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Test
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04.02.2020

Roland Jupiter-Xm Test

Kompakter digitaler Synthesizer

Per ZEN-Core Engine in die Zukunft?

Mit dem 1978 erschienen Jupiter-4 startet Roland eine Synthesizer-Serie mit wertigen Instrumenten, die musikalisch flexibel einsetzbare Analog-Sounds liefern. Der Jupiter-8 avanciert zur Traummaschine für die Popmusik der goldenen 1980er Jahre. Als Mitte der 1990er die ersten virtuell-analogen Synthesizer aufkommen, sorgte der JP-8000 als ein möglicher Nachfolger des Jupiter-8 für Aufsehen. Sein Super-Saw“-Oszillator wird von der Trance-Generation verehrt. Der Jupiter-80 aus dem letzten Jahrzehnt zeigt sich klanglich offener und beherrscht auch Naturklänge. In 2020 erscheint nun ein vielseitiges Kraftpaket auf dem Plan: Der Jupiter-Xm. Dieser unterscheidet sich vom großen Jupiter-X einzig in der Bauart der verwendeten Tastatur und der weiteren Hardware. Wir haben uns den kompakten ‚Xm‘ einmal genau angeschaut.

Eines vorweg: Mit den klassischen Retro-Instrumenten haben die neuen Jupiter-X-Modelle funktionell kaum Gemeinsamkeiten. Es handelt sich nicht um Nachbauten, sondern um zeitgemäße digitale Produktionsstätten. So verzichten wir auf direkte Vergleiche mit namhaften Vorgängern. Konzeptionell und in punkto „Sound“ reiht sich der Jupiter-Xm irgendwo zwischen dem Plug-out-Synthesizer Roland System-8 und der Workstation Roland Fantom ein.

Details

Äußere Erscheinung

Schon beim Anblick der Verpackung ist man überrascht, wie klein der Roland Jupiter-Xm tatsächlich ist. Ein echtes Leichtgewicht mit einer Breite von weniger als 60 cm bringt lediglich 4,4 kg auf die Waage. Somit entpuppt sich der kleine Jupiter zu einem idealen Reisepartner und benötigt kaum Platz im Studio. Die mechanische Verarbeitung ist robust, die gesamte Hardware fühlt sich gut an. Drehregler und Taster für die Echtzeitbedienung sind reichlich vorhanden.

Kommen wir schon direkt zur kritischsten Stelle, die man an der Hardware findet: Die Klaviatur mit 37 anschlagdynamischen Tasten ohne Aftertouch. Zugegeben, man kann mit Mini-Tasten gut zurechtkommen und muss kein Verfechter des 'Fünf-Oktaven-Minimum' Standards in Normalgröße sein, aber beim Jupiter-Xm wünscht man sich einfach mindestens 61 Tasten mit Aftertouch. Erst so kann der spielfreudige Live-Performer die klanglichen Möglichkeiten richtig ausschöpfen, oder man schließt -  wenn vorhanden - eine umfangreichere Tastatur über MIDI an.  Ansonsten ist die Tastatur des Jupiter-Xm gut bespielbar. Als Spielhilfen dienen ein klassisches Räder-Paar (Pitch und Mod) sowie zwei frei zuweisbare Slider. 

Anschlüsse

Auf der Gehäuserückseite befinden sich zwei Eingänge für Sustain- und Expression-Pedale, gefolgt von einem symmetrischen Stereo-Ausgang im Klinken- und XLR-Format. Leider bietet der ‚Xm‘ keine Einzelausgänge. So lassen sich etwa Bass oder Drums nicht separat zum externen Mischer führen. Externe Klangquellen wie MP3-Player, iPad, oder ein weiterer Synth können über den Stereo-Aux-in (Miniklinke) angeschlossen werden. Zur Speisung des Vocoder-Effekts dient der Mikrofon-Eingang (XLR/TRS-Combo-Buchse) mit Gain-Regelung. Weiterhin gibt es ein 5-Pol DIN MIDI-Duo (IN/OUT), die Anschlussbuchse für das externe Netzteil sowie zwei USB-Ports, wobei sich hinter einem ein USB-Audio/MIDI-Interface verbirgt, der andere zum Anschließen von Speichermedien verwendet wird.

Interne Lautsprecher

Die integrierten Lautsprecher mit 2 x 4 Watt sind zwar in der einen oder anderen Situation recht praktisch, transportieren aber das Klangbild qualitativ kaum angemessen. Halb so tragisch, sie lassen sich schnell über das System-Menü deaktivieren. Die Stromversorgung erfolgt über ein mitgeliefertes Netzteil, Batteriebetrieb ist aber auch möglich, wozu acht AA-Batterien oder Akkus in ein Fach auf der Gehäuseseite eingelegt werden müssen. Übrigens: Über Bluetooth kommt der Jupiter-Xm in Kontakt mit anderen Geräten. So dient er beispielsweise als Eingabe-Tastatur für Musik-Apps eines iPhones oder als Lautsprecher für externe Soundquellen. Für die stromfreie Outdoor-Session mit anderen Musikern ist dies ein sehr praktisches Detail! Das Konzept der Mobilität hat Roland hier souverän umgesetzt.

Klangerzeugung

Im Bereich der Tonerzeugung zeigt sich der Jupiter-Xm mit der verwendeten ZEN-Core Engine recht vielschichtig, denn sie bietet unterschiedliche Synthese-Modelle („Model“), die jeweils ein Vintage-Instrument nachbilden. Verfügbar sind insgesamt sechs Modelle: Jupiter (Jupiter-8), Juno (Juno-106), JX (JX-8P), SH (SH-101), XV (XV-5080), RD (RD-Pianos). Im Spielbetrieb kommt der 'Xm' mit fünf Parts, die sich aus Sounds (Tones) und Drum rekrutieren, die in sogenannten 'Scenes' abrufbar gespeichert werden. Eine Scene beinhaltet also sämtliche Einstellungen der fünf Parts samt i-Arpeggio und Effekten. Insgesamt stehen 256 Scenes zur Verfügung, die in der Aufteilung 16 Scenes x 16 Bänke zum Spielen bereitstehen.

Hier ein paar Audiobeispiele zu einzelnen Models: 

Je nach Synthese-Model findet sich im Oszillator-Bereich die Möglichkeit zur Synchronsiation (Sync), Crossmodulation (Xmod), oder Ringmodulation (Ring). Drei verschiedene Filtertypen stehen bereit: Ein Roland SH101-Filter (R), eine Moog-Kaskade (M) sowie wie SCI-Curtis-Filter (S). Ebenso klassisch fällt die ADSR-Hüllkurve des Jupiter-Xm aus, die Amp, Filter und Pitch zuweisbar ist.

Effekte  

Im Bereich der Effekte bietet der ‚Xm‘ herkömmliche Kost: Reverb (7 Typen), Delay (5 Typen), Chorus (4 Typen), Multieffekt (90 Typen) und ein Drive sind als separater Block und auf dem Panel als Regler verfügbar. Zudem ist die Delay-Zeit per Regler einstellbar. Ansonsten darf man sich in direkt ins Edit-Menü stürzen, um sich die Effektparameter vorzunehmen. Alle Effekte klingen solide und geben zumindest keinen Anlass zur Kritik. Für die Summe hat es noch einen Master-EQ und einen Kompressor. Der Drive klingt erstaunlich analog und bereichert den tollen Grundsound des Jupiter-Xm. Hier eine Kostprobe. Wir drehen am Drive-Regler und beobachten die klanglichen Veränderungen:

Der Vocoder liegt ein wenig versteckt und muss einem Modell zugewiesen werden. Glücklicherweise finden sich mit „Vocoder Ceremony“ und „Vocoder Twilight“ wenigstens zwei Scenes, die zum sofortigen Genuss des Vocoder-Effekts führen. Mikrofon anschließen und sofort loslegen – klappt! Hier ein akustischer Eindruck vom Vocoder:

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Kultsounds in toller Qualität
  • Interessantes Arpeggio-System
  • Expansionsmöglichkeiten (ZEN-Core)
  • Bluetooth
  • Handhabung
  • Kompaktes Design

  • Mini-Tasten ohne Aftertouch

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