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Test
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17.02.2021

Roland Verselab MV-1 Test

Groovebox

Atlanta, here I come ?!

Die Roland Verselab MV-1 ist eine vollständige Hardware-Produktionsumgebung in Form einer schlanken Groovebox, die Fokus auf Gesangsaufnahmen legt. Irgendwo zwischen Loopstation, MPC und Maschine+ verortet und auch mit ein wenig MV-8000 und MV-8800 im Blut; Roland zeigt deren bisher frischsten Hipster-Ansatz für den Zen-Core-Kosmos – mit flinkem und durchdachten Workflow-Konzept speziell für „Trap House“ oder eben den simplen Hit „on the run“.

Verselab MV-1 richtet sich grundsätzlich zwar an alle Singer/Songwriter*Innen, aber insbesondere Rapper mit einer Vorliebe für transatlantischen Trap Sound dürften mit den Werkssounds vorlieb finden. Da beliebig Zen-Content dazu geschaufelt werden kann und der Workflow einzigartig ist, kann man Verselab dennoch grundsätzlich jedem empfehlen, der Bock auf Beats und Vocals hat. Jedenfalls ist es ein Leichtes, moderne Tracks zu skizzieren, ohne IT studiert zu haben.

Details

Groovebox Deluxe

Die Roland Verselab MV1 ist ein kompaktes Desktop-Studio in Form einer siebenspurigen Groovebox, die zusätzlich 16 einfache Audiospuren im Song-Mode (Vocal-Take) verwalten kann. 

Viele Gummipads, ein kleines Display, Drehregler und dazu Kopfhörer-Ausgang, Line-Out, Line-In sowie SD/USB für den Datenverkehr – der Rest der Hardware ist schnell umrissen. Das Herz der Klangerzeugung bildet die Roland ZEN-Core Engine, die sich mit bis zu 128 Stimmen aus ca. 3.000 Preset-Sounds und 80 Drum-Kits bedient.

In vielen Dingen ähnelt die Verselab damit der MC-707, ist aber dennoch als eigenständig zu betrachten und einsteigerfreundlich zu bezeichnen. An manchen Stellen empfinde ich sie - dem kleinen Display und den reduzierten Sampling-Möglichkeiten zum Trotz - und gerade wegen ihres „straighten“ Konzepts sogar innovativer. Einen integrierten Mic-Pre gibt es zwar auch beim 707, das eingebaute Mic und die Vocal-Takes sind allerdings Alleinstellungsmerkmale der MV-1. Batteriebetrieb oder Speaker sind indes nicht vorgesehen.

7-Track Zen-Core

Je eine dedizierte Spur für Kick, Snare und HiHat sowie die zusätzliche Kit-Spur bilden Grundlage für fette Drum-Fundaments, können aber auch andere Instrumente – also ohne Instrument/Spur-Zwang – beherbergen. Mit Hilfe weiterer drei Melodie-Spuren – Bass, Inst 1 und Inst 2 – kann noch mehr am Groove geschraubt werden. 

Somit bietet Verselab insgesamt sieben Spuren mit Wahl zwischen Tone-Track oder Drum-Kit-Track, die Instrumente 1 & 2 können sogar zusätzlich als Looper-Track verwendet werden, um Samples/Aufnahmen pitchen und stretchen zu können. Drums auf Tone Tracks lassen sich selbstverständlich tonal spielen und jede Menge Sub-Bass, 808-Bässe und verzerrte Basslines gibt es dazu – die Polow da Don“ Snare darf natürlich nicht fehlen!

Sequenzer-LEGO

Programmiert wird klassisch im TR-Style per Step-Sequenzer, individuell pro Spur und sogar mit bis zu 128 Steps; live eingespielt werden kann über die anschlagdynamische 4x4 Drumpad-Matrix. Umfangreich quantisieren gehört zum guten Ton, genau wie Swing sowie die unterschiedlichen Rasterungen für das Grid. Jede Sequenzer-Spur kann auch MIDI senden.

Hinzukommen Spielhilfen in Form von Skalen, Chords und Styles, sprich Phrasen mit Triolen, wiederholte Noten sowie Arpeggio-Muster. Der Sequenzer ist flüssig zu bedienen und über die Pattern hinausgehend mit der Unterstützung der Sections einfach und schnell zum simplen Song geformt. 

16 Takes Vocal-Track

Im Song-Mode steht noch der Vocal-Track zu Verfügung. Seine 16 Takes können beliebig gleichzeitig oder nacheinander genutzt werden, um Dopplungen, Adlips oder verschiede Verses aufzunehmen. Natürlich lassen sich auch interne Synths bouncen sowie Gitarren und Shaker aufnehmen. Und wenn einem gar nichts mehr einfällt, kann man aufs Gehäuse trommeln, denn ein simples Mic wurde eingebaut!

Motions, Effekte und noch viel mehr

Roland setzt auch hier auf die Zen-Core Engine, welche erstklassige Sounds mitbringt. Über ausgewählte Parameter und Makros kann man diese teils besser, teils schlechter anpassen. 

Die verfügbaren Parameter können außerdem den Ctrls 1-3 unter dem Display zugewiesen werden und via Motions automatisiert werden. Einzelne Sounds haben zudem je einen „Multi-FX“ an Bord, der vielfältigste Effekte in Form von Saturation, Amp Simulation, klassische Bodentreter, Filter, Compression, Limiter, Chorus und vieles mehr enthält. 

Alle Spuren laufen dann in den Mixer mit 3-Band-EQ, Compressor, Filter sowie umfangreichen Reverb und Delay-Sends. Hinzukommen die Mastering-Effekte mit fettem Multiband-Compressor, kräftigem Limiter und detailliertem 5-Band EQ. Stem-Export, fertig. Kurzum, das Ding ist mächtig!

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Tone Track, Drum Kit & Looper
  • 128-Steps Pattern / Sections
  • Umfangreiche Library, fetter Klang
  • 7-Spur Zen-Core Engine

  • Zen-Content nur bedingt anpassbar
  • "Klassische Brot&Butter" Sounds altmodisch

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