Hauptrechner mit einer aktuellen Pro-Tools-Lizenz über einen in die Jahre gekommenen Backup-Rechner mit einer Pro-Tools-9-Lizenz unter Mac OS X 10.6.8. Leichte Zweifel wurden gleich am Anfang zerstreut, denn die Funktionalität ist selbst mit diesem alten Gerät absolut gegeben.

Wollte ich noch die exklusive Bindung an Apple-Mac-Rechner monieren, bin ich von der Downgrade-Variante begeistert. Sparfüchse und Leute, die sonst nur Windows-Rechner nutzen, können für kleines Geld alte, ausrangierte Macs in gutem Zustand erwerben, auch zwei davon. Was ihr noch braucht, sind zwei Lizenzen für eine ältere DAW, wie zum Beispiel Pro Tools 9 oder dergleichen und los geht’s!

Schaltung – MIDI-Timecode – S/PDIF

Die manuelle Schaltung ist der erste Test und den besteht der Radial Engineering SW8-USB knackfrei, ähnlich wie die Stummschaltung, die ohne weitere Schaltgeräusche relaisgestützt von der Hand geht.

Um meine Rechner zu synchronisieren, kann ich entweder die MIDI-Buchsen bemühen oder gleich den MIDI-Timecode über USB versenden. Letzte Variante verlangt, dass der Master-Rechner einen Timecode generiert, der über den SW8-USB an den Slave portiert wird, der auf den Timecode reagieren muss. Schwierig wird es, wenn wir die Switch-Automation ebenfalls vom MIDI Timecode abhängig machen, denn wenn der Master ausfällt, muss der Slave nicht nur weiterlaufen, sondern mit einem eigenen MIDI Timecode aufwarten, den die SW8-USB auslesen kann. Unter Pro Tools ist dies mit dem „Jam Sync“ unter SETUP bei SESSION möglich. Damit das System vor dem Einsatz rechtmäßig eingerichtet werden kann, hat Radial Engineering die STANDBY-Schaltung eingebaut. Solange wir die Rechner noch synchronisieren, kann der Switch warten. Ansonsten werden wir mit Fehlalarmen überzogen.

Im Betrieb mit MTC funktioniert das Umschalten bei einer simulierten Störung naht- wie stoßlos. Das einzige, was wir mitbekommen, ist das Aufleuchten der Alarmlampe und möglicherweise eine Rauchwolke über Rechner A. Das Publikum, Band oder Artist auf der Bühne merken dabei gar nichts. Worauf wir allerdings achten sollten, ist die absolute Uniformität der anliegenden Playbacks und der Lautstärke-Regler. Simuliert im Soundcheck den Worst Case! Es wäre ja doof, wenn der SW8-USB alles richtig macht und durch einen dusseligen Fehler die Level der Einzelspuren nicht stimmen.

Alternativ zum MIDI Timecode, kann der SW8-USB auch über S/PDIF scharfgeschaltet werden. Dazu benötigen wir nur einen 1000-Hz-Ton von beiden Rechnern über die besagten Kanäle – welcher über keinen der verwendeten physischen Ausgänge zu hören ist – und das Umschalten der Automation auf TONE auf der Rückseite des Gerätes. Bricht der Ton an einem der Rechner weg, wird Alarm ausgegeben und auf den alternativen Rechner geschaltet.

Da in den meisten DAWs ein Signalgenerator implementiert ist, der saubere 1000 Hz ausgeben kann, ist diese Variante zu bevorzugen und der MIDI Timecode ausschließlich zur Synchronisierung der Rechner zu nutzen. Zwar funktioniert MIDI über USB heutzutage hervorragend, doch das mittlerweile über 35 Jahre alte Protokoll kann ab und an recht merkwürdige Effekte produzieren, wenn wir es zu sehr strapazieren. Geht ihr also voll auf MIDI, dann lasst die Systeme erstmal eingrooven, scheinbar muss das alte Protokoll sich erstmal freihusten.

Nichts anderes von Nöten

Die Kombination von Interface und automatischem Switch in einem Gerät hilft, das Live-Equipment bei voller Redundanz klein und leicht zu halten, auch wenn der SW8-USB stattliche 4,2 kg wiegt. Außer dem Switch benötigen wir ja nur noch zwei Notebooks, denn Premiumwandler, hochwertige Ausgänge, Synchronisierung, Fernsteuerung und die nahtlose, automatische Umschaltung im Notfall befinden sich alle bereits an Bord.

Wenn wir das System auf die maximal 24 Spuren erweitern, benötigen wir nur drei dieser Switches und eben zwei Computer. Klassisch stünden dem zwei Rechner, sechs Achtspur-Interfaces, drei Achtspur-Switches und eventuelle MIDI-Peripherie zwecks Synchronisation entgegen. Dass dann der Betrieb reibungslos verläuft, hängt ganz vom Sync und von dem Verkabelungsgeschick des FOH ab.

Auch wenn die Anschaffung eines betriebssicheren Playbacksetups mit dem Radial Engineering SW8-USB im Herzen ein stattliches Budget aufruft, müssen wir bei einem klassisch verkabelten System bei Redundanz durchaus den doppelten Betrag in die Hand nehmen. Warum also mehr Mühe, Geld und Nerven investieren, wenn die Lösung einfach nur 19-Zoll breit und 1 HE hoch ist.

Pro & Contra

  • Sound.
  • absolute Redundanz.
  • Verarbeitung.
  • trafosymmetrische Mikrofonausgänge.
  • Groundlift pro Ausgang.
  • geräuschfreie, nahtlose Umschaltung
  • Funktionalität selbst unter Mac OSX 10.6.8
  • Ausbau bis zu 24 Spuren

  • keins

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