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Test
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30.08.2012

Roland BK-5 Test

Backing Keyboard

Meister im Fliegengewicht

Nach dem „Backing Modul“ Roland BK-7m hat der japanische Hersteller nun auch ein „Backing Keyboard“ im Fuhrpark. Das kompakte Arranger-Keyboard BK-5 bietet viele aus dem Modul bekannte Funktionen und bringt dazu seine eigene Tastatur und eingebaute Lautsprecher mit. Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von knapp 1.000 Euro tritt der Neuling in der Mittelklasse an, wo er gegen Konkurrenten wie die Yamaha PSR-S-Serie und das Korg Pa500 bestehen muss.

Wie das Modul BK-7m wurde auch das BK-5 für Entertainer und Cover-Musiker geschaffen, die sich beim Spiel und/oder Gesang selbst begleiten wollen. Während das BK-7m ein kompaktes Gerät ohne Tastatur ist, das über MIDI angesteuert werden muss (beispielsweise von einem Digitalpiano oder einem MIDI-Akkordeon), erübrigt sich das MIDI-Setup bei der Keyboardversion BK-5. Auch die Verstärkeranlage kann, dank der eingebauten Lautsprecher, beim Üben oder bei kleinen Beschallungsaufgaben entfallen.

Aber bekanntlich kommt es ja vor allem auf die inneren Werte an. Probieren wir also einmal aus, was der neue Roland-Spross so drauf hat.

DETAILS

Aufbau
Beim Auspacken des Keyboards war ich wirklich überrascht: Für ein vollständiges Arranger-Keyboard mit eingebautem Verstärkersystem ist das BK-5 erstaunlich leicht und kompakt. Gerade einmal 7,5kg bringt das in seinem schwarzen Kunststoffgehäuse elegant und wertig anmutende Gerät auf die Waage.

Das BK-5 ist mit einer 61-Tasten-Klaviatur ausgestattet, die leicht von der Norm abweicht: Die einzelnen Tasten sind etwa 1 cm kürzer als üblich (nicht schmaler!), sodass das BK-5 kompakter ausfallen kann, ohne dabei gleich ganz auf Minitasten zu setzen. Da der Hebel kürzer ist, wirkt sich das Ganze natürlich ein wenig auf das Spielen aus. Man merkt es vor allem daran, dass man nicht so tief in die schwarzen Tasten greifen kann. Wenn man sich aber erst einmal daran gewöhnt hat, ist die Tastatur gut spielbar.

Das aufgeräumte Bedienfeld ist übersichtlich strukturiert und die Regler und Taster sind gut bedienbar. Die optisch vom BK-7m bekannten Taster besitzen allesamt eigene LEDs (meistens rot), die ihre jeweilige Aktivität signalisieren. Statt mögliche Käufer mit vielen bunten blinkenden Lämpchen und Knöpfen zu locken, besinnt sich Roland beim BK-5 aber grundsätzlich auf das Wesentliche. Da nur die wichtigsten Bedienelemente vorhanden sind, macht das Keyboard einen überschaubaren, leichten und kompakten Eindruck. 

Auf der linken Seite des Bedienfeldes finden sich alle Funktionen, die sich mit dem Thema „Begleitung“ befassen: Die sechs verschiedenen Style-Kategorien (Rhythm Family) von Pop/Rock bis Tradit/World2 besitzen je einen eigenen Taster. Daneben und darunter liegen die Bedienelemente für die Steuerung der Begleitautomatik: Hier warten die üblichen Taster für Start/Stop, Tempo, Sync Start, Tap Tempo, Intro, Ending und die vier Variationen des Styles. Unterhalb des Volume-Drehreglers befinden sich auf der linken Seite zwei kleine Taster, mit denen sich die Balance zwischen Begleitspuren und Live-Sounds beeinflussen lässt.

In der Mitte der Bedienoberfläche parkt das schwarz-weiße, gut ablesbare LC-Display. Um die große Anzahl von Sounds und Styles zu durchstöbern, muss man allerdings viel scrollen, denn mehr als acht Einträge kann die 160x160 Pixel große Anzeige nicht gleichzeitig darstellen. Hier lässt das BK-5 ein paar Federn gegenüber der direkten Konkurrenz, die zum Teil auch in dieser Preisklasse mit größeren Displays aufwartet.

Mit dem großen Cursor/Value-Rad rechts vom Display, das von einem Enter-Taster begleitet wird, kann man durch die Menüs navigieren und Werte verändern. Cursor-Pfeiltaster sucht man hier allerdings vergebens. Mit der Menu-Taste gelangt man in verschiedene Untermenüs, die sich über die Exit-Taste wieder verlassen lassen. Rechts vom Display liegen die Taster zur Steuerung der Live-Sounds, also der Klänge, die direkt auf dem Keyboard gespielt werden. Hier wählt man zunächst den Part an, der verändert werden soll, also Lower, Upper1 oder Upper2. Danach selektiert man mithilfe der großen TONE-Taster eine der 10 verschiedenen Klang-Familien. Den endgültigen Sound kann man dann aus einer Liste im Display heraussuchen. Damit man sich bei über 1100 Sounds und 60 Drumsets nicht immer durch das lange Verzeichnis wühlen muss, gibt es aber auch die Möglichkeit der numerischen Eingabe. In diesem Fall dienen die Tasten für die Klangkategorien als numerische Tastatur.

Auf dieser Seite des Bedienfeldes finden wir auch noch Taster für die Anwahl und das Speichern einer Performance, für die Transpose-Funktion, für den USB-Stick und für Spielhilfen wie „ONE TOUCH“ und „MELODY INTELL“. Ganz rechts liegt leicht im Gehäuse versenkt der gut erreichbare Slot zur Aufnahme eines USB-Sticks. Eingerahmt wird das Bedienfeld von den beiden 12-Watt-Lautsprechern. Links neben der Tastatur warten schließlich noch der obligatorische Roland-Joystick (Pitch Bend / Modulation) sowie zwei (!) Kopfhöreranschlüsse, was das Keyboard für Musikschulen zusätzlich interessant machen dürfte.

Alle weiteren Anschlüsse sind an der Rückseite untergebracht. Die Verbindung zu einem Computer erfolgt über einen USB-MIDI-Anschluss. Daneben liegt der Stereo-Miniklinken-Eingang für ein externes Audiogerät wie beispielsweise einen MP3-Player, über den Playbacks oder Songs direkt abgespielt werden können. Damit erübrigt sich ein Mischpult, um die beiden Klangquellen zusammenzuführen. Neben dem Stereo-Ausgang (L/R) existiert auch ein Video-Output, über den sich z.B. Lyrics an einen Monitor oder Fernseher ausgeben lassen. Zwei Buchsen dienen dem Anschluss von Pedalen: Während der HOLD-Anschluss für ein Sustain-Pedal reserviert ist, kann der andere Pedalanschluss wahlweise für ein Expression-Pedal oder einen weiteren Fußtaster (zuweisbar) verwendet werden. Das obligatorische MIDI In/Out-Paar, die robuste Anschlussbuchse für das externe Netzteil und der Ein/Aus-Schalter machen das rückseitige Angebot komplett.

Parts und Tones
Die 128-stimmige Klangerzeugung im BK-5 liefert die Qualität des Roland Sonic Cell Soundmoduls. Die Soundengine ist kompatibel zu einer Vielzahl von Musikdaten-Formaten inkl. GM2, GS und XG Lite. Das BK-5 bietet drei live spielbare Parts: Upper 1 und 2, sowie Lower. Es können also maximal drei Sounds übereinandergelegt werden. Ist die Splitfunktion aktiviert, erklingt der Lower-Part in der linken und Upper 1 und 2 in der rechten Hand. Der Splitpunkt ist einstellbar. Während Upper 1 nicht ausgeschaltet werden kann, lassen sich die beiden anderen Parts mit den entsprechenden Leuchttastern zu- oder abschalten. Drückt man diese Taster etwas länger, erscheint im Display die Auswahlliste für den entsprechenden Part. Mit den 10 TONE-Tastern wählt man eine Klangkategorie aus. Um die Übersicht zu verbessern, sind die Klänge in Unterkategorien sortiert. Mehrmaliges Drücken desselben Kategorie-Tasters lässt den Cursor in der Liste nach unten zur nächsten Untergruppe springen. So erreicht man z.B. mit dem Piano-Taster nacheinander die akustischen Pianos, E-Pianos, Clavinets, Harpsichords und Vibraphone/Glockenspiele. 

Styles und Songs
Als „Backing Keyboard“ bietet das BK-5 drei Möglichkeiten der Begleitung: Styles (Begleitautomatik), Songs (MIDI) und Audio-Files vom USB-Device im MP3- oder WAV/AIFF-Format.

Die 305 Styles des BK-5 sind in sechs Kategorien unterteilt. Jeder Style verfügt über vier Variationen, Intro und Ending mit unterschiedlicher Intensität. Die Sync Start- und Stop-Funktion ermöglicht das Starten bzw. Stoppen der Begleitautomatik synchron zum Akkordspiel der linken Hand. Ist die Funktion „Auto Fill In“ angewählt, wird beim Wechsel von Style-Variationen automatisch ein Fill eingefügt. Drückt man die Taste „Bass Inv“, so kann man mit der linken Hand den Basston steuern: ein E-G-C gespielter C-Dur Akkord erklingt dann mit E im Bass. Über die One-Touch-Funktion ist es möglich, den Live-Part-Sound automatisch passend zum Style wählen zu lassen. Dabei kann man aus vier verschiedenen passenden Registrierungen auswählen. Optional ist die Music Style Bibliothek BK-LB01 erhältlich. Dahinter verbirgt sich ein USB-Stick mit 581 „alten“ Styles der Roland G-, E-, VA- und RA-Serien, die direkt vom Stick abgespielt werden können.

Songs lassen sich ebenfalls direkt vom USB-Stick wiedergeben. Es können Files vom Typ „mid“ (Midifile), „mp3“ und „wav“ (Audio) verarbeitet werden. Das Abspieltempo aller Typen kann in Echtzeit beeinflusst werden – entweder durch die Tempo-Pfeil-Tasten oder die Taste „Tap Tempo“. Mittels der Loop-Funktion hat man die Möglichkeit, einen Abschnitt eines Songs (Audio oder SMF) wiederholen zu lassen. Das ist z.B. zum Üben eines bestimmten Abschnitts praktisch – oder wenn das Publikum nicht genug vom Refrain bekommen kann! Es ist auch möglich, die Tonart zu ändern: mit der Taste „Key“ kann der Song transponiert werden, egal ob Midifile, Audio oder sogar ein am Audio-Input anliegendes Signal einer externen Klangquelle. Beim Audiomaterial geht das natürlich nur in gewissen Grenzen; bei extremen Einstellungen machen sich störende Artefakte bemerkbar.

Die Taste „Track Mute“ dient je nach Begleit-Modus unterschiedlichen Funktionen. Im Style-Modus wird der Arranger bis auf Bass und Drums stummgeschaltet. Manchmal, vor allem bei überladenen Begleitpatterns, ist das eine willkommene Ausdünnung. Im Song-Modus wird bei einem Midifile die Melodiestimme stummgeschaltet. Bei einem Audiofile unterdrückt „Track Mute“ die Melodiestimme durch näherungsweise Auslöschung des Gesangsparts, was nur dann gut funktioniert, wenn der Gesang in der Mitte des Stereobildes angeordnet ist, ohne Hallfahnen, die das Signal verbreitern.

Mit der Funktion „Makeup Tools“ hat man die Möglichkeit tiefer in die Style- bzw. Midifile-Materie einzudringen. Wer gern bastelt, kann hier individuelle Änderungen am Sound vornehmen, also zum Beispiel Klänge und Effekte ändern. Das Ergebnis lässt sich dann auf dem USB-Stick speichern.

Effekte
Für die Klangkosmetik verfügt das BK-5 über drei Multieffekt-Prozessoren. Zwei davon sind für die über Styles und Midifiles abgespielten Begleitsounds reserviert und lassen sich über die Makeup-Funktion editieren. Der dritte Effektprozessor ist für alle drei Echtzeit-Parts gemeinsam zuständig und im Performance-Menü editierbar. An dieser Aufteilung erkennt man, dass Roland bei diesem „Backing Keyboard“ großen Wert auf die Klangqualität des Arrangers gelegt hat. Vergleicht man das BK-5 mit dem Prelude, einem preislich ähnlich positionierten Konkurrenzprodukt aus gleichem Hause, wird der unterschiedliche Ansatz deutlich. Beim Prelude können z.B. im Dual-Modus zwei Sounds gelayert werden, die jeweils einen eigenen hochwertigen Stereo-MFX besitzen, sodass noch lebendigere, komplexere Klanggebilde entstehen. 

Performances
In einer Performance wird die komplette Registrierung abgelegt. Das beinhaltet die Parameter für die Live-Parts genauso wie die Art der Begleitung, also welcher Style bzw. welcher Song mitlaufen soll. Auch viele Parameter, die die Effekte der Live-Parts oder auch die Lautstärke der einzelnen Backing-Parts des Arrangers betreffen, werden in einer Performance gespeichert. So lassen sich maßgeschneiderte Setups für bestimmte Songs anlegen, speichern und schnell wieder aufrufen. Um für einen Gig Sets vorzubereiten, kann man auch Performance-Listen erstellen. Performances und Listen werden auf dem USB-Stick gespeichert, wodurch es im Prinzip keine Beschränkung hinsichtlich ihrer Anzahl gibt. Das ist für ein Gerät dieser Preisklasse außergewöhnlich.
Mit dem „Music Assistant“ besitzt das BK-5 eine Sammlung von 565 Registrierungen für bekannte Coversongs, bei denen die Live-Parts und Styles so voreingestellt sind, dass sie dem Vorbild sehr nahe kommen. 

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • guter Gesamtsound
  • große Anzahl an Sounds und Styles
  • übersichtliche Bedienung
  • Performances bieten umfangreiche Speichermöglichkeiten
  • druckvolle eingebaute Lautsprecher
  • leicht und kompakt
  • Preis/Leistungsverhältnis

  • verkürzte Klaviatur
  • Arranger-On/Off-Taste fehlt
  • externes Netzteil

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