Hersteller_Rupert_Neve
Test
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11.12.2013

Rupert Neve Designs 5060 Centerpiece Test

Summierer/Mischpult

Neves kleinstes Pult

Das 5060 Centerpiece von Rupert Neve Designs bei bonedo im Test  – Summierverstärker gibt es mittlerweile für alle Geschmäcker, in sämtlichen Preis- und Gewichtsklassen. Mit dem 5060 hat Rupert Neve nun einen neuen Stern ans Summierer-Firmament geheftet. Mal sehen, wie hell er leuchtet...

Über mangelnde Aufmerksamkeit kann sich Rupert Neve Designs jedenfalls nicht beklagen. Das Centerpiece war eine der am meisten diskutierten Gear-Neuvorstellungen in 2013, was eine Reihe von Gründen hat. Zum einen ist da der in Jahrzehnten erarbeitete Nimbus der britischstämmigen Designer-Legende, zum anderen das Kompakte und doch irgendwie auf elegante Weise opulente Erscheinungsbild des Gerätes. Nicht zuletzt ist dort ein Kaufpreis, der nun wirklich nicht von schlechten Eltern ist.

Der Name Centerpiece erscheint dabei gut gewählt, bietet der 5060 doch all jene Funktionen, die man bei einer wirklichen Studiozentrale gerne sehen möchte. Seit jeher sind Mischpultkonsolen genau das: Centerpieces, bei denen all Fäden im Netz des Studiosetups zusammenlaufen. Dennoch erscheint eine weitere Kategorisierung schwierig: Das Gerät benimmt sich in Teilen wie ein ausgewachsenes Mischpult, aber trotzdem kommt es „nur“ als Desktop-Einheit von erstaunlich kleinen Ausmaßen daher, es arbeitet als Summierverstärker, bietet aber auch viele weitere Annehmlichkeiten von einer umfangreichen Monitorsektion bis hin zu einer DAW-Steuerung.

Geräte dieser Bauart werden bisweilen mit beinahe erbitterten Argumentationsführungen diskutiert, beim 5060 kommt noch der Preis hinzu, der das Gerät nicht für jeden grundsätzlichen Interessenten erschwinglich machen wird. Letztlich ist es wohl so: Hätte solch ein Teil all jene Funktionen, die man sich prinzipiell wünschen könnte, dann würde man bei einer großen Konsole landen – und solch eine kostet auf Basis der hier verwendeten Schaltungstopologien in etwa so viel wie ein Wagen an der Grenze zwischen Mittel- und Oberklasse, gleich, ob der Hersteller nun Rupert Neve Designs, AMS-Neve oder API heißt. Insofern ist das Feature-Set eines solchen „Sub-Mischpultes“ immer Geschmackssache: Entweder es passt, oder eben nicht. Aber schauen wir doch erst einmal, was hier alles geboten wird, bevor wir überlegen, was sonst noch so auf dem Wunschzettel stehen könnte.

Details

Edler Winzling

Mit nicht einmal einem halben Meter Breite ist der 5060 wirklich erstaunlich kompakt, zumal das Gehäuse mit einem ordentlichen Gewicht daherkommt. Schon auf den allerersten Blick versprüht das Teil Qualität: Die Materialien, die Oberflächen, die samtig geschliffenen Holzwangen an den Seiten, all das spricht eine sehr kompromisslose Sprache. Ganz klar, der 5060 gibt sich ausgesprochen seriös, die technische Umsetzung rangiert nicht auf dem Niveau üblicher Desktop-Einheiten, sondern das Gerät atmet den dezent-luxuriösen Charme der großen RND-Flaggschiff-Konsole.

Kein umfangreiches Routing

Im Prinzip können wir vier Baugruppen ausmachen: den eigentlichen Summierverstärker, die Monitorsektion, schließlich noch das Metering sowie eine DAW-Steuerung. Die Summier-Abteilung ist etwas ungewöhnlich konfiguriert. Insgesamt können 24 Eingangssignale zusammengemischt werden, welche sich in zwei Gruppen aufteilen. Vier Stereopaare verfügen über ihre eigenen, super-smoothen 100mm-Fader samt Mute- und Insert-Buttons, dazu kommen noch 16 weitere Inputs, die mit Potis lediglich paarweise zwischen -∞ und Unity Gain angepasst werden können. All diese Kanäle laufen auf den Stereo-Bus, der abermals über einen langen Fader und einen Insert-Schalter verfügt. Besonders wichtige Stems, etwa Vocals oder Drums, können also intuitiv mit dem Fader gepegelt und auch via Insert durch Outboard-Processing geschickt werden. Letztlich sind die Routing-Möglichkeiten des 5060 aber doch eher beschränkt, und auch mangels jeglicher Auxwege und Subgruppen nicht mit dem Funktionsumfang eines „echten“ Mischpultes zu vergleichen – damit ist das Centerpiece das Routing betreffend funktional näher an so manchem 19“-Summierer. Positiv fällt jedoch auf, dass bei den Bedienelementen diejenigen zum Einsatz kommen, die RND auch bei der großen 5088-Konsole verbaut. Insbesondere die beleuchteten Schalter machen hardwaremäßig einen tollen Eindruck, das ist spürbar Premium-Technologie.

Fetter Levelregler dominiert die Monitorsektion

Oberklasse-Technologie findet sich auch in der Monitorsektion, welche nun wirklich endgültig den Charme eines Centerpieces klassischer Bauart aufkommen lässt. Allem voran marschiert hier der große Monitorlevel-Knopf aus Aluminium mit einer Rasterung, die sich irgendwie aristokratisch anfühlt – nobler geht es wohl nicht. Das macht ganz einfach haptisch Spaß und es erweckt auch großes Vertrauen in die inneren Werte des 5060. Insgesamt drei unterschiedliche Monitor-Paare können angesteuert werden und auf Wunsch auch in mono abgehört werden. Als Abhöerquellen stehen der Mix sowie drei externe Zuspieler zur Auswahl, und außerdem lässt sich der Monitorsektion noch das im Pegel anpassbare interne Talkbackmikrofon zurechnen, welches wahlweise auf einen eigenen Ausgang und auf die Monitorausgänge 1/2 oder 3/4 geroutet werden kann. Anschlussmöglichkeiten für ein externes Mikro gibt es nicht, wohl aber die Möglichkeit, das interne Mikro über einen Fußschalter zu aktivieren.

Ebenfalls zur Monitorsektion zählen Talk- und Dim-Taster (letzterer mit per Poti einstellbarer Absenkung) sowie ein ebenfalls im Pegel einstellbarer Kopförerverstärker mit einer Buchse an der Vorderseite des Pultgehäuses.

RND ohne Silk – undenkbar!

Als einziges wirkliches Audio-Processing neben der Summierung bietet auch das Centerpiece Rupert Neves „Silk“-Schaltung, welche dem grundsätzlich auf Sauberkeit und smoothe Klarheit optimierten Klang die Sättigungsprodukte hinzufügen kann, die wie mit dem Namen Neve und dessen Vintage-Units assoziieren. Dazu wird die Gegenkopplung an den Ausgangsübertragern herabgesetzt, was deren nichtlineare, klangfärbende Eigenschaften stufenlos ins Geschehen bringt. Es stehen auch hier die beiden Modi „Red“ und „Blue“ zur Verfügung, die entweder die Höhen oder aber die Tiefmitten betonen und damit zwei unterschiedliche Klangcharaktere darstellen. Entweder, der Sound wird crisper, was an einen leichten Exciter-Effekt erinnert, oder es kommen dunkle Tiefmitten ins Spiel, die tatsächlich einen samtigen Wärme-Effekt zur Folge haben, welchen man von den legendären Neve-Designs um 1970 kennt.

Heutzutage geht es nicht ohne: DAW-Steuerung

Kann die Monitorsektion schon mit ihrem professionellen Funktionsumfang überzeugen, so zieht die DAW-Steuerung hier mit. Über MIDI oder USB und das immer noch weitverbreitete HUI-Protokoll kommuniziert das Centerpiece direkt mit der DAW – und zwar ganz schön ausgeklügelt. Es steht ein (leider ein klitzekleines Bisschen zu schwergängiges) Shuttle-Wheel zur Verfügung, und eben so  ein knappes Dutzend Taster. Im Wesentlichen ist dies eine Transportsektion mit Buttons etwa für Wiedergabestopp oder Aufnahme, man kann aber auch en Playback-Cycle an- und ausschalten und per Knopfdruck Marker in der DAW setzen.

Schließlich bietet der 5060 noch zwei VU-Meter im ausgewachsenen Großkonsolenformat für den Mixpegel, zur Ergänzung steht jeweils noch eine rote Peak-LED bereit, gerade im DAW-Verbund ein nützliches Detail.

Auf der Rückseite: DB25 und – leider – ein Lüfter

Ebenso dicht gepackt präsentiert sich die Rückseite des Pultes. Haupt-Ausgang und Monitor-Outputs liegen an XLRs an, die Inserts der Summe an symmetrischen Klinkenbuchsen. Alle weiteren Audio-Anschlüsse liegen an platzsparenden DB25-Konnektoren an, was auch aus klanglicher Sicht wegen der stabilen Kontakte eine gute Lösung ist.

Noch zwei weitere Punkte fallen an der Rückseite auf: das interne Netzteil samt seinem Kaltgeräteanschluss mit fehlbedienungssicher vertieft montiertem Netzschalter, sowie ein Lüfter. Die Kombination aus so viel Technik, der so kompakten Bauform, dem internen Netzteil und den Class-A-Schaltkreisen lässt wohl wie auch beim 5059 Satellite keine andere Lösung zu. Glücklicherweise ist der Lüfter des 5060 jedoch leiser als derjenige des 5059, den wir kürzlich getestet haben. Insofern können wir hier gerade noch ein Auge zudrücken, aber schöner wäre es schon, wenn man nicht eine aktive Kühlung auf dem Desktop vor der Nase hätte. Sollte der Lüfter jedenfalls einmal Geräusche entwickeln, dann kann man ihm kaum ausweichen…

RND-Qualität auf den Platinen

Die erstklassige Fertigung des 5060 wurde bereits eingangs erwähnt, dieser Eindruck setzt sich auch im Gehäuseinneren fort. Das Centerpiece arbeitet durchgehend mit Class-A-Audioschaltungen, die relativ direkt der technischen Konzeptionierung der 5088-Konsole entlehnt wurden. Dabei kommen sowohl konventionelle als auch SMD-Bauteile zum Einsatz. Und wo Rupert Neve waltet, dort sind auch Übertrager nicht weit. Insgesamt sechs Stück der fetten Wicklungsmonster verrichten im 5060 ihren Dienst: jeweils ein Pärchen am Main Out, am Ausgang der Monitorsektion (bevor diese auf die drei Outputs verteilt wird) und am Ausgang des Mix-Inserts.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Klangeigenschaften
  • „Silk“-Funktion
  • haptische Qualitäten
  • umfangreiche Monitorsektion

  • aktive Kühlung des Pultgehäuses

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