Hersteller_Roland
Test
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24.09.2010

Details

Also, klein finde ich den einfachen braunen Karton ja nicht gerade, der da in mein Auto gepackt werden soll. Zum Glück handelt es sich bei meinem fahrbaren Untersatz um einen Lieferwagen. Erfreulicherweise ist dafür das Gewicht des Kartons im Verhältnis zu seiner Größe angenehm gering. Nach dem Öffnen erlebe ich die zweite positive Überraschung: Eine zweite Schachtel kommt schön bunt und mit Bildern verziert zum Vorschein. Bei Roland legt man also Wert auf doppelte Transportsicherheit. Sehr schön, so soll das sein. 

Nachdem ich mich durch die Verpackungen zum Testobjekt durchgewühlt habe, kommt ein schmucker, kleiner, mattschwarzer Verstärker zum Vorschein, dessen 13,8 kg ich ohne Mühe am oben montierten Tragegriff aus dem Karton heben kann. Sicheren Halt findet das Kunststoffgehäuse auf vier rutschfesten Gummifüßen und zwei große aufgesetzte Kunststoff-Stoßkanten, die relativ weit überstehen, schützen auf der Rückseite das Bedien- und Anschlussfeld vor Beschädigungen bei Transport oder Umkippen. Die darin eingearbeiteten, rutschfesten Gummiflächen sorgen auch ohne Karton für eine hohe Transportsicherheit. Ein nützliches Gimmick ist das kleine Ablagefach für iPods & Co., das sich mittig in der oberen Schutzleiste befindet. Nahezu die gesamte Rückseite wird von einem vierkanaligen Mixer, diversen Anschlussmöglichkeiten sowie dem Batteriefach ausgefüllt. Später mehr dazu.

Schaut man unter den Verstärker, findet man neben dem Hochständerflansch einen ausklappbaren Bügel, der eine Schrägstellung der Box – etwa als Monitor - ermöglicht. Die vier 6,5“-Speaker und zwei Hochtöner werden auf der Vorderseite von einem mattschwarzen Metallgitter geschützt. Insgesamt macht der kleine Verstärker durch die gute Verarbeitung trotz seines geringen Gewichts einen sehr robusten und roadtauglichen Eindruck.

Anschlüsse

Die Mini-Kompaktanlage bietet sechs Eingänge für verschiedene Audioquellen. Zwei davon sind als Mono-Kanäle ausgelegt und verfügen über eine Klinke und eine XLR-Buchse zum Anschluss von Instrumenten und Mikrofonen. Auf Phantomspeisung muss man allerdings verzichten. Die vier übrigen Eingänge sind als Stereo-Inputs konzipiert, an die man über Klinkenkabel Stereoquellen wie Keyboards, Drum-Machines usw. anschließen kann. Ein weiteres Stereosignal, etwa von einem MP3-Player oder einem Laptop, findet via Cinch- bzw. Stereo-Miniklinken-Buchse des Aux-In den Weg in den Verstärker und lässt sich dabei per Mini-Poti in seiner Stärke justieren.

Über den Line-Out kann das Summensignal abgegriffen und für Monitoring oder Recordingzwecke genutzt werden. Ebenso ist es umgekehrt möglich, den BA-330 als Submixer und Bühnenmonitor zu verwenden und das Signal über den Line-Out an das FOH-Pult zu schicken. Feine Sache!Ein über die entsprechende 6,3mm Klinkenbuchse angeschlossener Doppelfußschalter schaltet den internen Effekt auf Bypass (z.B. für Ansagen) und mutet die Anlage (z.B. in Pausen).Stereo LinkBesondere Aufmerksamkeit verdient die Stereo-Link-Funktion. Über einen Ein- und zwei Ausgänge (R/L) können zwei BA-330 auf verschiedene Art und Weise miteinander verbunden werden. Läuft die Verbindung in eine Richtung, so nutzt man nur die Eingänge eines Amps. Der zweite dient dann lediglich dazu, die Leistung zu verdoppeln. Verbindet man die Anlagen in beide Richtungen, dann summiert sich nicht nur die Leistung, sondern es steht auch die zweifache Anzahl an Kanälen zur Verfügung. Über Link Out R oder L bestimmt man, welcher Verstärker die linke oder rechte Seite im Stereobild übernimmt. Einfacher geht es kaum, will man das System mal eben an größere Veranstaltungen oder Besetzungen anpassen.MixerDie verschiedenen Eingangssignale lassen sich mit dem einfachen eingebauten 4-Kanal-Mixer (je zwei für die Mono- und Stereo-Inputs) mischen. Die Impedanz der beiden Mono-Kanäle lässt sich mit einem Schalter an Mikros oder Instrumente anpassen. Alle vier Kanäle bieten zur Signalbearbeitung einen Tonregler, einen Effekt On/Off-Schalter und ein Lautstärkepoti.Der Tonregler beeinflusst lediglich das Verhältnis zwischen Bässen und Höhen, wobei die mittleren Frequenzen leider außen vor bleiben. Der Effektschalter fügt dem Signal den internen Effekt hinzu. Auch hier gibt es keine Möglichkeit, den Anteil für jeden Kanal separat zu bestimmen. An oder aus. Mehr is nich!

Master
In der Master-Sektion findet sich ein einfacher Zweiband-Equalizer, der die Bässe und Höhen anhebt oder absenkt. Leider konnte ich nirgendwo die Einsatzfrequenzen und den maximalen Wirkungsgrad recherchieren. Über das Volume-Poti wird die Gesamtlautstärke der Kompaktanlage geregelt.

Effekte
Roland hat dem BA-330 mit Reverb, Delay und Wide drei Onboard-Effekte spendiert, die über ein Poti ausgewählt werden und von denen jeweils nur eines gleichzeitig nutzbar ist.
Los geht’s mit dem Hall, der durch seine mittlere Nachhallzeit für die meisten Anwendungen geeignet ist. Der Klang ist angenehm dicht. Die leichte Mittenbetonung verleiht dem Signal genug Wärme, ohne dass es matschig klingt. Dreht man am Effektregler, erhöht sich der Effektanteil.
Überschreitet das Poti die 12-Uhr-Stellung, wird ein einfaches Delay aktiviert, das sehr sauber und unaufdringlich klingt. Hier beeinflusst der Regler eine Kombination aus Delay-Zeit und Wiederholungsanzahl. Der Effektanteil lässt sich nicht verändern, ist aber so gewählt, dass er nicht zu vordergründig klingt.
Zum Schluss noch der Wide-Effekt, der das Stereobild verbreitert.

Ich finde die Effektabteilung des BA-330 trotz (oder gerade wegen) ihrer Einfachheit sehr gelungen. Die Qualität der einzelnen Effekte stimmt und die Abstimmung der veränderbaren Parameter ist sehr praxisnah. Auch unerfahrene Anwender werden wenige Probleme haben, durch Trial & Error eine gute Effekteinstellung für ihre Mischung zu finden.

Anti-Feedback
Ebenso werden unerfahrene Anwender von der Anti-Feedback-Funktion profitieren. Der BA-330 durchsucht die Signale der Kanäle 1 und 2 nach Rückkopplungsfrequenzen und schwächt diese automatisch ab. Die Anti-Feedback-Schaltung lässt sich global über einen Schalter aktivieren und wird bei jedem Einschalten neu optimiert. In der Praxis funktioniert es nicht ganz so reibungslos, wie in der Theorie glaubhaft gemacht wird. Die Feedback-Frequenzen werden zwar reduziert, jedoch bleibt der Rückkoppelungsansatz weiterhin hörbar. Ich könnte mir vorstellen, dass man sich als Sänger oder Sprecher trotz aktiviertem Anti-Feedback nicht hundertprozentig wohl und sicher fühlt.

Batteriebetrieb und ECO-Mode
Das „BA“ in der Modellbezeichnung BA-330 steht für „Battery Amplifier“. Laut Roland handelt es sich hierbei um eine neue technische Sensation: Acht handelsübliche Mignon-Batterien (oder AA-Batterien) versorgen die Anlage mit Strom, sodass man nicht an das Vorhandensein einer Steckdose gebunden ist. Die Laufzeit des BA-330 ist dabei von den verwendeten Batterien abhängig und soll mit Alkali Batterien etwa acht, mit wiederaufladbaren Nickel-Metallhybridakkus (NiMH) sogar zehn Stunden betragen. Das Batteriefach befindet sich auf der Rückseite und kann komplett herausgenommen werden. Je zwei fest arretierte Schrauben halten sowohl den Deckel als auch das Fach an seinem Platz und schützen die Batterien vor versehentlichem Herausfallen. Die Schrauben lassen sich einfach mit den Fingern auf- und zudrehen. Kleine, aber in der Praxis sehr hilfreiche Feinheiten. Hier wurde mitgedacht.

Zusätzlich verfügt die Kompaktanlage über einen ECO-Mode, bei dem die Verstärkerleistung von 30W auf 15W reduziert wird. Der Grund ist ganz einfach: Dadurch soll sich die Laufzeit auf satte 12 Stunden mit Alkalibatterien und sogar 15 Stunden bei NiMH-Akkus verlängern. Das sollte wohl für eine Nacht Durchfeiern reichen und dank der reduzierten Lautstärke sollte auch der Nachbar nicht allzu sauer sein. Im Test lief der BA-330 mit Billigbatterien ohne Probleme länger als fünf Stunden und die Batterieanzeige auf der Rückseite (sehr clever!) zeigte immer noch maximalen Energielevel an. Gefällt mir!

Pro & Contra

  • Vollständige Kompaktanlage in einer Box
  • Kleine Abmessungen
  • Geringes Gewicht
  • Üppige Anschlussmöglichkeiten
  • 2 Mic/2-Stereo-Inputs
  • Interne Effekte
  • Integrierte Mixeinheit
  • Sehr einfache Bedienung und unkompliziertes Handling
  • breites Abstrahlverhalten und Stereobild
  • klarer, druckvoller Sound bei leiser bis mittlerer Lautstärke
  • Stereo-Link Funktion
  • Batteriebetrieb mit langer Laufzeit
  • vielseitige Einsatzmöglichkeiten
  • nützliche kleine Features

  • Schwer zugängiges Bedienfeld auf der Rückseite
  • Überbetonung der oberen Mitten
  • Fehlendes Mittenband in der Klangregelung
  • hohe Rückkopplungsanfälligkeit
  • zu geringe Leistung (max. 30W)
  • aggressiver Sound und Verzerrungen bei hoher Lautstärke

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