Workshop_Folge Workshop_Thema
Workshop
2
11.02.2020

Schalter und Einstellungen von Mikros richtig verwenden

Das bedeuten die Settings an deinem Mikrofon – so nutzt du sie korrekt

Fremdes oder neues Mikrofon: Funktionen richtig einstellen

Ein Mikrofon ist zwar nie übersät mit Schaltern und Reglern, und oftmals gibt es sogar gar nichts einzustellen. Doch sind die wenigen Einstellungen sehr wichtig für den richtigen Einsatz von Mikrofonen im Studio- und im Livebetrieb. Dieses kleine How-to zeigt verständlich, was die Schalter und Regler an den Mikrofonen bedeuten,wie sie verwendet werden und wann welches Setting gewählt werden sollte.

Generelles zu Schaltfunktionen

Zur Sicherheit für nachfolgende Geräte (vor allem Kopfhörer und Lautsprecher), vor allem aber die Ohren von beteiligten Personen, sollten alle Schaltfunktionen nur dann getätigt werden, wenn das Mikrofonsignal gemutet ist. Es gibt auch Ratschläge, die eventuell vorhandene Phantomspeisung vorher zu deaktivieren, was nach unserem Wissensstand aber nicht notwendig ist.

Im Regelfall kommen mechanische Schalter zum Einsatz. Die wohl häufigste Verbreitung haben Schiebeschalter, die direkt im Signalweg liegen. Ab und an werden Rändelschrauben, Rundschalter oder sogar Potis verwendet. Einige Mikrofone wie das Neumann TLM 107, viele Lewitt-Mikrofone und die aktuelleren AKG C414 lassen sich nur über Schaltwippen oder einen Joystick bedienen, was nur bei anliegender Phantomspeisung möglich ist und bei einigen Engineers für Unmut sorgt. Wieder andere finden das aber toll.  

Richtcharakteristik

Die Wahl der Richtcharakteristik (auch „Pattern Select“ oder „Pattern-Wahlschalter“) ist bei vielen Mikrofonen überhaupt nicht möglich. Das gilt für alle, die eine feste Richtcharakteristik haben. Dafür ist bei diesen Mikrofonen ein kleines Zeichen aufgedruckt oder der entsprechende Text (beispielsweise „Cardioid“).

Umschaltbare Richtcharakteristiken werden bei einem Großteil der Mikrofone mit zwei Mikrofonkapseln erzeugt. Beide besitzen die so genannte „Nierencharakteristik“, eine Kapsel zeigt nach vorne, die andere genau nach hinten. Es kann entweder die vordere alleine verwendet werden, oder die hintere hinzugemischt werden. Je nach Pegel und Polarität der hinteren Kapsel ergeben sich vielfältige mögliche Richtcharakteristiken zwischen Kugel und Acht.

Oft sind drei Richtcharakteristiken wählbar:

  • Kugel („Omni“)
  • Niere („Cardioid“)
  • Acht („Figure-of-Eight“)

Mit dem Pattern Kugelcharakteristik ist das Mikrofon für Schall aus allen Richtungen gleich empfindlich (zumindest in der Theorie, denn je höher die Frequenz, desto stärker wird das Mikrofon zur Acht).

In Nierencharakteristik ist das Mikrofon so eingestellt, wie man es von vielen Bühnenmikrofonen und den meisten nicht umschaltbaren Studiomikrofonen her kennt: Es ist genau von vorne maximal empfindlich, die Empfindlichkeit nimmt zur Rückseite hin ab. Dort ist die Dämpfung maximal.

Die Achtercharakteristik bedeutet, dass das Mikrofon von vorne und von hinten mit gleichem Pegel aufnimmt. Seitlicher Schall wird am stärksten gedämpft.

Einige Mikrofone bieten auch Zwischenstufen. Nieren, die ein wenig in Richtung Acht tendieren („Superniere“, „Hyperniere“) und solche, die der Kugel ähneln („Breite Niere“). Es gibt auch Mikrofone, bei denen das Pattern nicht gerastert, sondern komplett frei einstellbar ist.

Bei Röhrenmikrofonen mit umschaltbarer Richtcharakteristik findet man diesen Schalter überigens nicht am Mikrofon selbst, sondern am Netzteil! Und ab und an findet man Mikrofone, die eine Fernumschaltung ermöglichen („R“ wie Remote), etwa beim Neumann TLM 170 R und beim Austrian Audio OC818. Letzteres bietet wie auch das Sennheiser MKH800 TWIN die Möglichkeit, die beiden Kapselsignale einzeln herauszuführen. Microtech Gefell haben ihrem MG UM 930 twin eine sehr schlaue und praxistaugliche Twin-Funktionalität mitgegeben.

Sehr selten ist eine mechanische Umschaltung. Die Kapsel Schoeps Colette MK5 (hier im Thomann-Shop) und das Shure KSM 141 SL (hier im Thomann-Shop) erlauben die Veränderung der Charakteristik mit einem Schiebeschalter. Es gibt eine Umschaltungsart, die man früher einmal beim Sony C37B fand und die aktuell im Manley Silver Reference und im Josephson C715 zum Einsatz kommt. Dort muss mit einem Werkzeug im Rücken der Kapsel die Charakteristik verstellt werden.

Selten trifft man auf Mikros mit Stereo-Möglichkeit, etwa das Lewitt DGT 650. Und noch ein Fun Fact: Das Lewitt LCT 441 Flex verfügt über eine Random-Funktion für das Pattern!

Welche Richtcharakteristik soll man einstellen?

Die Grundidee ist recht einfach: Je kleiner die Schallquelle oder je weiter entfernt, und je stärker die gewünschte Ausblendung von unerwünschtem Signal (andere Instrumente, Raumanteile), desto stärker richtend sollte das Mikrofon eingestellt werden. In schwierigen Verhältnissen, zum Beispiel bei Drum-Recording ist vor allem die Position der größten Ausblendung wichtig. Bei der letztlichen Wahl spielen aber auch klangästhetische Dinge ein Rolle, denn es ist zum Beispiel so, dass das Klangbild stark richtender Patterns weniger natürlich ist als das weniger stark bündelnder. Immer sehr beliebt ist aber die Niere – nicht zuletzt, weil sie dem User sehr logisch erscheint und leicht verständlich ist.

Low Cut

Der Low-Cut-Schalter aktiviert ein Hochpassfilter. Dieses dient dazu, Körperschallgeräusche durch Übertragung über die Stative zu verhindern, aber auch, um klanglich einzugreifen. Denn je nach Bauart und Einstellung nimmt ein Mikrofon im Nahbereich besonders viele Bässe auf („Nahbesprechungseffekt“ oder „Proximity Effect“).

Oftmals haben Mikrofone schlicht die Möglichkeit, das Filter einzuschalten oder nicht. Es gibt dann eine feste Grenzfrequenz, die oft bei ungefähr 80 Hz liegt (also unter der tiefen E-Seite der Gitarre und unterhalb des tiefsten Gesangstons einer männlichen Stimme). Manchmal sind verschiedene Eckfrequenzen wählbar, sehr selten ist eine freie Einstellung möglich. Dem Low Cut haben wir ein komplettes Low-Cut-Tutorial gewidmet.

Pad

Das Pad ist eine Vordämpfung. Diese muss dann eingeschaltet werden, wenn die Gefahr besteht, dass der Schalldruck vor dem Mikrofon zu hoch für die weiter verarbeitende Elektronik sein wird. Das Signal von der Mikrofonkapsel wird abgeschwächt, um den Eingangspegel für die Elektronik zu verringern. Typisch sind Pad-Settings von 10 dB. Gar nicht mal so selten sind Wahlmöglichkeiten von 0, 10 und 20 dB. Einige Mikros sind feinfühliger unterwegs, mit 6, 12 und 18 dB Dämpfung wartet beispielsweise das AKG C414 XL-II auf.

Wie auch bei den Filtern gilt für die Vordämpfungen: Einige Kleinmembran-Modularsysteme besitzen derartige Einstellungen nicht am Mikrofonkorpus, dafür aber sind Einschraubfilter und -Pads eine beliebte Option.

Wann sollte das Pad eingeschaltet werden?

Immer dann, wenn eine Übersteuerung der Mikrofonelektronik droht, sollte das Pad zugeschaltet werden. Daher ist es wichtig, beim Soundcheck den Musiker beim Einpegeln kurz um „Maximalpegel“ zu bitten. Aber vorsicht: Manchmal bleiben zu starke Signalspitzen und ihre Verzerrungen zunächst unerkannt, vor allem bei sehr kurzen Signalen wie Hi-Hats. Und wichtig: Ein Pad am Mikrofon-Vorverstärker kann nicht verhindern, dass es schon im Mikro zerrt. Also lieber so früh in der Aufnahmekette absenken wie möglich.

Faustregel: Lieber hundert mal umsonst einschalten als einmal vergessen und eine Aufnahme ruinieren. Die klanglich negativen Effekte durch Pads (leicht erhöhtes Rauschen, manchmal etwas „matterer“ Klang) fallen eigentlich kaum ins Gewicht. Einige Mikrofone klingen im Grenzbereich aber besonders interessant und kündigen wirklich hässliche Verzerrungen frühzeitig an, sodass man damit auch „spielen“ kann.  

On/Off-Schalter

So mancher Studiohase wird staunen – ein An/Aus-Schalter an einem Mikrofon? Nun, es gibt einmal die Bühnen-Gesangsmikrofone und Sprechermikros mit Schalter. Deren Kauf sollte man sich sehr gut überlegen, denn sie sind eine ganz tolle Möglichkeit zur Fehlbedienung (sowohl durch User als auch Techniker!) und darüber hinaus mit das erste, was bei den oft robusten Bühnenmikrofonen kaputt gehen kann. Einige wenige Studiomikrofone bieten ebenfalls On/Off-Schalter, etwa einige Equitec-Mikrofone von CAD, die mit internen Akkus betrieben werden können.  

Sonderfunktionen 

Sehr selten trifft man bei Mikrofonen noch auf besondere Funktionen, die sich schalten lassen. Das besonders bei Gitarrenamp-Abnahme beliebte Sennheiser e 906 und das Audio-Technica AE2300 können auch in den Höhen mit Filterfunktionen aufwarten. Das Sennheiser MD 421 und das MD 441 bieten einen fünfstufigen Bass-Roll-Off als Shelf. Vor allem Sprechermikros und Bassdrummikrofone besitzen gerne über Boosts für die Präsenzen oder den Kick-Attack.

Es gibt auch Mikros, deren Klangcharakter sich stark ändern lässt. Das Voicing beim Aston Stealth ist ein solcher Fall, der Charakter ("N, G, F") beim Lauten Atlantis ebenfalls. Und auch Chandler Limited haben beim REDD Microphone zwei Charakter zur Auswahl, das TG Microphone bietet sogar sehr viele verschiedene Settings.

Schalter und Regler am USB-Mikrofon

Bei USB-Mikrofonen ist die Sache etwas anders, denn diese haben ja ein kleines Audio-Interface quasi eingebaut. Daher findet man dort Bedienelemente, die an „normalen“ Mikros fehlen: Weil an viele USB-Mikros ein Kopfhörer angeschlossen werden kann, ist der Kopfhörerpegel einstellbar. Fast immer gibt es dann auch eine Regelmöglichkeit, die das Verhältnis von Playback- zu Mikrofonsignal festlegt. Außerdem haben so gut wie alle USB-Mikrofone einen Gain-Regler (seltener: Schalter), damit das analoge Mikrofonsignal mit dem passenden Pegel dem AD-Wandler zugeführt werden kann. Und oft gibt es eine Mute-Funktion, die das Mikrofon stummschaltet.

Veröffentlicht am 11.02.2020

Verwandte Artikel

User Kommentare

Zum Seitenanfang
ZUR STANDARD WEB-ANSICHT X