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Test
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04.04.2014

Sennheiser EW 500-965 G3 Vocal Set Test

Drahtloses Mikrofonsystem

Professionelles Funk-Teamwork

Auf der Suche nach Audio-Equipment für den Live-Sektor hat der Musikbegeisterte bei drahtlosen Mikrofonen die Qual der Wahl. Für jeden Geldbeutel sind unzählige Produkte erhältlich, die mit den Versprechen großer Funktionsvielfalt und absoluter Zuverlässigkeit  daherkommen. Und dieser Markt ist mit dem Aufkommen der vielzitierten „China-Ware“ zweifellos nicht übersichtlicher geworden. Was aber, wenn die Ansprüche an die Technik steigen und eine professionelle Performance durch solides und in jeglicher Hinsicht professionelles Equipment gesichert werden soll? Kommen dann doch wieder bloß die üblichen Verdächtigen ins Spiel?  

In diesem Test schauen wir uns mit dem Sennheiser EW 500-965 G3 E-Band ein drahtloses Vocal-Set an, das sich aus Handmikrofon mit integriertem Sender sowie einem stationären Empfänger zusammensetzt. Das Set stammt aus Sennheisers mittlerem Preissegment und setzt somit auch im Hinblick auf die Kaufentscheidung für viele Interessenten sicher schon die eine oder andere »professionelle« Überlegung voraus. Im Mittelpunkt unseres Tests steht deshalb die Frage, ob die Solidität und Professionalität des Anschaffungspreises sich in Nutzen und Handhabung widerspiegeln.

Details

Das Wireless-System stammt aus der beliebten Evolution-Reihe des Funkset-Marktführers Sennheiser. Es wird mit dem bereits erwähnten Funkmikrofon SKM 500-965 G3, dem stationären Empfänger EM 500 G3, einem dafür passenden Netzteil, einem Adapterset für die Rackmontage des Receivers, zwei Stabantennen sowie einer Mikrofonklemme und einer mehrsprachigen Bedienungsanleitung ausgeliefert. Zwei AA-Batterien komplettieren den Lieferumfang. Um eine Antwort auf unsere Frage nach Solidität und Professionalität des Vocal-Sets zu bekommen, wird es vor allem darauf ankommen, wie sich Funkmikrofon und Empfangseinheit in der Praxis schlagen. Dennoch werfen wir zunächst einen Blick auf die technischen Details.

Handheldmikrofon und Sendeeinheit SKM 500-965 G3

Sennheiser bewirbt das Funkmikrofon mit dem Hinweis, dass es sich um ein „Echtkondensator-Mikrofon“ handelt, das in der „Spitzenklasse“ angesiedelt sei. Das heißt, dass das SKM 500-965 für die Wandlung nicht auf Elektret-Kapseln setzt wie seine »kleineren Geschwister«, sondern auf einen echten Kondensator-Wandler, der von extern polarisiert wird. Dieser ermöglicht in der Regel eine höhere Empfindlichkeit, was häufig in einer deutlich feineren Mittelhochtonauflösung resultiert.

Verbaut wurde die 965er Doppelkapsel mit Großmembran - sie bietet sowohl Nieren- als auch Supernierencharakteristik und ist von einem robusten Drahtgeflechtkorb umgeben, der abgeschraubt und gegen Mikrofonkörbe mit anderen Kapseln (und Richtcharakteristiken) ausgetauscht werden kann. Durch das Abschrauben des Mikrofonkorbs gelangt man nicht nur zum Wahlschalter für die Richtcharakteristik, sondern auch zum ebenfalls an der Kapsel angebrachten Wahlschalter für die Pegeldämpfung von -10 dB, ein nettes Feature, um das Mikrofon im Livebetrieb variabler einsetzen zu können.

Auch die technischen Daten machen auf dem Papier einen guten Eindruck: Der maximale Schalldruckpegel beträgt laut Hersteller gute 144 dB (SPL) für die Nierencharakteristik sowie stolze 154 dB (SPL) für die Supernierencharakteristik. Die Empfindlichkeit liegt laut Hersteller für die Supernierencharakteristik bei 1,8 mV/Pa und für die Nierencharakteristik sogar bei 5,7 mV/Pa. Der von 80 bis 18.000 Hz reichende Übertragungsbereich sowie die Konturierung des Frequenzgangs sind für Stimmsignale ausgelegt und versprechen eine reibungslose Integration in den Live-Mix.

Der Frequenzgang fällt bei der 965er Kapseln sowohl im Nieren- wie auch Supernierenbetrieb deutlich ebener aus als bei seinen kleineren Geschwistern (bspw. der 945er Kapsel). Die Kurve des SKM 500-965 zeigt ein sanftes Bass-Roll-Off, das bei etwa 300 Hz einsetzt, eine leichte Anhebung des für die Präsenz von Stimmen wichtigen Frequenzbereichs um 3 kHz sowie eine deutliche Höhenanhebung. Diese tritt bei der Nierencharakteristik im Bereich zwischen 5 kHz und 10 kHz auf, bevor ein Roll-Off der Höhen einsetzt. Im Supernieren-Betrieb verschmelzen Präsenz- und Höhenanhebung dagegen im Bereich zwischen 2 kHz und 12 kHz. Auf dem Blatt erinnert das Frequenzbild deshalb mehr an ein Studiomikrofon als an eine »Handfunke«, die für den Livebetrieb ausgelegt ist. Wir dürfen deshalb gespannt sein, wie das Mikrofon klingt und wie deutlich sich die unterschiedlichen Konturierungen des Frequenzgangs für die verschiedenen Charakteristiken in der Praxis zeigen.

Im unteren Teil des 26,5 cm langen Handmikrofons befindet sich nicht nur die Sendeeinheit, sondern auch ein hintergrundbeleuchtetes, grafisches Display, das Auskunft über Audiopegel, Sendefrequenz, Aktivität des Funksignals, Tastensperre, Pilotton, Stummschaltung und Akkustatus gibt. Außerdem kann ein individueller Name für das jeweilige Mikrofon vergeben werden, um beim gemeinsamen Betrieb mehrerer Funkstrecken die Mikrofone anhand ihrer Bezeichnung unterscheiden zu können. Alle wählbaren Parameter des SKM 500-965 G3 sind über ein Menü ansteuerbar, das im Display angezeigt wird. So lässt sich zum Beispiel aus 1680 verschiedenen Übertragungsfrequenzen in sechs Frequenzbereichen bzw. 26 Festfrequenz-Bänken wählen, die je maximal 32 Kanäle beherbergen können. Um ohne Intermodulationen zu arbeiten, muss beim parallelen Betrieb mehrerer Funkstrecken innerhalb derselben Kanalbank übertragen werden.

Die Auswahl der Menüpunkte und Parameter wird mittels eines Rädchens mit zusätzlicher Taster-Funktion getroffen, das sich am unteren Plastikfortsatz befindet. Eine „Auto-Lock“-Funktion verhindert, dass Einstellungen versehentlich geändert werden. Bei Bedarf verdeckt ein Schutzring das Auswahlrädchen, sodass unabsichtliche Eingriffe ins Menü gut verhindert werden können. Der Schutzring dient zugleich zur Farbcodierung des jeweiligen Mikrofons - standardmäßig wird dieser in dezentem schwarz ausgeliefert, ein Farbkennzeichnungssatz zur Unterscheidung mehrerer Sender kann zusätzlich erstanden werden. Der Plastikfortsatz des Handmikrofons enthält auch die Antenneneinheit des Senders. Neben dem Auswahl-Rädchen/-Taster befindet sich der rote Ein‑/Aus-Schalter des Geräts sowie eine LED, die visualisiert, ob die Akkuladung kritisch ist.

Mit der Generation 3 der Evolution Wireless-Reihe setzt Sennheiser wie sein Vorgänger auf eine drahtlose Hochfrequenz-Übertragung, die neben dem Rauschunterdrückungsverfahren HDX einen Pilotton nutzt. Mit seiner Hilfe wird unter anderem die Squelch-Funktion abgesichert, die Schutz vor dem »Aufrauschen« des Empfängers bei schwachen Funksignalstärken bietet. Der Hersteller bietet das Set für verschiedene Funkbänder an. Der Handsender unseres Tests greift auf das von 823 bis 865 MHz reichende E-Band zurück. Das Vocal-Set ist jedoch auch in C- und D-Band-Ausführung erhältlich.

Wer sich nicht mit typischen Frequenz-Zuweisungen für den Live-Betrieb auskennt, findet Hinweise zur optimalen Frequenzauswahl in einer sehr ausführlichen Broschüre. Sie wird vom Hersteller kostenlos zum Download angeboten und liegt dem Set auch in Druckform bei. Hier erfährt man beispielsweise, auf welche Frequenzen in Deutschland innerhalb von Gebäuden oder auch im Freien zugegriffen werden sollte.

Der Sender kann um den NiMH-Akku Sennheiser BA2015 erweitert werden, der direkt am Sender geladen wird. Ladekontakte für dessen Einsatz sind im Sender bereits integriert. Der Akku ermöglicht dann eine Betriebsdauer, die über die für den Batteriebetrieb angegebene Dauer von immerhin acht Stunden hinausgeht.

Funkempfänger EM 500 G3

Auch die Empfangseinheit des Vocal-Sets setzt auf ein robustes Metallgehäuse. Es kommt in 9,5“-Ausführung daher und kann mithilfe des zum Lieferumfang gehörenden Montagesets problemlos in 19“ Equipment-Racks untergebracht werden. Eine weitere Parallele hinsichtlich der Ausstattung von Handsender und stationärem Empfänger stellt das Display dar. Auch der EM 500 G3 setzt auf einen orange hintergrundbeleuchteten Screen, der hier selbstverständlich etwas größer als am Funkmikrofon ausfällt. Die Anzeige bietet drei verschiedene Modi: „Empfängerparameter“, „Senderparameter“ und „Soundcheck“. Allen drei Modi ist gemein, dass sie die Qualität des Funksignal-Pegels und den Audiopegel anzeigen. Sehr bedienerfreundlich ist, dass letzterer sogar über eine Peak Hold-Funktion verfügt.

Außerdem können die verschiedenen Anzeigemodi Auskunft über Empfangs-Feinheiten wie den jeweils aktiven Diversity-Zweig, Kanalbank und -nummer, Empfangsfrequenz, EQ-Einstellung, Ausgangsverstärkung, Pilotton-Aktivität und nicht zuletzt die verbleibende Akkuleistung des Senders geben. Der „Soundcheck“-Modus richtet sein Augenmerk auf die Qualität der Übertragung zwischen Sender und Empfänger, während der Modus „Sendeparameter“ Auskunft über den Sendertyp gibt. Wenn im Menü die Stimmgerät-Funktion aktiviert wurde, steht außerdem der Anzeigemodus „Guitar Tuner“ zur Verfügung. Eine tolle Sache, falls der Empfänger zukünftig einmal mit einem tragbaren Sender anstelle eines Vocal-Mikrofons betrieben werden soll.

Neben dem Grafik-Display befinden sich auf der rechten Seite außen liegend der Standby-Schalter des Geräts, der bei Aktivierung rot hinterleuchtet ist, sowie innen liegend ein Jog-Dial, mit dessen Hilfe Parameter ausgewählt und eingestellt werden können. Links neben dem Display finden sich außen eine Kopfhörer-Klinkenbuchse nebst zugehörigem Lautstärkeregler sowie der hinterleuchtete „Sync“-Button - er dient zur Aktivierung der Parameter-Übertragung vom Sender zur Empfangseinheit.

Rückseitig offenbart sich dann die Funktionsvielfalt des EM 500 G3. BNC-Buchsen ermöglichen den Anschluss zweier Funkantennen, wie sie für den True Diversity-Betrieb benötigt werden. Das garantiert eine hohe Empfangssicherheit und eine gleichbleibende Signalqualität selbst in Locations, in denen andere Funksysteme aufgrund reflektierender Flächen nicht störungsfrei arbeiten können. Das Ausgangssignal kann mit +10 dBu symmetrisch über die rückseitig angebrachte Klinkenbuchse sowie mit +18 dBu über eine XLR-Buchse abgegriffen werden. Im rechten Viertel der Hinterseite befinden sich dann eine Buchse für die Stromzufuhr und eine Zugentlastung, da das Gerät von einem externen Netzteil versorgt wird.

Das Highlight auf der Rückseite bildet aber zweifellos der Ethernet-Anschluss mit seiner Aktivitäts-LED, die beim Netzwerkbetrieb gelb aufleuchtet. Über diese RJ45-Buchse kann beim parallelen Betrieb mehrerer Funkstrecken für diese eine komfortable Netzwerkverwaltung realisiert werden. Hierfür bietet Sennheiser die Software „Wireless Systems Manager“ (WSM) an, die eine Fernsteuerung aller sich im Netzwerk befindenden Empfänger ermöglicht. So können beispielsweise alle relevanten Einstellungen schon „offline“ in der WSM-Software vorbereitet werden, mehrere Adminstratoren gleichzeitig auf das System zugreifen oder Parameter-Setups für verschiedene Veranstaltungsumgebungen in „Scenes“ gespeichert und abgerufen werden. Zur Analyse stehen beim Einsatz des Wireless Systems Managers außerdem ein Spectrum Analyzer, eine Aufzeichnungs- und Auswertungsfunktion für die Signalübertragungsstärke sowie eine Übersicht der zentralen Parameter aller Empfänger im Netzwerk bereit.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Metallausführung (Funkmikrofon und Empfänger)
  • 2 Richtcharakteristiken
  • 20 Kanalbänke mit Festfrequenz + 6 User-Bänke
  • Synchronisation per Infrarot
  • Anzeige der Akkuladung an Sender und Empfänger
  • Anzeige von NF- und Audio-Pegel
  • Sehr bedienerfreundlich
  • Frequenzbild für Gesang/Stimme optimiert
  • Scan freier Funkkanäle
  • Soundcheck-Modus
  • Mikrofonkopf austauschbar
  • Eingebauter Equalizer
  • HDX-Compander

  • Sender benötigt 2 AA-Batterien
  • Funkmikrofon vergleichsweise schwer

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