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Test
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02.01.2021

Sensel Morph Test

USB/Bluetooth MPE-Controller

Ein Controller, viele Oberflächen, unendliche Möglichkeiten!

Die Riege der MPE-Controller hat mit dem Sensel Morph bereits vor einigen Jahren einen besonders vielseitigen Controller dazu bekommen. Verschiedene Layouts, die man on-the-fly wechseln kann, eine besonders druckempfindliche Oberfläche für filigranes Spielgefühl, kompakte Ausmaße und Bluetooth-Fähigkeit für mobiles Produzieren – das Morph verspricht viel auf dem Papier. Nun ist mit dem Buchla Thunder ein ganz besonderes Layout für das Morph erschienen. Wir haben den MPE-Controller getestet. 

Insgesamt acht verschiedene Oberflächen lassen sich on-the-fly auf dem Controller austauschen. Von der klassischen Klaviertastatur über ein DAW-Controller-Overlay mit Pads, Reglern und Fadern über ein an die legendären Buchla-Synthesizer angelehntes Design bis hin zu einer Gaming-Controller-Version ist für viele Einsatzgebiete etwas dabei. Dazu gibt es eine eigene Software, die SenselApp, mit der sich an den Details der Layouts noch individuelle Veränderungen einstellen lassen. Die MPE-Fähigkeit des Controllers macht ihn für besonders gestenreiches Spielen interessant. Und mittlerweile sind fast alle DAWs (looking at you, FL Studio) und eine wachsende Zahl Software-Synthesizer MPE-fähig, um das auch zu nutzen.

Details

Sensel Morph – Ein Controller, acht Oberflächen

Die Multifunktionalität des Morph ist seine größte Besonderheit. Das ist nicht einfach ein Keyboard, einfach ein DAW-Controller oder einfach ein MPE-Controller. Das alles gleichzeitig ist das Morph auch nicht. Aber dadurch, dass man die gummierten Controller-Layouts in Sekundenschnelle auswechseln kann und das Morph das neue Overlay automatisch erkennt, stehen einem schnellen Workflow wenig Hindernisse im Weg. Aus aktuell acht Layouts kann man beim Kauf auswählen:

  1. Piano-Overlay: 24 gummierte Klaviertasten, darüber Shortcut-Pads für Funktionen in der DAW wie Spurwechsel, Wiedergabe, Aufnahme und Stopp.
  2. Music Production Overlay: Klassisches 4x4-Pad-Layout für Beat-Produktionen, dazu acht Regler, die Poti ersetzen, zwei Fader und eine Mini-Piano-Tastatur.
  3. Buchla Thunder: Angelehnt an die alten legendären Synthesizer von Buchla, die keine klassische Tastatur hatten, sondern große Pads. 
  4. Drum Pad Overlay: Hier kommt der besondere High-Speed-Modus des Morph zum Tragen. Auf sieben gelben Pads kann man mit Drumsticks oder den Händen MIDI-Percussion erzeugen.
  5. Innovators Overlay: In der Zusatzsoftware „SenselApp“ lassen sich nicht nur die Zuweisungen und Funktionen der bestehenden Overlays verändern, sondern auf Wunsch auch komplett eigene Layouts entwerfen, die dann mit dem Innovators Overlay genutzt werden können.
  6. Tactile Keyboard Overlay: Eine Rechnertastatur, die vor allem für die Kombination der Bluetooth-Funktion des Morph mit Tablets und Smartphones interessant sein dürfte. 
  7. Gaming Overlay: Ein Layout, das entfernt an die Controller der Playstation 4 erinnert. Vor allem für mobiles Gaming interessant. 
  8. Editing Overlay: Voreingestellt sind Shortcuts für die Videoschnitt-Software Adobe Premiere wie Wechsel des Werkzeugs, Scrubbing, und Zoomen. Mit anderen Programmen der Kategorie wie Final Cut Pro oder Davinci Resolve soll die Fernsteuerung über einige wenige Umstellungen in der „SenselApp“ laut Hersteller aber auch möglich sein.

Sensel Morph – Das steckt unter der Haube

Der Controller hat ungefähr die Größe und Dicke eines iPad Mini und verfügt über einen eingebauten Akku, der über den USB-Anschluss geladen wird. Dazu gibt es einen Bluetooth 4.0 LE Sender, der den Controller schnurlos nutzbar macht, dann allerdings mit höherer Latenz (5 Millisekunden bei USB, 20 Millisekunden bei Bluetooth). Im Kopfbereich des Controllers, in dem der Bluetooth-Sender und der USB-Anschluss untergebracht sind, gibt es direkt über den Layouts eine weiße LED-Leiste, die als visuelle Hilfe dort aufleuchtet, wo man gerade drückt oder spielt. 

Unter den Overlays aus Silikon ist eine Oberfläche, die aus über zwanzigtausend Sensoren besteht. Jeder Sensor kann Druck zwischen fünf Gramm und fünf Kilogramm in über 32.000 Zwischenstufen messen, was das Morph zu einem der genausten Controller macht, die es aus dem Markt gibt. In der dazugehörigen SenselApp (siehe unten) gibt es einen Visualizer, der Position und Stärke jedes gedrückten Punktes auf dem Controller anzeigt.

Die gigantische Zahl an Sensoren erlaubt eine so feine Auflösung (6502 dpi), dass selbst zwei direkt nebeneinander drückende Finger als zwei Druckpunkte erkannt werden – ideal für MPE-Finger-Gymnastik. Die Erkennung von Druckpunktveränderungen liegt standardmäßig bei 125 Hertz, was einer Verzögerung von acht Millisekunden entspricht. Dazu gibt es noch einen High-Speed-Mode, der mit 500 Herz in sogar nur zwei Millisekunden Veränderungen erkennt, der allerdings nur für das Drum Pad Overlay freigeschaltet ist. 

SenselApp – Eigene Layouts erzeugen, bestehende verändern

Der Hersteller liefert die SenselApp mit, die man vor der Installation von der Webseite von Sensel herunterladen sollte. Sie überprüft bei angeschlossenem Controller, ob es neue Firmware-Versionen gibt, die dann bei Bedarf automatisch geladen und auf das Morph übertragen werden. Dazu kann man in der Software bei den Overlays, die man dazu gekauft hat, viele Funktionen verändern. Das kommt zum Beispiel dann zum Tragen, wenn man die Zuweisung der Funktionspads am oberen Rand eines der Overlays ändern oder bei den Pads oder Tasten die MPE-Fähigkeit aktivieren möchte.

Das Buchla Thunder Overlay – West Coast Synthesizer Feeling

Mit dem gerade erschienenen Buchla Thunder Overlay ist spielen und MPE-Bewegungen erzeugen ein haptischer Genuss. Nicht nur kann man in DAWs wie Bitwig Studio 3 oder Ableton Live 11 entsprechende Instrumente damit auf sehr musikalische Art und Weise spielen. Auch kann man das Buchla-Spielgefühl bei Hardware-Synthesizern damit hervorbringen – einen USB-Hub und einen MPE-fähigen Synthesizer vorausgesetzt. Neben dem Layout ist bei diesem Overlay neu, dass man bis zu neun Presets über das Overlay direkt abrufen kann. So kann man zwischen Noten-Layouts, einer Mixer-Steuerung oder MPE-Pads umschalten, ohne die SenselApp starten zu müssen. 

Auch eigene Layouts kann man erzeugen. Ob man größere Pads möchte, ein zu den eigenen Hardware-Synthesizern passendes Layout oder sogar ein Grafiktablet, alles ist möglich. In Ableton Live 10 gibt es beispielsweise zu jedem externen Plugin ein X/Y-Pad, mit dem man zwei Parameter des Plugins gleichzeitig steuern kann, eines auf der X-Achse horizontal, das andere auf der Y-Achse vertikal. 

Also legt man in der SenselApp ein Custom Design an, erzeugt ein X/Y-Pad, weist beiden Achsen je einen MIDI-CC-Wert zu und verbindet in Live dann per MIDI-Mapping beide Achsen des Morph mit denen des Pads. Zwischendurch kann das etwas stolpern, brachte die SenselApp unseren Testrechner (MacOS 10.14.6, Macbook Pro 2016) doch des Öfteren zum Einfrieren oder verweigerte das Senden des neuen Layouts an den Controller. Aber nach einigem Neustarten der Software war das Layout auf den Controller geladen und schon konnte ich ganz wie in alten Kaoss-Pad-Zeiten modulieren, was das Zeug hält. 

Pro & Contra

  • verschiedene Overlays für verschiedene Workflows
  • schneller Wechsel der Overlays möglich
  • eigene Overlays erstellen
  • sehr feine Erkennung der Druckpunkte

  • Software SenselApp sehr fehleranfällig
  • Spielgefühl auf dem Piano-Overlay unnatürlich
  • DAW-Fernsteuerung häufig nur mit eigenen Einstellungen möglich

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