Feature
3
22.02.2020

Schallwandler Podcast: Erobique

Gespräche mit Klangforschern und Soundtüftlern

Erobique spricht über Ohrwürmer, seine Lieblingssynthesizer, Soul, Punk, Truck Stop und seine Zeit als Mod in Münster

Carsten Meyer wurde 1972 im Münsterland geboren und überredete im Alter von acht Jahren seine Eltern dazu, ihm Klavierunterricht zu spendieren. Nach dem Abitur zog er nach Münster, um dort in verschiedenen Bands zu spielen. Seit 1997 tritt er unter dem Namen EROBIQUE alleine auf Partys und in Clubs auf, um junge tanzwütige Menschen mit seiner improvisierten und unkonventionellen Discomusik zu ausufernden Tanzfeten animieren. Nach gefeierten Auftritten im gesamten deutschsprachigen Raum wurden die norddeutschen Freistil-Rapper Fischmob auf ihn aufmerksam und luden ihn ein, das Vorprogramm zu ihrer mehrwöchigen „Power“-Tour 1998 zu bestreiten.

Im Jahr 2000 zog Meyer nach Hamburg zu DJ Koze, um mit ihm und seinem Kollegen Cosmic DJ das elektronische Trio „International Pony“ zu gründen. Die Band veröffentlichte drei umwerfende Alben bei Columbia und führte Meyer und seine beiden Mitstreiter zu furiosen Auftritten und Erfolgen in ganz Europa.

Parallel dazu arbeitete Carsten Meyer seit einer Zusammenarbeit mit Schorsch Kamerun am Schauspielhaus Zürich 2001 (Der digitale Wikinger) an vielen deutschen Bühnen als Theaterkomponist und -musiker, unter anderem für Studio Braun, Stefan Pucher oder Herbert Fritsch. Im Jahr 2005 erstellte Meyer für das Münchner „Haus der Kunst“ unter Chris Dercon die „Suite for Gilbert & George“, die die große Retrospektive des britischen Künstlerpaares musikalisch begleitete.

Es folgten viele musikalische Kollaborationen u. a. mit dem musikalischen Projekt „Songs for Joy“ mit Jacques Palminger am Maxim Gorki Theater Berlin, Hörspiel-Arbeiten für WDR und SWR und Einladungen zu musikalischem Austausch nach Israel, Brasilien und die Elfenbeinküste. „Songs for Joy“ erschien auch als Album bei Staatsakt und hat uns den schönen Hit „Wann strahlst du?“ beschert.

Neben zahlreichen Remixen z. B. für Tocotronic und Hans Nieswandt veröffentlichte Erobique auch jede Menge Soloplatten, darunter u. a. 1999 die famose 10-Inch „Jimmy der kleine Skater / Sweet Scientological Girl“ auf Deck8, 2000 die 12-Inch „Erobique Invades Space“ auf Blaou Sounds, 2008 „Endorphinmachine“ und jede Menge Killertracks wie z. B. „Urlaub in Italien“ oder „Sexy Maserati“, der 2015  unter dem Pseudonym „Babyman“ rauskam und zunächst Filmmusik für die TV-Kultserie „Der Tatortreiniger“ war.

Regisseurs Stefan Krohmer. Im Jahr 2009 wurde er von dem Anarcho-Witz-Kollektiv Studio Braun beauftragt, die Musik für die mittlerweile legendäre Mockumentary „Fraktus“ zu komponieren und produzieren.

Im selben Jahr begann die Zusammenarbeit mit Regisseur Arne Feldhusen für dessen preisgekrönte TV-Serie „Der Tatortreiniger“ zu der er nicht nur die Titelmusik schrieb, sondern jeder Folge seinen eigenen musikalischen Stempel aufdrückte. Durch diese Zusammenarbeit kam es auch zu seiner ersten Filmrolle als abgehalfterter Alleinunterhalter Günni im Kinofilm Stromberg.

Legendär und fast immer ausverkauft sind inzwischen seine Solo-Liveautritte, wie zum Beispiel die Neujahrskonzerte am 1. Januar im Festsaal Kreuzberg Berlin. Hier haut Carsten Meyer in die Tasten, singt, animiert zum Mitsingen und bringt die Meute zum Kochen.

Für sein aktuelles Chanson-Pop-Projekt „Yvon“ hat sich Erobique erneut mit Jacques Palminger als Wortschmied und der Hamburger Schauspielerin Yvon Jansen  zusammengetan. Das Album „Im Kreis der Liebe“ enthält jede Menge Hits und erschien im Oktober 2019 auf Asexy.

Schallwandler

Ich bin ein großer Fan der Musik von Erobique. Ich spiele seine Hits häufig im Radio und wollte ihn schon länger mal persönlich treffen. Beim letzten Versuch hatte Carsten leider ganz unerwartet sein Studio verloren und da war ihm dann natürlich überhaupt nicht mehr nach einem lustigen Plausch zumute. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass nun sechs Monate später ein „Ja“ auf meine Anfrage folgte.

Ein neues Studio hat er zwar noch nicht, in dem ich ihn hätte besuchen können, aber immerhin gibt es schon den Raum, in dem es sein wird. Dieser ist allerdings noch im Baustellen-Format und daher als Interview-Ort nur wenig geeignet. So fragte ich also kurzerhand meine Freundin in Hamburg, ob sie mir für ein zwei Stunden ihre Wohnung überlassen könnte und das war zum Glück gar kein Problem. Ich reiste einen Abend vorher aus Berlin an und beim Essen erzählte mir ein anderer Freund von einer Begegnung mit Carsten auf einem Festival irgendwann mal vor Jahren im Sommer. In seiner Erinnerung war es total heiß und Erobique lag am Strand und mümmelte genüsslich an einem Mettbrötchen. Das Bild hat mir gefallen ... ich stellte ihn mir auf einer leuchtend gelben Luftmatratze in roter Badehose vor blauem Himmel mit Sonnenbrille, Hut und Mettbrötchen vor und dachte mir: Cool, da habe ich ja gleich meine erste „seltsame“ Frage zum Warmwerden.

Ich bin dann extra eher aufgestanden und noch kreuz und quer über die Reeperbahn geflitzt, um einen Fleischer zu finden, wo ich dann eine schöne Portion Hackepeter und Brötchen gekauft habe. Ob das eine gute Idee war?  Hört es am besten selbst in dieser Folge vom Schallwandler. Viel Vergnügen!

Veröffentlicht am 22.02.2020

Gehört zu dieser Serie

Verwandte Artikel

User Kommentare

Zum Seitenanfang
ZUR STANDARD WEB-ANSICHT X